Detlev Buck Ich kann auch anders

Für sein Liebesdrama »Same same but different« hat der Regisseur Detlev Buck Kambodscha erkundet. Ein Gespräch über Backpacker, Sextourismus und darüber, wie das Reisen den Menschen verändert

DIE ZEIT: Wie war es in Kambodscha?

Detlev Buck: Als ich in Phnom Penh ankam, war ich erst mal ziemlich geplättet: das Gewühle, das Geschnatter, die vielen Kinder. An dem Tag war auch das Wasserfest, das feiern sie immer, wenn der Mekong die Fließrichtung wechselt; da waren doppelt so viele Leute wie sonst in der Stadt. Aber ich bin nicht so einer, der sagt, ich muss mich erst mal hinlegen. Ich bin dann trotz Jetlag gleich losgezogen in die Bars, Diskotheken und Backpacker-Hotels. Das sind ja die Orte, an denen unsere Geschichte spielt.

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ZEIT: Sie haben Benjamin Prüfers Buch Wohin du auch gehst verfilmt – die Liebesgeschichte eines Hamburger Jungjournalisten und einer kambodschanischen Prostituierten. Dafür haben Sie das Land vorher auf eigene Faust kennengelernt. War es ein Kulturschock?

Buck: Es ist schon seltsam, wenn du in einer Disco pinkeln gehst, und da steht so ein Typ und fängt an, dir die Schultern zu massieren. Das ist in Kambodscha normal: Der Jüngere massiert den Älteren. Darauf musst du aber erst mal kommen, wenn du die Sprache nicht kannst. Aber gerade darum reise ich gern in Länder, in denen ich nicht viel verstehe. Das regt die Fantasie an. Du versuchst dir Sachen aus dem Kontext zu erschließen. Wenn ich mir einen Film ansehe, drehe ich auch manchmal den Ton weg und schaue, ob ich ihn dann noch begreife. Wenn ich ihn nicht mehr begreife, dann ist er nicht präzise gemacht.

Detlev Buck

Nur »Buck«, nicht etwa »Herr Buck« ist die Anrede, die er bevorzugt; und geduzt wird ohnehin. Detlev Buck, Jahrgang 1962, macht wenig Aufhebens von seiner Person. Dabei hat er es in den letzten 20 Jahren zu einem der wichtigsten deutschen Filmkünstler gebracht, zunächst als Regisseur und Drehbuchautor (»Karniggels«, »Wir können auch anders«), später auch als Produzent (»Sonnenallee«, »Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe«) und nebenher immer wieder als Darsteller, vom Knastbruder in »Männerpension« bis zum brummigen Offizier in »NVA«. Auch in der Wahl seiner Stoffe ist Buck immer vielseitiger geworden. Seine ersten Kinoerfolge waren Komödien aus der norddeutschen Provinz, der er selbst entstammt. Von diesem Image löste er sich spätestens 2006 mit »Knallhart«, einem Drama über Jugendkriminalität in Berlin. Was seine Werke verbindet, sind der sparsame Einsatz von Sprache, die leise, oft absurde Situationskomik und die unaufgesetzte Sympathie für seine Antihelden, die meist recht unbeholfen durchs Leben stolpern. Detlev Buck lebt in Berlin und auf dem elterlichen Bauernhof in Schleswig-Holstein.

Der Film »Same same but different«

»Same same but different« erzählt die Geschichte von Ben, einem jungen Deutschen, der während einer Reise durch Kambodscha eine Affäre mit dem einheimischen Mädchen Sreykeo beginnt. Nach der ersten gemeinsamen Nacht erfährt er, dass sie als Prostituierte arbeitet. Einige Monate später auch, dass sie HIV-positiv ist. Er beschließt, zu ihr zu stehen – eine Entscheidung, die sein ganzes Leben verändert. Detlev Buck hat in seiner ersten Auslandsproduktion den Erfahrungsbericht »Wohin du auch gehst« von Benjamin Prüfer an Originalschauplätzen verfilmt. Die Hauptrollen spielen David Kross und Apinya Sakuljaroensuk (Foto unten). Die Handlung löst sich teilweise von der Vorlage, trifft aber den Charakter des Buchs, das sehr offen und unsentimental von einer schwierigen Liebe erzählt. Bei seiner Premiere im August 2009 auf dem Filmfestival von Locarno wurde das Drama mit dem Piazza Grande Award der Branchenzeitschrift »Variety« ausgezeichnet. Er läuft heute in den deutschen Kinos an. Benjamin Prüfer und Sreykeo Sorvan haben geheiratet und leben heute mit einer Adoptivtochter und einem Sohn in Phnom Penh.

ZEIT: Kambodscha ist eines der ärmsten Länder Asiens. Die meisten Filme, die dort spielen, wurden woanders gedreht. Gibt es da überhaupt so etwas wie eine Kinoszene?

Buck: Ich bin in Phnom Penh ins Kino gegangen, weil ich mir einen einheimischen Horrorfilm ansehen wollte. Als Vorprogramm gab es eine halbe Stunde Karaoke. Dann den Film. Mit der Handkamera durch den Wald. Aus einem Baum kommt per Überblendung eine alte Frau in schwarzen Klamotten. Die Leute haben geschrien vor Schrecken.

ZEIT: Sie wollten trotzdem so viel wie möglich mit kambodschanischen Darstellern arbeiten.

Buck: Ja. Aber als ich das Casting für die weibliche Hauptrolle anzettelte, habe ich schnell gemerkt: Ui, das wird lustig – die Kommunikation zwischen den, sagen wir mal, Schauspielerinnen und mir. Die meisten hatten ihre Eltern dabei. Die wollten aufpassen, dass wir die Mädchen nichts Schmutziges machen lassen. Da wurde schon die einfachste Liebesszene zum Problem. Aus einem Kuss auf den Mund machten sie einen Kuss auf die Wange. Zum Glück haben wir am Ende Apinya Sakuljaroensuk, eine Thailänderin, gefunden.

Leser-Kommentare
  1. nicht schlecht, der buck. den film guck ich mir an.

  2. möchte den film unbedingt schauen.
    ja, es kann ein vorteil sein, wenn man nicht immer alles versteht- man muss viel mehr HINschauen.

    ich war selbst in kambodscha und habe das land sehr gemocht.
    vielleicht weil man nicht so genau wusste, was einen so erwartet, war man positiv überrascht.
    jederzeit wieder

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