DIE ZEIT: Wie war es in Kambodscha?

Detlev Buck: Als ich in Phnom Penh ankam, war ich erst mal ziemlich geplättet: das Gewühle, das Geschnatter, die vielen Kinder. An dem Tag war auch das Wasserfest, das feiern sie immer, wenn der Mekong die Fließrichtung wechselt; da waren doppelt so viele Leute wie sonst in der Stadt. Aber ich bin nicht so einer, der sagt, ich muss mich erst mal hinlegen. Ich bin dann trotz Jetlag gleich losgezogen in die Bars, Diskotheken und Backpacker-Hotels. Das sind ja die Orte, an denen unsere Geschichte spielt.

ZEIT: Sie haben Benjamin Prüfers Buch Wohin du auch gehst verfilmt – die Liebesgeschichte eines Hamburger Jungjournalisten und einer kambodschanischen Prostituierten. Dafür haben Sie das Land vorher auf eigene Faust kennengelernt. War es ein Kulturschock?

Buck: Es ist schon seltsam, wenn du in einer Disco pinkeln gehst, und da steht so ein Typ und fängt an, dir die Schultern zu massieren. Das ist in Kambodscha normal: Der Jüngere massiert den Älteren. Darauf musst du aber erst mal kommen, wenn du die Sprache nicht kannst. Aber gerade darum reise ich gern in Länder, in denen ich nicht viel verstehe. Das regt die Fantasie an. Du versuchst dir Sachen aus dem Kontext zu erschließen. Wenn ich mir einen Film ansehe, drehe ich auch manchmal den Ton weg und schaue, ob ich ihn dann noch begreife. Wenn ich ihn nicht mehr begreife, dann ist er nicht präzise gemacht.

ZEIT: Kambodscha ist eines der ärmsten Länder Asiens. Die meisten Filme, die dort spielen, wurden woanders gedreht. Gibt es da überhaupt so etwas wie eine Kinoszene?

Buck: Ich bin in Phnom Penh ins Kino gegangen, weil ich mir einen einheimischen Horrorfilm ansehen wollte. Als Vorprogramm gab es eine halbe Stunde Karaoke. Dann den Film. Mit der Handkamera durch den Wald. Aus einem Baum kommt per Überblendung eine alte Frau in schwarzen Klamotten. Die Leute haben geschrien vor Schrecken.

ZEIT: Sie wollten trotzdem so viel wie möglich mit kambodschanischen Darstellern arbeiten.

Buck: Ja. Aber als ich das Casting für die weibliche Hauptrolle anzettelte, habe ich schnell gemerkt: Ui, das wird lustig – die Kommunikation zwischen den, sagen wir mal, Schauspielerinnen und mir. Die meisten hatten ihre Eltern dabei. Die wollten aufpassen, dass wir die Mädchen nichts Schmutziges machen lassen. Da wurde schon die einfachste Liebesszene zum Problem. Aus einem Kuss auf den Mund machten sie einen Kuss auf die Wange. Zum Glück haben wir am Ende Apinya Sakuljaroensuk, eine Thailänderin, gefunden.