Arbeitsmarktpolitik "Schauen, was unverzichtbar ist"
Ursula von der Leyen will den Arbeitslosen im Land helfen, ohne ihnen mehr Geld zu geben. Ein Gespräch mit der neuen CDU-Arbeitsministerin über Hartz IV und die Reform der Reformen
© Andreas Rentz/Getty Images

Muss sparen wie kaum einer ihrer Vorgänger: Arbeitsministerin von der Leyen (CDU)
DIE ZEIT: Frau Ministerin, wie angenehm darf das Leben eines Hartz-IV-Empfängers sein?
Ursula von der Leyen: Ein Hartz-IV-Empfänger, der ausschließlich mit staatlicher Unterstützung zurechtkommen muss, lebt unter schwierigen Bedingungen. Das ist, was die rein materielle Höhe der Unterstützung angeht, auch angemessen. Er soll bereit bleiben, sich am Arbeitsmarkt oder am Weiterbildungsmarkt um Angebote zu bemühen. Mir ist darüber hinaus wichtig, dass Menschen, die Hartz IV beziehen, spüren: Ihre Fähigkeiten werden geschätzt, sie und ihre Anstrengungen werden wahrgenommen – und man kümmert sich um sie.
ZEIT: Leistet der Staat das nicht?
Arbeitslosigkeit ist ein Problem unserer Gemeinschaft, dessen wir uns annehmen müssen
von der Leyen: Um einige Gruppen kann er sich besser kümmern als bisher. Ganz allgemein müssen wir deutlicher machen, dass Arbeitslosigkeit nicht nur ein Problem einzelner Menschen ist. Wenn jetzt, in der Wirtschaftskrise, beispielsweise ein Facharbeiter in Baden-Württemberg nach zwölf Monaten ohne Arbeit Hartz-IV-Empfänger wird, muss er spüren, dass er nicht nur mit einem persönlichen Problem zu kämpfen hat. Arbeitslosigkeit ist ein Problem unserer Gemeinschaft, dessen wir uns annehmen müssen. Es darf nicht sein, dass ausschließlich Druck ausgeübt wird.
ZEIT: Aber der Staat soll eine Gegenleistung erwarten für die finanzielle Unterstützung?
von der Leyen: Ja, von Arbeitslosen, die jeden Monat Geld vom Steuerzahler bekommen, kann die Gemeinschaft ihrerseits Einsatz und Aktivität erwarten. Aber genauso wichtig ist es, Hindernisse zu beseitigen: Fehlt Kinderbetreuung, fehlt Schulbildung, fehlt Ausbildung, sind gesundheitliche Probleme da? Da muss die Gemeinschaft helfen.
ZEIT: Das Fördern funktioniert also nicht richtig.
von der Leyen: Jedenfalls nicht für alle. Alleinerziehende zum Beispiel sind qualifizierter und jünger als der Schnitt der Langzeitarbeitslosen und bleiben trotzdem besonders lange abhängig von Grundsicherung. Von den 40 Prozent, die gern Vollzeit arbeiten würden, aber keinen Betreuungsplatz für ihr Kind finden, haben zuletzt nur drei Prozent ein Angebot vom Jobcenter bekommen. Das ist zu wenig. Ich fürchte, da gibt es bei Vermittlern manchmal die Haltung „Ach, die hat ein Kind, da kann man eh nichts machen“. Die Aufgabe der Jobcenter ist schon heute, einen Kita-Platz oder eine Tagesmutter nachmittags nach der Schule über die Kommune zu vermitteln.
ZEIT: Warum kommen gerade aus Ihrer Partei momentan so viele Vorschläge zur Korrektur der Hartz-Reformen?
von der Leyen: Wir sind uns einig, dass die Arbeitsmarktreformen grundsätzlich richtig waren: Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe wurden zusammengelegt, damit nicht Millionen von Menschen in die Sozialhilfe abgeschoben werden können. Wer arbeiten kann, wird in die Verantwortung genommen und bekommt eine Chance. Heute, nach fünf Jahren, sehen wir genauer, wo die Reform Schwächen hat und welche Gruppen zu kurz gekommen sind. Hier etwas zu verbessern, ohne das Grundprinzip aus den Augen zu verlieren, ist jetzt meine Aufgabe.
- Datum 22.01.2010 - 06:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 21.01.2010 Nr. 04
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ZEIT: Wann ist Ihnen denn klar geworden, dass Sie wegen der schwierigen Haushaltslage wohl sparen müssen wie kaum einer Ihrer Vorgänger?
von der Leyen: Das ist mir seit Längerem klar, aber kein Grund, in Panik zu verfallen.
und eine offenbarende Antwort.
Warten wir also bis nach der NRW-Wahl, denn im Moment sind klare Antwoten, wenn man die Macht behalten will, der CDU nicht zumutbar.
[ Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf unsachliche Bezeichnungen. Danke. Die Redaktion/m.e. ]
Vor der Wahl die Zensur des Internets mit grossem Getöse ankündigen, nach der Wahl der kleinlaute Rückzug.
Vor der NRW-Wahl die Mutti der Armen und Arbeitslosen spielen, nach der Wahl wird gestrichen.
Die Frau spielt eine Rolle. Mehr nicht.
Und wie rd. 5 Mio. Arbeitslose bei nur 500.000 offenen Stellen einen Job finden sollen, kann auch Zensurella nicht beantworten.
Stellen. Aktuell: 371029.
Davon sind sicher 50 % gar keine offene Stellen, weil es sich um Mehrfachsuchen von mehreren Zeitarbeitsfrimen für die gleiche Stelle handelt. Die Karteileichen nicht mitgerechnet.
Stellen. Aktuell: 371029.
Davon sind sicher 50 % gar keine offene Stellen, weil es sich um Mehrfachsuchen von mehreren Zeitarbeitsfrimen für die gleiche Stelle handelt. Die Karteileichen nicht mitgerechnet.
Die beiden Zeit-Journalisten gehen ja sehr verständnisvoll mit Frau von der Leyen um. nach Anlaufschwierigkeiten: v.d.L: Hartz 4 Bezieher leben unter schwierigen Bedingungen, das ist angemessen. Was bedeutet eine solche Aussage?
Im Verlauf des Intrviews zeigt sich - trotz der sehr braven Fragen - dass Frau v.d.L. sehr wenig Ahnung von der Wirklichkeit hat. Sie ist natürlic intelligenter als ihr Vorgänger Jung, aber der Posten des Arbeitsministers wird momentan wohl nicht für besonders wichtig gehalten. Solange immer mehr Menschen ohne Widerstand für 6-8 e Brutto arbeiten, haben wir ja auch keine wirklichen Probleme.(Der letzte Satz ist ironisch gemeint)
Abhängig von der Steuerschätzung: Wieviel wird Ihr Ministerium
unabhängig von der Frage in welchen Bereichen, einsparen müssen. Die Antwort wird Ihnen ja sicher bekannt sein, weil Sie ja schon seit längerem wissen, dass Sie sparen müssen.
Stellen. Aktuell: 371029.
Davon sind sicher 50 % gar keine offene Stellen, weil es sich um Mehrfachsuchen von mehreren Zeitarbeitsfrimen für die gleiche Stelle handelt. Die Karteileichen nicht mitgerechnet.
371020 22.01.10 9:24
371020 22.01.10 9:24
"Ursula von der Leyen will den Arbeitslosen im Land helfen, ohne ihnen mehr Geld zu geben."
Da hätte ich eine viel bessere Idee. Sie sollte den Arbeitslosen helfen und ihnen weniger Geld geben.
Was die CDU und nicht zu vergessen, initiiert durch die SPD, von einer progessiven Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik haelt, wird in diesem Interview ganz deutlich. Insbesondere wenn man die Antwort auf die Frage nach der Hoehe der Hartz4-Saetze fuer Kinder betrachtet. Nicht die Hartz4-Saetze sind im Verhaeltnis zu den unteren Lohngruppen angemessen, sondern die unteren Lohngruppen sind zu niedrig. Dafuer hat die SPD mithilfe der CDU/FDP im Rahmen der Hartz-Reformen gesorgt. Das Lohnnievau infolge ist durch die massenhafte Schaffung prekaerer Jobs gesunken. Und genau dies wird nun als Argument fuer die Beibehaltung der von allen Sozialverbaenden als zu niedrig eingestuften Hartz4-Saetzen verwendet.Das bezeichne ich als menschenverachtend. Man kann gespannt sein, wie das Bundesverfassungsgericht urteilt. Vermutlich hackt aber eine Kraehe der anderen kein Auge aus.
Der Satz (sinngemäß): "Ich werde die Rente ab 67 prüfen, aber es wird sich nichts ändern" genügt, um alles, was diese Frau sagt, nicht mehr ernst zu nehmen.
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