Test-Kaufhaus Brauche Daten, biete WareSeite 2/2
Die Website des Ladens ist im Stil des Web 2.0 aufgebaut. Markenfirmen können neue Produkte einstellen, die von den Nutzern dann bewertet werden. »Das Ganze ist ein komplexes Vorhaben, an dem wir eineinhalb Jahre gearbeitet haben«, erläutert Esloultimo-Chef Gabriel Gil. Finanziert wurde der Laden mit einem Zwei-Millionen-Kredit von business angels, also Unternehmern, die Existenzgründer mit Kapital und Kontakten begleiten.
»Die Statistiken beweisen, dass traditionelle Werbung teuer ist und die Effektivität nachlässt. Um neue Formate zu etablieren, müssen Marketing-Direktoren und Produktmanager mit Entschiedenheit und Nachdruck auf gute Ideen antworten«, beschreibt Gil das Geschäftsumfeld. Experten der Werbebranche glauben, dass die Zeit längst reif dafür ist, dass Markenartikler auf ihre Kunden hören. Den Kunden Respekt zollen, ihnen das Gefühl geben, am Prozess der Produktgestaltung indirekt mitzuwirken, das erhöht die Glaubwürdigkeit der Marke und nicht zuletzt den Umsatz. Denn über die Produkte reden Kunden so oder so – am Ende ist es besser für die Hersteller, den Prozess zu fördern.
In den Vereinigten Staaten kamen vor rund zehn Jahren die ersten Agenturen auf, die Tratsch als Marketing-Instrument nutzten. Inzwischen sollen sich die Ausgaben für diese Art der Mundpropaganda dort auf rund eine Milliarde Dollar belaufen. Auch in Deutschland gibt es viele Tausend »Tester« – Privatleute, die im Auftrag von Marktforschungsagenturen Produkte testen und sie anschließend bewerten. In den meisten Fällen dürfen sie dafür die Produkte behalten.
Natürlich lässt sich Esloultimo nicht den Einfluss der sozialen Netzwerke im Internet entgehen. Der Laden ist auf mehreren interaktiven Portalen wie Facebook, Twitter oder Flickr vertreten. Auf Facebook hat die Esloultimo-Gruppe 5900 Mitglieder. »Hier können Kunden Produkte bewerten, was wiederum für die Firmen einen Mehrwert darstellt«, sagt Míguez. Tatsächlich diskutieren die Nutzer die Strategie des Ladens und die Qualität der Markenartikel. Die meisten Kommentare beziehen sich auf bestimmte Produkte, die empfohlen werden oder vor denen gewarnt wird. Als Lockmittel für den Besuch der Seite gibt es auch hier Geschenke wie zum Beispiel Kinogutscheine.
Gabriel Gil will mit dem Konzept »Daten gegen Waren« expandieren. »Der Ursprung zu der Idee kommt aus Japan, wo es ähnliche Läden schon seit einiger Zeit gibt«, erläutert Gabriel Gil. Er möchte im Jahr 2010 weitere Filialen in Madrid, Paris, Rom, London, Berlin eröffnen; später dann auch in den Vereinigten Staaten und Brasilien.
- Datum 22.01.2010 - 15:48 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 21.01.2010 Nr. 04
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Dumme Idee. Der Chaos Communication Congress dürfte den Laden nach allen Regeln der Kunst auseinandernehmen.
Ach wie süss: haben die Spanier ihr eigenes Mini-Googlechen entwickelt. Was soll das?
Wenn alle Daten endlich erfasst sind, die Privatsphäre zerstört ist, wo bleibt dann das Geschäftsmodell von denen?
Ich sehe keine Zukunft für diese Art der Geschäfte...
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