Liebeskolumne Zerstört eine Abtreibung die Beziehung?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Welche Auswirkungen kann ein Schwangerschaftsabbruch auf ein Paar haben?
© miss X/Photocase

Die Entscheidung für oder gegen ein Kind kann eine Partnerschaft schwer belasten
Die Frage: Marlene und Karl leben seit vier Jahren zusammen. Sie hat gerade einen sehr gut bezahlten Job gefunden. Allerdings mit einem befristeten Vertrag, der nur verlängert wird, wenn sie voll einsatzfähig ist. Gerade hat sie eine Schwangerschaft festgestellt. Die Verhütung hat versagt. Zu einer anderen Zeit wäre das kein Problem, aber jetzt würde es wohl Marlene den Job kosten. Karl sagt, er würde zu ihr und dem Kind stehen, aber er verstehe es auch, wenn sie jetzt keine Schwangerschaft möchte. Mit seinem Gehalt alleine würde es für die Familie sehr eng. Marlene ist unschlüssig. Sie will irgendwann Kinder, aber dann möchte sie sich auch wirklich um sie kümmern. Eine Freundin macht ihr die Entscheidung noch schwerer. Sie sagt, sie habe gelesen, eine Beziehung, in der ein Kind abgetrieben würde, verliere ihre Gefühlsgrundlage.
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Die seelische Belastung durch eine Abtreibung lässt sich nicht voraussagen. Auch von der besten Freundin nicht. Es ist ein zivilisatorischer Fortschritt, solche Eingriffe nicht mit Strafen zu belegen, aber auch ein Verlust an Menschlichkeit, sie zu banalisieren. Wo immer es möglich ist, soll man eine Abtreibung vermeiden. Aber ich halte nichts davon, durch düstere Prophezeiungen nachzuhelfen. Die Praxis lehrt, dass manche Paare die Unterbrechung einer Schwangerschaft gut verkraften, vor allem, wenn sie nachher noch gemeinsame Kinder haben. Andere scheitern daran. Meist dann, wenn es der Frau später nicht mehr gelingt, ihr Wunschkind zu empfangen. Oder der Partner der unschlüssigen Schwangeren das Gefühl vermittelt, dass er vor allem das eigene Wohl im Sinn hat.
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- Datum 19.01.2010 - 15:16 Uhr
- Serie Liebeskolumne
- Quelle ZEITmagazin, 21.01.2010 Nr. 04
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was soll man dazu sagen:: (Zitat): "Die Praxis lehrt, dass manche Paare die Unterbrechung einer Schwangerschaft gut verkraften". Wohl den geharnischten Hinweis, daß eine Schwangerschaft bei einer Abtreibung nicht unterbrochen, sondern abgebrochen wird. Es findet nämlich keine Fortsetzung der Schwangerschaft mehr statt. Es ist erst mal aus. "Unterbrechung" ist mehr als ein Euphemismus, es ist ganz einfach ein flascher Begriff, um das Problem nicht beim Namen zu nennen, um alles schön zu reden.
Es geht ja munter mit Verharmlosungs-Sprech weiter: (Zitat): "Es ist ein zivilisatorischer Fortschritt, solche Eingriffe nicht mit Strafen zu belegen, aber auch ein Verlust an Menschlichkeit, sie zu banalisieren". Ein Blick ins Strafgesetzbuch stellt richtig, daß ein solcher Eingriff mit bis zu 3 Jahren bestraft werden kann - das werdende Leben soll ja geschützt werden - und nur bei Beachtung bestimmter Bedingungen und dem Vorliegen bestimmter Voraussetzuungen keine Strafverfolgung eintritt.
Es gibt Leute, die finden, daß eine Abtreibung einem Mord gleichkommt. Man kann dieser Auffassung zustimmen, muß aber nicht so weit gehen. Jedoch: Eine Abtreibung als "Verlust an Menschlichkeit" zu bezeichnen ...? wohl etwas zuviel Banalisierung, um dem Problem gerecht zu werden.
Noch eine Kostprobe Schön-Sprech gefällig? Es ist der Verlust der "Gefühlsgrundlage". Von Schuldgefühlen als auslösendes Moment für eine ge-oder zerstörte Beziehung ist nicht die Rede.
Eine Abtreibung kann nicht nur die Beziehung zerstören sondern auch die Frau. Wobei sich die Frage erhebt, ob eine Frau, die es schafft im 21. Jahrhundert in Deutschland ungewollt schwanger zu werden, nicht generell mit der Aufzucht von Kindern überfordert ist.
"Wobei sich die Frage erhebt, ob eine Frau, die es schafft im 21. Jahrhundert in Deutschland ungewollt schwanger zu werden, nicht generell mit der Aufzucht von Kindern überfordert ist."
Zum Entstehen einer Schwangerschaft braucht es immer zwei: Frau U N D Mann. Wie übrigens auch zur Verhütung einer ungewollten Schwangerschaft. Ihr Kommentar deutet darauf hin, dass Sie leider zu der Gruppe Männer zu gehören scheinen, die sich dabei allzu gern auf die Frau verlässt.
Ein Schwangerschaftsabbruch ist immer ein Trauma. Schwierig für die Partnerschaft wird es ganz gewiß dann, wenn nach dem Eingriff so getan wird, als ob es die Schwangerschaft nie gegeben hätte.
Frauen trauern meist sehr um das Kind, auch wenn es gute und auch nach Jahren noch nachvollziebare Gründe gab, dieses Kind nicht zu bekommen - und sie sind mit der Trauer oft alleine weil sie mit dem Paradoxum leben müssen "selber schuld" zu sein. Für viele Männer ist eine frühe Schwangerschaft ja noch nicht greifbar, darum trauern sie anders.... und lassen ihre Frau alleine, selbst wenn sie das gar nicht wollen
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