Miles Davis "Ich hasse das Wort Jazz"Seite 2/2
Auch die Nähe zwischen Musiker und Publikum, die Davis selbst als 18-Jähriger in der Community seiner Heimatstadt St. Louis erlebte, als er in der Band des Sängers Billy Eckstine an der Seite von Charlie Parker und Dizzy Gillespie aushalf, war eine Erfahrung von Respekt. Das Engagement der Band im Plantation war geplatzt, weil Eckstine den für Weiße reservierten Haupteingang benutzt hatte. Da spielte die Band eben einige Straßen weiter in einem schwarzen Club – die Stimmung muss großartig gewesen sein. An diese Stimmung wollte Davis zeit seines Lebens anknüpfen, und klar war, dass er dazu dieses Publikum wieder gewinnen musste, die Jüngeren aus der Neighbourhood, die neue Ausdrucksformen schwarzen Selbstbewusstseins entwickelten und lebten, die sich aber mit dem Siegeszug des R&B und der Popmusik sehr weit vom Jazz entfernt hatten. Auch Davis bedeutete die Kategorie »Jazz« wenig: »Ich hasse das Wort Jazz, das die Weißen uns angeklebt haben«, sagte er einmal, »ich spiele ganz einfach schwarze Musik«. Immer blieb er dabei auf der Suche nach der Sinnlichkeit, die in der Musik der Jüngeren steckte und Verbindung zu einem Publikum der Gegenwart herstellte.
Mit all diesem Streben nach Respekt folgte der »Prince of Darkness«, der evil genius, einem ungeschriebenen Regelwerk der schwarzen Community: Es geht um den Rang des baddest motherfucker, des begnadetsten Tricksters und Geschichtenerzählers von allen. Nie hat der sich überreden lassen, zu alten Geschichten und Konzepten zurückzukehren. Erst 1991, im letzten Sommer seines Lebens, machte er eine Ausnahme und spielte noch einmal die Orchesterarrangements von Gil Evans.
Die Columbia-Schatzkiste ist das Gegenteil einer solchen Haltung. Sie markiert die finale Zwangseinweisung von Miles Davis in den Rang der Klassiker. Er ist nun ein abgeschlossenes Sammelgebiet, Stoff für Archivare. Das war ziemlich genau das, was er nie hatte werden wollen.
- Datum 25.01.2010 - 07:46 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 21.01.2010 Nr. 04
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nicht. Die Verpackungen namen- und gesichtsloser Geschäftemacher sind dabei belanglos, auch wenn scheinbar immer wieder etwas anderes behauptet wird. Das Werk genialer, souveräner Künstler wird nie abgeschlossen sein, nur weil man glaubt eine umfassende Werkschau zusammengestellt zu haben. Das was sich bei der je einzigartigen Begegnung, wie sie sich z.B. zwischen Miles und seinem Zuhörer täglich tausendfach ereignet, wird doch nur für Puristen, im negativen Sinn des Wortes, durch die Art der Präsentation beeinträchtigt.
...und Baddest Motherfuckers von allen, auf KEINEN FALL die Box kaufen! Warum? Miles Davis hätte es nicht gewollt, kapiert? Also schön eine CD nach der anderen, aber nicht zu viele, sonst seid ihr schon wieder am Sammeln und der Prince of Darkness da oben wird sauer auf euch.
PS: Schwarz seid Ihr ja hoffentlich alle?
Schade, dass so ein interessanter Artikel eine so lahme Message überbringen will.
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70 cd's?
für mich als festplattner ist diese angabe irreal.
Spieltechnisch konnte Davis bald mit ihnen mithalten, ziemlich schnell gelang es ihm, durch den weitgehenden Verzicht auf das virtuose Verzierungswerk und ein raffiniertes Spiel mit Verzögerungen, plötzlichen Zeitverschiebungen und dem verhauchenden Nachhall, den vertrauten Standardthemen neues Leben einzublasen.
Irgend etwas muß ich verpaßt haben, Miles' technische Fähigkeiten waren doch sehr begrenzt, man denke doch nur an die Aufnahmen mit Charlie Parker. Er hat ohne Frage seine Verdienste im JAZZ, aber gehört sicher auch zu den am meisten überschätzten Musikern, der seine begrenzten spieltechnischen Möglichkeiten hinter Show und Elektronik verbarg.
Also, wer soll ein solches Paket kaufen wenn seine Zeit als echter "Jazzer" mit dem Album "Someday My Prince Will Come" eigentlich zu Ende war
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