Pilgerfahrt nach SpanienRummel bei Jakob

2010 ist ein Heiliges Jahr. Sehr viele Menschen werden ins spanische Santiago wandern. Wie es sich trotzdem entspannt pilgern lässt von Christine Dohler

Pilger in Santiago De Compostela

Pilger in Santiago De Compostela   |  © Vittorio Zunino Celotto/Getty Images

Auf der uralten Route wird ein Gedränge herrschen wie auf einer Einkaufsmeile. So viele Pilger wie noch nie werden in diesem Jahr den Camino Francés abwandern, die Hauptstrecke des Jakobswegs, die von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela reicht. Denn 2010 gilt als Heiliges Jahr, weil der Todestag des Apostels Jakob, der 25. Juli, auf einen Sonntag fällt. Seit Längerem schon steigt die Zahl der Pilger auf dem Camino Francés, nun werden eine Viertelmillion Menschen erwartet.

Der einfachste Weg, den Massen zu entkommen, ist, die Hauptroute zu vermeiden und auf einer der Nebenstrecken nach Santiago zu wandern. Der Camino del Norte etwa startet in Bilbao und führt nördlich des Hauptweges an Sandstränden und Steilküsten entlang. Die Ruta de la Plata beginnt in Sevilla und schlängelt sich über Feldwege und Trampelpfade bis nach Santiago hoch. Die Wege sind aus religiöser Sicht nicht schlechter als die Hauptroute, die fast 90 Prozent der Pilger nehmen, sie sind nur mühsamer: Die Herbergen liegen weiter auseinander, es gibt weniger Cafés und Wegweiser – aber eben auch weniger Gedränge.

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Wer trotzdem den Camino Francés vorzieht und in Ruhe wandern will, dem rät Günter Müller, Pilgerberater bei der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft, erst im Herbst loszugehen, wenn der Todestag verstrichen ist.

Doch selbst in den Sommermonaten braucht man den Camino Francés nicht zu meiden. »Die Pilger haben fast alle Angst, kein Bett für die Nacht zu bekommen«, sagt Müller. Dabei sei die Lage gar nicht so schlimm. Im Heiligen Jahr hat eine Vielzahl neuer Pilgerherbergen eröffnet. Wer dort keinen Platz mehr findet, kann einfach beim nächsten Pastor anklopfen: Die Pfarrhäuser der Region werden für die Dauer des Jubiläums in Unterkünfte verwandelt. Notfalls werden Zelte aufgestellt und Turnhallen geöffnet. Voll wird es in den kostenlosen Massenquartieren allerdings werden. Aber eine Nacht mit 100 anderen Pilgern lässt sich verkürzen, indem man den Bettnachbarn zu einer Partie des Kartenspiels El Peregrino (www.el-peregrino.de, 11,95 Euro) einlädt, einer Art Quiz zu Etappen des Jakobswegs. Dabei gilt es, mit Wissen über den höchsten Berg der Pyrenäen zu glänzen oder Aufgaben zu erfüllen: einen Pilgerwitz zu erzählen oder Ohrenstöpsel gegen Schnarchterror zu basteln.

Will man ein Zimmer für sich allein, kann man bei der jeweiligen Touristeninformation vor Ort nachfragen: Im Heiligen Jahr bieten viele Privatleute für 20 bis 30 Euro Pensionszimmer an. Oder man wendet sich an das Fremdenverkehrsamt von Galizien, bei dem sich ein »Jakobsgutschein« erstehen lässt. Die Pilger erhalten ein kostengünstiges Paket mit Unterbringung in landestypischen Gasthäusern, Verpflegung und Transfer von der Unterkunft zur jeweiligen Etappe des Pilgerwegs (www.bono-iacobus.de, ab circa 450 Euro für sieben Tage).

Vorsichtige können sich einer organisierten Gruppenreise anschließen, die allerdings deutlich teurer ist als eine individuelle Pilgerschaft. Beim Bayerischen Pilgerbüro (www.pilgerreisen.de) kostet die gemächliche neuntägige Tour »Santiago light« circa 1300 Euro. Hier lassen sich neuerdings auch Reisen auf dem Camino del Norte buchen; ebenfalls neu im Angebot sind Pilgertouren, die von einem Geistlichen begleitet werden und sich an Trauernde richten. Wer an den Massen lieber vorbeibraust, statt mit ihnen zu wandern, kann eine organisierte Rennradwallfahrt buchen (Infos unter www.hobbylauf.de, 27. Mai bis 6. Juni 2010, 1495 Euro).

Und schließlich gibt es auch noch eine einfache Variante, Gedränge zu vermeiden, ohne Jakobus und der Pilgerei zu entsagen: Daheimgebliebene können die zahlreichen deutschen Teilabschnitte des Jakobswegs erkunden, die in der letzten Zeit wieder neu ausgeschildert wurden. Etwa den Hellweg von Höxter über Paderborn, Soest und Dortmund nach Bochum, der 2010 als Jakobspilgerweg freigegeben wird. Und selbst Fußfaule haben die Möglichkeit, sich mit dem Heiligen zu beschäftigen. Breckerfeld etwa war vor Jahrhunderten schon Station des Jakobswegs. Bis heute pflegt das Sauerland-Städtchen seine religiöse Tradition; Schule, Kirche und Kirmes tragen den Namen des Apostels. Breckerfeld nutzt die Gunst der Stunde, eine breite Masse auf seine Beziehung zu Jakobus aufmerksam zu machen: Vom 7. bis 13. März wird der Heilige in Ausstellungen und Veranstaltungen thematisiert.

Über die Jakobswege informiert die Seite www.jakobus-info.de. Unter www.jakobus-gesellschaften.de sind Berater aufgelistet, die Fragen zu Routen oder zu Themen wie »Pilgern mit Hund« beantworten

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Leserkommentare
    • chameau
    • 22. Januar 2010 18:00 Uhr

    als Heilsweg?

    Da sind die Pilger wohl eher auf dem Holzweg; wer solchem Humbug aufsitzt, dem ist nicht mehr zu helfen.

  1. Wem es gelingt, sich von der Ansicht von chameau im 1. Leser-Kommentar zu lösen, und wer die Legenden um den Apostel Jakobus als Fiktion betrachten kann, wird sich auf keinen Fall auf dem Holzweg befinden. Wer sich unter dem Motto "der Weg kann auch ein Ziel sein" wandernd auf den Camino begibt, wird meistens mit unvergesslichen Erlebnissen belohnt, seien es die vielen Bekanntschaften mit interessanten Menschen oder das Erleben der Natur und Kultur über einen längeren Zeitraum.

    Der Pilger wird sich jedoch auf den Holzweg begeben, wenn er den Vorschlägen des Autors folgt. Wer "an den Massen lieber vorbeibraust" oder sich den Ablauf durchorganisieren läßt, wird in den seltensten Fällen dem Zauber des Caminos erliegen.

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