Jobsuche im Zeichen des Kreuzes Gottes Arbeitsamt
Pfarrer Andreas Dohrn hat in Sachsen die erste christliche Jobvermittlung gegründet
© Georges Gobet/AFP/Getty Images

Jobanwärter mit Lebensläufen: In Sachsen gibt es jetzt die erste christliche Arbeitsvermittlung
Würde Jesus heute unter den Menschen leben, er wäre Arbeitsvermittler. Daran lässt Andreas Dohrn keinen Zweifel. Der Pfarrer aus Stollberg deutet auf das Hauptportal seiner Kirche St. Jakobi. Ein Relief zeigt Gottes Sohn zwischen Kranken und Verstoßenen. »In unserer Gesellschaft bilden Arbeitslose die größte Gruppe der Ausgegrenzten«, sagt Dohrn. »Wer ihnen helfen will, muss Jobs verteilen.«
Dohrn hat die Erste Christliche Arbeitsvermittlung gegründet. Eine Agentur für Berufe mit Berufung. Seit dieser Woche vermittelt der Pfarrer in Sachsen Krankenschwestern, Sozialpädagogen, Lehrer oder Altenpfleger. Bewerber müssen nicht an Gott glauben. Aber es erhöht ihre Chancen. »Ich kenne Kindergärten, die händeringend nach christlichen Erziehern suchen«, sagt Dohrn. Die staatlichen Arbeitsagenturen können keine schicken. Wegen einer Regelung im Sozialgesetzbuch erfassen sie die Religion von Arbeitslosen nicht.
Anders Dohrn: Der 42-Jährige ließ eine Internetseite mit einer komplexen Datenbank programmieren. Bewerber können 40 Kompetenzen eintragen: Risikobereitschaft, Teamgeist, verbale Kreativität. Nach dem gleichen Muster füllen Arbeitgeber Job-Angebote aus. Passen zwei Datensätze zusammen, stellt Dohrn den Kontakt her. Zusätzlich sucht er in Zeitungen, im Internet und bei kirchlichen Trägern nach offenen Stellen. »Ich will jedem Kunden fünf Angebote machen«, sagt der Pfarrer.
Er ist vermutlich der einzige Arbeitsvermittler Deutschlands ohne Mobiltelefon. In seinem roten Strickpulli sieht der Zweimetermann ein bisschen nach Sozialpädagoge aus. Wo Dohrn 1967 geboren wurde, gab es kaum Arbeitslose. Er stammt aus Kirchheim unter Teck, einer schwäbischen Kleinstadt. 1997 verschlug es ihn nach Stollberg. Das drängendste Problem dort wurde ihm sofort klar. Und er erkannte auch das zweitgrößte Thema: den demografischen Wandel. »Je weniger Menschen hier leben, desto schwerer lassen sich geeignete Bewerber finden«, sagt Dohrn.
Die erste Stelle hat er ans eigene Projekt vermittelt. Einer 58-Jährigen, die ihn unterstützt, gab er eine Anstellung. Finanzieren will Dohrn seine Agentur über Vermittlungsgutscheine. Der Staat zahlt für jeden Arbeitslosen, dem er eine feste Stelle verschafft, 2000 Euro. Voraussetzung: Der Betreffende hatte länger als drei Monate keinen Job. Wer keinen Anspruch auf den Vermittlungsgutschein hat, dem hilft Dohrn aus Nächstenliebe. Und um zu beweisen, dass sein Konzept aufgeht. Spätere Expansion nicht ausgeschlossen. »Wenn wir in Sachsen Erfolg haben«, sagt Dohrn, »dann funktioniert es im katholischen Bayern erst recht.«
- Datum 21.01.2010 - 15:27 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 21.01.2010 Nr. 04
- Kommentare 5
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Das ist eine lobenswerte Initiative. Leider kann dieser patente Mann zwar auch keine Jobs herbei zaubern, aber immerhin wird etwas getan und es wird gezeigt, dass auch ohne Behörden etwas geht.
Ich bin zwar überzeugter Atheist, aber ich finde das Ganze ein Experiment wert und sollte ermutigt werden. In Deutschland - und nicht nur hierzulande - fehlen Arbeitsvermittler, die nicht profitgeil und arbeitgeberhörig sind, sondern im Bewerber einen gleichgestellten Partner sehen, nicht nur seine Schwachstellen blosstellen und ausloten, sondern auch seine Stärken und Potenziale sehen.
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kann man ja immer noch beten
Ohne Anspruch auf den Vermittlungsgutschein "hilft Dohrn aus Nächstenliebe", heißt es im Artikel.
Das ist das Mindeste, was ich als Privater Arbeitsvermittler (PAV) erwarte, der mit demselben Instrument, dem Vermittlungsgutschein (VGS), arbeitet!
Doch auch wir und andere PAV vermitteln - wenn keine sonstige Abrechnung unserer Leistung möglich ist - immer wieder ohne Bezahlung.
In unseren Fällen liegt es dann eher daran, dass wir als Dienstleister allemal lieber einen Bewerber- und den Arbeitgeberkunden zusammenbringen, als beide nicht zu bedienen!
Private Arbeitsvermittler kommen zunehmend häufiger in die Verlegenheit, tun zu müssen, was die Bewerber, die sie vermitteln, niemals tun wollen – nämlich ohne Bezahlung zu arbeiten!
Einer meiner Vor-Kommentatoren schreibt "profitgeil und arbeitgeberhörig" und meint damit vermutlich die gesamte Private Arbeitsvermittlung, die von Seiten der Medien in den vergangenen Jahren immer nur auf die "Schwarzen Schafe" der Branche reduziert wurde.
Es waren aber klare handwerkliche Fehler der Politik bei der Einrichtung des VGS in 2002, die zum Betrug einluden!
Und bis heute wird zwischen illegalen und den sog. „legalen Mitnahmeeffekten“ unterschieden!
Durch die "Nachbesserungen" wurden aber grundsätzlich alle PAV gestraft und jede "Verschärfung" der „Geschäftsanweisung zum VGS“ der Bundesagentur für Arbeit (BA) geht stets zu Lasten seriöser PAV!
Zu viele gute Kollegen der PAV mussten deshalb leider schon aufhören!
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