Steinmeier im Interview Jetzt raus? Nein!

SPD-Fraktionschef Steinmeier will, dass der Abzug aus Afghanistan 2011 beginnt – und dämpft die Hoffnungen auf Demokratie in dem Land

Als er noch Außenminister war, besuchte Frank-Walter Steinmeier 2008 die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan

Als er noch Außenminister war, besuchte Frank-Walter Steinmeier 2008 die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan

Die ZEIT: Herr Steinmeier, warum traut die Politik bis heute der Bevölkerung eine Afghanistan-Debatte nicht zu?

Frank-Walter Steinmeier: Das ist schlicht nicht wahr. Ich war über ein Jahr lang im Land unterwegs, habe auf Hunderten von Veranstaltungen diskutiert, auch über Afghanistan. Ich weiche den Diskussionen nicht aus und könnte es gar nicht. Jeder, der seinen Wahlkreis im Osten hat, weiß, dass insbesondere dort öffentliche politische Veranstaltungen nie ohne Debatten über Auslandseinsätze der Bundeswehr stattfinden.

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ZEIT: Die SPD hält jetzt eine Afghanistan-Konferenz ab. Warum geschah das nicht schon während Ihrer Regierungszeit?

Steinmeier: Eine intensive Beschäftigung mit Afghanistan hat bei uns Tradition. In der SPD-Fraktion gab es und gibt es eine sehr aktive und diskussionsfreudige Afghanistan-Taskforce, die viele Veranstaltungen gemacht hat, nicht nur in Berlin. Ich selbst war oft daran beteiligt.

SPD und Krieg

Der Einsatz in Afghanistan passte nie problemlos zum Image der SPD als Friedenspartei. Dementsprechend schwer tat sie sich mit der Entsendung von Soldaten, dementsprechend lud sie die Rhetorik auf: »Am Hindukusch wird auch die Freiheit Deutschlands verteidigt«, sagte der damalige SPD-Verteidigungsminister Peter Struck, als er im Dezember 2002 den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan begründete.

Luftangriff von Kundus

Trotz dieses hohen Anspruchs blieb Afghanistan acht Jahre lang ein Thema, das die deutsche Politik mied. Es bedurfte einer Katastrophe, damit sich das änderte: des Bombenangriffs von Kundus. Erst danach kam es zu einer Grundsatzdebatte im Bundestag. Die Diskussion findet inzwischen vor dem Hintergrund einer sich verschlechternden Lage in Afghanistan statt – erst am Montag dieser Woche griffen rund ein Dutzend Taliban mehrere Ministerien im Herzen der hoch gesicherten Hauptstadt Kabul an.

Londoner Konferenz

Die Nato wird auf die Lage wahrscheinlich mit mehr militärischem Engagement reagieren; auch verspricht sie eine neue Strategie. Sie soll am 28. Januar auf einer Afghanistan-Konferenz in London beschlossen werden. Die SPD arbeitet gleichfalls an einem Afghanistan-Papier.

ZEIT: Die Debatte wird aber doch stets von außen an die Politik herangetragen. Wenn, wie unlängst in Kundus, Spektakuläres geschieht.

Steinmeier: Niemand in Regierung und Parlament hat sich die Entscheidung über Auslandseinsätze einfach gemacht. Aber natürlich: Jeder Einsatz mit Toten oder Verletzten lässt Politik und Öffentlichkeit nochmals dringlicher über den Einsatz nachdenken. Die Entscheidung, junge Menschen in einen solchen Einsatz zu schicken, ist so schwerwiegend, dass sie gut begründet werden muss. Nicht nur am Beginn, sondern immer wieder für die Dauer des Einsatzes. Und vor allem dann, wenn er sich als schwieriger erweist als vorausgesehen. Wir dürfen aber nicht vergessen, in welchem zeitlichen Zusammenhang wir die Entscheidung getroffen haben, nach Afghanistan zu gehen: unter dem Eindruck des 11. September 2001. Auch Deutschland lebte in Angst vor Terroranschlägen islamistischer Fundamentalisten. Und diese Angst war ja nicht unbegründet. Denken Sie an das, was in Madrid und London geschah, und daran, dass auch in Bali und Djerba Deutsche zu Opfern des Terrorismus geworden waren.

ZEIT: Also ist der Einsatz in Afghanistan eine angstgetriebene Reaktion?

Steinmeier: Ach, was soll diese Verharmlosungssprache? 3000 Opfer allein in New York, viele weitere Attentate mit islamistischem Hintergrund. Wir sind doch keiner hysterischen Stimmung gefolgt. Aber wir mussten uns fragen, woher die Bedrohung kommt und wie man ihr begegnen kann. Von Beginn an gab es zwei Ziele: Dafür zu sorgen, dass Afghanistan nicht länger Ausbildungslager für islamistische Terroristen bleibt, die von dort ihre Anschläge bei uns planen. Und: Wir wollten dem Land und dem Volk nach 30 Jahren Krieg und Bürgerkrieg wieder auf die Beine helfen.

ZEIT: Der damalige Verteidigungsminister Peter Struck sagte, unsere Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt. Gilt dieser Satz noch?

Steinmeier: Dieser Satz ist öffentlich manchmal belächelt worden. Zu Unrecht. Der gegenwärtige Stand ist aber so: Die Ausbildungslager von al-Qaida, die am Anfang bekämpft worden sind, bestehen inzwischen vermutlich nicht mehr.

Leser-Kommentare
  1. Frank-Walter Steinmeier wird immer Jenen aus dem Weg gehen, diesen er nicht gewachsen ist!

    Dieses gilt für Alle, die vor sich selbst auf der Flucht sind. Sich selbst zu begegnen, wäre für Steinmeier unerträglich. Seine Verantwortung ist die Verantwortung des Selbst vor dem Selbst. Er konfrontiert sich nur mit dem, was er in seinem selbstgerechten Spiegel sieht. Auf diese Weise betrügt er sich um das, was er nicht sehen will.

    Er macht den Lärm eines Tauben, der glaubt, alle anderen sind still, weil sie nichts zu sagen haben.

  2. zuerst sind sie es die den krieg beginnen und nachdem man die wahlen haushoch verliert besinnt man sich wieder und ist plötzlich gegen den krieg

    das selbe mit hartz 4 und all dem anderen irrsinn der agenda 2010 - plötzlich will man davon nichts mehr wissen

    politiker sind widerlich ohne rückgrat und wie ein blatt im wind ein wunder dass sie aufrecht stehen können aber man darf nicht vergessen sie haben immer ein rednerpult an dem sie sich hochziehen und festhalten können

  3. Wer ist der unglaubwürdigste im ganzen Land

    Herr Steinmeier hat höchstens noch herrn Westerwelle als Konkurrenz aber das feld ist auch nicht schlecht

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    den tv-beitrag gestern?

    fdp mit dem guido hat letztes jahr ca. 400 vorschläge gemacht, wie man geld in den ministerien sparen könnte, jetzt, in der regierung weiß keiner mehr was davon von der guten fdp und von sparen keine rede mehr, im gegenteil man gibt plötzlich noch mehr geld aus, steht aber nicht dazu, vom netten guido gab es kein interview dazu

    den tv-beitrag gestern?

    fdp mit dem guido hat letztes jahr ca. 400 vorschläge gemacht, wie man geld in den ministerien sparen könnte, jetzt, in der regierung weiß keiner mehr was davon von der guten fdp und von sparen keine rede mehr, im gegenteil man gibt plötzlich noch mehr geld aus, steht aber nicht dazu, vom netten guido gab es kein interview dazu

  4. Frank-Walter Steinmeier glaubt, er käme davon.

    Er irrt!!!

  5. den tv-beitrag gestern?

    fdp mit dem guido hat letztes jahr ca. 400 vorschläge gemacht, wie man geld in den ministerien sparen könnte, jetzt, in der regierung weiß keiner mehr was davon von der guten fdp und von sparen keine rede mehr, im gegenteil man gibt plötzlich noch mehr geld aus, steht aber nicht dazu, vom netten guido gab es kein interview dazu

    Antwort auf "Spieglein an der Wand"
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    so ist es

    so ist es

  6. "...gab es zwei Ziele: Dafür zu sorgen, dass Afghanistan nicht länger Ausbildungslager für islamistische Terroristen bleibt, die von dort ihre Anschläge bei uns planen. Und: Wir wollten dem Land und dem Volk nach 30 Jahren Krieg und Bürgerkrieg wieder auf die Beine helfen" sagt Steinmeier.
    Da ist wohl einiges missraten!
    Wie konnte man nur auf den Gedanken kommen, dafür eine unvorbereitete Bundeswehr ohne klaren Auftrag und ohne Exitstrategie für diese Ziele einzusetzen?

    Das Ergebnisse sind nach 8 Jahren (man bedenke der 2. Weltkrieg dauerte 6 Jahre) nach Steinmeier:
    1: zuviel Geld in falsche Hände geraten...
    2: Polizeiausbildung nicht vorangekommen,... weil die andere Seite mehr bezahlt hat ....
    3: Sicherheitslage hat sich im Norden verschlechtert
    4: Wahlbetrug
    5: Unangemessener Einsatz angesichts ziviler Opfer
    Und erst jetzt debattiert man, wie man die BW da wieder rausbringt (-> von Beginn an offenbar alles ohne Exitstrategie)..
    Wer trägt die Verantwortung für dieses Ergebnis dieser Verteidigungspolitik? Dazu höre ich nichts.
    Fakt ist: Die BW verstrickt sich in einen Krieg der Clans , Warlords etc., macht (wahrscheinlich entschuldbare) Fehler und der Verteidigungsminister springt hilflos im Fünfeck... Die Terroristen sind umgezogen (Pakistan, Jemen), der Irak kommt nicht zur Ruhe, Iran baut die Atombombe und in Dubai bauen die arabischen Ölmilliardäre unter westlichem Schutz, deren Parallelwelt wir finanzieren, sich den höchsten Turm der Erde und immer neue Konsumtempel!

    • Lutz1
    • 22.01.2010 um 16:31 Uhr

    Steinmeier sagt andere Lügen. Unglaublich was der Mann für ein Verdrängungspotential hat.
    ALs Außenminister un im Kanzleramt hörte man von dem nur Parolen oder garnichts zu Afghanistan.
    Rente mit 67 und Hartz4 sind seinem Kopf mit entsprungen.
    Im Kanzleramt wollte er Flugzeuge abschießen lassen und wurde erst durch das BVG gestoppt.
    Als Geheimdienstkoordinator log er im Fall Kurnaz und ließ wissentlich einen Menschen unschuldig in Guantanamo dahinvegetieren.
    Auch im Fall El Masri hat er gelogen.
    Zuhause hat er wahrscheinlich alle Spiegel entfernt.

    • Harzer
    • 22.01.2010 um 16:48 Uhr

    Herr Steinmeier noch für die SPD spricht,kann man gut sehen,was diese aus ihrem Absturz bisher gelernt hat. Bis jetzt nicht viel.
    Vielleicht sollte er massiv und scharf fordern, das die Bundeswehr sich garantiert und spätestens bis 2035 aus Afganistan zurückzieht !

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