Ich habe einen Traum"Ich würde gern Miles Davis spielen"

Snoop Dogg, Schauspieler und erfolgreichster Rapper der Welt, hat jedes seiner Ziele erreicht. Tom Cruise sollte sich wünschen, in seiner Haut zu stecken! von Ralph Geisenhanslüke

Snoop Dogg, 38, heißt mit bürgerlichem Namen Calvin Cordozar Broadus Jr. Sein Spitzname geht zurück auf die Comicserie "Die Peanuts". Zuletzt erschien sein Album "Malice 'n Wonderland"

Snoop Dogg, 38, heißt mit bürgerlichem Namen Calvin Cordozar Broadus Jr. Sein Spitzname geht zurück auf die Comicserie "Die Peanuts". Zuletzt erschien sein Album "Malice 'n Wonderland"  |  © Estevan Oriol/Universal Music

Als Kind war ich im Kirchenchor. Meine Mutter wollte immer, dass ich die Solostimme sang. Ich spielte aber eigentlich lieber Klavier. Seit ich fünf Jahre alt war, hatte ich Unterricht, und das Klavier gefiel mir, weil ich mich hinter den Noten und Tasten verstecken konnte. Ich musste nichts weiter tun, als einfach zu spielen, und wenn es gut war, applaudierten die Leute. Außerdem war es mir lieber, wenn ich hinter den anderen Kindern stand. Ich mochte nicht, dass meine Mutter mich nach vorn schob, damit ich die Hauptstimme sang. Ich war schüchtern, der Soloauftritt setzte mich unter Druck, noch dazu musste ich dafür meinen Part lernen. Aber die Erfahrung hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Dadurch habe ich gelernt, vor Publikum aufzutreten.

Ich hatte nicht von Anfang den starken Glauben an mein Talent, den andere Leute kennen. Im Rap haben wir Musiker die gleiche Hürde zu nehmen wie Kollegen bei jeder anderen Form von Musik. Und das ist: zu überleben.

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Ich habe einen Traum
Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen  |  © Miss Jones/Photocase

Okay, wir sind vielleicht ein wenig aggressiver als die anderen. Wir akzeptieren nicht all den Unsinn, den viele vor uns sich gefallen lassen mussten. Wir sagen: Ihr verdammten Motherfucker könnt uns überhaupt nichts vorschreiben. Scheiß drauf! Wir Rap-Künstler machen, was wir wollen. Das ist für uns ein Grundsatz, nach dem wir leben. Rap ist Überlebensmusik.

Und sie bringt Leute auf der ganzen Welt zusammen. Ich habe vorher nur einen Menschen gesehen, der das geschafft hat, und das war Michael Jackson. Neben Michael Jackson ist Hip-Hop das Einzige auf der Welt, das so viele verschiedene Menschen friedlich vereinen kann.

Ich bin einen langen Weg gegangen. Ich habe es geschafft, jedes meiner Ziele zu erreichen. Manchmal fühle ich mich schon, als wäre ich im Märchenland angekommen. Früher, als ich begann, Rollen in Filmen zu spielen, habe ich mal gesagt: Ich träume davon, der schwarze Tom Cruise zu werden. Heute, glaube ich, wäre es umgekehrt: Tom Cruise könnte davon träumen, ein weißer Snoop Dogg zu sein.

Wenn ich mir eine Traumrolle aussuchen dürfte, dann würde ich gern Miles Davis spielen. Ich habe Miles’ Musik erst spät entdeckt. Eines Tages sagte Quincy Jones zu mir: Wenn du rapst, dann klingt es, als würde Miles Davis Trompete spielen. Da wurde ich neugierig und wollte alles über ihn herausfinden. Ich begann, seine Platten zu hören und alles über ihn zu lesen. Und seine Musik höre ich bis heute immer wieder.

Miles ist kein Held für mich, sondern eine Sehnsucht und Herausforderung. Miles kümmerte sich nicht darum, was die Leute oder die Kritiker über ihn dachten, er spielte einfach seine Musik und entwickelte sich weiter. Er ging seinen Weg. Das ist der Grund, warum ich diese Rolle spielen will. Seine großartige Geschichte muss erzählt werden.

Aufgezeichnet von Ralph Geisenhanslüke

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leserkommentare
    • BISI
    • 24. Januar 2010 9:14 Uhr

    So eine Legende und so bodenständig. Respekt!

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    Wenn Sie das nicht ironisch meinen, kann ich Ihre Meinung nicht teilen. Wie sollte jemand bodestaendig sein, der behauptet, Tom Cruise koenne davon traeumen, er selbst zu sein und ueber ein Zitat eines Bekannten bemerkt, seine Rapkuenste spielten in einer Liga mit den Trompetenkuensten von Miles Davis.
    Er wirkt auf mich in dieser Aufzeichnung wie das Klischee eines Gangsta-Rappers, der sich einen "normalen" und niveauvollen Anstrich verpasst.

    Snoop ist einer der größten Pornoproduzenten im Rapgeschäft. Das ist ein Macho wie er im Buche steht. Abgedreht und abgehoben. Ist doch klar, dass solche Burschen gerne einen auf Tiefsinnig machen. Verkauft sich besser.

    • Deftone
    • 24. Januar 2010 13:13 Uhr

    Snoop Dog ist nicht nur ein Sexist sondern auch ein Porodarsteller. In einem Porno-Musikvideo, degradiert er Frauen zu Sexmaschinen, während die Kerle als differenzierte Charakter dargestellt werden (zumindst in so weit in einem Ponro Jemand charakter haben kann)

    Hip Hop ist selten gut. Erfolgreicher Mainstream-HipHop ist niemals gut.

    Wer guten Rap hören will sollte sich mal Lieder von Albino anhörn. Das hat wirklichen Inhalt und er verzichtet auf sex und gewalt in seinen texten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Schon klar, aber wo ist der Unterschied zu beispielsweise dem Weltbild der Rechtskonservativen? Die wollen doch auch die vermeintliche "Gender-Verschwörung" zurückschrauben und die Frau zu Mutter und Küchenchefin machen. Toll ist daß nicht, aber Alltag.

    Ich verstehe nicht was Sie meinen. Was hat das mit Nazis zu tun?

  1. Wenn Sie das nicht ironisch meinen, kann ich Ihre Meinung nicht teilen. Wie sollte jemand bodestaendig sein, der behauptet, Tom Cruise koenne davon traeumen, er selbst zu sein und ueber ein Zitat eines Bekannten bemerkt, seine Rapkuenste spielten in einer Liga mit den Trompetenkuensten von Miles Davis.
    Er wirkt auf mich in dieser Aufzeichnung wie das Klischee eines Gangsta-Rappers, der sich einen "normalen" und niveauvollen Anstrich verpasst.

  2. Naja, ich meine, wenn Quincy Jones zu mir sagen würde, ich wäre wie Miles Davis, würde ich mir auch was darauf einbilden...
    Und Tom Cruise mag zwar einer der bestbezahlten Hollywood-Schauspieler sein (und damit der Welt), aber immerhin hat er sich dafür bei Scientology einschreiben müssen, das spricht nicht gerade für ihn.
    Müsste ich mich für ein Leben der beiden entscheiden, würde ich wohl auch das von Snoop Dogg wählen ;-)
    Ich bin kein Fan von HipHop bzw. Rap im Gesamten, aber das muss ich auch nicht, um behaupten zu können, dass ich eine kleine Schwäche für solche Leute habe. Das auch aus meiner Sicht eher ungesund hohe Selbstvertrauen kann man akzetieren oder auch nicht, aber man sollte wissen wo es herrührt; 1. haben die meisten (amerikanischen) Rapper (meines Erachtens zu Recht) das Gefühl, sich aus einer Welt herausgearbeitet zu haben, die solche Dinge wie beruflichen Erfolg, gesellschaftliche Akzeptanz etc. nicht unbedingt verspricht, 2. geht es dabei auch oft um ein gewisses "Jahrhundertelang haben wir gemacht, was ihr wollt; jetzt macht ihr, was wir wollen"-Gefühl (ob das so gerechtfertigt ist, ist streitbar, aber auch das meines Erachtens zumindest menschlich verständlich) 3. ist Rap auch als friedliche und sportliche Lösung von Konflikten gedacht worden, die sonst auf der Straße ausgetragen worden wären. Auch das ist ein Kampf, durch den zumindest zu Snoop Doggs Zeiten die Leute durchmussten, um für ihren Rap respektiert zu werden. Ob's geholfen hat, iswasanderes

  3. Schon klar, aber wo ist der Unterschied zu beispielsweise dem Weltbild der Rechtskonservativen? Die wollen doch auch die vermeintliche "Gender-Verschwörung" zurückschrauben und die Frau zu Mutter und Küchenchefin machen. Toll ist daß nicht, aber Alltag.

  4. Snoop ist einer der größten Pornoproduzenten im Rapgeschäft. Das ist ein Macho wie er im Buche steht. Abgedreht und abgehoben. Ist doch klar, dass solche Burschen gerne einen auf Tiefsinnig machen. Verkauft sich besser.

  5. Ich verstehe nicht was Sie meinen. Was hat das mit Nazis zu tun?

  6. 'Neben Michael Jackson ist Hip-Hop das Einzige auf der Welt, das so viele verschiedene Menschen friedlich vereinen kann.'

    da hat er wohl die Schokolade vergessen.

    scherz beiseite. Natürlich spalten sich die meinungen bei guter musik bzw gutem rap aber man braucht auch talent um die massen zu begeistern. Ich persöhnlich mag Rap und hip hop weniger und wenn dann eher auf Rap der zum Denken anregt.

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  • Serie Ich habe einen Traum
  • Schlagworte Michael Jackson | Miles Davis | Traum | Film | Musik | Glaube
  • Der Autor Diedrich Diederichsen

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