Protest gegen Vattenfall Auf die Bäume!Seite 2/2

Und jetzt, 2010, wohl noch im Januar, wird Vattenfall damit beginnen, knapp 400 Bäume zu fällen, eine neun Meter breite Schneise quer durch teilweise dicht besiedeltes Gebiet. Man braucht ja Platz für die Rohre und die Baufahrzeuge. Um den Autoverkehr nicht über Gebühr zu behindern, hat sich die Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt bei der Trassenplanung dazu entschlossen, nicht die vierspurige Holstenstraße aufzureißen, sondern den benachbarten Grünzug hinter den Hochhäusern.

Grünzug, das trifft es. Sieht man sich um, ist Gählerpark ein großes Wort. Da stehen ein paar Bäume auf dem Rasen, die Anlage ist schmal, sie mündet in einer Fußgängerbrücke über die Straße. Aber es gibt nicht viele Erholungsflächen in diesem Teil der Stadt, und so verbünden sich nun die genervten Anwohner mit den global motivierten Kohlendioxidgegnern.

Hamburg verfolgt ein Konzept der Stadtverdichtung. Man möchte die Zersiedelung des Umlandes stoppen und auch den Abfluss der Einkommensteuer. Aber in der verdichteten Stadt wächst der soziale Druck. Viele Bürger haben das Gefühl, dass die enorme Bautätigkeit zu ihren Lasten geht – und sie wehren sich.

Am Dienstag dieser Woche veröffentlichte das Hamburger Abendblatt einen »Stadtplan des Widerstands«, in dem zehn Stellen markiert sind, an denen Bürgerwille und Senatsplanung aufeinanderprallen. Da geht es um Großprojekte, Kleingärten, Abholzungen und vieles andere mehr. Bemerkenswert an der Karte ist, dass einem auf Anhieb gleich noch mehr Baustellen einfallen: Von der Rettung des historischen Gängeviertels vor Spekulation über den Kampf gegen die Gentrifizierung St. Paulis und des Schanzenviertels bis hin zur problematischen Schulreform. Und dann die umstrittene Fernwärmeleitung.

Die Zeitung zitiert Ole von Beust, den trotz aller Probleme der schwarz-grün regierten Stadt immer noch beliebten Bürgermeister. Er fragt sich, ob in Hamburg zunehmend Partikularinteressen gegen das Allgemeinwohl durchgesetzt werden. »Früher hätte man gesagt: Ihr habt ein Rad ab. Ihr wendet euch gegen den Wohlstand, von dem ihr lebt.«

Möglicherweise hat von Beust damit recht. Die Frage ist bloß, wer hier Partikularinteressen vertritt. Steht Vattenfall für das Gemeinwohl?

Vergangenen Donnerstag wies das Verwaltungsgericht Hamburg eine Klage des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland gegen die Fernwärmeleitung zurück; ihm komme kein Klagerecht zu. Bis zum Ende dieser Woche prüft der BUND, ob er Widerspruch einlegen will.

An jenem Donnerstag lud Vattenfall die Anwohner zu einer öffentlichen Fragestunde, der ersten überhaupt, wenige Wochen vor Baubeginn. Aber Rainer Schubach, Chef von Vattenfall Hamburg, kam nicht zu Wort. Nicht einen Satz konnte er sagen. Er wurde ausgepfiffen und beschimpft, der Abend endete vorzeitig.

Die grün geführte Umweltbehörde blieb der tumultuösen Veranstaltung trotz Einladung fern; sie tut so, als hätte sie mit der ganzen Sache nichts zu tun, weil sie das Kraftwerk ja auch nicht wollte. Ob die Wähler der Grünen das verstehen?

 
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