Flashmob Kalter Krieg in Berlin

Übers Internet angezettelt: Kreuzberg und Neukölln bekämpfen sich in Schneeballschlachten.

Zu der Massenschneeballschlacht im Görlitzer Park in Berlin hatte man sich über das Internet verabredet

Zu der Massenschneeballschlacht im Görlitzer Park in Berlin hatte man sich über das Internet verabredet

Frostiges Klima hat die Kampfbereitschaft der Hauptstadt von jeher stimuliert. In diesen Tagen ruft es Berlins Jungvolk auf die Straßen. Die Mobilmachung geschieht durchs Internet, über die Seiten von Facebook oder per Flashmob. Auf Zuruf ziehen schreckenerregend uniformierte Truppen in die Parks, zum Äußersten bereit.

Bezirksschneeballschlacht heißt der neue Kampfsport, bei dem am vergangenen Sonntag im Görlitzer Park in Kreuzberg 400 Kombattanten unter »Uaah!«- und »Attacke«-Geheul aufeinander einwarfen. Ausgerechnet der Hauptstadtteil mit Deutschlands höchster Dichte an Pazifisten steigt zum Zentrum des Schneebellizismus auf. Er setzt die nur bedingt ökologische Tradition der Gemüsekriege fort, bei denen sich Kreuzberger und Friedrichshainer einmal im Jahr auf der Oberbaumbrücke über der Spree mit Tomaten, Gurken und Sellerie bewerfen.

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Schneeballschlacht: Kreuzberg vs Neukölln from Adrian Pohr on Vimeo.

Jetzt, im grünzeugarmen Winter, hat die Kreuzberger Szene dem benachbarten Neukölln den Fehdehandschuh hingeworfen – jenem Bezirk, den man seit eh und je nicht mag: hier die politisch bewussten Unkonventionellen, dort die prolligen Spießer. Nur noch Blauhelme, so hieß es vor Jahren, könnten den Frieden zwischen den beiden Stadtteilen sicherstellen.

Anfang Januar kam es zu einer ersten Schneeballschlacht zwischen Kreuzberg und Neukölln. Die Stärke der aufziehenden Truppen war weit größer als erwartet, und so wurde am vergangenen Wochenende erneut zu den Waffen gerufen. Die Kampfhandlungen begannen um 14 Uhr, nach dem ortsüblichen Spätaufsteher-Frühstück mit Croissant und Cappuccino.

Nach dem Fanfarenstoß aus der Feldtrompete flogen die Geschosse hin und her. Die Front verlief durch den Görlitzer Park entlang eines Grabens. Die Kreuzberger zeigten sich kräftig aufgerüstet; sie überraschten ihre Gegner mit schwerem technischem Gerät: einer Schneekanone, die der militärisch-handwerkliche Komplex in streng geheimer Bastelarbeit hervorgebracht hatte. Die Waffe besteht ersten Erkenntnissen zufolge aus einem mit Gummiriemen gespannten Kochtopf.

Nach zwei Stunden endete die Schlacht, weil beiden Seiten die Munition ausging. Wer am Ende gewonnen hatte, ließ sich nicht feststellen. Beobachter glaubten hier wie dort den ungebrochenen Willen zu nichtkommerzieller Freizeitgestaltung erkennen zu können.

Mittlerweile erlebt die Hauptstadt die Ausweitung der Kampfzone. Auch zwischen Mitte und Prenzlauer Berg kam es zu ersten Auseinandersetzungen unter freiem beziehungsweise eben nicht freiem Himmel: Achtzehn Tage lang soll Berlin keine Sonne gesehen haben.

Das mag einiges erklären. Und am Wochenende könnte es schon wieder schneien.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Toll

    Toll. Würde ich auch gerne mitmachen.

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    Aber zum Glück wird in meiner Umgebung nicht mit Schneebällen geworfen.

    Aber wem es gefällt...

    (Solange der "gemeine Bürger" ungeschoren vorbeigehen kann)

    Aber zum Glück wird in meiner Umgebung nicht mit Schneebällen geworfen.

    Aber wem es gefällt...

    (Solange der "gemeine Bürger" ungeschoren vorbeigehen kann)

  2. Aber zum Glück wird in meiner Umgebung nicht mit Schneebällen geworfen.

    Aber wem es gefällt...

    (Solange der "gemeine Bürger" ungeschoren vorbeigehen kann)

    Antwort auf "Toll"
    • Pencil
    • 21.01.2010 um 22:28 Uhr

    Also, ich wäre da aufjedenfall dabei. Das sieht lustig mit der Masse aus. :)

  3. Ich wünsche mir zzt. ja immer noch einen deutschlandweiten Flashmob, bei dem hunderttausende ihr Bargeld von den Banken abheben.

    Meines Wissens nach sind nur 4% der Einlagen mit Bargeld gedeckt. Die Masse der Menschen hat leider noch nicht verstanden, wie Geld eigentlich entsteht.

    Ein Flashmob-Bankrun könnte dem offensichtlichen Unwillen der Politik, die Menschen aufzuklären und das Finanzwesen zu reformieren und zu regulieren, ein bisschen auf die Sprünge helfen.

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    Wenn tatsächlich ein Run auf Bargeld einsetzen würde, dann wäre es kein unlösbares Problem, für das (bereits geschaffene und auf Konten lagernde) Geld Banknoten zu drucken. Wahrscheinlich ein logistisches und natürlich auch ziemlich sinnlos (da das überschüssige Bargeld ja nach Ende der Aktion nicht mehr gebraucht würde), aber kein prinzipielles Problem. Geld auf dem Girokonto und Bargeld sind zwei Formen der gleichen Sache und erhalten ihren Wert nur durch Vertrauen in die Währung.

    Wenn tatsächlich ein Run auf Bargeld einsetzen würde, dann wäre es kein unlösbares Problem, für das (bereits geschaffene und auf Konten lagernde) Geld Banknoten zu drucken. Wahrscheinlich ein logistisches und natürlich auch ziemlich sinnlos (da das überschüssige Bargeld ja nach Ende der Aktion nicht mehr gebraucht würde), aber kein prinzipielles Problem. Geld auf dem Girokonto und Bargeld sind zwei Formen der gleichen Sache und erhalten ihren Wert nur durch Vertrauen in die Währung.

  4. Wenn tatsächlich ein Run auf Bargeld einsetzen würde, dann wäre es kein unlösbares Problem, für das (bereits geschaffene und auf Konten lagernde) Geld Banknoten zu drucken. Wahrscheinlich ein logistisches und natürlich auch ziemlich sinnlos (da das überschüssige Bargeld ja nach Ende der Aktion nicht mehr gebraucht würde), aber kein prinzipielles Problem. Geld auf dem Girokonto und Bargeld sind zwei Formen der gleichen Sache und erhalten ihren Wert nur durch Vertrauen in die Währung.

    Antwort auf "Flashmob-Bankrun!"
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    Danke Herr Wang Wei fuer diese fundierte Richtigstellung.
    Um so einen Run bereits im Ansatz den Wind aus den Segeln zu nehmen, fungiert die Zentralbank als "lender of last resort" mit der Verpflichtung, immer ihr Diskontfenster offen zu halten.

    Offensichtlich versteht die Masse mehr von Geldpolitik als Dr. Sorglos.

    Danke Herr Wang Wei fuer diese fundierte Richtigstellung.
    Um so einen Run bereits im Ansatz den Wind aus den Segeln zu nehmen, fungiert die Zentralbank als "lender of last resort" mit der Verpflichtung, immer ihr Diskontfenster offen zu halten.

    Offensichtlich versteht die Masse mehr von Geldpolitik als Dr. Sorglos.

  5. 6. Masse

    Danke Herr Wang Wei fuer diese fundierte Richtigstellung.
    Um so einen Run bereits im Ansatz den Wind aus den Segeln zu nehmen, fungiert die Zentralbank als "lender of last resort" mit der Verpflichtung, immer ihr Diskontfenster offen zu halten.

    Offensichtlich versteht die Masse mehr von Geldpolitik als Dr. Sorglos.

    Antwort auf "Wie Geld entsteht"
    • K os
    • 22.01.2010 um 19:27 Uhr

    So ein quatsch.
    Das ganze hat ja überhaupt nichts mit Bargeld und der sinnlosen Druckerei desselben zu tun.
    Der Knackpunkt ist dass Banken das eingelagerte Geld weiterverleihen dürfen (bis auf einen bestimmten prozentsatz). Was denkt ihr denn wo eure Guthabenzinsen herkommen...
    Normalerweise halten sich ja abgehobenes und eingezahltes Geld in etwa die Waage... würde aber tatsächlich eine große Menge Kontoinhaber seine Konten leeren kämen die Banken in die Situation dass sie Geld zurückgeben müssten dass sie bereits weiterverliehen haben.
    Das könnte in der Tat auf die Probleme unseres Finanzsystems aufmerksam machen... die ewige weiterverleihung von Geld um Zinsen zu verdienen. Der Verkauf von Krediten, Werte die noch gar nicht existieren werden schon abgegeben und wenn ein Glied der Kette einbricht, stürzt alles ein...

    Ich fände die Idee an sich nicht schlecht, allerdings etwas schwierig in der Umsetzung. Besser wäre es den Menschen alternativen anzubieten und so mit der Zeit eine langsame rekonstruktion des Finanzsystems durchzusetzen. So gibt es z.B. seit einiger Zeit islamische Banken die dem Wort des Koran folgen (in dem die erhebung von Zinsen verboten ist). Ob man nun religiös ist oder nicht, das moralische Ergebnis bleibt das gleiche. Fast schade dass es erst ein arbiträres Regelwerk braucht um Menschen wieder an grundsätzliche ethische Werte zu erinnern.
    Mehr darüber kann man z.B. in diesem Beitrag in der ARD erfahren:
    http://www.youtube.com/wa...

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  • Quelle DIE ZEIT, 21.01.2010 Nr. 04
  • Kommentare 7
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  • Schlagworte Berlin | Krieg | Flashmob | Kampfsport | Blauhelm | Spree
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