China Macht sich China hässlich?Seite 2/2

Der Westen jedenfalls kann gegen all dies weniger ausrichten als früher. Schon länger ist China der größte Gläubiger der USA. Doch während sich die USA im Zuge der Weltwirtschaftskrise des Jahres 2009 dramatisch verschulden mussten, konnten die Chinesen ihre Einnahmen weiter erhöhen. Ihre Devisenreserven stiegen um mehr als 450 Milliarden US-Dollar. Kein Wunder, dass der Westen sensibel auf den Machtanspruch Chinas reagiert, und es ist auch nicht verwunderlich, dass die chinesische Führung ihre Interessen mit mehr Nachdruck vertritt. Doch keiner hat derzeit die Macht, der anderen Seite seinen Willen aufzudrücken. Daraus folgt zähes, mühsames Verhandeln.

Das zeigt die aktuelle Diskussion um den Verbleib von Google in China. Das amerikanische Unternehmen hat angekündigt, die chinesischen Zensurvorschriften nicht mehr einhalten zu wollen und sich gegebenenfalls aus China zurückzuziehen, nachdem es Opfer eines ausgeklügelten Hackerangriffs geworden war. Das Neue an diesem Fall sind nicht die Angriffe, die jedes größere ausländische Unternehmen bislang hinnehmen musste, oder die Vermutungen, dass einige der Angriffe in Verbindung mit der Regierung stehen. Sondern dass ein ausländisches Unternehmen erstmals signalisierte »Es reicht!« und dies nun zum Politikum zwischen den USA und China wird.

Wer war schuld am Scheitern des Klimagipfels von Kopenhagen?

Doch so berechtigt etwa die westliche Kritik an der Menschenrechtsposition Chinas ist, manchmal macht es sich der Westen zu einfach. Nach dem Klimagipfel in Kopenhagen warfen viele im Westen, insbesondere die britische Regierung, vor allem China vor, es habe die Verhandlungen mutwillig platzen lassen. Hatte doch China nicht nur gegen das Vorhaben, die globalen Emissionen bis 2050 um 50 Prozent zu reduzieren, sein Veto eingelegt, es hatte sich auch gegen eine selbst auferlegte Begrenzung der Industrieländer gestemmt, die ihre Emissionen um 80 Prozent einschränken wollten.

Warum aber sollte das größte Entwicklungsland etwas dagegen haben, wenn sich die Industrieländer selbst beschränken? »Das würde den Entwicklungsländern mehr abverlangen als den Industrieländern«, sagt Niklas Höhne, Direktor für Energie und Klimapolitik des Beratungsunternehmens Ecofys. Zudem widerspräche es dem Prinzip der Klimagerechtigkeit, also, dass jedem Erdbewohner der gleiche CO₂-Verbrauch zustünde. China hat sicher einen großen Anteil am Scheitern der Klimagespräche, doch kann es nicht allein dafür verantwortlich gemacht werden. Die USA etwa legten ein Ziel vor, das hinter Kyoto zurückfiel.

In China trifft der neue gereizte Ton auf unterschiedliche Reaktionen. Mei Zhaorong etwa, ehemals chinesischer Botschafter in Deutschland, sieht in den Reaktionen des Westens vor allem »Eifersucht« und »Neid«. Mei mag nicht verstehen, warum der Westen mit Sorge sieht, dass China aufrüstet. China erhöhe seine Verteidigungsbereitschaft so wie jedes Land. »Was soll daran unverschämt sein?«, fragt Mei. »China handelt ja nicht so, um den Westen zu ärgern, sondern weil es seinen Interessen dient.«

Die 35-jährige Philosophin Wang Ge sieht das Verhältnis zwischen dem Westen und China hingegen mit Besorgnis: »Die Lage wird immer prekärer.« Sie findet, dass China sich in der Welt ungeschickt darstellt. Martialische Machtdemonstrationen wie bei der Verurteilung Liu Xiaobos erschrecken sie. Aber sie kritisiert nicht nur China. Das Wort »unverschämt« als Beschreibung chinesischer Politik ist ihr zu emotional beladen. Das Gleiche gilt für den Begriff »herablassend«, den Chinesen bisweilen für die Politik des Westens gebrauchen. Solche Begriffe »führen nicht dazu, dass man sich besser verständigen kann. Und darum sollte es ja gehen.«

Die Ziele Pekings in der internationalen Politik haben sich in jüngster Zeit kaum geändert. Aber der Ton, die Rhetorik, die Gesten sind in der Tat anders geworden. Und das ist mehr als eine Petitesse. Zeigt es doch, dass die Hoffnungen des Westens auf umfassende Kooperation, auf eine geschmeidige Integration Chinas in das internationale System fragwürdig waren. China ist nicht Brasilien, eine letztlich unproblematische Aufsteigermacht. Das bedeutet lange nicht, dass es deshalb zum großen Bruch mit dem Westen kommen müsste. China ist durchaus zur Zusammenarbeit bereit, wenn es darin Nutzen sieht. Doch handelt es zunehmend so, wie es ihm selbst richtig erscheint. Ohne dabei viel Rücksicht zu nehmen.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Frage ist, was wirklich läuft und von was dieses Geplänkel ablenken soll.
    Die Technologie Chinas ist aus dem Westen, die Fabriken (Anlagen) kommen aus dem Westen, das Geld wahrscheinlich auch. China ist auch nur ein Konsument und Produzent auf diesem Planeten, wenngleich ein riesiger und daher für die Kapital-Inhaber sehr interessant.

    Wenn kein Schiff aus dem Westen mehr dort an - oder ablegt, ist China so tot wie vorher. Wenn es um Menschenrechte und außenpolitische Kultur ginge, wäre das schnell zu lösen. Aber es geht eben um die Möglichkeit, aus sehr viel Geld sehr sehr sehr viel mehr Geld zu machen. Das ist in meinen Augen das Spiel, das dahinter steckt.

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    ...stimme zu. Oh, wir haben schon 2010 und nicht mehr 1990? Dann kann ich doch nicht zustimmen. Hast du den Text nicht gelesen? "China ist der größte Gläubiger der USA" - sicher kommt viel Geld vom Westen nach China, dann aber um Schulden zu begleichen.

    China macht zunehmend dicht und nicht weil es einen Todeswunsch hat, sondern weil es sich leisten kann ohne Technologie, Know-How, Geld aus dem Ausland klar zu kommen.

    China entdeckt schon eigene Märkte für eigene Produkte und Technologien, China kann zunehmend den eigenen Markt ohne Hilfe von außen bedienen und welches Land wünscht sich schon ausländische Unternehmen, die die Devisen rausschaffen?

    ...stimme zu. Oh, wir haben schon 2010 und nicht mehr 1990? Dann kann ich doch nicht zustimmen. Hast du den Text nicht gelesen? "China ist der größte Gläubiger der USA" - sicher kommt viel Geld vom Westen nach China, dann aber um Schulden zu begleichen.

    China macht zunehmend dicht und nicht weil es einen Todeswunsch hat, sondern weil es sich leisten kann ohne Technologie, Know-How, Geld aus dem Ausland klar zu kommen.

    China entdeckt schon eigene Märkte für eigene Produkte und Technologien, China kann zunehmend den eigenen Markt ohne Hilfe von außen bedienen und welches Land wünscht sich schon ausländische Unternehmen, die die Devisen rausschaffen?

  2. Für mich gar nicht verwunderlich. Ein so großes Land mit so verschiedenen Kulturen. Gleicht man sich westlichen Vorstellungen an wird es zerfallen in mehreren Staaten. Wie seinerzeit gehabt im kommunistische Rußland.

  3. 3. Ich...

    ...stimme zu. Oh, wir haben schon 2010 und nicht mehr 1990? Dann kann ich doch nicht zustimmen. Hast du den Text nicht gelesen? "China ist der größte Gläubiger der USA" - sicher kommt viel Geld vom Westen nach China, dann aber um Schulden zu begleichen.

    China macht zunehmend dicht und nicht weil es einen Todeswunsch hat, sondern weil es sich leisten kann ohne Technologie, Know-How, Geld aus dem Ausland klar zu kommen.

    China entdeckt schon eigene Märkte für eigene Produkte und Technologien, China kann zunehmend den eigenen Markt ohne Hilfe von außen bedienen und welches Land wünscht sich schon ausländische Unternehmen, die die Devisen rausschaffen?

    Antwort auf "Alles Geplänkel"
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    ich stimme eher kommentar 1 zu.
    ---
    china ist nach wie vor exportnation, natürlich gibt es, bedingt durch die einwohnerzahl, einen riesigen, potentiellen binnenmarkt. aber bis auf eine ganz kleine, sehr reiche oberschicht, hat der großteil der bevölkerung kaum die mittel zum konsumieren, nicht mal für die billigen, minderwertigen waren die nach wie vor den großteil der chinesischen produktion ausmachen. china wird noch eine ganze weile auf "den westen" als abnehmer seiner waren angewiesen sein, von daher hat "der westen" schon die möglichkeiten, china zu beeinflussen (zu beherrschen wäre wohl zu viel).
    um diese "macht" auszuüben müsste "der westen" allerdings auf all die billig produzierten waren verzichten, die letzten endes die basis unseres wohlstandes sind.
    in wahrheit exportiert china (und natürlich alle anderen entwicklungsländer genauso) nicht waren, sondern ausbeutung, nicht existierende umwelt- und sozialstandarts und menschenrechtsverletzungen. und wir kaufen all das nur zu gerne...

    ich stimme eher kommentar 1 zu.
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    china ist nach wie vor exportnation, natürlich gibt es, bedingt durch die einwohnerzahl, einen riesigen, potentiellen binnenmarkt. aber bis auf eine ganz kleine, sehr reiche oberschicht, hat der großteil der bevölkerung kaum die mittel zum konsumieren, nicht mal für die billigen, minderwertigen waren die nach wie vor den großteil der chinesischen produktion ausmachen. china wird noch eine ganze weile auf "den westen" als abnehmer seiner waren angewiesen sein, von daher hat "der westen" schon die möglichkeiten, china zu beeinflussen (zu beherrschen wäre wohl zu viel).
    um diese "macht" auszuüben müsste "der westen" allerdings auf all die billig produzierten waren verzichten, die letzten endes die basis unseres wohlstandes sind.
    in wahrheit exportiert china (und natürlich alle anderen entwicklungsländer genauso) nicht waren, sondern ausbeutung, nicht existierende umwelt- und sozialstandarts und menschenrechtsverletzungen. und wir kaufen all das nur zu gerne...

  4. Hält man die Kommunismusbegehrenden unten und schwach, sind sie demütig, nach Frieden lechzend und begehren die Freiheit eines Andersdenkemden. Je mehr sie jedoch Machtzuwachs erfahren, um so schweinerisch-egoistischer werden sie, und jegliche individuelle Freiheit ist ihnen bald der Hauptfeind.

  5. ich stimme eher kommentar 1 zu.
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    china ist nach wie vor exportnation, natürlich gibt es, bedingt durch die einwohnerzahl, einen riesigen, potentiellen binnenmarkt. aber bis auf eine ganz kleine, sehr reiche oberschicht, hat der großteil der bevölkerung kaum die mittel zum konsumieren, nicht mal für die billigen, minderwertigen waren die nach wie vor den großteil der chinesischen produktion ausmachen. china wird noch eine ganze weile auf "den westen" als abnehmer seiner waren angewiesen sein, von daher hat "der westen" schon die möglichkeiten, china zu beeinflussen (zu beherrschen wäre wohl zu viel).
    um diese "macht" auszuüben müsste "der westen" allerdings auf all die billig produzierten waren verzichten, die letzten endes die basis unseres wohlstandes sind.
    in wahrheit exportiert china (und natürlich alle anderen entwicklungsländer genauso) nicht waren, sondern ausbeutung, nicht existierende umwelt- und sozialstandarts und menschenrechtsverletzungen. und wir kaufen all das nur zu gerne...

    Antwort auf "Ich..."
  6. Angela Köckritz - war das nicht diejenige, dier erst vor kurzem einen Artikel geschrieben hat, der von Vorurteilen ueber China nur so triefte !?

    http://www.zeit.de/2009/5...

    Und jetzt schreibt sie einen Artikel mit dem Titel
    "Macht sich China hässlich?", mit Frank Sieren an der Seite.

    Wahrscheinlich ist das nur eine rhetorische Frage...........

  7. undemokratisch, menschenverachtend oder "kommunistisch" wenn nur die Gewinne stimmen. Die totale brutale Ausbeutung des Menschen und der Natur muss nur gewährleistet sein, dann ist der Staat ein Freund der westlichen "Demokratien". Nur das zählt. Menschenrechte sind nicht mehr als überflüssige Folklore.

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