Ende der Kolonialzeit In Frankreichs Armen
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Der ewige Präsident hinterlässt ein gewaltiges Vermögen

Der ewige Präsident hinterlässt ein gewaltiges Vermögen

Der Ölkonzern Elf baute in jener Zeit parastaatliche Sicherheitsdienste auf und verknüpfte seine Interessen mit denen der politischen Eliten und Parteien in Frankreich. Er zahlte selbstverständlich auch an Bongo; der Präsident wiederum griff, unterstützt vom clan gabonais, das heißt von den in Gabun lebenden Franzosen, mit seinem Vermögen direkt in die französische Politik ein. Er »beschenkte« zahlreiche Pariser Spitzenpolitiker und bedachte die Parteien. Die Literatur zu all den Schmiergeldskandalen füllt mittlerweile Regalmeter.

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Darüber hinaus wurde das Land zu einer Art Drehscheibe für Frankreichs Afrikapolitik. Von Gabun aus intervenierten französische Elitetruppen im Tschad, in Benin, im Niger, im Kongo, in Zaire, in Mauretanien und der Zentralafrikanischen Republik. Vielerorts agierten die Geheimdienste verdeckt, das heißt mit Waffenlieferungen und Söldnern – wie in Biafra, im Kongo und in Angola. Manchmal gab es auch fatale Pannen: So wurden französische Soldaten, die 1983 im Tschad operierten, mit Raketen beschossen, die Mitterrand zuvor an Libyen hatte liefern lassen. Pierre Péan spricht von »einem Extremfall von Neokolonialismus an der Grenze zur Karikatur«.

Das gilt auch für die Innenpolitik Bongos. »In Afrika«, bekannte er noch 2001, »ist die Bedeutung des Begriffs ›Staat‹ oft unbestimmt, während diejenige von ›Chef‹ klar ist. Der Chef hat seine Rolle und seine Privilegien. Wenn er kein Geld zu verteilen hat an sein Land und seine Mitbürger, wird er weder geachtet noch beachtet. Man muss zahlen, ich zahle!«

Bongo regierte autokratisch, doch ohne offene Brutalität. Gabun galt als »stabil«. Bongos Rolle bei den Morden an Oppositionellen wie Joseph Rendjambe und Germain M’Ba, dem ehemaligen Botschafter Gabuns in Bonn, oder an Robert Luong, einem Liebhaber von Bongos Gattin Marie-Joséphine, blieb indes ungeklärt.

Nach Streiks und Protesten – die im Land stationierten französischen Truppen schlugen sie nieder – entschied sich der ewige Präsident 1990, andere Parteien zuzulassen. Getreu seiner »Ich zahle«-Philosophie kaufte er sich die wichtigsten Oppositionellen und gewann die Wahlen 1993 mit 51,2 Prozent der Stimmen. Pater Paul M’Ba Abessole, einer der Gekauften, nannte das »gesellige Demokratie«. Fünf Jahre später erzielte Bongo dank der »Geselligkeit« der Opposition eine glatte Zweidrittelmehrheit, die er bei seiner letzten Wiederwahl 2005 auf 79,2 Prozent zu erhöhen verstand.

Omar Bongo Ondimba starb am 7. Juni 2009 in Barcelona. Er hinterließ ein Vermögen, das auf 2,7 Milliarden Euro geschätzt wird, dazu gehörten zig Villen, etliche davon in Frankreich. Als sein Nachfolger wurde Sohn Ali nominiert, der schon zuvor verschiedene Ministerämter bekleidet hatte. Im August 2009 gewann er die Wahlen, die vom Vorwurf massiver Manipulation begleitet waren, mit geradezu seriös wirkenden 41,7 Prozent der Stimmen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy gratulierte als einer der Ersten.

Der Autor ist Publizist und lebt in Frankfurt am Main

 
Leser-Kommentare
  1. Lieber Herr Walther,
    dies ist ein sehr guter Artikel. Gratuliere. Ich musste gerade an den Film Avatar denken.
    Grüsse
    Manfred Bogen

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    • 42317
    • 30.06.2010 um 10:25 Uhr

    Ja, es ist im Bezug auf die allgemeine geschichtliche Bildung allerdings sehr viel sagend, dass manche Leute beim Lesen solcher Artikel an "Avatar" denken müssen, anstatt beim Ansehen von "Avatar" an solche historischen Vorgänge.

    • 42317
    • 30.06.2010 um 10:25 Uhr

    Ja, es ist im Bezug auf die allgemeine geschichtliche Bildung allerdings sehr viel sagend, dass manche Leute beim Lesen solcher Artikel an "Avatar" denken müssen, anstatt beim Ansehen von "Avatar" an solche historischen Vorgänge.

  2. ist dieser Artikel. Ein Dank an den Autor.

    Fazit:
    Was dem Wahlvolk als Entwicklungshilfe verkauft wird nennt sich treffender Neokolonialismus. Dabei werden mit diversen Druckmitteln die Interessen der westlichen Demokratien (!) in den Ländern der dritten Welt durchgesetzt. Wer sich widersetzt bekommt keine "Entwicklungshilfe" ohne die sich kein "Staatsoberhaupt" in Zentralafrika halten kann.

    In Afrika hat sich diese Politik zumindest besser bewährt als im Nahen Osten, denn dort sind die Einheimischen auf die absurde Idee gekommen, man könne sich gegen solche Machenschaften wehren. Dort müssen wir Krieg führen um zumindest etwas vom Kuchen ab zu bekommen.

    • 42317
    • 30.06.2010 um 10:25 Uhr

    Ja, es ist im Bezug auf die allgemeine geschichtliche Bildung allerdings sehr viel sagend, dass manche Leute beim Lesen solcher Artikel an "Avatar" denken müssen, anstatt beim Ansehen von "Avatar" an solche historischen Vorgänge.

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