Helmut Schmidt zu Afghanistan Dieser Krieg ist nicht zu gewinnen
Aber einen Abzug aus Afghanistan kann es nur mit den Amerikanern geben. Deutschland darf sich nicht isolieren
Drei prinzipielle persönliche Positionen im Vorwege
1) Für den Problemkomplex Afghanistan/Pakistan/Zentralasien/islamistischer Dschihadismus gibt es gegenwärtig und in absehbarer Zukunft keine überzeugende Lösung. Was Präsident Obama in großer Rede am 1. Dezember 2009 in der US-Militärakademie Westpoint angekündigt hat, könnte – auf Afghanistan begrenzt – theoretisch funktionieren; dass dies tatsächlich geschieht, erscheint mir aber als sehr unwahrscheinlich.
Ich habe im Juli 2008 in einem längeren Gespräch zu viert Bundeskanzlerin Merkel, Bundesverteidigungsminister Jung und Generalinspekteur Schneiderhan die weitgehende Aussichtslosigkeit des inzwischen von Obama präzisierten Vorhabens erläutert. Ein westliches »Gewinnen des Krieges« erschien damals, im Sommer 2008, bereits als erheblich unwahrscheinlicher als noch zu Beginn der Operation im Jahre 2001/02. Bestenfalls schienen mir im Sommer 2008 regionale Teilerfolge erreichbar zu sein.
Ich habe damals gegenüber meinen Gesprächspartnern die ursprüngliche deutsche Beteiligung und die deutsche Konzentration auf die Aufbauarbeit als legitim und als plausibel bezeichnet. Ich habe keineswegs für einen deutschen Abzug plädiert. Wohl aber habe ich auf die Möglichkeit eines gründlichen Stimmungsumschwungs im deutschen Volke hingewiesen, der auf Abzug drängen wird.
Inzwischen zeichnet sich aber eine Tragödie im klassisch-griechischen Sinne ab. Denn die Zahl der transkontinental aktiven terroristischen Dschihadisten hat sehr zugenommen und nimmt weiter zu.
Die Tatsache, dass Obama seit seiner Wahl zum Präsidenten über ein Jahr gebraucht hat, bis er sich zu einer der ihm vorgelegten Handlungsalternativen entschließen konnte, hat die Unwahrscheinlichkeit des Erfolges der militärischen Intervention zusätzlich unterstrichen.
- Die große Konferenz
Afghanistan könnte für den Westen verloren gehen. Diese Gefahr sehen inzwischen alle am Einsatz Beteiligten, die USA, die EU, die Nato und die UN. Deshalb treffen sich ihre Vertreter in London zu einer großen Konferenz. Dort soll eine neue Strategie festgelegt werden, um das Blatt noch zu wenden. Die Konferenz geht auf eine Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem britischen Premierminister Gordon Brown zurück. Einer der zentralen Diskussionspunkte wird sein, wann die afghanischen Sicherheitskräfte mehr Verantwortung im eigenen Land übernehmen sollen und mit einem Abzug westlicher Truppen begonnen werden kann. Klar ist aber, dass es zunächst zu einer Truppenaufstockung kommen wird. Bundeskanzlerin Merkel hat angekündigt, 500 zusätzliche Soldaten zu schicken und weitere 350 als »flexible Reserve«. Die Zahl der Ausbilder für die afghanischen Streitkräfte soll auf 1400 aufgestockt werden. Damit sind bald 5350 deutsche Soldaten am Hindukusch. Gleichzeitig will die Bundesregierung die zivile Wiederaufbauhilfe stärken und ein Programm für ausstiegswillige Talibankämpfer anbieten. MAZ
2) Zweite persönliche Vorbemerkung: Für mich rangiert das Interesse Deutschlands eindeutig höher als jedwedes taktische Interesse der sozialdemokratischen Oppositionspartei.
3) Das deutsche Interesse gebietet, dass Deutschland sich weder innerhalb der Nato noch innerhalb der Europäischen Union isoliert – zum Beispiel durch ein alleiniges oder früheres Ausscheiden aus der gemeinsamen Intervention. Die immer noch erhebliche Funktionsfähigkeit sowohl der Nato als auch der EU sollte nicht aufs Spiel gesetzt werden. An diesem grundlegenden deutschen Interesse würde auch ein etwaiger Abzug der kanadischen und der holländischen Kontingente nichts ändern.
Es bleibt dringend geboten, alle deutschen Stellungnahmen jedenfalls mit Frankreich (und mit anderen europäischen Regierungen) abzustimmen. (Von Obamas in Bezug auf den afghanischen Krieg fulminantem Wahlkampf im Sommer und Herbst 2008 bis zu seiner großen Rede am 1. Dezember 2009 hat es leider keine deutsch-französische Initiative und keinen Ratschlag gegenüber Obama gegeben.)
Einige geografische, demografische, historische und strategische Tatsachen müssen in Erinnerung gerufen werden
4) Afghanistan ist weder ein funktionstüchtiger Staat (es ist noch niemals ein dauerhaft funktionstüchtiger Staat gewesen) noch eine Nation. Es handelt sich vielmehr um eine Vielzahl von Völkern und Stämmen. Deshalb bleibt auch pro futuro ein voll funktionsfähiger Staat sehr unwahrscheinlich.
5) Den relativ größten Anteil an der afghanischen Bevölkerung haben die Paschtunen (mindestens 40 Prozent). Das Volk der Paschtunen wurde durch einen Willkürakt der britischen Kolonialverwaltung in Indien am Ende der 1890er Jahre zweigeteilt; der kleinere Teil lebt im Osten Afghanistans, der größere Teil lebt in den sogenannten Stammesgebieten im Westen Pakistans. Die Staatsgrenze zwischen Afghanistan und Pakistan ist außerordentlich durchlässig, die Zusammengehörigkeit des paschtunischen Volkes hat sich in dessen Bewusstsein durchaus erhalten.
Den nächstgroßen Anteil haben die Tadschiken (25 Prozent); wie die Paschtunen haben die Tadschiken ihre eigene Sprache. Kleinere Bevölkerungsanteile entfallen auf die Hasara (15 Prozent), Usbeken, Turkmenen, Kirgisen und viele weitere. Die USA haben im Laufe der Intervention in realistischer Einsicht ihre zwischenzeitliche Vorstellung eines Nation-Building in Afghanistan aufgegeben.
6) Die Fläche Afghanistans ist etwa doppelt so groß wie die Fläche Deutschlands, bevölkert mit nur gut 25 Millionen Menschen. Im Norden haben wir Hochgebirge (Hindukusch, bis zu 6000 und 7000 Metern!), im Süden dagegen Steppe, Wüste und Steinwüste.
7) Das Gebiet des heutigen Afghanistans ist in der Geschichte oft zwischen äußeren Mächten umkämpft gewesen und größeren Reichen einverleibt worden – von Alexander dem Großen oder den Mongolen bis zu den Engländern im 19. Jahrhundert und den Sowjets in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Bis heute hat keine ausländische Macht auf längere Dauer das Territorium beherrschen können.
8) Der Krieg der USA und der Nato in Afghanistan dauert bereits länger als die beiden Weltkriege. Es handelt sich nicht um einen »normalen« Krieg gegen einen fremden Staat. Vielmehr ist es einerseits ein Guerillakrieg gegen terroristische Partisanen, zum Teil aus dritten Ländern stammend, wie etwa al-Qaida, zum Teil aus Afghanistan stammend. Andererseits findet zugleich ein Bürgerkrieg statt, den die Taliban gegen die eigene Regierung in Kabul führen, gegen lokale und regionale Machthaber und gegen Teile der eigenen Bevölkerung.
9) Nachdem al-Qaida längst auf pakistanisches (und auf jemenitisches?) Gebiet ausgewichen ist, findet gegenwärtig der Krieg der über 40 verbündeten Interventionsmächte im Wesentlichen gegen die Taliban statt. Die Taliban erhalten logistische Unterstützung und vor allem Führung aus den sogenannten Stammesgebieten im Westen Pakistans.
10) Um die weit über 2000 Kilometer lange Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan effektiv zu schließen und sodann die innerhalb Afghanistans befindlichen Taliban an weiteren Akten des Bürgerkrieges und des Terrorismus zu hindern, brauchte man nicht nur 100000 oder 150000 westliche Soldaten vor Ort, sondern eher die dreifache Zahl! Dazu sind die westlichen Regierungen weder materiell fähig noch willens.
11) US-Präsident Obama sind die materiellen und die innenpolitisch-psychologischen Begrenzungen bewusst. Zugleich droht ihm die Zeit davonzulaufen. Deshalb hat er vorbeugend für den Sommer und Herbst des Jahres 2011 den »Beginn« des Truppenabzugs angekündigt. Strategisch ist diese Ankündigung riskant; denn die Kriegsgegner können warten, und ihre Zahl wird ständig größer.
12) Ein notwendiges Wort zu Pakistan. Afghanistan hat sechs unmittelbare Nachbarn. Der bei Weitem größte und zugleich wichtigste Nachbar ist der 1947 gegründete Staat Pakistan; demnächst wird das Land nahe an 200 Millionen Einwohner haben, weit überwiegend Muslime, ebenso wie in Afghanistan.
Die sogenannten Stammesgebiete im Westen Pakistans (unmittelbar an der Grenze zu Afghanistan) entziehen sich weitgehend der Kontrolle der Zentralregierung in Islamabad.
Pakistan ist innenpolitisch labil, häufiger von Militärdiktaturen regiert. Die Armeeführung ist mit der Vorstellung groß geworden, Indien sei der bei Weitem wichtigste Gegner, während Afghanistan meist als ein zu vernachlässigendes rückwärtiges Gebiet angesehen wurde. Dagegen ist die Stimmung unter den jüngeren Rängen der Armee und insbesondere in den pakistanischen Geheimdiensten zumindest undurchsichtig und schwer vorhersehbar. Teile der pakistanischen Geheimdienste arbeiten sowohl mit den Amerikanern als auch mit den Taliban zusammen; ursprünglich waren die Taliban eine pakistanische Schöpfung.
Die regelmäßige Bombardierung von Zielen im Westen Pakistans durch die amerikanische CIA mittels unbemannter Flugzeuge (sogenannter Drohnen) trägt zur antiamerikanischen Verbitterung bei; denn ganz zu schweigen von der moralischen oder der rechtlichen Qualität dieses neuartigen Luftkrieges führt er jedenfalls unvermeidlich zu erheblichen Opfern unter der zivilen pakistanischen Bevölkerung.
13) Für den Fall anhaltender innerer Instabilität Pakistans bliebe die Sicherheit Afghanistans abhängig von massiver westlicher Truppenpräsenz.
14) Auf mittlere Sicht könnte es zu einem der größten Probleme Pakistans werden, bei wem letzten Endes Befehlsgewalt und Kontrolle über die atomaren Waffen des Landes verbleiben.
15) Die für die Intervention in Afghanistan grundlegenden Beschlüsse des Sicherheitsrates der UN sind mit den Stimmen Chinas und Russlands gefasst worden. Beide haben jedoch seither außerordentlich zurückhaltend agiert. Mit Ausnahme der USA stehen die Weltmächte abseits. Bisher haben die USA keinen ernsthaften Versuch gemacht, die anderen Welt- und Großmächte einzubeziehen.
Die Zurückhaltung gilt auch für die Großmächte Indien, Iran und Türkei und für die fünf zentralasiatischen Republiken Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan.
16) Sowohl für Russland (mindestens 15 Millionen Muslime im Süden des Staates) als auch für China (aufständische Uiguren in der Provinz Xinjiang) und ebenso für Indien besteht die Gefahr des Übergreifens von dschihadistischen und terroristischen Strömungen. Ein schneller Abzug der westlichen Interventionsmächte hätte nicht nur für Afghanistan mörderische Folgen, sondern auch für weite Teile Zentralasiens.
17) China hat sich in den letzten Jahren verstärkt den Rohstoffquellen (vor allem Öl und Gas) in Zentralasien zugewandt. Außerdem ist neuerdings in den chinesischen Zeitungen eine Diskussion darüber im Gange, ob es nicht im strategischen Interesse Chinas läge, sich stärker in Afghanistan zu engagieren. Auch in Russland regt sich seit Kurzem eine ähnliche quasiöffentliche Diskussion. Es ist denkbar, dass sich daraus Chancen für die Diplomatie der westlichen Interventionsmächte ergeben.
18) Auf mittlere Sicht scheinen weniger die im Wesentlichen paschtunischen Taliban innerhalb Afghanistans der wichtigste Gegner der militärischen Intervention zu sein; vielmehr sind die Widerstands- und Führungszentren auf Pakistans Boden von ausschlaggebender Bedeutung.
Einige (zögerliche) Vorschläge für deutsches Verhalten
19) Die deutsche Beteiligung an der Intervention ist völkerrechtlich gedeckt. Sie lag (und liegt auch heute) zugleich im deutschen Interesse, denn al-Qaida bedroht auch uns. Wir haben bisher Glück gehabt wegen der Konzentration unserer Isaf-Aktivitäten im lange Zeit relativ ruhigen Norden.
Allerdings macht die deutsche Führung einen ähnlich ratlosen Eindruck wie Obama; die Hoffnung auf eine Klärung durch die bevorstehende internationale Afghanistankonferenz läuft möglicherweise auf einen bloßen Zeitgewinn hinaus.
20) Diese Konferenz sollte sich jedenfalls erstmalig und ernsthaft mit der Frage befassen, mit welchen Gruppen, Stämmen oder Völkern (oder Regionen) die Interventionsmächte Verhandlungen suchen sollen. Möglicherweise muss man sich den Waffenstillstandspartner erst selber konstruieren.
Wer mit der Eventualität rechnen muss, einen Krieg trotz großer eigener Opfer zu verlieren oder abbrechen zu müssen, der sollte rechtzeitig Verhandlungen mit den Kriegsgegnern einleiten. Es sollte deshalb auch versucht werden, diplomatische Hilfe durch die Weltmächte zu erreichen.
21) Es erscheint mir als zweckmäßig, nachdem Obama den Beginn des Abzugs für Sommer und Herbst 2011 angekündigt hat, dass die deutsche Regierung ebenfalls erklärt, im Jahre 2011 mit dem Abzug der deutschen Truppen zu beginnen.
22) Der Schwerpunkt der Aufgaben deutscher Soldaten und Beamten in Afghanistan sollte weiterhin bei der Ausbildung afghanischer Polizei und Armee und beim zivilen Aufbau liegen. Man muss aber wissen, dass dies nicht sonderlich erfolgreich sein wird. Wo es keinen funktionierenden Staat gibt, dort bleibt eine funktionierende Polizei bestenfalls regional beschränkt. Idealistische Illusionen führen später zu Enttäuschung und zu Ratlosigkeit.
23) Ich empfehle eindeutige und entschiedene Zurückhaltung gegenüber dem zu erwartenden amerikanischen Drängen auf zusätzliche deutsche Kampftruppen. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Bundeswehr immer noch eine Wehrpflichtarmee ist; wir können keinesfalls Wehrpflichtige nach Afghanistan schicken.
Der amerikanischen Öffentlichkeit muss unüberhörbar gesagt werden: Wir Deutschen sind nach dem von uns verschuldeten Zweiten Weltkrieg und nach unserer totalen Niederlage deutlich weniger kriegsbereit als manche jener Nationen, welche beide Weltkriege gewonnen haben. Diese Haltung resultiert nicht aus idealistischem Pazifismus, auch nicht aus verwerflicher Feigheit, sondern aus der Einsicht in die katastrophale militärische Fehlentwicklung Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Lehre gelernt zu haben ist weiß Gott keineswegs verwerflich!
24) Gleichzeitig empfehle ich, den Schwerpunkt des parlamentarischen Untersuchungsausschusses nicht auf die Vorgänge in Afghanistan um Oberst Klein zu legen, sondern das Gewicht vielmehr auf die Vorgänge in Berlin zu konzentrieren. Jede Unterminierung der psychologischen Lage unserer Soldaten sollte vermieden werden. Schon jetzt hört man von deutschen Truppenteilen in Afghanistan, unsere Soldaten vor Ort seien angesichts der Diskussion in Berlin »ziemlich deprimiert«.
Einige geschichtsphilosophische Schlussbemerkungen
25) Ich muss vermuten, dass sich der Westen letztlich nur unter großen Verlusten der Zivilbevölkerung, der Soldaten, Verlusten an Ansehen und politischem Prestige aus Afghanistan »herauswursteln« kann – wenn überhaupt.
26) Ich weiß, dass meine sehr realistischen Urteile und Empfehlungen als Pessimismus missverstanden werden können. Weil unserem Volke und dem Bundestag möglicherweise sehr schwierige Abwägungen und Entscheidungen bevorstehen, erscheint mir allerdings ein hohes Maß an Realismus geboten. Dagegen könnte jedweder Idealismus uns in die Irre führen, egal, ob er humanitär oder religiös oder ideologisch-politisch begründet wird.
27) Man muss den afghanischen Krieg im Zusammenhang sehen mit jenen vielen anderen Konflikten, an denen auf der Gegenseite des Westens islamische Staaten und Völker beteiligt sind (Kosovo, Bosnien, Irak, Iran, Westjordanland und Gaza, Mittlerer Osten). Selbst wenn die westliche Intervention in Afghanistan Erfolg haben sollte, dann werden neue Dschihadisten voraussichtlich an anderen Orten neue Führungszentren etablieren.
Denn bei der seit zwei Jahrzehnten zunehmenden Neigung des Westens zu militärischen Interventionen bleibt es relativ leicht, an neuen Orten zusätzliche Koranschulen einzurichten und dort auch Dschihadisten und Terroristen auszubilden (das Geld dafür kommt nicht aus der Nachbarschaft der Taliban, sondern vielmehr von weit her).
28) Das Verhältnis des Westens zum Islam insgesamt ist durch eine grundsätzliche Animosität und Überheblichkeit des Westens gekennzeichnet. Dabei summieren sich seit Jahrhunderten Verhaltensfehler des Westens und die gegenwärtige demografische Explosion in vielen islamischen Staaten – bei anhaltender Armut und beständiger ökonomischer Drittrangigkeit.
Deshalb kann das Problem religiöser Toleranz, gemeinsam mit dem Problem der Überwindung ökonomischer und sozialer Rückständigkeit, zu einer kardinalen Aufgabe des Westens im 21. Jahrhundert werden. Afghanistan bliebe dann nur einer von mehreren Vorläufern.
Helmut Schmidt hat seine Thesen zu Afghanistan zunächst am 25. Januar im SPD-Parteivorstand in Berlin vorgestellt
- Datum 28.01.2010 - 09:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05
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Das sollte Schmidt mal der Mutter eines in Afghanistan gefallenen Soldaten erklären:
a) Eigentlich kann der Einsatz dort kein Erfolg sein, weshalb Rückzug angesagt ist,
b) den Rückzug dürfen wir aber nur antreten, wenn die Amis das absegnen.
Sind die Deutschen denn immer noch die Vasallen der Nachkriegszeit?
Schröders Raushalten deutscher Truppen aus dem Irakkrieg ist den Deutschen jedenfalls besser bekommen als alles andere.
...realistischsten Analysen der letzten Zeit. Er vermerkt, den Schaden, den ein deutscher Rückzug im Alleingang hätte und gewichtet ihn schwer. Dabei geht es nicht um Vasallentum, wie Sie es nennen, sondern um zukünftige Kooperation in einer sehr unsicheren Welt, wenn ich Schmidt richtig verstehe.
Anders als er sehe ich: "Der amerikanischen Öffentlichkeit muss unüberhörbar gesagt werden: Wir Deutschen sind nach dem von uns verschuldeten Zweiten Weltkrieg und nach unserer totalen Niederlage deutlich weniger kriegsbereit als manche jener Nationen, welche beide Weltkriege gewonnen haben. Diese Haltung resultiert nicht aus idealistischem Pazifismus, auch nicht aus verwerflicher Feigheit, sondern aus der Einsicht in die katastrophale militärische Fehlentwicklung Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Lehre gelernt zu haben ist weiß Gott keineswegs verwerflich!"
Zum Einen ist dies bereits vor Langem gesagt worden und galt lange Zeit als Entschuldigung für das Free Riding und die offenbar feige deutsche Weigerung sich angemessen an der Herstellung internationaler Sicherheit zu beteiligen. Zwischenzeitlich sind aber die verschiedensten Alliierten auch hier in Europa es Leid, der Bundesrepublik Begründungen durchgehen zu lassen, deren Fortbestand alleine Säumnis eigenen politischen Willens ist und in ihrer rationalisierenden Logik höchst fragwürdig sind. Man kann ohne Gewalt keinen Frieden haben. Alles Andere ist Wunschdenken oder Apologetik.
...realistischsten Analysen der letzten Zeit. Er vermerkt, den Schaden, den ein deutscher Rückzug im Alleingang hätte und gewichtet ihn schwer. Dabei geht es nicht um Vasallentum, wie Sie es nennen, sondern um zukünftige Kooperation in einer sehr unsicheren Welt, wenn ich Schmidt richtig verstehe.
Anders als er sehe ich: "Der amerikanischen Öffentlichkeit muss unüberhörbar gesagt werden: Wir Deutschen sind nach dem von uns verschuldeten Zweiten Weltkrieg und nach unserer totalen Niederlage deutlich weniger kriegsbereit als manche jener Nationen, welche beide Weltkriege gewonnen haben. Diese Haltung resultiert nicht aus idealistischem Pazifismus, auch nicht aus verwerflicher Feigheit, sondern aus der Einsicht in die katastrophale militärische Fehlentwicklung Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Lehre gelernt zu haben ist weiß Gott keineswegs verwerflich!"
Zum Einen ist dies bereits vor Langem gesagt worden und galt lange Zeit als Entschuldigung für das Free Riding und die offenbar feige deutsche Weigerung sich angemessen an der Herstellung internationaler Sicherheit zu beteiligen. Zwischenzeitlich sind aber die verschiedensten Alliierten auch hier in Europa es Leid, der Bundesrepublik Begründungen durchgehen zu lassen, deren Fortbestand alleine Säumnis eigenen politischen Willens ist und in ihrer rationalisierenden Logik höchst fragwürdig sind. Man kann ohne Gewalt keinen Frieden haben. Alles Andere ist Wunschdenken oder Apologetik.
... genau wie 1999 als er vor der Spekulanten-Wirtschaftspolitik von Steinmeier, Schröder und Konsorten warnte.
Die Menschheitsgeschichte zeigt, dass sich Probleme nicht mit Krieg und Gewalt lösen lassen. Denn die Probleme sind immer noch da, obwohl die Menschheitsgeschichte eine einzige Folge von Krieg und Gewalt ist.
Übrigens: Es gibt keine gerechten Kriege, es gibt nur verbrecherische.
Die Menschheitsgeschichte zeigt, dass sich Probleme nicht mit Krieg und Gewalt lösen lassen. Denn die Probleme sind immer noch da, obwohl die Menschheitsgeschichte eine einzige Folge von Krieg und Gewalt ist.
Übrigens: Es gibt keine gerechten Kriege, es gibt nur verbrecherische.
Schön, dass auch hier zu Lande langsam erkannt wird, dass Afghanistan ein Vielvölkerstaat ist, in dem es seit 1839 Krieg gibt. Und sich das ganze im kalten Krieg zugespitzt hat, mit der Einführung der Mudschahidin durch die CIA, um ein Krieg mit der Sowjetunion zu beginnen - "Die Sowjetunion sollte ein "Vietnam" in Afghanistan erleben" (Zbigniew Brzezinski).
Später dann die Einführung der Taliban, durch den pakistanischen Geheimdienst, die großteils Nicht-Afghanen waren, sondern Pakistaner, Araber...
Die meisten der heutigen afghanischen Taliban kämpfen für geld, nicht aus ideologischen Gründen. Die Menschen haben keine Arbeit und keine Nahrung, es Kämpfer kriegen sie Nahrung für sich und für ihre Familien. Denn wie sagte der alte Brecht: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral" - die spannende Frage allerdings wäre wer ihnen das "Fressen" gibt. Immer noch Pakistan, aus Furcht vor Indien? Oder sind es die Drogenbarone? - Aber wie schafft man aus einem Land wo sich 48 Staaten befinden noch Drogen raus zu schmuggeln, geschweige denn von der Produzierung dieser... Oder ist die CIA selbst am Drogenhandel beteiligt, wie der renomierte US-amerikanische Investigativjournalist Alfred W. McCoy behauoptet? - Fragen über Fragen, die irgendwann, hoffentlich, ihre Antwort finden. Noch tappt die Öffentlichkeit im Dunkeln, hoffen wir nur das die Regierungen bescheid wissen, und intelligent reagieren.
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http://polemicon.wordpres...
"Johan Galtung: "Noch lange kein Ende des Terrors"
Der Nestor der internationalen Friedensforschung zum Afghanistan-Krieg in einem Interview aus dem Jahre 2001:
SonntagsZeitung: ... Der Erfolg der US-Intervention in Afghanistan scheint den Militärstrategen Recht zu geben.
Johan Galtung: Das würde ich so nicht sagen. Im Moment ist die Situation in Afghanistan chaotisch. Die Taliban sind noch nicht besiegt, und selbst wenn es gelänge, Bin Laden und seine Leute zu beseitigen, bedeutet das noch lange nicht das Ende des Terrors. Vielleicht ist das Modell eines Teufels, der in einer Höhle in Afghanistan sitzt und als Drahtzieher des Terrorismus agiert, völlig falsch. Es ist gut möglich, dass es eine Menge autonomer terroristischer Gruppen gibt, die völlig unabhängig von Bin Laden zuschlagen können. Der Krieg in Afghanistan führt nicht zum Ziel. "
http://www.uni-kassel.de/...
wenn dies so stimmt und wenn man die Ereignisse des letzten Jahres mit einbezieht
1. Wahlfälschung und Machterhalt der korrupten Regierung (Bis heute sind viele Ministerposten noch nicht besetzt, ganz davon abgesehen, wer auf den Ministerlisten steht - Berichterstattung ist nicht so ausführlich, dass man sich wirklich ein Bild machen könnte)
2. Verlust der Unschuld der Bundeswehr durch den Angriff auf die Tanklastwagen in Kunduz mit bewusstem Töten von Zivilisten.
3. Verlagerung von al Qaida in andere Länder
Frage ich mich, warum man dann daraus nicht die Konsequenz zieht aus Afghanistan abzuziehen. Sicher sollte man versuchen dies im Bündnis zu tun, aber wenn dies nicht möglich ist, sollten wir, wie im Irak nach unseren Überzeugungen handeln.
Natürlich war diese Intervention der vielen Staaten nach dem 11. September von Anfang an falsch. Eine kritische Analyse des Terrorismusproblems und der Situation in Afghanistan ist unterblieben, weil es in der ersten Reaktion plausibel erschien, die Terroristen auch dort zu bekämpfen, wo sie sich gerade aufhalten. Über eine gemeinsame Strategie wurde aber zu wenig nachgedacht. Die einen wollten beim Aufbau helfen (zB Deutschland) und präsentierten sich militärisch andere mit Killertrupps und Bombardements die Al Quida auslöschen. Kritisches Hinterfragen, insbesondere aus moralischer Sicht, wurde disqualifiziert.
Dieses Vorgehen in Afghanistan scheitert - wie Helmut Schmidt auch sieht - an den Realitäten in Afghanistan, die man negiert hatte. Noch mehr hätte er betonen können: Es gab schon vor 8 Jahren keine Mehrheit in der Bevölkerung in den allermeisten Ländern. Und die jetzt sichtbare Verwicklung der BW in einen Krieg auf fremden Territorium widerspricht grundlegend dem Geist unserer Verfassung.
Helmut Schmidt gehörte aber zu den wenigen Politikern, die ihre Skepsis stets zum Ausdruck brachten. Er warnte vor einem gefährlichen Präjudiz, wenn es zu Terrorgruppenbildungen in weiteren Ländern käme (u.a. Pakistan).
Natürlich war diese Intervention der vielen Staaten nach dem 11. September von Anfang an falsch. Eine kritische Analyse des Terrorismusproblems und der Situation in Afghanistan ist unterblieben, weil es in der ersten Reaktion plausibel erschien, die Terroristen auch dort zu bekämpfen, wo sie sich gerade aufhalten. Über eine gemeinsame Strategie wurde aber zu wenig nachgedacht. Die einen wollten beim Aufbau helfen (zB Deutschland) und präsentierten sich militärisch andere mit Killertrupps und Bombardements die Al Quida auslöschen. Kritisches Hinterfragen, insbesondere aus moralischer Sicht, wurde disqualifiziert.
Dieses Vorgehen in Afghanistan scheitert - wie Helmut Schmidt auch sieht - an den Realitäten in Afghanistan, die man negiert hatte. Noch mehr hätte er betonen können: Es gab schon vor 8 Jahren keine Mehrheit in der Bevölkerung in den allermeisten Ländern. Und die jetzt sichtbare Verwicklung der BW in einen Krieg auf fremden Territorium widerspricht grundlegend dem Geist unserer Verfassung.
Helmut Schmidt gehörte aber zu den wenigen Politikern, die ihre Skepsis stets zum Ausdruck brachten. Er warnte vor einem gefährlichen Präjudiz, wenn es zu Terrorgruppenbildungen in weiteren Ländern käme (u.a. Pakistan).
Die Menschheitsgeschichte zeigt, dass sich Probleme nicht mit Krieg und Gewalt lösen lassen. Denn die Probleme sind immer noch da, obwohl die Menschheitsgeschichte eine einzige Folge von Krieg und Gewalt ist.
Übrigens: Es gibt keine gerechten Kriege, es gibt nur verbrecherische.
Meinen Sie die verbrecherische Landung der Alliierten in der Normandie? Den verbrecherischen Krieg der Russen, weil Sie sich nicht gänzlich versklaven lassen wollten? Oder alle Völker und Nationen, die sich von Unterdrückern und Besatzern befreit haben? Und bitte bemühen sie nicht die Menschheitsgeschichte, wenn Sie lediglich Ihre Meinung kundtun wollen.
Meinen Sie die verbrecherische Landung der Alliierten in der Normandie? Den verbrecherischen Krieg der Russen, weil Sie sich nicht gänzlich versklaven lassen wollten? Oder alle Völker und Nationen, die sich von Unterdrückern und Besatzern befreit haben? Und bitte bemühen sie nicht die Menschheitsgeschichte, wenn Sie lediglich Ihre Meinung kundtun wollen.
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1. Worin genau besteht Ihrer Ansicht nach das "deutsche Interesse", wenn Sie sagen:
"Das deutsche Interesse gebietet, dass Deutschland sich weder innerhalb der Nato noch innerhalb der Europäischen Union isoliert."
2. Welche konkreten Folgen befürchten Sie, falls D, nach frühzeitiger Ankündigung gegenüber den Verbündeten, dennoch einen selbstständigen militärischen Abzug durchführt?
"1. Worin genau besteht Ihrer Ansicht nach das "deutsche Interesse", wenn Sie sagen:
Das deutsche Interesse gebietet, dass Deutschland sich weder innerhalb der Nato noch innerhalb der Europäischen Union isoliert."
- EU : In allen Staaten die reinkommen geht es der Bevölkerung anschließend besser, den Umkehrschluss überlasse ich Ihnen.
- NATO : Die Tatsache das NATO Staaten kaum angegriffen werden, mag trivial sein --- so lange man nicht auf die letzten Jahrhunderte sieht. Ich möchte jedenfalls nicht den Kopf meiner Familie darauf wetten, das wir ohne ein Verteidigungsbündnis auch so friedlich leben könnten.
Der Frieden in Europa seit dem 2. Weltkrieg lässt die Grundlage dafür verblassen. Nur wegen der engen Zusammenarbeit, den Verzicht auf jede Vertrauenserschütterung, war der Frieden möglich.
Alleingänge Deutschlands würden zunächst dieses Vertrauen erschüttern und anschließend durch politischen Opportunismus zu Selbstläufern werden, die die Stabilität Europas gefährden können. Am Ende eines solchen Prozesses wären auch wieder kriegerische Auseinandersetzungen in Europa möglich.
Es ist völlig naiv zu glauben, dass der Frieden Europas nicht gefährdet werden könnte. Dafür sind gerade in Krisen, wie der Aktuellen, die Interessen der Einzelstaaten zu mächtig.
Leichtsinn und Selbstgefälligkeit haben die Wirtschaftskrise verursacht, den Fehler auf politischem Feld zu wiederholen wäre äußerst dumm. Denn gerade diejenigen, die heute jeden Krieg verurteilen, können morgen diejenigen sein, die nach "aktiver Verteidigung" nationaler Interessen schreien.
H.
"1. Worin genau besteht Ihrer Ansicht nach das "deutsche Interesse", wenn Sie sagen:
Das deutsche Interesse gebietet, dass Deutschland sich weder innerhalb der Nato noch innerhalb der Europäischen Union isoliert."
- EU : In allen Staaten die reinkommen geht es der Bevölkerung anschließend besser, den Umkehrschluss überlasse ich Ihnen.
- NATO : Die Tatsache das NATO Staaten kaum angegriffen werden, mag trivial sein --- so lange man nicht auf die letzten Jahrhunderte sieht. Ich möchte jedenfalls nicht den Kopf meiner Familie darauf wetten, das wir ohne ein Verteidigungsbündnis auch so friedlich leben könnten.
Der Frieden in Europa seit dem 2. Weltkrieg lässt die Grundlage dafür verblassen. Nur wegen der engen Zusammenarbeit, den Verzicht auf jede Vertrauenserschütterung, war der Frieden möglich.
Alleingänge Deutschlands würden zunächst dieses Vertrauen erschüttern und anschließend durch politischen Opportunismus zu Selbstläufern werden, die die Stabilität Europas gefährden können. Am Ende eines solchen Prozesses wären auch wieder kriegerische Auseinandersetzungen in Europa möglich.
Es ist völlig naiv zu glauben, dass der Frieden Europas nicht gefährdet werden könnte. Dafür sind gerade in Krisen, wie der Aktuellen, die Interessen der Einzelstaaten zu mächtig.
Leichtsinn und Selbstgefälligkeit haben die Wirtschaftskrise verursacht, den Fehler auf politischem Feld zu wiederholen wäre äußerst dumm. Denn gerade diejenigen, die heute jeden Krieg verurteilen, können morgen diejenigen sein, die nach "aktiver Verteidigung" nationaler Interessen schreien.
H.
Es ist doch erschütternd das der einzige Experte für Militärische Fragen der bei der Regierung gehört wird (und das auch noch viel zu spät!) Herr Schmidt ist, der bei allem Respekt, seinen Ruhestand doch lange verdient hat! Wenn dieser Alte Herr also nun wieder das Wort ergreifen muss, dann sollte man wenigstens auf ihn hören!
..und sich vor neuerlichen Abenteuern erstmal einen fähigen Berater heranzüchten der die 90 noch nicht erreicht hat! Wen fragt ihr als nächstes, Scholl-Latour??
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