Integration Ihr könnt das!
Eine türkische Mutter hilft Familien dabei, Deutsch zu lernen
DIE ZEIT: Sie besuchen Migrantenfamilien zu Hause und zeigen den Eltern, wie sie ihre Kinder auf die Schule vorbereiten können. Wie machen Sie das?
Hacer Sari: Am Anfang komme ich jede Woche einmal zu den Familien, bringe Arbeitsblätter und Bücher mit und erkläre den Eltern, wie sie mit ihren Vorschulkindern Deutsch üben können. Das machen die Eltern dann allein, jeden Tag ein bisschen. Sie lesen Geschichten vor oder schauen sich mit den Kindern Bilder an und sprechen mit ihnen darüber. Auch das Motorische wird trainiert, die Kinder malen und schneiden Sachen aus.
ZEIT: Sie arbeiten mit dem Materialien aus dem Hippy-Programm (Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters). Was ist besonders daran?
Sari: Das Programm ist auf zwei Jahre angelegt, die Lernmaterialien sind klar strukturiert. Für jeden Tag gibt es Übungen, die dauern etwa 20 Minuten. Außerdem sind die Antworten in Deutsch ausformuliert. So kann die Mutter zum Beispiel richtig vorlesen: »Das ist ein Schaf«, auch wenn sie selbst nicht weiß, ob es »ein« oder »eine« Schaf heißt.
ZEIT: Wie wurden Sie auf Ihre Arbeit vorbereitet?
Sari: Ich habe mit meinem jüngsten Kind an dem Hippy-Programm teilgenommen. Ich weiß genau, wie es funktioniert. Jede Besucherin wird zudem von der Projektleiterin zwei Wochen geschult, und man wird bei seinen ersten Besuchen begleitet.
ZEIT: Zum Konzept gehört, dass die Hausbesucherinnen selbst einen Migrationshintergrund haben.
Sari: Dadurch sinkt die Hemmschwelle, sich jemand Fremdes nach Hause zu holen. Ich komme aus der Türkei und besuche vor allem türkische Familien. Ich kann den Frauen vermitteln: »Ihr könnt das.« Viele überlegen sich nach dem Hippy-Programm, selbst einen Deutschkurs zu machen. Das nützt den Kindern auch wieder.
Interview: Anna Mielke.
Hacer Sari, 40, leistet Starthilfe per Lernprogramm
- Datum 01.02.2010 - 13:44 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05
- Kommentare 10
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Sinnvolles Programm.
Wenn der Staat und die Religionsgemeinschaften mehr Geld in solche Maßnahmen investieren würden, anstatt in Moscheen würde es auch mit der Integration besser klappen.
Dass mit guten Deutschkenntnissen allein die Integrationsprobleme beseitigt wären, ist ein weiter Trugschluss. So bereitet in Großbritannien vor allem die Integration der pakistanischen Einwanderer massive Schwierigkeiten, obwohl diese in der Regel deutlich besser Englisch sprechen als z.B. die osteuropäischen Immigranten.
Ich finde, der Staat sollte sowohl in Moscheen als auch in Bildungsprogramme dieser Art investieren, um all seinen Bürgern gerecht zu werden.
Hätte dieser Artikel nicht etwas länger sein können? Ein spannendes Thema, mich würde interessieren, wie das Vorschul-Programm von den türkischen Müttern (und Vätern?) angenommen wird, ob es Wirkung zeigt, wie sich die Situation der Schulkinder mit Migrationshintergrund derzeit darstellt etc. ...
mehr solche artikel bitte, und wenn's geht ausführlichere!
die probleme mit immigranten kennen wir mittlerweile zur genüge, positive programme sollten öfter erwähnt werden.
fit machen für den Alltag, spart das sehr viel Geld, die in Sprachkurse fließen. Es ist auch ein Zeichen von Fortschrittlichkeit, das allen, auch Frauen, zugänglich zu machen. http://kallewestrich.blog...
[...] Bitte unterlassen Sie zynische Anmerkungen, die als Beleidigung verstanden werden können. Die Redaktion/sh
Vor über 20 Jahren habe ich türkische Frauen unterrichtet. Wenn sie sich so leicht integrieren könnten, wie wir das allgemein glauben hätten wir das sicher schon bemerkt. Es gibt unterschiedliche Erziehungssystme.
Die Frage ist, ob man Nicht-Erziehung auch als Erziehungssystem bezeichnen will?
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