Kommentar Bitte zu Ende denken
Das nationale Stipendiensystem könnte am Verwaltungsaufwand scheitern
Viel wird über das geplante nationale Stipendiensystem gestritten, mit dem die schwarz-gelbe Koalition die Studenten beglücken will. Dabei streiten Gegner und Befürworter in seltener Eintracht am eigentlichen Kern des Problems vorbei.
Die Grundidee des Programms besteht darin, dass der Staat nur die Hälfte des Geldes gibt, die andere Hälfte sollen Unternehmen und Privatspender beisteuern. Die 225 Millionen Euro pro Jahr, die das Bund und Länder anfangs kosten soll, würden künftig beim Bafög fehlen, sagen die Gegner des Systems. Von wegen, sagen die Befürworter, allen voran CDU-Bundesbildungsministerin Schavan und FDP-Chefbildungspolitiker Pinkwart, und halten dem die jüngst beschlossene Bafög-Erhöhung entgegen. Stipendien seien grundsätzlich unsozial, kontern die Gegner, sie flössen jenen zu, die ohnehin privilegiert seien. Die Befürworter wiederum verweisen darauf, dass der Fonds im Unterschied zu bisherigen Stipendien gleichermaßen den im Schnitt sozial schlechter gestellten Fachhochschülern zugute kommen soll.
So geht es – ziemlich ermüdend – weiter. Die wichtigste Frage aber bleibt nicht nur unbeantwortet, sie wird gar nicht gestellt: Wie, um alles in der Welt, sollen die Hochschulen den bürokratischen Aufwand bewältigen? Auf dem Papier mag das System ein großer Wurf sein – wenn es bei der Vergabe tatsächlich gelänge, die soziale Herkunft auszublenden. Ein Stipendium für zehn Prozent aller Studenten, das wäre eine enorme, eine unglaubliche Steigerung gegenüber dem Status quo. Aber genau das ist auch das Problem: 10 Prozent Stipendiaten bedeuten rund 100000 zusätzliche Stipendien, deren private Gegenfinanzierung 100000-mal eingeworben werden muss. Und zwar von den Hochschulen.
Eine einzige große Uni wie München, Bochum oder Hamburg muss für locker 3000 Stipendien spendable Männer, Frauen oder Firmen finden. Mit einem Telefonat pro potenziellem Geldgeber wird es da nicht getan sein. Ganze Abteilungen in den Verwaltungen müssten dafür aufgebaut, Stellen geschaffen werden. Und die Gegenfinanzierung durch den Staat? Bislang nicht vorgesehen. Langsam schwant vielen Rektoren, welche Mammutaufgabe ihnen bevorsteht. Und was für ein Chaos.
Damit kein Missverständnis aufkommt: Dass die Hochschulen die Einwerbung übernehmen sollen, ist sinnvoll, gerade Mittelständler würden nie auf ein anonymes Konto überweisen, ihnen ist der regionale Kontakt zu Hochschule und Stipendiaten wichtig. Sollten die Hochschulen jedoch komplett auf den Kosten der Umsetzung sitzen bleiben, wäre das eine Schande. Und das Scheitern des Stipendiensystems programmiert. JAN-MARTIN WIARDA
- Datum 01.02.2010 - 11:14 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05
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Wenn man die "Besten" mit Stipendien versorgt, fördert man genau die Menschen, die bereits über ausreichend Geld verfügen, was Statistiken belegen. Hängt damit zusammen, dass sie sich vollkommen aufs lernen konzentrieren können und sich nicht mit Jobben und Beantragungen auseinandersetzen müssen.
Letztendlich will man damit einfach nur Studiengebühren legitimieren, was wieder genau die Menschengruppe am härtesten trifft, die es zu fördern gilt. Die bürgerlichen von CDU und FDP verstehen aber sowas nicht, denn ihre soziale Stellungen haben sie ausschließlich aus eigener Kraft geschafft, denn wenn man nur fleißig genug ist dann schafft es jeder vom Tellerwäscher zum Millionär..
Studien von Prof. Hartmann der TU Darmstadt sagen da aber was ganz anderes...will man aber nicht hören...gehören ja schließlich alle der (selbsternannten) Leistungselite an.
Das mit den Stipendien für die besten 10% der Studenten ist leider ein Etikettenschwindel. Sicher, man könnte einwänden, dass 10% das Ziel sind und erst erreicht werden müssen, aber die Art wie es, zumindest an der Uni Duisburg Essen, eingeführt wurde, spricht eine andere Sprache. Hier gab es zum laufenden Semester 150 Stipendien (bei ca. 30000 Studenten. Jede Fakultät hat dabei ein Kontingent, was dann nach Leistung vergeben wird. Klingt ja erstmal gar nicht schlecht. Das Problem ist nur, das etwa die Ingenieurswissenschaften 45 Stipendien erhalten während es bei den Geisteswissenschaftlern magere 3 sind. Sind also bei den Ingenieuren per se mehr leistungsstarke Studenten zu finden als in allen anderen Fächern? Ich hab da so meine Zweifel. Wenn schon gesagt wird die besten 10% erhalten ein Stipendium, dann sollte das auch unabhängig vom Fach sein.
bald von selbst erledigt haben,wenn in NRW die richtigen die Wahl gewinnen und die Studiengebühren abschaffen.Dann kann man die hier freigewordenen Ressourcen wohl besser nutzen.
... sind zwar hinderlich, aber angemessen. Sie kaufen sich für wesentlich weniger Geld, als ein Studium kostet, einen Mittelklasse-Wagen mit Finanzierung und allem, was dazu gehört, sind aber nicht bereit, einen Kredit für ein Studium aufzunehmen?
Studieren mit Studiengebühren ist nicht leicht - ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe mich OHNE die finanziellen Möglichkeiten im Rücken zu haben, für ein privates Studium entschieden. Ich habe nebenbei drei Jobs und bin trotzdem Stipendiat in zwei Stiftungen. Ich behaupte, dass Stipendien durchaus auch an die vergeben werden, die wirklich gut sind und kein Geld haben - wenngleich es möglicherweise stimmt, dass Stipendien oft an sowieso schon priviligierte Studierende gehen.
Meiner Meinung nach sind Studiengebühren aber ein notwendiges Übel, um eine gute Lehre zu gewährleisten. Was mit dem Geld teilweise stattdessen gemacht wird, ist natürlich nicht gut. Aber Ausstattung, Infrastruktur und Dozenten sind nun mal nicht umsonst und müssen bei steigenden Zahlen von Studierenden immer mehr leisten.
Das Stipendiensystem ist, so wie es jetzt ist, schon nicht schlecht. Änderungen, wenngelich nicht in der Form wie es die Bundesregierung jetzt vor hat, sind trotzdem dringend notwendig, um eine gerechtere Verteilung zu gewährleisten.
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