Chef der UBS

Geld her, aber schnell!

Seit einem Jahr führt Oswald Grübel die Geschicke der umstrittenen UBS. Alle Zeichen deuten darauf, dass er seinen Konzern mit dem Investmentbanking retten will. Die Risiken sind enorm

UBS-Chef Oswald Grübel im vergangenen Sommer, als er in Zürich das Halbjahresergebnis seiner Bank verkündete

UBS-Chef Oswald Grübel im vergangenen Sommer, als er in Zürich das Halbjahresergebnis seiner Bank verkündete

Seit einem Jahr lebt der Mann jetzt auf der Baustelle. »Was, so lange schon?« Oswald Grübel gibt sich im Gespräch erstaunt. Im Februar ist es ein Jahr her, seit er den schwierigsten Job der Schweiz angenommen hat: die Rettung der UBS. Wie er so dasteht, sei es mit Presseleuten in der barocken Eingangshalle an der Zürcher Bahnhofstrasse, vor Mitarbeitenden oder mit Pensionierten in einem Ausflugsrestaurant, da wirkt er dieser Tage vielleicht etwas bleich im Gesicht. Aber er lächelt und redet stets entspannt – ein leibhaftiger Gegensatz zu den aufgeregten Politikern in Bern, die wegen seiner Bank wieder die Szenarien einer Staats-, Rechts-, Vertrauens- und Sonst-noch-was-Krise bemühen.

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Natürlich hat Grübel in den letzten zwölf Monaten den gebeutelten Finanzgiganten tüchtig reformiert, verschlankt und viele unverbrauchte Leute an die neuralgischen Stellen gesetzt. Doch von der Aufbruchstimmung, die der Mann verbreitet, mag sich niemand recht anstecken lassen. Noch immer scheint der Umbau der UBS wenig programmatisch.

Der Geschäftsgang: schleppend. Das Kundenvertrauen: bestenfalls fragil. Der Rückhalt in der Heimat: sinkend. Der Aktienkurs: ein Trauerspiel. Und über allem hängt das Damoklesschwert, dass die Bank für ihre Machenschaften in den USA doch noch richtig bestraft werden könne. Seit das schweizerische Bundesverwaltungsgericht letzte Woche verkündete, die Auslieferung vertraulicher UBS-Kundendaten nach Washington sei illegal, setzt sich selbst in bürgerlichsten Kreisen die Idee durch, die UBS sei zu gefährlich für dieses Land geworden – und darum ein Gebilde, das aus Sicherheitsgründen filetiert werden müsse.

»Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass wir die UBS in den USA fallen lassen«, sagt SVP-Stratege Christoph Blocher und fordert eine Holdingstruktur für den Konzern. Die Grünen wollen eine Auffanggesellschaft, um das hiesige Geschäft zu schützen. Und Konrad Hummler, Präsident der Schweizer Privatbankiers, sagt: »Die schrankenlose Kombination systemrelevanter Funktionen mit hoch riskanten Geschäftsarten hat keine Zukunft.« Nur die »unverzichtbaren Teile des Banking« sollen eine Staatsgarantie erhalten – Zahlungsverkehr, Devisenhandel, Abwicklungstransaktionen.

Grübel setzt auf den Bereich, der die Bank ins Verderben gerissen hatte

Was bleibt also von der UBS? Nimmt man Grübels Aussagen, Andeutungen, Entscheidungen und Handlungen der letzten zwölf Monate, so zeichnet sich eine politisch höchst heikle Antwort ab: Was bleibt, ist die Investmentbank.

Denn nur mit den waghalsigen Renditen, die sich aus komplexen Transaktionen mit Bezeichnungen wie Cash Equities, Fixed Income, Exchange Traded Derivatives und Prime Brokerage erzielen lassen, hat die UBS als Großbank noch eine Überlebenschance. Nur so kann man wieder Gewinne machen, welche als Vorbedingung gelten, um in der Vermögensverwaltung, im Firmenkundengeschäft oder in der Bevölkerung an Boden zu gewinnen. Das Risiko aber ist enorm.

Der Husarenritt wurde im November erstmals angedeutet: Da schwärmte Grübel am Investorentag in Zürich von einer UBS, die in fünf Jahren rundum erneuert sei und 15 Milliarden Franken Gewinn vor Steuern erzielen werde. Dabei würde das Investmentbanking in guten Zeiten einen jährlichen Ertrag von zwanzig Milliarden Franken einfahren. Grübel erhob also jenen Geschäftsbereich zum Garanten fürs Comeback, der die alte UBS ins Verderben gerissen hatte.

 
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    • Von Claude Baumann
    • Datum 29.1.2010 - 12:26 Uhr
    • Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
    • Quelle DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05
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    • Schlagworte Bank | Schweiz | Finanzkrise
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