Schwangerschaftsabbruch Ein Abbruch ist niemals normalSeite 2/2
Die Frau behielt beide und bedankte sich immer wieder bei uns für diese ungewöhnliche Schocktherapie.
Im Gespräch mit betroffenen Frauen erfährt man häufig, dass nicht die Frau, sondern der Partner den Abbruch wünscht und sonst droht, die Frau zu verlassen.
Ja, die Liebe ist ein sonderbar Ding.
Das Umgekehrte ist auch ein Problem: Was macht ein Mann, der unbedingt ein Kind haben möchte, seine Frau oder Freundin will jedoch die Schwangerschaft abbrechen? Hier besteht eine naturgegebene große Ungerechtigkeit.
Beim Schwangerschaftsabbruch gibt es auch eine Doppelmoral: Frauen, die eine Schwangerschaft wegen einer nachgewiesenen Behinderung des Kindes beenden, werden häufig schief angesehen. Von den anderen aber, die eine gesunde Schwangerschaft unterbrechen, redet man nicht mehr. Umgekehrt kann eine Frau, die ein Kind mit Down-Syndrom bewusst behält und zur Welt bringt, von der Gesellschaft vorwurfsvolle Bemerkungen zu hören bekommen: So etwas könne man heutzutage doch vermeiden. Und noch schlimmer: Eine Frau, die ihr Kind, das sie nicht behalten kann, zur Adoption gibt oder in eine warme Babyklappe legt, wird von der Gesellschaft verachtet.
Es gibt eine große Zahl zuverlässiger kurz- und langfristig wirkender Verhütungsmethoden und sogar die Pille danach – wenn einmal die Hormone schneller einschießen als das Denken, was jedem passieren kann und darf. Manchmal bereue ich selbst sogar, dass die Planbarkeit so perfekt ist. Der Moment, Kinder zu bekommen, war für mich selbst nie der richtige, und ab und zu bin ich neugierig, was aus den Hunderten von möglichen Chromosomenkombinationen wohl für Individuen entstanden wären.
Die Feministin Noemi Wolf sagte einmal zur Abtreibung: Der Feminismus muss als gescheitert angesehen werden, wenn die Töchtergeneration noch zu diesem Mittel zu greifen hat, das alle Beteiligten zur Inhumanität zwingt.
Und doch: Wäre man lieber ein unerwünschtes oder ein abgetriebenes Kind?
Brida von Castelberg ist Chefärztin der Frauenklinik im Zürcher Triemli
- Datum 28.01.2010 - 09:26 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05
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Infolge der Abtreibungs-Legalisierung nehmen nach der Auffassung der Chefärztin Brida von Castelberg in der Schweiz nicht nur die Abbrüche zu, sondern auch die Sorglosigkeit mit „dem folgenschweren Eingriff“. Die Wohlstands-Gesellschaft zieht sich aus der Affäre, indem sie ungewollt Schwangeren ein „Recht auf Abtreibung“ einräumt und Ärzte zwingt, dem Hippokratischen Eid zuwider zu handeln. Das Ergebnis ist nicht die Verbesserung, sondern die Verschlechterung der Situation für ungewollt Schwangere: Niemand regt sich darüber auf, auf welch skandalöse Weise verzweifelte Frauen - in Deutschland, in der Schweiz und in vielen Ländern - mit einer ungewollten Schwangerschaft im Stich gelassen werden - denn sie haben ja das Recht auf Abtreibung!
Kommt vor dem Recht auf Abtreibung nicht das Recht auf Hilfe?
In Deutschland gibt es endlich eine Initiative, die sich wirklich für ungewollt Schwangere einsetzt. Mehr unter www.1000plus.de
Ich selbst habe zwei Wunschkinder und habe nie über Abtreibung nachgedacht. Dennoch liegt es für mich nicht im Bereich des Unvorstellbaren, dass es Situationen gibt, in denen für Schwangere eine Abtreibung des ungeborenen Lebens die einzige Lösung zu sein scheint.
Das einzige Problem: Der Schwangerschaftsabbruch ist keine Lösung. Ein Kind zu erwarten ist keine rein körperliche Angelegenheit. Und so habe ich bisher von allen Frauen, die ich kennengelernt habe, die eine Abtreibung hinter sich haben, erfahren, dass sie selbst viele Jahre später noch unter dem Eingriff leiden (siehe auch das Beispiel zu Beginn des Artikels). Das reichte von Schuldgefühlen über immer wiederkehrende Alpträume bis zu der Angst, später nicht mehr "geplant" schwanger werden zu können.
Ob man(n) oder frau es nun wahrhaben will oder nicht; es ist vom Zeitpunkt der Verschmelzung von Eizelle und Samen ein Leben, das da entsteht. Eine einzigartige Persönlichkeit mit Gefühlen. Und die kann man nicht mit noch so rationalen Erwägungen totreden, totschweigen - man kann sie aber eben töten. Wen wundert es, dass das nicht spurlos an der Mutter vorbeigeht?
Wie schon von Frau Ketteler erwähnt, bietet "1000plus" einfühlsame Beratungen für Schwangere sowie handfeste (auch finanzielle!) Hilfe an.
Und "wellcome" bietet ganz praktische Hilfe von Ehrenamtlichen nach der Geburt an (siehe www.wellcome-online.de).
"vom Zeitpunkt der Verschmelzung von Eizelle und Samen ... einzigartige Persönlichkeit mit Gefühlen."
Die Persönlichkeit beginnt mit der Geburt. Und Gefühle sind nicht vor der 22. Schwangerschaftswoche möglich.
In den Kreisen, wo sich Christin bewegt, kann ich mir schon vorstellen, dass es etliche Frauen gibt, die nach einem Abbruch an Schuldgefühlen leiden. Unter den mindestens 50 Frauen, die ich persönlich kenne, ist das bei keiner der Fall. Und auch die psychologische Forschung lässt nicht darauf schliessen, dass Frauen nach einem Abbruch vermehrt psychische Probleme hätten.
Im Übrigen hat jede Frau, die wegen der Geburt eines Kindes in Not gerät, Anspruch auf Sozialhilfe. Ich nehme an, das ist in Deutschland nicht anders.
"vom Zeitpunkt der Verschmelzung von Eizelle und Samen ... einzigartige Persönlichkeit mit Gefühlen."
Die Persönlichkeit beginnt mit der Geburt. Und Gefühle sind nicht vor der 22. Schwangerschaftswoche möglich.
In den Kreisen, wo sich Christin bewegt, kann ich mir schon vorstellen, dass es etliche Frauen gibt, die nach einem Abbruch an Schuldgefühlen leiden. Unter den mindestens 50 Frauen, die ich persönlich kenne, ist das bei keiner der Fall. Und auch die psychologische Forschung lässt nicht darauf schliessen, dass Frauen nach einem Abbruch vermehrt psychische Probleme hätten.
Im Übrigen hat jede Frau, die wegen der Geburt eines Kindes in Not gerät, Anspruch auf Sozialhilfe. Ich nehme an, das ist in Deutschland nicht anders.
Wenn am Triemli-Spital in Zürich die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche steigt, könnte das darauf zurückzuführen sein, dass sie in Privatpraxen abnimmt, weil die Anforderungen an einen Praxis-OP in der Schweiz unnötig verschärft und dadurch Abbrüche in der Praxis teilweise verunmöglicht wurden. Oder vielleicht weil andere Spitäler Frauen abweisen?
Jedenfalls ist die Gesamtzahl der Abbrüche in der Schweiz seit Einführung der Fristenregelung im Jahr 2002 nicht angestiegen und gegenüber früheren Jahrzehnten deutlich gesunken. (siehe http://www.svss-uspda.ch/...)
Im Übrigen verbietet der Eid des Hippokrates keineswegs generell den Schwangerschaftsabbruch, sondern bloss das Verabreichen von abtreibenden Zäpfchen.
"Ein Abbruch ist niemals normal", schreibt Brida von Castelberg. Darüber kann man streiten. Aber Ein Abbruch kann nun mal in jedem normalen Frauenleben vorkommen. Leider gibt es das 100% sichere und für alle verträgliche Verhütungsmittel noch immer nicht. Und menschliche Schwächen kommen immer noch vor - ein Kind als Strafe? Das ist wohl auch nicht, was Frau von Castelberg meint.
"vom Zeitpunkt der Verschmelzung von Eizelle und Samen ... einzigartige Persönlichkeit mit Gefühlen."
Die Persönlichkeit beginnt mit der Geburt. Und Gefühle sind nicht vor der 22. Schwangerschaftswoche möglich.
In den Kreisen, wo sich Christin bewegt, kann ich mir schon vorstellen, dass es etliche Frauen gibt, die nach einem Abbruch an Schuldgefühlen leiden. Unter den mindestens 50 Frauen, die ich persönlich kenne, ist das bei keiner der Fall. Und auch die psychologische Forschung lässt nicht darauf schliessen, dass Frauen nach einem Abbruch vermehrt psychische Probleme hätten.
Im Übrigen hat jede Frau, die wegen der Geburt eines Kindes in Not gerät, Anspruch auf Sozialhilfe. Ich nehme an, das ist in Deutschland nicht anders.
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