Debatte Die Chinesen haben doch Recht!
Vor zwei Wochen rief Mark Schieritz zum Widerstand gegen die Währungspolitik der Volksrepublik auf. Eine Gegenrede von Frank Sieren
© Antony Dickson/AFP/Getty Images

Kunden vor einem Geldwechselschalter in Hongkong. China hält den Kurs seiner Währung niedrig
Na klar: Man kann China als einen Krisengewinner bezeichnen, der mit unlauteren Mitteln arbeitet. Ein Riesenland, das seine Währung zum eigenen Vorteil manipuliert, auf Kosten der Welt wächst und die Weltwirtschaft in eine Schieflage bringt.
Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. China ist es nämlich andererseits auch gelungen, Hunderte von Millionen Menschen daheim aus bitterer Armut zu befreien, und zwar genau dank dieser »Manipulation«. China hat es geschafft, Wohlstand gerechter zu verteilen, als das jede noch so engagierte westliche Entwicklungshilfe vermocht hat. Und China mag zwar zur Entstehung der Weltwirtschaftskrise beigetragen haben, ist aber in diesen Tagen umgekehrt zu einem entscheidenden Stabilitätsfaktor geworden.
Die Chinesen wachsen nämlich noch, und sie kaufen auf dem Weltmarkt ein. Man muss sich nur mal vorstellen, wie die globale Krise verlaufen wäre, wenn die Volkswirtschaft Chinas im vergangenen Jahr nicht um 8,7 Prozent gewachsen wäre, sondern geschrumpft wie in Deutschland!
Mit dieser Erfolgsbilanz wird sich die chinesische Führung nicht so leicht von ihrem gegenwärtigen Währungskurs abbringen lassen. Zumal die Diktatoren wenigstens in dieser Frage die Bevölkerung hinter sich wissen.
Es ist eher andersherum: Chinas Führung entwickelt inzwischen eigene Vorstellungen, was sinnvoll für die (Währungs)-Welt sein könnte. Diese Ideen decken sich nicht immer mit denen des Westens. Die multipolare Weltordnung bahnt sich langsam ihren Weg.

China schade der Welt, die müsse sich wehren, schrieb Mark Schieritz in der ZEIT. Klicken Sie auf das Bild, um seine Argumente zu lesen!
Und natürlich wissen chinesische Politiker, wie viel für den Westen auf dem Spiel steht, wenn er mit Protektionismus droht. Zu viel nämlich, um es auf breiter Front zu riskieren. Die westliche Wirtschaft, Amerika ebenso wie Europa, brauchen China als Absatzmarkt und Produktionsstandort; nach der Krise mehr denn je. Und dass über 50 Prozent der exportierten Produkte von westlich-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen produziert werden, die meist gut verdienen, macht die Protektionismusdrohung westlicher Politiker nicht überzeugender. Kein Wunder also, dass Außenminister Guido Westerwelle die Währungsfrage bei seinem Antrittsbesuch in Peking nicht einmal angesprochen hat. Angesichts dieser komplexen Verflechtung klingt die westliche Warnung, die Schonzeit für China sei nun vorbei, wie ein billiger Bluff.
Umgekehrt weiß natürlich auch der Westen: China mag drohen, als größter Gläubiger der USA im großen Stil seine Dollars zu verkaufen, wenn die USA nicht spuren – doch das würde den Chinesen mindestens genauso schaden wie dem Westen. Zudem sind die Chinesen noch einige Jahrzehnte auf westliche Technologie und die internationalen Absatzmärkte angewiesen, um ihr Wachstum zu halten und damit die soziale Stabilität im eigenen Land garantieren zu können. Es ist also sinnlos, angesichts dieser gegenseitigen Abhängigkeit noch ausprobieren zu wollen, wer am längeren Hebel sitzt. Dem Gleichgewicht des Schreckens im Kalten Krieg folgt nun ein Gleichgewicht der wirtschaftlichen Verflechtung in der Globalisierung.
Keine Frage, der Westen muss seine Interessen geschlossener deutlich machen als bisher und dabei standfest sein. Aber es bringt wenig, sich der Illusion hinzugeben, die eigenen Interessen in diesen Fragen seien gewichtiger als die der Asiaten. China und der Westen sind also dazu verdammt, jenseits protektionistischer Drohungen echte Kompromisse zu finden. Und je eher sie damit anfangen, desto besser für beide Seiten.
- Datum 28.01.2010 - 16:09 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05
- Kommentare 16
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Zuerst der schöne Kommunismus,
dann das schöne Kapitalismus,
was bringen jetzt die Chinesen in den kommenden Jahrzehnten auf den Markt?
Ist also ein global-assoziales Verhalten okay wenn es logal sozial ist? Das erscheint mir doch sehr kontrovers! Denken wir zurück, so haben doch wir Europäer auch eine Zeit lang (beziehungsweise immer noch) Reichtum einfahren können durch Ausbeutung anderer Länder.
"Na klar: Man kann China als einen Krisengewinner bezeichnen, der mit unlauteren Mitteln arbeitet. Ein Riesenland, das seine Währung zum eigenen Vorteil manipuliert, auf Kosten der Welt wächst und die Weltwirtschaft in eine Schieflage bringt."
gegen
"...China ist es nämlich andererseits auch gelungen, Hunderte von Millionen Menschen daheim aus bitterer Armut zu befreien, und zwar genau dank dieser »Manipulation«. China hat es geschafft, Wohlstand gerechter zu verteilen..."
Für ein nachhaltiges Wachstum braucht China einen stärkeren Binnenmarkt.
Der Harvard-Ökonom Aghion unterstützt die These, dass sich China abschotten dürfen sollte, um den internen Markt zu stärken. Er weist aber darauf hin, dass das sehr komplex ist, weil es im Widerspruch der WTO policy steht.
http://www.fr-online.de/i...
China befreit sein Volk aus bitterer Armut und verteilt gerechten Wohlstand?
Durch Folter, tausendfache Hinrichtungen, Enteignung, Zensur und generell repressive innen- und Aussenpolitik? Weiß der Autor überhaupt, was und worüber er schreibt?
... das ist durchaus ein gültiges Argument. Zumal, wenn man den 0815-Chinesn auf der Strasse fragt. Erst kommt das Fressen, dann die Moral.
Allerdings sollte auch gesagt sein, dass die kommunistische Regierung auch zum großen Teil mitverantwortlich für die Armut in China ist!
... das ist durchaus ein gültiges Argument. Zumal, wenn man den 0815-Chinesn auf der Strasse fragt. Erst kommt das Fressen, dann die Moral.
Allerdings sollte auch gesagt sein, dass die kommunistische Regierung auch zum großen Teil mitverantwortlich für die Armut in China ist!
und was macht Amerika?
[...] Bitte verzichten Sie auf unbelegte Spekulationen. Danke. Die Redaktion/sh
nur um einen Krieg anzufangen und jetzt gehts mit unserer Hilfe in den Iran, na wenn das nichts ist?
Ausserdem isr diese Problem (wenn man es überhaupt als Problem betiteln kann?) schon längst bekannt und wir alle wissen es. Aber über eine Freihandelszone Europa/USA wollte ja keiner was wissen, denn dann wären die Chinesen gezwungen sich anzupassen.
Ausserdem kommt es doch unserer Wirtschaft sehr zu gute (denken die!) wenn man immer wieder etwas billiger im Ausland einkaufen kann und dafür unsere Harz 4 Empfäner wachsen. Das ist der Preis und jatzt haben sie sih selbst ans Bein gepinkelt.
... das ist durchaus ein gültiges Argument. Zumal, wenn man den 0815-Chinesn auf der Strasse fragt. Erst kommt das Fressen, dann die Moral.
Allerdings sollte auch gesagt sein, dass die kommunistische Regierung auch zum großen Teil mitverantwortlich für die Armut in China ist!
Kann man, wenn es um die kommunistische Regierung geht, differenzieren? Sicherlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die kommunistische Regierung an den Hungersnöten Schuld trägt.
Aber ich würde gerne, wenn es geht, zwischen Mao und der Regierung danach differenzieren. Die aktuelle Regierung ist doch absolut nicht in eine Reihe mit Mao, Stalin oder auf nicht-kommunistischer Seite Hitler zu stellen? Sicherlich, es ist immernoch ein repressives Regime! Aber hat nicht auch eine Entwicklung stattgefunden? Man kann und soll auch China kritisieren, aber die Regierung als ein Ebenbild des Bösen, deren Kader _nur_ egoistische, diktatorische Interessen haben, darzustellen, finde ich in Anbetracht der Zeit unter Mao für überzogen.
... haben ich auch nicht geschrieben. Fakt ist aber, auch unter Mao die Regierung kommunistisch war.
Außerdem ging auch nach Mao viel schief, was der Regierung anzulasten ist... und das geht bis zum heutigen Tag.
... haben ich auch nicht geschrieben. Fakt ist aber, auch unter Mao die Regierung kommunistisch war.
Außerdem ging auch nach Mao viel schief, was der Regierung anzulasten ist... und das geht bis zum heutigen Tag.
... haben ich auch nicht geschrieben. Fakt ist aber, auch unter Mao die Regierung kommunistisch war.
Außerdem ging auch nach Mao viel schief, was der Regierung anzulasten ist... und das geht bis zum heutigen Tag.
als eine Scheindemokratie wie wir sie hier oder in den USA haben.
Dazu eine Frage, welche Parteien Deutschlands waren seit WWII an der politischen Spitze ?
Soviele sind das nicht(Koalitionen sehe ich als eine Regierunspartei, da immer die großen Parteien dabei das Sagen haben).
Und wen wählst du bei der nächsten Wahl ?
als eine Scheindemokratie wie wir sie hier oder in den USA haben.
Dazu eine Frage, welche Parteien Deutschlands waren seit WWII an der politischen Spitze ?
Soviele sind das nicht(Koalitionen sehe ich als eine Regierunspartei, da immer die großen Parteien dabei das Sagen haben).
Und wen wählst du bei der nächsten Wahl ?
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