Vielleicht liegt es ja an der Weißwurst, die man schon zum Frühstück essen kann (was die Mehrheit der Deutschen irgendwie eklig findet), und ein bisschen auch an Uli Hoeneß, dem berühmtesten Würstchenfabrikanten, dass den Bayern eine extra hohe Wurstaffinität zugesprochen wird.

Tatsächlich sind die Metzgereien, das weiß der Fleischerverband, im Süden etwas zahlreicher als im Norden. Diese Karte zeigt indessen: Keinesfalls erzeugt der Süden mehr Wurstsorten als der Rest des Landes. Auch Thüringen, die Pfalz, Nordhessen, Westfalen und die Gegend um Braunschweig herum sind erfindungsreich gewesen, was Würste anbelangt. Überall dort waren die Böden für die Viehzucht viel besser geeignet als für den Ackerbau – und mit Schweinen und Rindern kamen die Würste. Zuerst die Blutwurst, später feinere Sorten.

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Und all diese Sorten haben überlebt, sogar gegen die Macht des Vegetarismus: weil Wurst ein Heimatgeschmacksverstärker ist. Und wenn die Bayern ein klein wenig mehr Lust auf Wurst haben als andere, so gelüstet es sie vermutlich mehr als andere nach Identität.