Immobilien Meine Rente, mein Haus, mein Kredit

Hypotheken aufs Eigenheim könnten Senioren helfen, die Geld brauchen. In Deutschland ist der Markt aber noch unterentwickelt.

Viele ältere Menschen sind reich und haben trotzdem ein Problem, wenn größere Ausgaben anstehen. Oft steckt fast ihr komplettes Geld im Eigenheim, liquide Mittel dagegen sind knapp. Bei der Bank bekommen viele Rentner nur schwer ein Darlehen – selbst wenn sie eine eigene Immobilie als Sicherheit anbieten können. Der Grund: Renten und Pensionen sind meist deutlich niedriger als das letzte monatliche Gehalt. Zudem könnten die Kunden sterben, bevor sie den Kredit abbezahlt haben. Um das Risiko auszugleichen, verlangen Banken von Senioren einen vergleichsweise hohen Zins. Oder sie bestehen auf einer Versicherung, die im Todesfall die Tilgung übernimmt.

Kaum ein Rentner oder Pensionär will im Alter das eigene Haus oder die Wohnung verkaufen. Es gibt aber mittlerweile eine Anzahl von Finanzprodukten, die es Immobilienbesitzern möglich machen, an das Kapital heranzukommen, das in ihrem Eigenheim steckt, ohne dort ausziehen zu müssen. Mehrere Finanzdienstleister haben solche Angebote im Programm, sie funktionieren jedoch höchst unterschiedlich.

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Ganz neu auf dem Markt ist das bayerische Unternehmen Immokasse, das seit März 2009 gemeinsam mit der Deutschen Kreditbank ein neues Finanzmodell für Ruheständler anbietet. Wer ein Haus oder eine Eigentumswohnung besitzt, kann sich einen Kredit von bis zu 35 Prozent des Immobilienwerts auszahlen lassen. Als Sicherheit dient die Immobilie. Voraussetzung des Produkts namens Immorentenplus: Das Haus oder die Wohnung muss selbst genutzt und frei von Schulden oder nur gering belastet sein. Außerdem müssen die Eigentümer mindestens 65 Jahre alt sein.

Der Zinssatz beträgt jährlich 6,9 Prozent des Darlehensbetrags. Zinseszinsen gibt es nicht, allerdings verlangt der Anbieter eine jährliche Pauschale für das Aufschieben der Zinszahlungen, die sogenannte Stundung. Zunächst sind pauschal 500 Euro pro 15.000 Euro Kredit fällig, vom elften Jahr an 750 Euro, vom 21. Jahr an 900 Euro. Hinzu kommen 1,5 Prozent der Darlehenssumme als Bearbeitungsgebühr. »Das Darlehen ist nicht gerade billig«, warnt die Zeitschrift Finanztest . Den Kredit verlangt die Immokasse erst zurück, wenn die Immobilienbesitzer sterben, das Haus verkaufen oder dauerhaft ausziehen. Sterben die Besitzer, müssen die Erben das Darlehen zurückzahlen.

 Mit dem Prinzip sind schon mehrere Anbieter gescheitert

Mit diesem neuen Kredittyp für Senioren hat die Immokasse einige Aufmerksamkeit erregt. Bisher gibt es in Deutschland nämlich kaum Anbieter, die es Kunden im Rentenalter ermöglichen, ihre Immobilie so zu Geld zu machen. Verbreitet sind solche Produkte dagegen in den USA und in Großbritannien: Dort leisten sogenannte umgekehrte Hypotheken oder Umkehrdarlehen meist eine monatliche Rentenzahlung an Senioren. Als Sicherheit dient auch hier die selbst genutzte Immobilie. Im Unterschied zu einem herkömmlichen Immobilienkredit wird aber zu Lebzeiten des Kreditnehmers weder eine Tilgung noch eine Zinszahlung fällig. Dafür gehört die Immobilie nach dem Tod des Kunden zu einem großen Teil oder sogar komplett der Bank.

Trotz einiger gescheiterter Versuche in der Vergangenheit erwarten Experten, dass sich in den kommenden Jahren solche Kreditangebote für Rentner und Pensionäre auch in Deutschland durchsetzen. »Der Markt hat großes Potenzial«, sagt Gunnar Lang vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Kinder zögen seltener als früher nach dem Tod ihrer Eltern in deren Haus ein, argumentiert Lang. Stattdessen verkauften oder vermieteten sie. »Für Ruheständler wird die Hemmschwelle niedriger, das Eigenheim zu beleihen«, sagt Lang.

Zudem trage das sinkende Rentenniveau dazu bei, dass Menschen im Alter zunehmend Geldsorgen plagen. Das Haus oder die Wohnung macht in vielen Familien den größten Vermögensbestandteil aus. »Auf Produkte zum Verzehr des Immobilienkapitals haben viele Verbraucher gewartet«, glaubt Lang. Sobald Rentenhypotheken bekannter seien, nehme sicher auch die Nachfrage zu.

Mehrere Finanzdienstleister sind allerdings mit entsprechenden Produkten schon gescheitert. So hatte die Bausparkasse der Dresdner Bank bereits vor acht Jahren ein Immobiliendarlehen in Planung, das sie »Heim und Rente« nennen wollte. Doch noch vor dem Marktstart beerdigte das Unternehmen das Projekt.

Die Bank verkauft das Produkt nur auf Nachfrage und wirbt nicht dafür

Im vergangenen Jahr bot die Hannoversche Lebensversicherung Ruheständlern an, eine Immobilie bis zur Hälfte ihres Verkehrswerts zu beleihen, ohne den Kredit zu Lebzeiten zu tilgen. Verbraucherschützer lobten das Produkt wegen seiner niedrigen Zinsen. Doch der Anbieter stampfte das Umkehrdarlehen schon nach wenigen Wochen wieder ein. Die Nachfrage sei zu gering gewesen.

Unter den großen Kreditinstituten hat nur die HypoVereinsbank ein spezielles Produkt dieser Kategorie im Angebot. Bei der sogenannten Immobilienrente gibt die Bank allerdings nicht selbst Geld an Kunden aus, sondern vermittelt einen privaten Investor. Der kauft das Haus oder die Wohnung. Der Verkäufer wohnt dann zur Miete dort, wobei der Vertrag eine ordentliche Kündigung ausschließt. Bisher ist diese Variante der Immobilienrente kein Verkaufsschlager: »Die Nachfrage ist sehr gering«, sagt ein HypoVereinsbank-Sprecher. Allerdings verkauft die Bank das Produkt auch nur auf Nachfrage, sie bietet es Kunden nicht aktiv an und macht keine Werbung dafür.

Demnächst wollen öffentliche Förderbanken mit einem eigenen Angebot die Konkurrenz beleben. So plant die Investitionsbank Schleswig-Holstein, ein Umkehrdarlehen anzubieten. Kunden erhalten eine monatliche Auszahlung, wenn sie ihr Eigenheim beleihen. Dabei können sie zwischen zwei Varianten wählen: Entweder entscheiden sie sich für eine Rente bis zum Ende der statistischen Lebenserwartung. Oder sie wählen die Rentenzahlung bis zum 110. Lebensjahr, nehmen dafür aber eine geringere monatliche Zahlung in Kauf.

Die Förderbank will die Immobiliendarlehen erst zurückverlangen, wenn die Kunden sterben oder ausziehen. Das Institut verlangt einen jährlichen Zins von 6,3 Prozent und eine Bearbeitungsgebühr von 1,5 Prozent. Zusätzlich ist ein sogenanntes Garantieentgelt fällig. Die Höhe der Rente richtet sich nach dem Wert der Immobilie.

Das Produkt hat eine Arbeitsgruppe aus Vertretern öffentlicher Banken entwickelt. »Mehrere Institute prüfen, ob sie es ebenfalls einführen«, sagt Axel Vogt, Leiter Immobilien bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein. Besonders weit fortgeschritten seien die Vorbereitungen in Hamburg und Nordrhein-Westfalen. »Ich würde mich nicht wundern, wenn private Banken bald mit Produkten nachziehen würden«, sagt Vogt. Immerhin gibt es viele potenzielle Kunden: In Deutschland sind nach Zahlen des ZEW mehr als vier Millionen Eigenheimbesitzer älter als 60 Jahre.

 
Leser-Kommentare
  1. Warum kann man keine Hypothek zu aktuell ca. 4% auf sein Haus aufnehmen, mit einer Beleihungsgrenze bis zu 60%.

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    • ddkddk
    • 31.01.2010 um 21:08 Uhr

    bekommen Sie normalerweise keinen Kredit. Banken finanzieren Konsumausgaben in der Regel nicht.

    Außerdem ist es ab 65 sowieso schwierig, noch einen Kredit zu erhalten. Die Banken wollen sich im Ernstfall nicht mit den Erben herumschlagen müssen.

    • ddkddk
    • 31.01.2010 um 21:08 Uhr

    bekommen Sie normalerweise keinen Kredit. Banken finanzieren Konsumausgaben in der Regel nicht.

    Außerdem ist es ab 65 sowieso schwierig, noch einen Kredit zu erhalten. Die Banken wollen sich im Ernstfall nicht mit den Erben herumschlagen müssen.

  2. Es gruselt mich, dass die ZEIT ganz offen Werbung für Geschäftsmodelle macht, die die Ausplünderung im alter veramter Renter zum Ziel hat.
    Ja prima, was brauchen die Alten denn ein Eigentum, wenn man ihnen gnädig eine kleine Rente und Wohnrecht bis zum Ableben gibt
    Offensichtlich sind die Alten nicht ganz doof.

  3. das komplette Risiko beim Kreditnehmer. Und ZeitOnline macht dafür eine fast kritiklose Werbung. Besser geht's nicht für die Firmen

  4. Armen Leuten wurden Kredite angeboten gegen Hypothek aufs Eigenheim - und schwups haben wir (leicht vereinfachend gesagt) die größte Finanzkrise seit 1929, hier nachzulesen:

    http://www.newyorker.com/...

    Fazit: Wenn liquide Mittel knapp sind, dann hast du kein Geld, also nix kaufen.

    • lepkeb
    • 31.01.2010 um 21:01 Uhr

    importieren im Moment alle bereits in den USA gescheiterten Modelle.
    Das geht bei der Krankenversicherung los und endet jetzt bei diesen unsinnigen Hypotheken auf Eigenheime von Rentnern.
    Jedoch macht der Artikel bei der Vita des Autors Sinn, den von einem studierten Volkswirt ist nichts anderes zu erwarten, diese lernen nichts aus der Vergangenheit und mit der Zukunft und den Wirkungen in offenen Systemen beschäftigen sie sich schon gar nicht. Das beste Beispiel ist der Bubble Boy Alan Greenspan, dem Verursacher der größten Blasen in der Nachkriegsgeschichte.

    • ddkddk
    • 31.01.2010 um 21:08 Uhr

    bekommen Sie normalerweise keinen Kredit. Banken finanzieren Konsumausgaben in der Regel nicht.

    Außerdem ist es ab 65 sowieso schwierig, noch einen Kredit zu erhalten. Die Banken wollen sich im Ernstfall nicht mit den Erben herumschlagen müssen.

    Antwort auf "Das verstehe ich nicht"
  5. Wenn die Erben das Erbe nicht mehr nutzen können, da sie woanders leben und arbeiten, verschenken wir dieses gleich an die Bank und erhalten dafür ein paar Almosen.
    6,9 Prozent Zinsen bedeutet in der Umkehr nichts anderes, als dass man die Kreditsumme innerhalb von 15 Jahren durch die Zinsen bezahlt hat. Das Manko ist nur, dass das Haus dann immer noch der Bank gehört und mit Sicherheit der Rentner dann immer noch monetäre Probleme besitzt.

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    ...wenn die Zinsen während der Laufzeit fällig wären.

    Die aktuellen Modelle der "echten" Umkehrhypothek sehen keine regelmäßigen Zahlungen vor. Wenn der Kunde Raten zahlen KANN (nach Bonitätsbetrachtung der Banken) und das auch WILL, ist eine normale Hypothek sicher immer günstiger. Aber was ist, wenn einer der beiden Punkte eben nicht zutrifft?

    ...wenn die Zinsen während der Laufzeit fällig wären.

    Die aktuellen Modelle der "echten" Umkehrhypothek sehen keine regelmäßigen Zahlungen vor. Wenn der Kunde Raten zahlen KANN (nach Bonitätsbetrachtung der Banken) und das auch WILL, ist eine normale Hypothek sicher immer günstiger. Aber was ist, wenn einer der beiden Punkte eben nicht zutrifft?

  6. ...kann man auch bei solchen Angeboten durchaus versuchen - vor allem wenn man sich mit den Details beschäftigt hat. Was soll denn z.B. ein 75-jähriger Rentner tun, der vielleicht 1.000 € Rente hat (was ohne Zweifel nicht für´s Leben und den Unterhalt einer Immobilie reicht)? Wenn dieser jetzt, wie häufig verbreitet den Wunsch hat, sein Häuschen eben nicht zu verkaufen und die Familie nicht helfen kann oder will, hat er doch gar keine andere Möglichkeit, als auf ein solches Produkt zurückzugreifen.

    Sicher kann keine pauschale Empfehlung für eine solche umgekehrte Hypothek gegeben werden und es muss immer der Einzelfall betrachtet werden, ob andere Lösungen nicht sinnvoller oder günstiger sind. Aber für eine bestimmte Zielgruppe ist dieses Produkt sicher ein begrüßenswerte und erwartete Alternative.

    Gibt es kein Produkt heißt es, die Banken seien unfelxibel und der Zielgruppe werde nicht geholfen. Kommt dann doch ein Produkt, wird dieses ungerechtfertigt und pauschal kritisiert.

    Den Meisten kann man es scheinbar nie recht machen.

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