Die intelligentesten Gauner waren schon immer diejenigen, die ihre Opfer erfolgreich umgarnten, sodass diese ihr Hab und Gut den Eroberern förmlich aufdrängten. Genauso verhält es sich mit modernen Datensammlern . Wer alles über seine Kunden wissen will, der biete ihnen nur eine entsprechende Plattform zur digitalen Selbstentblößung. Den Rest erledigen sie selbst – etwa via Facebook oder Twitter. Doch es geht noch besser.

In den USA hat ein Netzwerk mit dem Namen Blippy Erfolg. Das klingt zwar nach süßen Stoffhasen und nicht nach Datenräuberei. Blippy aber leitet sich vom Englischen blip ab, dem Piepston, der beim Einscannen von Einkäufen zu hören ist. Mit jedem blip veröffentlicht der Nutzer auf der Website des neuen Dienstes, was er gerade wie teuer eingekauft hat. D. Mike C., der sich kurz CDX nennt, schlemmte laut Blippy am Montag für 10,66 US-Dollar bei McDonald’s. Sein Kommentar dazu: " happiness". Kurz zuvor war er im Wegman’s Market, wo er für 16,55 Dollar Bier kaufte. Wer das Einkaufsleben von CDX verfolgt, kann ihm mitteilen, dass er sich um seinen Body-Mass-Index sorgt oder dass er das Super-Bigmac-Angebot auch echt lecker fand. Andere spenden lieber für Haiti und lassen sich dafür von ihren Freunden loben, wieder andere kaufen Bücher und wollen Applaus für ihren guten Geschmack.

So weit, vielleicht noch so harmlos. Damit der Service funktioniert, muss der Nutzer allerdings erst mal seine Kreditkarteninformationen bei Blippy eintragen. Und die Zugangsdaten zu allen Websites, bei denen er als Käufer registriert ist, etwa iTunes und Amazon . Wer ein paar Monate dort registriert ist, dürfte ein Profil von sich erstellt haben, das Marketingmenschen in Ekstase versetzt. In der Kombination mit den Kreditkartendaten ist es außerdem ein Schatz für Betrüger. Ob Blippy gut auf diesen Schatz aufpasst? Man muss kein Datenschützer sein, um daran berechtigte Zweifel zu haben. Es reicht ein Blick in die privacy policy . Dort heißt es recht unverklausuliert, dass in den Datenfluss jederzeit Dritte mit eingebunden werden dürfen, wenn zum Beispiel eine Direktmarketing-Kampagne geplant wird.

Wer in Deutschland Lust auf diese neue Variante digitaler Selbstentblätterung verspürt, der muss sich noch ein wenig gedulden. Vorerst funktioniert Blippy in der Vollversion nur mit einer in den USA erworbenen Kreditkarte.