Humanitäre Interventionen Nur zu eurem Besten

Haiti und Somalia, Kosovo und Afghanistan – der Westen schickt Militär, um zu helfen. Aber können Soldaten Retter sein?

US-Soldaten in der vom Erdbeben zerstörten haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince

US-Soldaten in der vom Erdbeben zerstörten haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince

Es sind, geben wir es zu, beeindruckende Bilder: Amerikanische Soldaten regeln den Flugverkehr in Port-au-Prince, US-Marines patrouillieren in der haitianischen Hauptstadt, amerikanische Hubschrauberpiloten transportieren Hilfsgüter. Send in the marines!, baten die Haitianer nach dem Erdbeben vom 12. Januar. Barack Obama sandte nicht nur ein paar Marineinfanteristen, sondern startete einen gigantischen humanitären Einsatz seiner Streitkräfte. Aus richtigen Motiven – und mit einem Gestus, der sagen wollte: Seht her, wir können ganz anders. Keine Scharfschützen, keine Drohnen. Nur gute Absichten und Lebensmittelpakete.

Dieser Einsatz ist ethisch und rechtlich gerechtfertigt. Und zwingend. Nicht, weil das US-Militär als Nothelfer geeigneter als andere wäre, sondern weil es auf absehbare Zeit keine Alternativen geben wird. Für einen globalen zivilen Katastrophenschutz oder auch eine gut ausgestattete dauerhafte UN-Truppe fehlt es der Staatengemeinschaft an Willen und Geld.

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Eben deswegen ist dieser Einsatz politisch problematisch. Der Soldat, der bei Bedarf übergangslos von seiner Rolle als Krieger in die des Not- und Aufbauhelfers schlüpft; der zivile Helfer, der ohne militärische Unterstützung hilflos scheint – das sind Medienbilder, die eine gefährliche Entwicklung markieren: die Militarisierung des Humanitären. Denn was bedeutet es, wenn die Grenzen zwischen Krieg und Frieden verwischt werden?

Diese Entwicklung begann nicht in Haiti, auch nicht in Afghanistan, sie begann vor bald achtzehn Jahren in Somalia mit der Landung amerikanischer Elitetruppen am Strand von Mogadischu. Operation Restore Hope – Operation Hoffnung wiedergeben – sollte »ein sicheres Umfeld« für die Versorgung der hungernden Zivilbevölkerung in Somalia und einen historischen Präzedenzfall herstellen. Erstmals hatte die Medienberichterstattung über eine humanitäre Katastrophe unmittelbare militärische Konsequenzen. Der UN-Sicherheitsrat erklärte die Hungersnot in Somalia zur Gefahr für Frieden und Sicherheit, die USA setzten sich an die Spitze einer militärischen UN-Mission – und die Weltöffentlichkeit wurde Zeuge der ersten humanitären Intervention. Eine »neue Weltordnung der guten Absichten« schien geboren.

Die Operation Hoffnung wiedergeben endete in einem Debakel, in einer »Operation Nichts-wie-raus-hier«. Die Gründe sind vielfältig, aber an einige lohnt es zu erinnern – schon allein deswegen, weil sich die Fehler bis heute wiederholen: Die UN-Blauhelme waren schlecht ausgestattet und überfordert; die US-Truppen, bar jeder Kenntnis über Konfliktursachen und Klanstrukturen, aber strotzend vor militärischer Kraft, erklärten einen Klanchef zum Bösewicht, ließen sich auf einen Minikrieg ein, erlitten vor laufenden Kameras kleine, aber demütigende Verluste und kehrten heim.

Haiti nach dem Erdbeben

Auch mitten im Horror entwickeln Menschen einen Alltag. In Port-au-Prince haben Geschäfte geöffnet, Bagger reißen Ruinen ein, übers Radio werden Angestellte im Staatsdienst aufgerufen, sich bei ihren Vorgesetzten zu melden – sofern diese noch leben. Gehälter sollen ausgezahlt werden. Amerikanische und UN-Soldaten patrouillieren zwischen Heerscharen von Obdachlosen. Das haitianische Rote Kreuz bittet um Blutspenden. Vor der US-Botschaft warten Hunderte in der Hoffnung auf ein Visum. Lokale Selbsthilfekomitees , die in diesem Land eine lange Tradition haben, organisieren kleine Gesundheitsstationen. Internationale Hilfsorganisationen verteilen Trinkwasser und Nahrungspakete. Es fehlt derzeit an Zelten und mittelfristig unter anderem an Prothesen. Notärzteteams aus aller Welt konnten und können viele Verletzte nur durch Amputation vor dem Tod retten.

Zu beklagen sind mindestens 112.000, wahrscheinlich 200.000 Tote und mehr als 200.000 Verletzte. 800.000 bis eine Million Menschen sind obdachlos. Das ist die vorläufige Bilanz, fast drei Wochen nach dem Erdbeben. Es fließt reichlich Geld für die Nothilfe. Wie der Wiederaufbau finanziert wird, ist jedoch noch ungewiss.

Geberkonferenzen

Auf einem ersten Treffen in Montreal haben Vertreter der Geberländer und der haitianischen Regierung noch keine Summen, aber einen Zeitraum genannt: Zehn Jahre lang will die internationale Gemeinschaft beim Staatsaufbau helfen. Es soll kein Protektorat, keine Interimsverwaltung wie in Ost-Timor oder im Kosovo geben. Man wolle »Partner sein, nicht Patron«, sagt die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton.

Für den März ist eine Geberkonferenz in New York geplant. Womöglich wird dort ein multinational verwalteter Aufbaufonds eingesetzt. Von einem »Marshallplan« ist inzwischen die Rede. Zehn bis 15 Milliarden Dollar, so schätzen Experten, dürfte der Wiederaufbau kosten – genau gesagt: die Schaffung einer neuen, solideren Infrastruktur und eines einigermaßen funktionierenden Staatswesens.

Internationale Hilfe

Das kann funktionieren, sagen Vertreter von Alnap, eines Netzwerks von mehr als 60 internationalen Hilfsorganisationen und Regierungen, das regelmäßig humanitäre Einsätze auswertet. Haiti könnte als positives Beispiel für Staatsaufbau in die Geschichte eingehen, wenn die Lehren aus vergangenen Fehlern beherzigt werden. Zu den wichtigsten gehören: Kurzfristige Nothilfe und langfristiger Wiederaufbau müssen gemeinsam geplant werden. Und: Nichts geht ohne die Bevölkerung. Wie schon beim Tsunami haben auch in Haiti Einheimische weit mehr Menschen gerettet als internationale Suchtrupps. »Die wichtigste Ressource der Haitianer«, so das Alnap, »ist ihr eigenes soziales Kapital.« Wenn die Zusammenarbeit zwischen Geberländern, Hilfsorganisationen, Staat und Zivilgesellschaft nicht funktioniert, dann zementiert internationale Hilfe ebenjene soziale Ungleichheit, die schon vor der Naturkatastrophe herrschte. Viel Spielraum für Irrtümer bleibt nicht – auch nicht bei der Nothilfe. Im Mai beginnt die Hurrikan-Saison. ANB

Die Folgen dieses Debakels waren dramatisch. Für Somalia, das man so lange seinem Schicksal überließ, bis es Jahre später durch Piraten wieder auf sich aufmerksam machte. Für die Vereinten Nationen, deren Reputation schwer angeschlagen war – und zwei Jahre später für Ruanda: Denn als dort im April 1994 ein Genozid begann, weigerte sich die Clinton-Administration, und auf ihren Druck auch die Vereinten Nationen, einzugreifen – aus Angst vor einem »zweiten Somalia«. Die Weltgemeinschaft versagte also gerade in jenem Katastrophenfall, in dem es nur eine Reaktion geben konnte: die militärische.

In der noch jungen Geschichte der humanitären Intervention ist das Versagen in Ruanda der große Sündenfall. Wegen der horrenden Zahl der Toten und wegen des Verrats am Prinzip des Humanitären. Der Tatbestand des Genozids reichte nicht aus, die Staatengemeinschaft zu einer Intervention zu bewegen. Die geostrategischen Interessen waren nicht stark genug. Das Konzept der humanitären Intervention war unwiderruflich beschädigt – und die Beteuerungen des »Nie wieder« hörten sich ein Jahr später, nach dem Massaker an muslimischen Bosniern in Srebrenica, noch verlogener an.

Srebrenica löste in Europa und Amerika eine heftige Debatte über den »gerechten Krieg« aus. Zu diesem Zeitpunkt standen die Militärs dies- und jenseits des Atlantiks der Idee der humanitären Intervention noch äußerst skeptisch gegenüber. Soldaten zum Schutz von Menschenrechten, vor Naturkatastrophen oder gar zum Staatsaufbau ins Feld zu schicken, galt noch Mitte der neunziger Jahre im Pentagon als »Verweichlichung« des Militärischen. Der Preis: 8000 muslimische Bosnier wurden massakriert.

Im Kosovo gab sich die Nato erstmals als humanitäre Schutzmacht

Das änderte sich mit dem Kosovo-Krieg, jener Intervention, die der damalige deutsche Außenminister Joschka Fischer mit der »Nie wieder Auschwitz«-Parole begründete. 1999 begann die Nato ihren Krieg gegen den serbischen Diktator Slobodan Milošević – ohne ausdrückliche Zustimmung des UN-Sicherheitsrates. Die Begründung dieses Krieges war »humanitär«. Die Nato wollte nach eigenen Worten eine ethnische Säuberung stoppen, die Albaner vor serbischer Unterdrückung retten. Gleichzeitig aber suchte das Bündnis zehn Jahre nach Ende des Kalten Krieges auch eine neue Mission, eine neue Bestimmung, die überhaupt nur in Einsätzen außerhalb des Bündnisgebiets liegen konnte. Kosovo war so ein Einsatz. Der erste Krieg der Nato überhaupt, der Testfall für ihre Zukunft. Während die Bilder Hunderttausender albanischer Flüchtlinge über den Bildschirm flimmerten, glaubte die Nato, sich zu einer humanitären Schutzmacht zu wandeln.

Doch schon bald verriet sie ihr humanitäres Prinzip: Als die Albaner nach ihrer Befreiung sofort Hunderttausende Serben, Roma und Sinti vertrieben, schauten Nato-Truppen tatenlos zu. Unter ihren Augen entstand ein ethnisch gesäubertes Stück Land: das heute unabhängige Kosovo.

»Die Logik des Krieges«, schreibt die amerikanische Konfliktforscherin Susan Woodward, »siegt immer über parallele Strategien, insbesondere über diplomatische Verhandlungen und humanitäre Ziele.« Woodward bestreitet nicht, dass es einen »gerechten Krieg« gibt. Aber sie warnt eindringlich vor der Hybris westlicher Staaten, allen voran der USA, die glauben, mit militärischer Hightech-Gewalt eine Grundlage für den stabilen Wiederaufbau einer Kriegsregion zu schaffen. Die amerikanische Strategie, Luftangriffe mit dem Einsatz loyaler einheimischer Rebellen oder Kriegsherren als Bodentruppen zu kombinieren, so Woodward, sabotiere vielmehr eine Stabilisierung. Denn nach Kriegsende sind es ebenjene Kriegsherren, die sich Herrschaft sichern – meist zum Entsetzen der lokalen Bevölkerung. Das gilt für das Kosovo, das gilt in viel dramatischerem Ausmaß für Afghanistan.

Nun betonen beim Afghanistaneinsatz gerade die Militärs und die Verteidigungspolitiker immer wieder, dass es »keine militärische Lösung« gebe, dass der zivile Wiederaufbau das Fundament jeglicher Stabilisierung sei. Das ist richtig, nur übersehen Generäle wie der Amerikaner David Petreaus oder der deutsche Verteidigungsminister Guttenberg dabei, dass dies allenfalls funktionieren kann, wenn die Arbeitsteilung zwischen Zivilem und Militärischem gewahrt bleibt.

Das Gegenteil ist der Fall. Der zivile Wiederaufbau Afghanistans ist in den vergangenen Jahren immer weiter militärischen Vorgaben untergeordnet worden. Das Militär gibt sich zivil – sogenannte Provincial Reconstruction Teams (PRTs), Wiederaufbauteams, arbeiten heute unter einem militärischen Schutzschirm. Begründet wird das mit der Sicherheitslage, die es eben nicht möglich mache, ohne Schutz der Nato in Afghanistan tätig zu sein. Das mag zutreffen, doch sagt es nichts über die Qualität der Arbeit dieser Teams aus. Vor allem aber bleibt so verborgen, welche Absichten das Militär mit den PRTs verbindet. In dem Handbuch der US-Armee: A Commander’s Guide to Money as a Weapons System, das unter Federführung von General David Petraeus für den Krieg im Irak und in Afghanistan geschrieben wurde, wird humanitäre Hilfe als »nicht tödliche Waffe« bezeichnet. Mit anderen Worten: Hilfe wird den Afghanen nicht aufgrund ihrer Bedürfnisse, sondern ihrer Loyalität gegenüber der Nato gegeben. So wird nicht denen geholfen, die Not leiden, sondern jenen, die sich zur »richtigen« Seite bekennen. In Afghanistan hat das zudem die absurde Konsequenz, dass »strategisch unwichtige«, also eher friedliche Provinzen kaum von Aufbaumaßnahmen profitieren. Denn dort gibt es keine oder kaum Aufständische – und somit auch keine Nato-Truppen und PRTs.

Generäle wie David Petreaus und Stanley McChrystal verkörpern inzwischen nicht nur das Idealbild vom Soldaten, der dem nationalen Sicherheitsinteresse seines Landes dient, Trinkwasseranlagen repariert, tötet und Schulen baut. Sie sind auch zu politischen Akteuren und globalen Medienstars aufgestiegen. Mit der Folge, dass die Debatte um humanitäre Interventionen, globale Schutzverantwortung und den Wiederaufbau zerrütteter Staaten weiter militarisiert wird. Nicht nur Terrorismus, auch Klimawandel, Dürren, Wasserknappheit, Migration haben Militärstrategen längst auf den Plan gerufen. Globale Probleme aber können nicht von Generälen gelöst werden, die sich der nationalen Sicherheit verschreiben. Man löst sie vor allem durch zivile Krisenprävention. Sie aber spielt politisch so gut wie keine Rolle mehr, trotz durchaus brauchbarer Strategien der UN.

»Wir meinen es nur gut« – das wird, unausgesprochen, auch das Credo auf der Afghanistan-Konferenz in London sein. Die könnte wenigstens ein Teilerfolg werden, würde dort die grundsätzliche Kritik vieler Hilfsorganisationen berücksichtigt. Die fordern keinen Truppenabzug, wohl aber ein Überdenken des Nato-Mandats. Vor allem aber fordern sie eine strikte Arbeitsteilung: Das Militär soll für Sicherheit, zivile Helfer für den Aufbau zuständig sein.

Bloß steht zu befürchten, dass es den Konferenzteilnehmern weniger um Afghanistan gehen wird als darum, ihre jeweilige nationale Öffentlichkeit zu befrieden. Ob der Afghanistaneinsatz mit einem wie auch immer definierten Erfolg endet, ist derzeit tatsächlich mehr als fraglich. Aber es ist das heimlich längst vorweggenommene Scheitern der westlichen Regierungen, das den Afghanen wirklich Angst machen muss.

Was Haiti angeht, so stehen die Chancen deutlich besser: Es gibt – auch dank Barack Obama – ein internationales Interesse an einem funktionierenden haitianischen Staat und an einem wirtschaftlichen Wiederaufbau, der die Menschen nach einer Zukunft im eigenen Land, und nicht in der illegalen Auswanderung suchen lässt. Es gibt außerdem eine recht selbstbewusste UN-Mission vor Ort und eine reformfähige Regierung – wenn auch beide erst mal mit eigenen Verlusten zu kämpfen haben. Und anders als in Afghanistan gibt es in Haiti keinen Aufstand gegen amerikanische Truppen – sie sind mit Einverständnis der haitianischen Regierung da. Was nicht heißt, dass die Dankbarkeit der Haitianer gegenüber den US-Soldaten ewig anhält. Sollte die internationale Gemeinschaft die Lektionen aus anderen Aufbauprojekten nicht beherzigen, sollte sich die Mehrheit der Haitianer übergangen fühlen, dann verwandeln sich Retter schnell in Besatzer.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Naja,

    es mag schon richtig sein, dass die Grenze zwischen militärischen und zilem Wiederaufbau gerade in Afghanistan verschimmt. Aber wieso ist das tragisch? Ich denke, den Menschen, die die Hilfe annehmen, ist es egal, ob ein Zivilist oder ein US-Soladat ihnen Brücke, Brunnen oder Schule baut.
    Ich persönlich präferiere sogar den militärischen Wiederaufbau, vor allem in unsicheren Gebieten, da sich Soldaten im Zweifelsfall noch verteidigen können. Die zivilen Helfer allerdings nicht. Diese werden dann entführt und evtl. gegen hohe Lösegelder wieder frei gekauft was sicher auch nicht im Sinne des Erfinders ist.

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    • ilot
    • 30.01.2010 um 21:05 Uhr

    1) Der Einsatz von Uranwaffen durch die U.S.-amerikanischen und britischen Truppen und die daraus folgende radioaktive Verseuchung ganzer Landstriche und 2) das regelmäßige Foltern, das erfahrungsgemäß dazu führt, dass weitere --zumeist Unschuldige -- gefoltert werden sowie 3) die illegale Inhaftierung Verdächtiger in Geheimgefängnissen und 4) die Unterfinanzierung der Entwicklungshilfe in Afghanistan (derzeit nur höchstens 10% der Geldaufwendungen der NATO-Länder in diesem Konflikt) und schließlich 5) die hohen Opferzahlen in der afghanischen Zivilbevölkerung haben dafür gesorgt, dass die humanitäre Absicht des westlichen Eingreifens stark in Zweifel gezogen werden kann.

    Ein Afghanistankenner, Christoph Hörstel, redet hier Klartext.

    Eine andere Sicht auf diesen Militäreinsatz bieten auch dieses Interview mit Hörstel und jenes mit dem erfahrenen Kriegsreporter Peter Scholl Latour.

    Lohnenswert sind auch die geschichtswissenschaftlichen Ausführungen des Schweizer Historikers Daniele Ganser in einem Vortrag an der Universität Basel über den Casus belli vom 11.09.2001.

    In der Tat - ein Wechsel ist nötig; meines Erachtens vor allem das Besinnen auf die wahren humanistischen Werte der Aufklärung.

    http://youtube.com/watch?...

    • ilot
    • 30.01.2010 um 21:05 Uhr

    1) Der Einsatz von Uranwaffen durch die U.S.-amerikanischen und britischen Truppen und die daraus folgende radioaktive Verseuchung ganzer Landstriche und 2) das regelmäßige Foltern, das erfahrungsgemäß dazu führt, dass weitere --zumeist Unschuldige -- gefoltert werden sowie 3) die illegale Inhaftierung Verdächtiger in Geheimgefängnissen und 4) die Unterfinanzierung der Entwicklungshilfe in Afghanistan (derzeit nur höchstens 10% der Geldaufwendungen der NATO-Länder in diesem Konflikt) und schließlich 5) die hohen Opferzahlen in der afghanischen Zivilbevölkerung haben dafür gesorgt, dass die humanitäre Absicht des westlichen Eingreifens stark in Zweifel gezogen werden kann.

    Ein Afghanistankenner, Christoph Hörstel, redet hier Klartext.

    Eine andere Sicht auf diesen Militäreinsatz bieten auch dieses Interview mit Hörstel und jenes mit dem erfahrenen Kriegsreporter Peter Scholl Latour.

    Lohnenswert sind auch die geschichtswissenschaftlichen Ausführungen des Schweizer Historikers Daniele Ganser in einem Vortrag an der Universität Basel über den Casus belli vom 11.09.2001.

    In der Tat - ein Wechsel ist nötig; meines Erachtens vor allem das Besinnen auf die wahren humanistischen Werte der Aufklärung.

    http://youtube.com/watch?...

  2. .... der die

    - starken, fibnanziell bestens ausgestatteten nationalen militärischen Strukturen,
    - die auch finanziell schwachen von den Nationen abhängigen UN-Strukturen und
    - die welt-zivilgesellschaftlichen - völlig unzureichend ausgestatteten Hilfs-Organisations-Strukturen transparent macht und die üblichen politischen Statements ( - auch zu Afghanistan usw.) als Sprechblasen entlarvt!

    Weiter so, sehr geehrte Frau Böhm und Herr Ladurner !

    Offensichtlich ist ein dramatischer CHANGE notwendig,
    in Richtung von verbesserten weltinnenpolitischen Friedensstrukturen!

  3. Der gravierende Unterschied ist z.B. auch die Religion.
    Haiti ist vorwiegend christlich - also eine völlig andere Basis als zu dem vorwiegend muslimischen Afghanistan.
    Was an Soldaten, die Hilfsgüter transportieren und beim Katastrophenschutz arbeiten, falsch sein soll, verstehe ich nicht. Wichtig ist nur: wenn die Arbeit getan ist, sollten sie sich auch wieder verabschieden. Sonst wird der Hintergedanke bestätigt, daß die Hilfe nicht so uneigennützig war, sondern einen neuen strategischen Standort geschaffen hat.
    Aus Afghanistan sollte man sich wirklich zurückziehen: denn man versteht dieses Land überhaupt nicht, wenn ein traditioneller Muslim im Turban und Bart sich seines Lebens nicht sicher sein kann, weil er für einen Taliban gehalten wird, dann geht das wirklich zu weit.
    Und je weiter man sich in die Angelegenheiten des Landes einmischt, werden die Unterschiede zwischen Taliban und Nicht-Taliban immer mehr verschwinden, weil man auch ganz "normale" Muslime radikalisiert.
    Wenn man es wirklich ehrlich mit der Hilfe meint, dann muß man das Militär reduzieren, so daß es lediglich den zivilen Aufbau schützt. Priorität muß der zivile Aufbau haben.

  4. 4. Nein

    können sie nicht.
    (Die Antwort auf Ihre Frage)

    • xpol
    • 30.01.2010 um 17:56 Uhr

    ... wurde hier wieder zusammengerührt!

    Man kann doch nicht allen Ernstes Nahrungsmittelhilfe mit zur Verfügung gestellter Transportkapazität nach Naturkatrastrophen als militärischen Einsatz bezeichnen.
    Es ist ein Einsatz des Militärs, weil es keine geeigneten zivilen Kapazitäten in ausreichender Menge gibt. Das Militär verfügt über diese Kapazitäten, also wird es eingesetzt. Nahrungsmittel einfliegen und Schutt wegräumen greift nicht in die Hoheitsrechte des betroffenen Staats ein.

    Tatsächlich militärische Einsätze gibt es auch, aber da macht es wiederum einen grossen Unterschied, ob sich gegenseitig abschlachtende Bürgerkriegsparteien getrennt und unbeteiligte Zuvilisten evakuiert werden, oder ob man eine Regierung stürzt.

    Für all diese Zwecke ist das Militär (aus)gerüstet - Transport, schweres Räumgerät, Bewaffnung - nicht jedoch für die Schaffung gedeihlicher gesellschaftlicher Strukturen.
    Es ist der Hauptfehler des Afghanistaneinsatzes, Entwicklungshilfe mittels Militär leisten zu wollen.
    Soldaten können die Widerstände aus dem Weg räumen - darauf sind sie spezialisiert - strukturelle Hilfe müssen zivile Organisationen leisten.

    • sjdv
    • 30.01.2010 um 18:59 Uhr

    "So wird nicht denen geholfen, die Not leiden, sondern jenen, die sich zur »richtigen« Seite bekennen"

    Warum wird hier richtig in Anführungszeichen geschrieben ? Sind die Taliban etwa die echten Richtigen in diesem Krieg ?

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    Die Anführungszeichen sind absolut notwendig, denn sie heben hervor, dass das "Richtige" im Allgemeinen willkürlich ist. Normalerweise sollte das Gute das Richtige sein, und dementsprechend das Böse das Falsche. Aber nicht immer sind klar zwei Seiten zu trennen wie Schwarz und Weiß; sogar was 'gut' ist, ist immer auch subjektiv.

    Wenn es dann die Besatzer sind, die - oftmals ohne den gesamten historischen und kulturellen Kontext zu kennen - einfach selbst festlegen, wer "richtig" und wer "falsch" ist, tun sie damit nicht nur vielen falsch klassifizierten Menschen immenses Unrecht, sondern geben sich selbst erhebliche, scheinbar legitime Macht, die Gesellschaft eines anderen Landes nach den eigenen Vorstellungen zu formen - das steht ihnen nicht zu.

    Die Anführungszeichen sind absolut notwendig, denn sie heben hervor, dass das "Richtige" im Allgemeinen willkürlich ist. Normalerweise sollte das Gute das Richtige sein, und dementsprechend das Böse das Falsche. Aber nicht immer sind klar zwei Seiten zu trennen wie Schwarz und Weiß; sogar was 'gut' ist, ist immer auch subjektiv.

    Wenn es dann die Besatzer sind, die - oftmals ohne den gesamten historischen und kulturellen Kontext zu kennen - einfach selbst festlegen, wer "richtig" und wer "falsch" ist, tun sie damit nicht nur vielen falsch klassifizierten Menschen immenses Unrecht, sondern geben sich selbst erhebliche, scheinbar legitime Macht, die Gesellschaft eines anderen Landes nach den eigenen Vorstellungen zu formen - das steht ihnen nicht zu.

  5. Die Heritage Foundation sieht Chancen:

    "In addition to providing immediate humanitarian assistance, the U.S. response to the tragic earthquake in Haiti earthquake offers opportunities to re-shape Haiti’s long-dysfunctional government and economy as well as to improve the public image of the United States in the region.
    http://www.naomiklein.org...

    Es gibt Reis (aus den USA)

    "The IMF forced Haiti to open its market to imported, highly subsidized U.S. rice at the same time it prohibited Haiti from subsidizing its own farmers," declares the Web site of Global Exchange, one of the Third World advocacy groups organizing the Washington protests. "Haitian farmers have been forced off their land to seek work in sweatshops, and people are poorer than ever."
    Over the past two decades, a period of growing IMF tutelage over the Haitian economy, exports of American rice to Haiti have grown from virtually zero to more than 200,000 tons a year, making the poverty-stricken country of 7 million people the fourth-largest market for American rice in the world after Japan, Mexico and Canada. According to U.S. and Haitian economists, the result has been a massive shift in local consumption habits, with many Haitians now choosing cheap imported rice at the expense of domestically grown staples, including rice, corn and millet.
    http://www.hartford-hwp.c...

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    .....am Besten ziehen wir uns doch einfach zurück, aus Afghanistan und überhaupt, es reicht doch völlig wenn WIR satt zu Essen haben, in Wohlstand und relativem Frieden leben und unsere Frauen und Mädchen ohne Burka studieren können.
    Denn dann........passieren garantiert keine Fehler, oder?
    Wenn man allerdings das Unterlassen auch als Tun ansieht, wirds schon schwieriger, aber das wollen wir doch wirklich nicht!

    .....am Besten ziehen wir uns doch einfach zurück, aus Afghanistan und überhaupt, es reicht doch völlig wenn WIR satt zu Essen haben, in Wohlstand und relativem Frieden leben und unsere Frauen und Mädchen ohne Burka studieren können.
    Denn dann........passieren garantiert keine Fehler, oder?
    Wenn man allerdings das Unterlassen auch als Tun ansieht, wirds schon schwieriger, aber das wollen wir doch wirklich nicht!

  6. ....und tun sie lieber heinzschmidt. Tag für Tag und nicht nur in Haiti. Auch unter Einsatz ihres Lebens und hochwillkommen von den Hilfsbedürftigen.
    Hut ab und tiefe Verbeugung vor der Leistung der freiwilligen Hilfsorganisationen, der Selbstlosigkeit derer Mitarbeiter aber, wie im Artikel auch festgestellt, fehlt diesen Organisationen einfach die Logistik. Warum arbeiten militärische und zivile Helfer zusammen? Weil sie sich ergänzen.
    Ja, der Soldat kann jetzt Krieger und gleich Helfer sein. Auch dazu sind wir ausgebildet.

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