Humanitäre Interventionen Nur zu eurem BestenSeite 3/3
»Wir meinen es nur gut« – das wird, unausgesprochen, auch das Credo auf der Afghanistan-Konferenz in London sein. Die könnte wenigstens ein Teilerfolg werden, würde dort die grundsätzliche Kritik vieler Hilfsorganisationen berücksichtigt. Die fordern keinen Truppenabzug, wohl aber ein Überdenken des Nato-Mandats. Vor allem aber fordern sie eine strikte Arbeitsteilung: Das Militär soll für Sicherheit, zivile Helfer für den Aufbau zuständig sein.
Bloß steht zu befürchten, dass es den Konferenzteilnehmern weniger um Afghanistan gehen wird als darum, ihre jeweilige nationale Öffentlichkeit zu befrieden. Ob der Afghanistaneinsatz mit einem wie auch immer definierten Erfolg endet, ist derzeit tatsächlich mehr als fraglich. Aber es ist das heimlich längst vorweggenommene Scheitern der westlichen Regierungen, das den Afghanen wirklich Angst machen muss.
Was Haiti angeht, so stehen die Chancen deutlich besser: Es gibt – auch dank Barack Obama – ein internationales Interesse an einem funktionierenden haitianischen Staat und an einem wirtschaftlichen Wiederaufbau, der die Menschen nach einer Zukunft im eigenen Land, und nicht in der illegalen Auswanderung suchen lässt. Es gibt außerdem eine recht selbstbewusste UN-Mission vor Ort und eine reformfähige Regierung – wenn auch beide erst mal mit eigenen Verlusten zu kämpfen haben. Und anders als in Afghanistan gibt es in Haiti keinen Aufstand gegen amerikanische Truppen – sie sind mit Einverständnis der haitianischen Regierung da. Was nicht heißt, dass die Dankbarkeit der Haitianer gegenüber den US-Soldaten ewig anhält. Sollte die internationale Gemeinschaft die Lektionen aus anderen Aufbauprojekten nicht beherzigen, sollte sich die Mehrheit der Haitianer übergangen fühlen, dann verwandeln sich Retter schnell in Besatzer.
- Datum 30.01.2010 - 16:35 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05
- Kommentare 14
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








es mag schon richtig sein, dass die Grenze zwischen militärischen und zilem Wiederaufbau gerade in Afghanistan verschimmt. Aber wieso ist das tragisch? Ich denke, den Menschen, die die Hilfe annehmen, ist es egal, ob ein Zivilist oder ein US-Soladat ihnen Brücke, Brunnen oder Schule baut.
Ich persönlich präferiere sogar den militärischen Wiederaufbau, vor allem in unsicheren Gebieten, da sich Soldaten im Zweifelsfall noch verteidigen können. Die zivilen Helfer allerdings nicht. Diese werden dann entführt und evtl. gegen hohe Lösegelder wieder frei gekauft was sicher auch nicht im Sinne des Erfinders ist.
1) Der Einsatz von Uranwaffen durch die U.S.-amerikanischen und britischen Truppen und die daraus folgende radioaktive Verseuchung ganzer Landstriche und 2) das regelmäßige Foltern, das erfahrungsgemäß dazu führt, dass weitere --zumeist Unschuldige -- gefoltert werden sowie 3) die illegale Inhaftierung Verdächtiger in Geheimgefängnissen und 4) die Unterfinanzierung der Entwicklungshilfe in Afghanistan (derzeit nur höchstens 10% der Geldaufwendungen der NATO-Länder in diesem Konflikt) und schließlich 5) die hohen Opferzahlen in der afghanischen Zivilbevölkerung haben dafür gesorgt, dass die humanitäre Absicht des westlichen Eingreifens stark in Zweifel gezogen werden kann.
Ein Afghanistankenner, Christoph Hörstel, redet hier Klartext.
Eine andere Sicht auf diesen Militäreinsatz bieten auch dieses Interview mit Hörstel und jenes mit dem erfahrenen Kriegsreporter Peter Scholl Latour.
Lohnenswert sind auch die geschichtswissenschaftlichen Ausführungen des Schweizer Historikers Daniele Ganser in einem Vortrag an der Universität Basel über den Casus belli vom 11.09.2001.
In der Tat - ein Wechsel ist nötig; meines Erachtens vor allem das Besinnen auf die wahren humanistischen Werte der Aufklärung.
http://youtube.com/watch?...
1) Der Einsatz von Uranwaffen durch die U.S.-amerikanischen und britischen Truppen und die daraus folgende radioaktive Verseuchung ganzer Landstriche und 2) das regelmäßige Foltern, das erfahrungsgemäß dazu führt, dass weitere --zumeist Unschuldige -- gefoltert werden sowie 3) die illegale Inhaftierung Verdächtiger in Geheimgefängnissen und 4) die Unterfinanzierung der Entwicklungshilfe in Afghanistan (derzeit nur höchstens 10% der Geldaufwendungen der NATO-Länder in diesem Konflikt) und schließlich 5) die hohen Opferzahlen in der afghanischen Zivilbevölkerung haben dafür gesorgt, dass die humanitäre Absicht des westlichen Eingreifens stark in Zweifel gezogen werden kann.
Ein Afghanistankenner, Christoph Hörstel, redet hier Klartext.
Eine andere Sicht auf diesen Militäreinsatz bieten auch dieses Interview mit Hörstel und jenes mit dem erfahrenen Kriegsreporter Peter Scholl Latour.
Lohnenswert sind auch die geschichtswissenschaftlichen Ausführungen des Schweizer Historikers Daniele Ganser in einem Vortrag an der Universität Basel über den Casus belli vom 11.09.2001.
In der Tat - ein Wechsel ist nötig; meines Erachtens vor allem das Besinnen auf die wahren humanistischen Werte der Aufklärung.
http://youtube.com/watch?...
.... der die
- starken, fibnanziell bestens ausgestatteten nationalen militärischen Strukturen,
- die auch finanziell schwachen von den Nationen abhängigen UN-Strukturen und
- die welt-zivilgesellschaftlichen - völlig unzureichend ausgestatteten Hilfs-Organisations-Strukturen transparent macht und die üblichen politischen Statements ( - auch zu Afghanistan usw.) als Sprechblasen entlarvt!
Weiter so, sehr geehrte Frau Böhm und Herr Ladurner !
Offensichtlich ist ein dramatischer CHANGE notwendig,
in Richtung von verbesserten weltinnenpolitischen Friedensstrukturen!
Der gravierende Unterschied ist z.B. auch die Religion.
Haiti ist vorwiegend christlich - also eine völlig andere Basis als zu dem vorwiegend muslimischen Afghanistan.
Was an Soldaten, die Hilfsgüter transportieren und beim Katastrophenschutz arbeiten, falsch sein soll, verstehe ich nicht. Wichtig ist nur: wenn die Arbeit getan ist, sollten sie sich auch wieder verabschieden. Sonst wird der Hintergedanke bestätigt, daß die Hilfe nicht so uneigennützig war, sondern einen neuen strategischen Standort geschaffen hat.
Aus Afghanistan sollte man sich wirklich zurückziehen: denn man versteht dieses Land überhaupt nicht, wenn ein traditioneller Muslim im Turban und Bart sich seines Lebens nicht sicher sein kann, weil er für einen Taliban gehalten wird, dann geht das wirklich zu weit.
Und je weiter man sich in die Angelegenheiten des Landes einmischt, werden die Unterschiede zwischen Taliban und Nicht-Taliban immer mehr verschwinden, weil man auch ganz "normale" Muslime radikalisiert.
Wenn man es wirklich ehrlich mit der Hilfe meint, dann muß man das Militär reduzieren, so daß es lediglich den zivilen Aufbau schützt. Priorität muß der zivile Aufbau haben.
können sie nicht.
(Die Antwort auf Ihre Frage)
... wurde hier wieder zusammengerührt!
Man kann doch nicht allen Ernstes Nahrungsmittelhilfe mit zur Verfügung gestellter Transportkapazität nach Naturkatrastrophen als militärischen Einsatz bezeichnen.
Es ist ein Einsatz des Militärs, weil es keine geeigneten zivilen Kapazitäten in ausreichender Menge gibt. Das Militär verfügt über diese Kapazitäten, also wird es eingesetzt. Nahrungsmittel einfliegen und Schutt wegräumen greift nicht in die Hoheitsrechte des betroffenen Staats ein.
Tatsächlich militärische Einsätze gibt es auch, aber da macht es wiederum einen grossen Unterschied, ob sich gegenseitig abschlachtende Bürgerkriegsparteien getrennt und unbeteiligte Zuvilisten evakuiert werden, oder ob man eine Regierung stürzt.
Für all diese Zwecke ist das Militär (aus)gerüstet - Transport, schweres Räumgerät, Bewaffnung - nicht jedoch für die Schaffung gedeihlicher gesellschaftlicher Strukturen.
Es ist der Hauptfehler des Afghanistaneinsatzes, Entwicklungshilfe mittels Militär leisten zu wollen.
Soldaten können die Widerstände aus dem Weg räumen - darauf sind sie spezialisiert - strukturelle Hilfe müssen zivile Organisationen leisten.
"So wird nicht denen geholfen, die Not leiden, sondern jenen, die sich zur »richtigen« Seite bekennen"
Warum wird hier richtig in Anführungszeichen geschrieben ? Sind die Taliban etwa die echten Richtigen in diesem Krieg ?
Die Anführungszeichen sind absolut notwendig, denn sie heben hervor, dass das "Richtige" im Allgemeinen willkürlich ist. Normalerweise sollte das Gute das Richtige sein, und dementsprechend das Böse das Falsche. Aber nicht immer sind klar zwei Seiten zu trennen wie Schwarz und Weiß; sogar was 'gut' ist, ist immer auch subjektiv.
Wenn es dann die Besatzer sind, die - oftmals ohne den gesamten historischen und kulturellen Kontext zu kennen - einfach selbst festlegen, wer "richtig" und wer "falsch" ist, tun sie damit nicht nur vielen falsch klassifizierten Menschen immenses Unrecht, sondern geben sich selbst erhebliche, scheinbar legitime Macht, die Gesellschaft eines anderen Landes nach den eigenen Vorstellungen zu formen - das steht ihnen nicht zu.
Die Anführungszeichen sind absolut notwendig, denn sie heben hervor, dass das "Richtige" im Allgemeinen willkürlich ist. Normalerweise sollte das Gute das Richtige sein, und dementsprechend das Böse das Falsche. Aber nicht immer sind klar zwei Seiten zu trennen wie Schwarz und Weiß; sogar was 'gut' ist, ist immer auch subjektiv.
Wenn es dann die Besatzer sind, die - oftmals ohne den gesamten historischen und kulturellen Kontext zu kennen - einfach selbst festlegen, wer "richtig" und wer "falsch" ist, tun sie damit nicht nur vielen falsch klassifizierten Menschen immenses Unrecht, sondern geben sich selbst erhebliche, scheinbar legitime Macht, die Gesellschaft eines anderen Landes nach den eigenen Vorstellungen zu formen - das steht ihnen nicht zu.
Die Heritage Foundation sieht Chancen:
"In addition to providing immediate humanitarian assistance, the U.S. response to the tragic earthquake in Haiti earthquake offers opportunities to re-shape Haiti’s long-dysfunctional government and economy as well as to improve the public image of the United States in the region.
http://www.naomiklein.org...
Es gibt Reis (aus den USA)
"The IMF forced Haiti to open its market to imported, highly subsidized U.S. rice at the same time it prohibited Haiti from subsidizing its own farmers," declares the Web site of Global Exchange, one of the Third World advocacy groups organizing the Washington protests. "Haitian farmers have been forced off their land to seek work in sweatshops, and people are poorer than ever."
Over the past two decades, a period of growing IMF tutelage over the Haitian economy, exports of American rice to Haiti have grown from virtually zero to more than 200,000 tons a year, making the poverty-stricken country of 7 million people the fourth-largest market for American rice in the world after Japan, Mexico and Canada. According to U.S. and Haitian economists, the result has been a massive shift in local consumption habits, with many Haitians now choosing cheap imported rice at the expense of domestically grown staples, including rice, corn and millet.
http://www.hartford-hwp.c...
.....am Besten ziehen wir uns doch einfach zurück, aus Afghanistan und überhaupt, es reicht doch völlig wenn WIR satt zu Essen haben, in Wohlstand und relativem Frieden leben und unsere Frauen und Mädchen ohne Burka studieren können.
Denn dann........passieren garantiert keine Fehler, oder?
Wenn man allerdings das Unterlassen auch als Tun ansieht, wirds schon schwieriger, aber das wollen wir doch wirklich nicht!
.....am Besten ziehen wir uns doch einfach zurück, aus Afghanistan und überhaupt, es reicht doch völlig wenn WIR satt zu Essen haben, in Wohlstand und relativem Frieden leben und unsere Frauen und Mädchen ohne Burka studieren können.
Denn dann........passieren garantiert keine Fehler, oder?
Wenn man allerdings das Unterlassen auch als Tun ansieht, wirds schon schwieriger, aber das wollen wir doch wirklich nicht!
....und tun sie lieber heinzschmidt. Tag für Tag und nicht nur in Haiti. Auch unter Einsatz ihres Lebens und hochwillkommen von den Hilfsbedürftigen.
Hut ab und tiefe Verbeugung vor der Leistung der freiwilligen Hilfsorganisationen, der Selbstlosigkeit derer Mitarbeiter aber, wie im Artikel auch festgestellt, fehlt diesen Organisationen einfach die Logistik. Warum arbeiten militärische und zivile Helfer zusammen? Weil sie sich ergänzen.
Ja, der Soldat kann jetzt Krieger und gleich Helfer sein. Auch dazu sind wir ausgebildet.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren