Afghanistan-Debatte "Das ist noch mal eine echte Chance"Seite 5/5

ZEIT: Ist das nicht eine merkwürdige Doppelbotschaft des Westens: Wir gehen stärker rein, damit wir schneller rauskommen? Was gibt Ihnen das Vertrauen, dass die Taliban uns nicht aussitzen werden?

Guttenberg: Problematisch wäre es, wenn wir ein Enddatum setzten. Das wäre das Signal: Wir stellen jetzt den Wecker, und wenn dieser geklingelt hat, kann all das zurückgedreht werden, was bis dahin aufgebaut wurde. Rückschläge sind in Afghanistan nie ausgeschlossen. Mit dem Beginn einer Abzugsperspektive setzen sich aber sowohl die afghanische Regierung als auch die internationale Staatengemeinschaft etwas mehr unter Druck, effektiv zu handeln. Wie lange sich der Prozess hinauszögern wird, wird eine Frage des erzielten Erfolges sein.

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ZEIT: Wenn Sie sich strikt an inhaltlichen Zielen orientieren, müssten Sie, um konsequent zu sein, sagen: Es könnte auch noch 50 Jahre dauern.

Guttenberg: Wir koppeln bestimmte Zahlen an Jahre. Wir setzen uns zivile Ziele, wir setzen uns Ausbildungsziele. Dann sind wir wieder bei der Frage, wo wir eigentlich hinwollen. Wer glaubt, man könnte sich über Jahrzehnte hinweg der Zielsetzung verschreiben, mit den unseren vergleichbare Strukturen zu schaffen, wird an die Grenzen der Belastbarkeit stoßen, wahrscheinlich eher früher denn später.

ZEIT: Das klingt eher nach Resignation als nach Enthusiasmus. Ist die Afghanistankonferenz nicht eher ein letzter Versuch als ein neuer Anlauf?

Guttenberg: Das ist noch einmal eine richtige Chance für die afghanische Regierung. Von der nämlich haben wir bislang sehr wenig gesehen, was die Umsetzung ihrer postulierten Zielsetzungen anbelangt. Vorauseilende Euphorie würde eher zum Leichtsinn verleiten. Ohne zynisch zu werden: Gewisse Dinge werden sich nicht erreichen lassen. Das anzuerkennen fällt uns allen – auch Ihrem Metier – schwer, weil wir alle gerne die reine Lehre definieren. Die breite Bevölkerung, bei uns wie in Afghanistan, geht da manchmal mit mehr Verständnis heran.

Die Fragen stellten Tina Hildebrandt und Jan Ross

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 30.01.2010 um 13:36 Uhr

    ...so sicher sind, dass von Afghanistan keine Gefährdung für die internationale Gemeinschaft ausgeht!"

    Allmählich beginnt man die Grundlagen hier aufzubereiten und sich einem rationalen Angang an die Notwendigkeiten einer internationalen Sicherheitsordnung zu nähern.

    Wenn Guttenberg die Sicherheit der Menschen in der Region anspricht, ist das ebenfalls beruhigend, obwohl es den Anschein haben kann, dass man die Mitglieder orientierte Basis der UNO Charta hinter sich lässt. Das ist auch notwendig, da die UNO Charta die Gefahren ausklammert, die von Bevölkerungen für die internationale Gemeinschaft ausgehen, die in Staaten und Regionen leben ohne genügende Absicherungen ihrer Rechtssicherheit und Lebensgrundlagen.

  1. " Offenheit! " - sher Lustig!
    " Selbsttragende Strukturen, die so sicher sind, dass von Afghanistan keine Gefährdung für die internationale Gemeinschaft ausgeht!" - Die Frage ist ja wie es überhaupt dazu kommen könnte bzw. noch kommen kann, dass eine Gefährdung ausgeht? - Und da ist die Quelle bei den Nachbarländern Afghanistans zu suchen, die über jahrzehnte lang Afghanistan systematisch unstabilisierten bzw. unstabil gehalten haben. Wenn man das nicht in Betracht zieht, wird Afghanistan auch nach 50 Jahren eine Gefährdung für die internationale Gemeinde, und nicht abzusehen von der eigenen Bevölkerung, darstellen.

    http://polemicon.wordpres...

  2. Für Herrn zu Guttenberg

    Von welcher reinen Lehre sprechen Sie? Welche reine Lehre will der Mensch zu definieren wissen, wo er nicht einmal sich selbst definieren kann?

    Allein die Reinheit kann Reihheit definieren.

    Sie jedoch sprechen von Faschismus, Herr zu Guttenberg! Von Struktur und Rechthaberei, diese nichts anderes zulassen dürfen, um nicht sich selbst zu gefährden. Jede Frage um Unrecht und Willkür wird in dieser Struktur nicht nur nicht gestellt, sondern bewußt, grundsätzlich und vorsätzlich ignoriert und bekämpft. Alles Andere erscheint somit dieser Weise stets als Feind.

    Nichts bedroht das Leben und die Menschheit mehr, denn solches Verständnis und das hierin voranschreitende, alles Fremde verachtende Handeln der Überheblichkeit.

    Ihr und Ihresgleichen Erscheinung heißt Selbstherrlichkeit, Selbstüberschätzung und Selbstgerechtigkeit, diese die Selbstzerstörung beinhalten.

    Hinter ihrem Namen, Herr zu Guttenberg, verbirgt sich nichts Gutes, vielmehr ein Berg des Unheils.

  3. Allein die Reinheit kann Reinheit definieren

  4. Zwei innere Prinzipien, die in Einklang stehen können, aber auch im Widerspruch zueinander, bis hin zum Bruch. Bei Menschen mit starker, innerer Überzeugung obsiegt diese im Falle des Bruches meist über die Loyalität. Noch als Wirtschaftsminister wurden Sie, Herr zu Guttenberg, sehr schnell an diese, Ihre eigene Bruchzone herangeführt. Und fast ungestüm waren sie bereit, Gefolgschaft zu versagen. Am Ende überwog doch noch die Loyalität. Als Verteidigngsminister ergeht es Ihnen nicht anders. Schon seit Beginn wird Ihre Loyalität auf harte Proben gestellt.Kundus-es ist zu spüren, daß man Ihnen bewußt das Ministerium übergab, daß sie natürlich wissen, was vor sich ging, aus Loyalität aber zurückhalten: stets der Verweis auf den Untersuchungsausschuß. Strategiewechsel, zivile Vernetzung, partnering, Aussteigerprogramm -"intelektuell überschaubar": Man spürt, es ist"nicht noch mal eine echte", sondern wohl eher, wenn überhaupt, die letzte Chance. "Verwundete und Gefallene": nicht Verletzte und Getötete, nur Begriffe, aber vielsagend über Ihr Verhältnis zur Truppe. Sie sind im besten Sinne Lehnsmann, stellen sich schützend vor Ihre Soldaten, treu und loyal zur Sache und zur Regierung. Was Ihre wirkliche Überzeugung ist, kann man hier und da trotz oder wegen Ihrer diplomatisch gewählten Formulierungen hervorschimmern sehn. Und wieder wird sich bald gerade hieraus der Widerspruch ergeben, vielleicht sogar bis zum Bruch. Vielleicht werden Sie sogar gehen und schweigen - aus Loyalität.

  5. Nun mal heraus mit der Sprache, Herr Minister!
    Sorgen Sie für Klarheit, von der Sie immer sprechen.
    "Berichte belegen, dass Oberst Klein in Kundus gezielt Taliban töten wollte. Das Verteidigungsministerium gibt nun an, das Bundestagsmandat decke das gezielte Töten nicht."
    http://www.zeit.de/politi...
    "Der Bericht stellt aber ebenso fest, dass der deutsche Oberst gegen Einsatzregeln und Direktiven der Isaf verstoßen habe."
    http://www.sueddeutsche.d...
    "Der für den Angriff auf Tanklaster bei Kunduz verantwortliche Bundeswehroberst hat gezielt die Unwahrheit gesagt, um US-Piloten zu dem Bombenabwurf zu bewegen. Dies geht nach Informationen des SPIEGEL aus dem geheimen Nato-Bericht zu dem Vorfall hervor."
    http://www.spiegel.de/pol...
    Der Com-ISAF-Bericht und ein Bericht des Internationalen Roten Kreuzes lagen Ihnen vor dem 6.11.2009 vor, Herr Minister.Ich fasse zusammen: Oberst Klein hat gelogen,
    gegen Einsatzregeln verstoßen,ein Mandat des Bundestages missachtet und den Tod von bis zu 140 Afghanen befohlen.
    Darunter waren viele Zivilisten,sowie mutmaßliche Taliban,
    denen Sie mittlerweile Geld spenden möchten.
    Wie konnten Sie am 6. November das Bombardement als angemessen bezeichen ? Ihnen lagen alle oben benannten Informationen vor, die die Unangemessenheit des Bombardements belegt haben.

    • honett
    • 30.01.2010 um 16:25 Uhr

    ZU GUTTENBERG: Nein, es ist eine eigene Handschrift! Wir übernehmen das amerikanische Konzept nicht eins zu eins.

    UNKLAR BLEIBT: wie unterscheidet sich das deutsche konzept vom amerikanischen? was heisst 'partnering'? wieso wachsen amerikaner enger mit ihren afghanischen partnern zusammen?

    UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSS: wie agiert unter deutscher 'handschrift' ein deutscher soldat? schlafen / kaempfen / wird er von jetzt an eine direktleitung nach berlin haben (und zu seinem persoenlichen rechtsberater) ehe er den ersten verteidigungs- oder angriffsschuss abfeuern darf?

    ISAF: und wie unterscheidet sich ein deutscher soldat von einem franzoesischen / britischen / europaeischen?

  6. Für Herrn zu Guttenberg

    Jene reine Lehre, von dieser sie sprechen, Herr zu Guttenberg, diese Lehre ist die Lehre des Bösen vom Bösen.

    Es ist die Lehre jener kleinen Minderheit, diese sich auf Kosten einer großen Mehrheit erhebt, in dem abstrusen Glauben, diese vermeintlich hurige Mehrheit sei dafür da, die heilige Minderheit zu bedienen. Die, dieser Lehre Verfallenen, meinen in der Tat, auserwählt zu sein, den Rest der Schöpfung sich zu unterwerfen, diese zu missbrauchen, sie zu vergewaltigen, sie auszubeuten und jeden Widerstand mit Gewalt niederzutreten.

    Sie Herr zu Guttenberg gehören dieser Minderheit an, sie haben sozusagen ihre Seele verkauft, nicht erst mit Titel und Amt, sondern schon vorher.

    Für Sie Herr zu Guttenberg gilt die Frage, ob das System Sie ausgesucht, oder Sie das System für Sich ausgesucht haben. Denn nun stecken Sie mitten drin in der Kloake, und mit jedem Versuch der Reinwaschung versinken Sie mehr und mehr im Sumpf des Bösen, dass der Gestank der Lügen und Täuschungen über alle Grenzen hinweg in den Himmel steigt.

    Glauben Sie, dass Sie davonkommen? Glauben Sie das wirklich?

    Dann ist Ihnen wirklich nicht mehr zu helfen!!

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