Islamismus Toleranz für die Intoleranz?

Die neue Islamismus-Debatte verrät mangelnde Kenntnis der Fundamente unserer Kultur

Es wäre ein Fehler, die neu aufgeflammte Islamismus-Debatte lediglich als Eitelkeitsgefecht deutscher Feuilletonisten zu betrachten. Zwar findet sie in den Feuilletons statt, aber sie betrifft jenen tief gehenden Kulturkonflikt zwischen dem Islam und dem Westen, der inzwischen fast den ganzen Globus beherrscht. Er wird auch keineswegs nur in Deutschland diskutiert, sondern überall dort, wo es Meinungsfreiheit gibt – besonders leidenschaftlich in Frankreich, wo die algerische islamkritische Autorin Rayhana vor zehn Tagen von Islamisten mit Benzin übergossen und angezündet wurde; und nicht minder erregt in Dänemark, wo auf den Karikaturisten Kurt Westergaard kürzlich ein Anschlag verübt wurde. Westergaard und Rayhana haben überlebt. Auch Salman Rushdie hat überlebt, einstweilen.

Zum Mord an Rushdie, von dessen Roman Satanische Verse Muslime sich gekränkt fühlten, wurde am 14. Februar 1989 aufgerufen. Seitdem hätte die westliche Welt wissen können, welche Gefahr vom Islamismus ausgeht. Aber nicht einmal der Anschlag vom 11. September 2001 scheint alle davon überzeugt zu haben, dass die Errungenschaften der Aufklärung unveräußerlich sind. Im Gefolge der Debatte um die Fatwa gegen Rushdie veröffentlichte der englische Schriftsteller Richard Webster sein Buch Erben des Hasses (1992), in dem er behauptete, in dem neuen Streit sei der alte Krieg zwischen Christentum und Islam wieder ausgebrochen. Zwei Fundamentalismen stünden einander gegenüber, der Fundamentalismus einer theokratischen Gläubigkeit im Islam gegen den Fundamentalismus der Meinungsfreiheit im Westen, der sich rational gebe, in Wahrheit aber ein Religionsersatz sei.

Anzeige

Ganz ähnlich argumentierte Thomas Steinfeld dieser Tage in der Süddeutschen, als er schrieb, man dürfe die demokratischen Grundwerte nicht als »Glaubensartikel« betrachten. Wer damit ebenso kämpferisch umgehe wie der radikale Islam mit seinen heiligen Schriften, der zerstöre, was er zu verteidigen vorgebe. »Wer auf Toleranz beharrt, für den kann die Toleranz nicht aufhören, wenn ein anderer nicht tolerant sein will.« Das, mit Verlaub, ist absurd und gleicht dem Ratschlag an die Adresse eines unter die Kannibalen gefallenen Christen, er möge sich fügen und das Tischgebet nicht vergessen.

Kurz zuvor war in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von »unseren heiligen Kriegern« die Rede gewesen. Gemeint waren die Islamkritiker, und Steinfeld radikalisierte den Vorwurf, indem er sie »unsere Hassprediger« nannte. Vor allem die deutsche, aus der Türkei stammende Schriftstellerin Necla Kelek erregte seinen Zorn, weil sie nicht müde wird, von ihren Glaubensgenossen zu verlangen, sie sollten den Prozess der Säkularisierung nachvollziehen und die Trennung von Staat und Religion endlich anerkennen.

Der Gedanke der Freiheit und des Gewissens ist christlicher Herkunft

Steinfeld und die ihm angeschlossenen Appeasement-Prediger vergessen, dass es einen Unterschied macht, ob ich einen Gegner mit Wort und Schrift bekämpfe oder mit Messer und Bombe. Salman Rushdie hat damals gesagt: »Was geschehen ist, ist sehr einfach: Jemand hat ein Buch geschrieben, jemand will ihn dafür töten. Das ist keine intellektuelle Debatte, das ist Gangstertum.« Wer jenen, die vor dem tief in die westlichen Gesellschaften eingedrungenen Fundamentalismus warnen, jetzt »Islamophobie« unterstellt, empfiehlt den Verzicht auf angemessene Selbstverteidigung.

Die Kritik der Islamkritik läuft auf ein Missverständnis der Lessingschen Ringparabel hinaus. In seinem Lehrstück Nathan der Weise (1778) erzählt der Jude Nathan dem Muslim Saladin die Geschichte eines Mannes, der seinen drei Söhnen einen wundertätigen Ring vermachen will. Um keinen zu benachteiligen, lässt er zwei weitere, dem ersten völlig gleiche Ringe anfertigen, sodass jeder der Söhne den wahren in seinem Besitz wähnt. Demzufolge wären die drei monotheistischen Religionen gleichgeartet, und der demokratische Staat müsste nur danach trachten, jeglicher Glaubensrichtung neutral gegenüberzustehen.

Der schöne Gedanke hat zwei Mängel. Erstens sind die drei Religionen äußerst unterschiedlich. Vom Judentum sind aggressive Missionierungen nicht bekannt, auch haben die Juden Andersgläubige nie mit dem Schwert verfolgt. Im Gegensatz zum Christentum, dessen von den Christen selber am radikalsten kritisierte Verbrechen allerdings jeder Zeile des Neuen Testaments zuwiderlaufen. Zweitens genügt ein Blick ins Grundgesetz, um zu sehen, dass sein Wertekanon ohne die christliche Kultur keine Basis hätte. Allein der Gedanke der Freiheit des Individuums, seines Gewissens und seiner Verantwortlichkeit ist christlicher Herkunft.

Leser-Kommentare
  1. "Allein der Gedanke der Freiheit des Individuums, seines Gewissens und seiner Verantwortlichkeit ist christlicher Herkunft."

    Dazu:

    "Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir."
    Das ist Despotie.

    Die "Freiheit des Individuums, seines Gewissens und seiner Verantwortlichkeit" manifestiert sich in der Religionsfreiheit, verstanden als Freiheit von der Religion.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es heißt "du sollst" nicht "du darfst".
    Das Menschen daraus in der Vergangenheit, Gegenwart und leider auch Zukunft herauslesen, das jeder der "nicht will wie sie", verbrannt, verfolgt, gesteinigt, verbannt oder sonstwie bestaft werden muß ist leider allzu menschlich.
    Als Diktatur würde ich den Sinn des Satzen nicht bezeichnen, seine Interpretation bei so manchen "Gläubigen" jedoch schon.

    Es heißt "du sollst" nicht "du darfst".
    Das Menschen daraus in der Vergangenheit, Gegenwart und leider auch Zukunft herauslesen, das jeder der "nicht will wie sie", verbrannt, verfolgt, gesteinigt, verbannt oder sonstwie bestaft werden muß ist leider allzu menschlich.
    Als Diktatur würde ich den Sinn des Satzen nicht bezeichnen, seine Interpretation bei so manchen "Gläubigen" jedoch schon.

    • Vulki
    • 31.01.2010 um 11:27 Uhr

    Ein guter Kommentar, der die Legende von der Gleichheit aller Werte und Kulturen sinnvoll entkräftet und die Überlegenheit des freien Diskurses herausstellt, ohne dabei dem Islam oder (besonders) dem einzelnen Muslim Unrecht zu tun. Eine kleine ANmerkung allerdings: Dem Judentum ist Missionierung von Natur aus fremd, gewalttätige Übergriffe auf Nichtjuden allerdings kennt das alte Testament genug. Und auch der moderne jüdische Fundamentalismus prägt sich oft in offener Feindseligkeit und vielleicht nur wegen der großen Zahl vernünftiger Israelis nicht in Gewalt aus.

  2. Jeder, der in unserem Kulturkreis leben will muss die Säkularisierung akzeptieren. Das ist das essentielle Grundprinzip. Fundamentaler Islamismus ist ebenso verwerflich wie die Ansichten der Pius-Brüder. Wenn man will kann man persönlich an beliebige Geister, Götter oder sonst was glauben, aber das muss weit von jeglicher staatlicher Angelegenheit getrennt sein. Auch das Bildungssystem muss konsequent säkular sein. Das hat die Geschichte gelehrt und wer das nicht akzeptiert, soll nicht in Europa leben. In diesem Punkt muss man konsequent intolerant sein.

  3. "»Wer auf Toleranz beharrt, für den kann die Toleranz nicht aufhören, wenn ein anderer nicht tolerant sein will.« Das, mit Verlaub, ist absurd..."

    So ganz absurd kann ich das Zitat nicht finden. Toleranz ist ja nicht nur eine Rolle, in die man schlüpft, weil man das eben sollte und es eben zu unserer Kultur gehört - eine Art political correctness. Wenn die Toleranz wirklich als Wert verinnerlicht wurde, kann man sie gar nicht daran hindern, selbst gegenüber ihrerseits intoleranten Menschen noch aufzuflackern. Und das ist auch gut so, denn ansonsten geriete man schnell in die Gefahr, Toleranz immer dann hochzuhalten, wenn es einem gerade gut passt, und dann als situationsbedingt absurd zu verwerfen, sobald es weniger bequem wird, zu seinen Werten zu stehen.

    Natürlich muss man immer sich selbst und andere schützen - das ist oberstes Gebot. Man wäre also gut beraten, vor den Kannibalen davonzulaufen. Man dürfte, ja könnte sie aber nicht unter Hinnahme von Toten bekämpfen, denn das hieße, sich selbst denjenigen Methoden zu bedienen, die man bekämpft.

    Daher ist ein toleranter Mensch schlichtweg schwächer - zumindest wenn man es von einer Art 'kampfes-strategischer' Perspektive aus betrachtet. Na und? Das ist nicht die einzige Perspektive, die man aufs Leben haben kann. Schützen wir uns so gut wie möglich, aber lassen wir von einer Art 'kultureller Aufrüstung' ab - die Kosten in der Form der Infragestellung fundamentaler und friedlicher Werte wären noch viel größer.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Daher ist ein toleranter Mensch schlichtweg schwächer - zumindest wenn man es von einer Art 'kampfes-strategischer' Perspektive aus betrachtet. Na und? Das ist nicht die einzige Perspektive, die man aufs Leben haben kann."

    Sicher kann man vieles tolerieren. Kinderpornographie, Neonazis oder die Mafia. Allerdings gibt es eben Leute, die das nicht tolerieren wollen. Na und? Das ist eben eine andere Perspektvie aufs Leben.

    Ich habe nicht gemeint, dass man alles tolerieren soll. Bei mir hört bei Kinderpornografie, Neonazis und der Mafia auch jegliche Toleranz auf. Aber meine Wut auf solche Menschen entspringt genauso aus meiner inneren Überzeugung und Gerechtigkeitsgefühl wie die Toleranz anderer Kulturen.

    Mein Punkt war, dass man seine Werte nicht einfach an- und ausschalten kann, wie es am besten passt. Ist Toleranz ein fest verankerter Wert, wird man Schwierigkeiten damit haben, Anderen die eigene Kultur aufzuzwingen. Ist die Liebe zu Menschen und ihre Sicherheit ein höherer Wert als Toleranz - was für mich zutrifft -, dann hat die Toleranz Grenzen. Aber beides sollte ehrlich und reflektiert sein, nicht der Überlegung entspringen, welche Werte uns hinderlich in einem Kampf der Kulturen sind. Deshalb sollte man eben diese Perspektive aufs Leben nicht annehmen, sondern stattdessen eine, die den Reichtum unterschiedlicher Kulturen, und das Gute, das in ihnen enthalten ist, und ein Verständnis verschiedener Kulturen im Blick hat.

    "Daher ist ein toleranter Mensch schlichtweg schwächer - zumindest wenn man es von einer Art 'kampfes-strategischer' Perspektive aus betrachtet. Na und? Das ist nicht die einzige Perspektive, die man aufs Leben haben kann."

    Sicher kann man vieles tolerieren. Kinderpornographie, Neonazis oder die Mafia. Allerdings gibt es eben Leute, die das nicht tolerieren wollen. Na und? Das ist eben eine andere Perspektvie aufs Leben.

    Ich habe nicht gemeint, dass man alles tolerieren soll. Bei mir hört bei Kinderpornografie, Neonazis und der Mafia auch jegliche Toleranz auf. Aber meine Wut auf solche Menschen entspringt genauso aus meiner inneren Überzeugung und Gerechtigkeitsgefühl wie die Toleranz anderer Kulturen.

    Mein Punkt war, dass man seine Werte nicht einfach an- und ausschalten kann, wie es am besten passt. Ist Toleranz ein fest verankerter Wert, wird man Schwierigkeiten damit haben, Anderen die eigene Kultur aufzuzwingen. Ist die Liebe zu Menschen und ihre Sicherheit ein höherer Wert als Toleranz - was für mich zutrifft -, dann hat die Toleranz Grenzen. Aber beides sollte ehrlich und reflektiert sein, nicht der Überlegung entspringen, welche Werte uns hinderlich in einem Kampf der Kulturen sind. Deshalb sollte man eben diese Perspektive aufs Leben nicht annehmen, sondern stattdessen eine, die den Reichtum unterschiedlicher Kulturen, und das Gute, das in ihnen enthalten ist, und ein Verständnis verschiedener Kulturen im Blick hat.

  4. ... stammt meiner Ansicht nach aus dem griechisch antiken Gedankengut und zum guten Teil aus der klassischen arabischen Kultur. Nach dem religiös motivierten finsteren Aberglauben des europäischen Mittelalters wurde dieses Gedankengut in den Renaissance langsam wiederbelebt, in dem Maße in dem die Kirche an Einfluss verlor und gipfelte dann in der Aufklärung. Ich wehre mich strikt gegen die Aussage, dass irgendeine Kirche dafür verantwortlich sein soll, ob christlich oder sonst was.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kann und möchte mich hier sicher nicht als Geschichtsexperte aufspielen, aber meinen Kenntnissen zufolge war es sehr wohl der christlich-abendländische Glauben, der zum ersten Mal die "Gleichheit ALLER" postulierte, nämlich die "Gleicheit vor Gott"- dass sich der Fürst vom Pächter in seinen sozialen und pol. Rechten weiter unterschied, sei dahingestellt, aber der Keim einer nach heutigem Verständnis demokratischen Kultur liegt darin begründet (der sich später in säkularis. Form in der französ. Revolution niederschlug).

    In der Antike hingegen bestand die "Gleichkeit" (demokrat. Rechte) nur für männl. Bürger, das Gros an Sklaven und auch Frauen waren davon ausgeschlossen.
    Das islam. Recht hingegen hat über Jahrhunderte (Osman. Reich) mit dem Millet-System ebenfalls die "Gleichheit" der Religionsgenmeinschaften unterbunden.
    Abgeschafft wurde dies in der Türkei bezeichnenderweise erst durch Atatürk, der sich in seinem Rechtsverständnis am damaligen Europa orientierte (nationalist. Tendenzen eingeschlossen).

    Ich bin kein praktizierender Christ, aber den Grundkern der "Gleichheit aller Menschen" (zunächst einmal in religiöser Hinsicht) sehe ich sehr wohl im christl. Glaubensverständnis begründet. Das wird auch mE auch nicht durch die histor. Verfehlungen der Institution (!)Kirche aufgehoben.

    Zitat: Die Freiheit des Individuums...

    ... stammt meiner Ansicht nach --- " zum guten Teil aus der klassischen arabischen Kultur "

    Da würde ich von ihne gerne hinweise auf Belegbarkeit dieser aus meiner Sicht erstaunlichen Behauptung haben, vielleicht kann ich ja was lernen...

    der islam als wiege des individualismus - wie Sie darauf kommen, wüsste ich auch gern!

    Ich kann und möchte mich hier sicher nicht als Geschichtsexperte aufspielen, aber meinen Kenntnissen zufolge war es sehr wohl der christlich-abendländische Glauben, der zum ersten Mal die "Gleichheit ALLER" postulierte, nämlich die "Gleicheit vor Gott"- dass sich der Fürst vom Pächter in seinen sozialen und pol. Rechten weiter unterschied, sei dahingestellt, aber der Keim einer nach heutigem Verständnis demokratischen Kultur liegt darin begründet (der sich später in säkularis. Form in der französ. Revolution niederschlug).

    In der Antike hingegen bestand die "Gleichkeit" (demokrat. Rechte) nur für männl. Bürger, das Gros an Sklaven und auch Frauen waren davon ausgeschlossen.
    Das islam. Recht hingegen hat über Jahrhunderte (Osman. Reich) mit dem Millet-System ebenfalls die "Gleichheit" der Religionsgenmeinschaften unterbunden.
    Abgeschafft wurde dies in der Türkei bezeichnenderweise erst durch Atatürk, der sich in seinem Rechtsverständnis am damaligen Europa orientierte (nationalist. Tendenzen eingeschlossen).

    Ich bin kein praktizierender Christ, aber den Grundkern der "Gleichheit aller Menschen" (zunächst einmal in religiöser Hinsicht) sehe ich sehr wohl im christl. Glaubensverständnis begründet. Das wird auch mE auch nicht durch die histor. Verfehlungen der Institution (!)Kirche aufgehoben.

    Zitat: Die Freiheit des Individuums...

    ... stammt meiner Ansicht nach --- " zum guten Teil aus der klassischen arabischen Kultur "

    Da würde ich von ihne gerne hinweise auf Belegbarkeit dieser aus meiner Sicht erstaunlichen Behauptung haben, vielleicht kann ich ja was lernen...

    der islam als wiege des individualismus - wie Sie darauf kommen, wüsste ich auch gern!

    • Tasci
    • 31.01.2010 um 11:56 Uhr

    Die "massenahften Proteste" fehlen, weil es "die islamische Welt" nicht gibt. Vom liberalen säkularen schwulen Muslim bishin zum Steinzeit-Mullah ist alles vertreten. Wer bitte soll da geschlossen auftreten? Der Westen muss aufhören, "den Islam" verzweifelt in eine Schublade packen zu wollen.
    Die Mehrheit der Muslime weltweit leben ihren Glauben für sich im Privaten und fühlen sich demnach in keinster Weise von den Taten der Extremisten tangiert. Genauso wie in Deutschland kein "massenhafter Protest" losbricht, wenn in den USA ein fundamentaler Christ mit "irriger" Berufung auf seinen Glauben einen Arzt umbringt, der Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. Aus Sicht eines deutschen Christen ist das so abwegig extremistisch, dass er/sie sich gar nicht von dieser Tat "angesprochen" fühlt. Ich ahne die Gegenfrage: "Bei der Karikaturenkrise gingen doch weltweit auch "muslimische Massen" auf die Straßen...?" Man muss genau hinsehen, wer das war und von wem instrumentalisiert wurde. Cui bono? Der Ottonormalmuslim schüttelte ebenfalls verständnislos den Kopf ob dieser primitiven Skandierer, die Fahnen verbrannten. "Die islamische Welt" ist dermaßen heterogen, dass ein versammelter Aufschrei nicht möglich ist. Dieses Möchtegernhilfskonstrukt ermöglicht lediglich, dass westlicher Journalismus naiv eine Schublade öffnen kann, die es nicht gibt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Die "massenahften Proteste" fehlen, weil es "die islamische Welt" nicht gibt. Vom liberalen säkularen schwulen Muslim bishin zum Steinzeit-Mullah ist alles vertreten. Wer bitte soll da geschlossen auftreten?"

    Was ist eigentlich mit den massenhaften Protesten gegen Israel, die es in Deutschland gibt? Hierbei sind vielfach Türken beteiligt, die "in keinster Weise von den" Vorgängen in Israel und im Gaza-Streifen tangiert sind.

    Offensichtlich sind doch Muslime trotz ihrer Heterogenität zu solchen Demonstrationen fähig.

    Sie haben eindeutig Recht, man solle zwischen Muslimen unterscheiden können.

    Ich komme ursprünglich aus Russland, wo es ca. 20 Millionen Muslime gibt. Und da gibt nicht mal solche Kontroversen wie z.B.in BRD zwischen deutschen Christen und türkischen Muslimen. Weil die Muslime in Russland (z.B. Wolga-Tataren , Baschkiren usw.) sind ganz anders als Muslime in z.B. Jemen oder Indonesien.

    So könnte ich auch sagen, dass die Deutschen gleich so wie Philippinen sind, da sowohl Deutsche als auch Philippinen Christen sind. Vieles hängt nicht nur von Religion sondern auch von nationaler Kultur ab.

    "Die "massenahften Proteste" fehlen, weil es "die islamische Welt" nicht gibt. Vom liberalen säkularen schwulen Muslim bishin zum Steinzeit-Mullah ist alles vertreten. Wer bitte soll da geschlossen auftreten?"

    Was ist eigentlich mit den massenhaften Protesten gegen Israel, die es in Deutschland gibt? Hierbei sind vielfach Türken beteiligt, die "in keinster Weise von den" Vorgängen in Israel und im Gaza-Streifen tangiert sind.

    Offensichtlich sind doch Muslime trotz ihrer Heterogenität zu solchen Demonstrationen fähig.

    Sie haben eindeutig Recht, man solle zwischen Muslimen unterscheiden können.

    Ich komme ursprünglich aus Russland, wo es ca. 20 Millionen Muslime gibt. Und da gibt nicht mal solche Kontroversen wie z.B.in BRD zwischen deutschen Christen und türkischen Muslimen. Weil die Muslime in Russland (z.B. Wolga-Tataren , Baschkiren usw.) sind ganz anders als Muslime in z.B. Jemen oder Indonesien.

    So könnte ich auch sagen, dass die Deutschen gleich so wie Philippinen sind, da sowohl Deutsche als auch Philippinen Christen sind. Vieles hängt nicht nur von Religion sondern auch von nationaler Kultur ab.

  5. "Daher ist ein toleranter Mensch schlichtweg schwächer - zumindest wenn man es von einer Art 'kampfes-strategischer' Perspektive aus betrachtet. Na und? Das ist nicht die einzige Perspektive, die man aufs Leben haben kann."

    Sicher kann man vieles tolerieren. Kinderpornographie, Neonazis oder die Mafia. Allerdings gibt es eben Leute, die das nicht tolerieren wollen. Na und? Das ist eben eine andere Perspektvie aufs Leben.

  6. Die Angehörigen des heutigen säkularen Bürgertums sind noch nie auf einen vitalen Gegner getroffen. Der Kommunismus ist implodiert und aus der Geschichte herausgetreten; der deutsche Konservatismus im saturierten Westdeutschland war seit den sechziger Jahren intellektuell erstarrt, büßte seine Anziehungskraft vor allem bei der Jugend ein und ist heute ohne gesellschaftliche Bedeutung, wenngleich ein konservatives Milieu weiterhin existiert. Es bringt die linksintellektuellen Feuilletonisten und ihr Gefolge offenbar an den Rand der Verzweiflung, daß gerade die Zuwanderer aus islamischen Ländern, auf die die bürgerliche Linke einst ihre revolutionären Phantasien projizierte, auch nach Jahrzehnten in der „westlichen Welt“ an ihren Sittengesetzen festhalten. Der Artikel von Ulrich Greiner ist somit ein Stimmungsbild jener privilegierten Schicht, in der sich die Nervosität breit macht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service