Islamismus Toleranz für die Intoleranz?Seite 2/2
Was nun den Islam angeht, so mag es durchaus zutreffen, dass er einst eine vorbildliche Kultur der Toleranz dargestellt hat. Und sicherlich ist es angesichts seiner unterschiedlichen Ausprägungen höchst ungenau, von »dem« Islam zu sprechen. Die Frage jedoch, wie der Koran und seine Bemerkungen über Andersgläubige oder Abtrünnige zu verstehen sind und ob das Regelsystem der Scharia mit dem Freiheitsgedanken der Aufklärung vereinbar ist, muss von den Muslimen selber beantwortet werden. Wir hingegen genießen die von unseren Vorfahren oft blutig erkämpften Rechte auf selbstverständliche und, wie die Debatte zeigt, auch gedankenlose Weise. Wir können zum innermuslimischen Diskurs wenig beitragen und realistischerweise nicht von einem idealen Islam sprechen, sondern nur von jenem, der uns alltäglich begegnet. Dass dessen Erscheinungsformen auch jene Zeitgenossen, die nicht unter Phobien leiden, zuweilen erschrecken, wird niemand abstreiten. Auch hat man nichts davon gehört, dass die von den Radikalen mit vielleicht irriger Berufung auf den Koran angestifteten Anschläge massenhafte Proteste in der islamischen Welt ausgelöst hätten. Einige wenige haben ihren Widerspruch deutlich artikuliert, darunter Necla Kelek und die niederländische Frauenrechtlerin Ayaan Hirsi Ali. Diese beiden müssen sich nun von blinden Toleranzenthusiasten vorhalten lassen, sie gehörten zu den »Hasspredigern«.
Dieser Streit kann nur geführt werden, weil die Freiheitsrechte gelten
Lessings berühmtes Toleranzedikt jedoch behauptet nicht, alle drei Religionen besäßen in gleicher Weise die Wahrheit. Sie sind, im Sinne Lessings, von der Wahrheit gleich weit entfernt. Was aber wäre die Wahrheit? Nichts anderes als die Aufklärung, die Lessing mit seinem Stück befördert hat: der Glaube an die Vernunft und an den Universalismus der Menschenrechte. Lessings Erzählung der Ringparabel ist die Ringparabel. Der Diskurs, den er führt, verbürgt ihre Geltung, und ihre Geltung ist Folge des Diskurses, er ist die Wahrheit, die über den drei Ringen steht.
So kann also auch diese Debatte nur geführt werden, weil es die Wahrheit und die Geltung der Freiheitsrechte gibt. Auch die Kritiker der Islamkritiker beanspruchen, indem sie die glaubensmäßige Beanspruchung dieser Freiheit verwerfen, eben diese. Dessen sollten sie sich bewusst sein. Das Ganze ist ja nicht nur ein Streit um Worte, sondern einer um das Fundament unseres Selbstverständnisses und unserer kulturellen Herkunft. Dass dieses Fundament wacklig geworden ist, wie die Diskussion zeigt, hat aber nichts mit den Muslimen zu tun, sondern nur mit uns selber.
Die Schriftstellerin Monika Maron hat im Spiegel gefragt, weshalb die Aufklärung und die westlichen Werte in den Augen einiger Intellektueller plötzlich als fundamentalistisch erschienen, und den Verdacht geäußert, es handele sich dabei um eine Wiederkehr des alten linksintellektuellen Unvermögens, die Vorzüge des eigenen Gemeinwesens zu erkennen. Das könnte sein.
- Datum 28.01.2010 - 17:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05
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"Allein der Gedanke der Freiheit des Individuums, seines Gewissens und seiner Verantwortlichkeit ist christlicher Herkunft."
Dazu:
"Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir."
Das ist Despotie.
Die "Freiheit des Individuums, seines Gewissens und seiner Verantwortlichkeit" manifestiert sich in der Religionsfreiheit, verstanden als Freiheit von der Religion.
Es heißt "du sollst" nicht "du darfst".
Das Menschen daraus in der Vergangenheit, Gegenwart und leider auch Zukunft herauslesen, das jeder der "nicht will wie sie", verbrannt, verfolgt, gesteinigt, verbannt oder sonstwie bestaft werden muß ist leider allzu menschlich.
Als Diktatur würde ich den Sinn des Satzen nicht bezeichnen, seine Interpretation bei so manchen "Gläubigen" jedoch schon.
Es heißt "du sollst" nicht "du darfst".
Das Menschen daraus in der Vergangenheit, Gegenwart und leider auch Zukunft herauslesen, das jeder der "nicht will wie sie", verbrannt, verfolgt, gesteinigt, verbannt oder sonstwie bestaft werden muß ist leider allzu menschlich.
Als Diktatur würde ich den Sinn des Satzen nicht bezeichnen, seine Interpretation bei so manchen "Gläubigen" jedoch schon.
Ein guter Kommentar, der die Legende von der Gleichheit aller Werte und Kulturen sinnvoll entkräftet und die Überlegenheit des freien Diskurses herausstellt, ohne dabei dem Islam oder (besonders) dem einzelnen Muslim Unrecht zu tun. Eine kleine ANmerkung allerdings: Dem Judentum ist Missionierung von Natur aus fremd, gewalttätige Übergriffe auf Nichtjuden allerdings kennt das alte Testament genug. Und auch der moderne jüdische Fundamentalismus prägt sich oft in offener Feindseligkeit und vielleicht nur wegen der großen Zahl vernünftiger Israelis nicht in Gewalt aus.
Jeder, der in unserem Kulturkreis leben will muss die Säkularisierung akzeptieren. Das ist das essentielle Grundprinzip. Fundamentaler Islamismus ist ebenso verwerflich wie die Ansichten der Pius-Brüder. Wenn man will kann man persönlich an beliebige Geister, Götter oder sonst was glauben, aber das muss weit von jeglicher staatlicher Angelegenheit getrennt sein. Auch das Bildungssystem muss konsequent säkular sein. Das hat die Geschichte gelehrt und wer das nicht akzeptiert, soll nicht in Europa leben. In diesem Punkt muss man konsequent intolerant sein.
"»Wer auf Toleranz beharrt, für den kann die Toleranz nicht aufhören, wenn ein anderer nicht tolerant sein will.« Das, mit Verlaub, ist absurd..."
So ganz absurd kann ich das Zitat nicht finden. Toleranz ist ja nicht nur eine Rolle, in die man schlüpft, weil man das eben sollte und es eben zu unserer Kultur gehört - eine Art political correctness. Wenn die Toleranz wirklich als Wert verinnerlicht wurde, kann man sie gar nicht daran hindern, selbst gegenüber ihrerseits intoleranten Menschen noch aufzuflackern. Und das ist auch gut so, denn ansonsten geriete man schnell in die Gefahr, Toleranz immer dann hochzuhalten, wenn es einem gerade gut passt, und dann als situationsbedingt absurd zu verwerfen, sobald es weniger bequem wird, zu seinen Werten zu stehen.
Natürlich muss man immer sich selbst und andere schützen - das ist oberstes Gebot. Man wäre also gut beraten, vor den Kannibalen davonzulaufen. Man dürfte, ja könnte sie aber nicht unter Hinnahme von Toten bekämpfen, denn das hieße, sich selbst denjenigen Methoden zu bedienen, die man bekämpft.
Daher ist ein toleranter Mensch schlichtweg schwächer - zumindest wenn man es von einer Art 'kampfes-strategischer' Perspektive aus betrachtet. Na und? Das ist nicht die einzige Perspektive, die man aufs Leben haben kann. Schützen wir uns so gut wie möglich, aber lassen wir von einer Art 'kultureller Aufrüstung' ab - die Kosten in der Form der Infragestellung fundamentaler und friedlicher Werte wären noch viel größer.
"Daher ist ein toleranter Mensch schlichtweg schwächer - zumindest wenn man es von einer Art 'kampfes-strategischer' Perspektive aus betrachtet. Na und? Das ist nicht die einzige Perspektive, die man aufs Leben haben kann."
Sicher kann man vieles tolerieren. Kinderpornographie, Neonazis oder die Mafia. Allerdings gibt es eben Leute, die das nicht tolerieren wollen. Na und? Das ist eben eine andere Perspektvie aufs Leben.
Ich habe nicht gemeint, dass man alles tolerieren soll. Bei mir hört bei Kinderpornografie, Neonazis und der Mafia auch jegliche Toleranz auf. Aber meine Wut auf solche Menschen entspringt genauso aus meiner inneren Überzeugung und Gerechtigkeitsgefühl wie die Toleranz anderer Kulturen.
Mein Punkt war, dass man seine Werte nicht einfach an- und ausschalten kann, wie es am besten passt. Ist Toleranz ein fest verankerter Wert, wird man Schwierigkeiten damit haben, Anderen die eigene Kultur aufzuzwingen. Ist die Liebe zu Menschen und ihre Sicherheit ein höherer Wert als Toleranz - was für mich zutrifft -, dann hat die Toleranz Grenzen. Aber beides sollte ehrlich und reflektiert sein, nicht der Überlegung entspringen, welche Werte uns hinderlich in einem Kampf der Kulturen sind. Deshalb sollte man eben diese Perspektive aufs Leben nicht annehmen, sondern stattdessen eine, die den Reichtum unterschiedlicher Kulturen, und das Gute, das in ihnen enthalten ist, und ein Verständnis verschiedener Kulturen im Blick hat.
"Daher ist ein toleranter Mensch schlichtweg schwächer - zumindest wenn man es von einer Art 'kampfes-strategischer' Perspektive aus betrachtet. Na und? Das ist nicht die einzige Perspektive, die man aufs Leben haben kann."
Sicher kann man vieles tolerieren. Kinderpornographie, Neonazis oder die Mafia. Allerdings gibt es eben Leute, die das nicht tolerieren wollen. Na und? Das ist eben eine andere Perspektvie aufs Leben.
Ich habe nicht gemeint, dass man alles tolerieren soll. Bei mir hört bei Kinderpornografie, Neonazis und der Mafia auch jegliche Toleranz auf. Aber meine Wut auf solche Menschen entspringt genauso aus meiner inneren Überzeugung und Gerechtigkeitsgefühl wie die Toleranz anderer Kulturen.
Mein Punkt war, dass man seine Werte nicht einfach an- und ausschalten kann, wie es am besten passt. Ist Toleranz ein fest verankerter Wert, wird man Schwierigkeiten damit haben, Anderen die eigene Kultur aufzuzwingen. Ist die Liebe zu Menschen und ihre Sicherheit ein höherer Wert als Toleranz - was für mich zutrifft -, dann hat die Toleranz Grenzen. Aber beides sollte ehrlich und reflektiert sein, nicht der Überlegung entspringen, welche Werte uns hinderlich in einem Kampf der Kulturen sind. Deshalb sollte man eben diese Perspektive aufs Leben nicht annehmen, sondern stattdessen eine, die den Reichtum unterschiedlicher Kulturen, und das Gute, das in ihnen enthalten ist, und ein Verständnis verschiedener Kulturen im Blick hat.
... stammt meiner Ansicht nach aus dem griechisch antiken Gedankengut und zum guten Teil aus der klassischen arabischen Kultur. Nach dem religiös motivierten finsteren Aberglauben des europäischen Mittelalters wurde dieses Gedankengut in den Renaissance langsam wiederbelebt, in dem Maße in dem die Kirche an Einfluss verlor und gipfelte dann in der Aufklärung. Ich wehre mich strikt gegen die Aussage, dass irgendeine Kirche dafür verantwortlich sein soll, ob christlich oder sonst was.
Ich kann und möchte mich hier sicher nicht als Geschichtsexperte aufspielen, aber meinen Kenntnissen zufolge war es sehr wohl der christlich-abendländische Glauben, der zum ersten Mal die "Gleichheit ALLER" postulierte, nämlich die "Gleicheit vor Gott"- dass sich der Fürst vom Pächter in seinen sozialen und pol. Rechten weiter unterschied, sei dahingestellt, aber der Keim einer nach heutigem Verständnis demokratischen Kultur liegt darin begründet (der sich später in säkularis. Form in der französ. Revolution niederschlug).
In der Antike hingegen bestand die "Gleichkeit" (demokrat. Rechte) nur für männl. Bürger, das Gros an Sklaven und auch Frauen waren davon ausgeschlossen.
Das islam. Recht hingegen hat über Jahrhunderte (Osman. Reich) mit dem Millet-System ebenfalls die "Gleichheit" der Religionsgenmeinschaften unterbunden.
Abgeschafft wurde dies in der Türkei bezeichnenderweise erst durch Atatürk, der sich in seinem Rechtsverständnis am damaligen Europa orientierte (nationalist. Tendenzen eingeschlossen).
Ich bin kein praktizierender Christ, aber den Grundkern der "Gleichheit aller Menschen" (zunächst einmal in religiöser Hinsicht) sehe ich sehr wohl im christl. Glaubensverständnis begründet. Das wird auch mE auch nicht durch die histor. Verfehlungen der Institution (!)Kirche aufgehoben.
Zitat: Die Freiheit des Individuums...
... stammt meiner Ansicht nach --- " zum guten Teil aus der klassischen arabischen Kultur "
Da würde ich von ihne gerne hinweise auf Belegbarkeit dieser aus meiner Sicht erstaunlichen Behauptung haben, vielleicht kann ich ja was lernen...
der islam als wiege des individualismus - wie Sie darauf kommen, wüsste ich auch gern!
Ich kann und möchte mich hier sicher nicht als Geschichtsexperte aufspielen, aber meinen Kenntnissen zufolge war es sehr wohl der christlich-abendländische Glauben, der zum ersten Mal die "Gleichheit ALLER" postulierte, nämlich die "Gleicheit vor Gott"- dass sich der Fürst vom Pächter in seinen sozialen und pol. Rechten weiter unterschied, sei dahingestellt, aber der Keim einer nach heutigem Verständnis demokratischen Kultur liegt darin begründet (der sich später in säkularis. Form in der französ. Revolution niederschlug).
In der Antike hingegen bestand die "Gleichkeit" (demokrat. Rechte) nur für männl. Bürger, das Gros an Sklaven und auch Frauen waren davon ausgeschlossen.
Das islam. Recht hingegen hat über Jahrhunderte (Osman. Reich) mit dem Millet-System ebenfalls die "Gleichheit" der Religionsgenmeinschaften unterbunden.
Abgeschafft wurde dies in der Türkei bezeichnenderweise erst durch Atatürk, der sich in seinem Rechtsverständnis am damaligen Europa orientierte (nationalist. Tendenzen eingeschlossen).
Ich bin kein praktizierender Christ, aber den Grundkern der "Gleichheit aller Menschen" (zunächst einmal in religiöser Hinsicht) sehe ich sehr wohl im christl. Glaubensverständnis begründet. Das wird auch mE auch nicht durch die histor. Verfehlungen der Institution (!)Kirche aufgehoben.
Zitat: Die Freiheit des Individuums...
... stammt meiner Ansicht nach --- " zum guten Teil aus der klassischen arabischen Kultur "
Da würde ich von ihne gerne hinweise auf Belegbarkeit dieser aus meiner Sicht erstaunlichen Behauptung haben, vielleicht kann ich ja was lernen...
der islam als wiege des individualismus - wie Sie darauf kommen, wüsste ich auch gern!
Die "massenahften Proteste" fehlen, weil es "die islamische Welt" nicht gibt. Vom liberalen säkularen schwulen Muslim bishin zum Steinzeit-Mullah ist alles vertreten. Wer bitte soll da geschlossen auftreten? Der Westen muss aufhören, "den Islam" verzweifelt in eine Schublade packen zu wollen.
Die Mehrheit der Muslime weltweit leben ihren Glauben für sich im Privaten und fühlen sich demnach in keinster Weise von den Taten der Extremisten tangiert. Genauso wie in Deutschland kein "massenhafter Protest" losbricht, wenn in den USA ein fundamentaler Christ mit "irriger" Berufung auf seinen Glauben einen Arzt umbringt, der Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. Aus Sicht eines deutschen Christen ist das so abwegig extremistisch, dass er/sie sich gar nicht von dieser Tat "angesprochen" fühlt. Ich ahne die Gegenfrage: "Bei der Karikaturenkrise gingen doch weltweit auch "muslimische Massen" auf die Straßen...?" Man muss genau hinsehen, wer das war und von wem instrumentalisiert wurde. Cui bono? Der Ottonormalmuslim schüttelte ebenfalls verständnislos den Kopf ob dieser primitiven Skandierer, die Fahnen verbrannten. "Die islamische Welt" ist dermaßen heterogen, dass ein versammelter Aufschrei nicht möglich ist. Dieses Möchtegernhilfskonstrukt ermöglicht lediglich, dass westlicher Journalismus naiv eine Schublade öffnen kann, die es nicht gibt.
"Die "massenahften Proteste" fehlen, weil es "die islamische Welt" nicht gibt. Vom liberalen säkularen schwulen Muslim bishin zum Steinzeit-Mullah ist alles vertreten. Wer bitte soll da geschlossen auftreten?"
Was ist eigentlich mit den massenhaften Protesten gegen Israel, die es in Deutschland gibt? Hierbei sind vielfach Türken beteiligt, die "in keinster Weise von den" Vorgängen in Israel und im Gaza-Streifen tangiert sind.
Offensichtlich sind doch Muslime trotz ihrer Heterogenität zu solchen Demonstrationen fähig.
Sie haben eindeutig Recht, man solle zwischen Muslimen unterscheiden können.
Ich komme ursprünglich aus Russland, wo es ca. 20 Millionen Muslime gibt. Und da gibt nicht mal solche Kontroversen wie z.B.in BRD zwischen deutschen Christen und türkischen Muslimen. Weil die Muslime in Russland (z.B. Wolga-Tataren , Baschkiren usw.) sind ganz anders als Muslime in z.B. Jemen oder Indonesien.
So könnte ich auch sagen, dass die Deutschen gleich so wie Philippinen sind, da sowohl Deutsche als auch Philippinen Christen sind. Vieles hängt nicht nur von Religion sondern auch von nationaler Kultur ab.
"Die "massenahften Proteste" fehlen, weil es "die islamische Welt" nicht gibt. Vom liberalen säkularen schwulen Muslim bishin zum Steinzeit-Mullah ist alles vertreten. Wer bitte soll da geschlossen auftreten?"
Was ist eigentlich mit den massenhaften Protesten gegen Israel, die es in Deutschland gibt? Hierbei sind vielfach Türken beteiligt, die "in keinster Weise von den" Vorgängen in Israel und im Gaza-Streifen tangiert sind.
Offensichtlich sind doch Muslime trotz ihrer Heterogenität zu solchen Demonstrationen fähig.
Sie haben eindeutig Recht, man solle zwischen Muslimen unterscheiden können.
Ich komme ursprünglich aus Russland, wo es ca. 20 Millionen Muslime gibt. Und da gibt nicht mal solche Kontroversen wie z.B.in BRD zwischen deutschen Christen und türkischen Muslimen. Weil die Muslime in Russland (z.B. Wolga-Tataren , Baschkiren usw.) sind ganz anders als Muslime in z.B. Jemen oder Indonesien.
So könnte ich auch sagen, dass die Deutschen gleich so wie Philippinen sind, da sowohl Deutsche als auch Philippinen Christen sind. Vieles hängt nicht nur von Religion sondern auch von nationaler Kultur ab.
"Daher ist ein toleranter Mensch schlichtweg schwächer - zumindest wenn man es von einer Art 'kampfes-strategischer' Perspektive aus betrachtet. Na und? Das ist nicht die einzige Perspektive, die man aufs Leben haben kann."
Sicher kann man vieles tolerieren. Kinderpornographie, Neonazis oder die Mafia. Allerdings gibt es eben Leute, die das nicht tolerieren wollen. Na und? Das ist eben eine andere Perspektvie aufs Leben.
Die Angehörigen des heutigen säkularen Bürgertums sind noch nie auf einen vitalen Gegner getroffen. Der Kommunismus ist implodiert und aus der Geschichte herausgetreten; der deutsche Konservatismus im saturierten Westdeutschland war seit den sechziger Jahren intellektuell erstarrt, büßte seine Anziehungskraft vor allem bei der Jugend ein und ist heute ohne gesellschaftliche Bedeutung, wenngleich ein konservatives Milieu weiterhin existiert. Es bringt die linksintellektuellen Feuilletonisten und ihr Gefolge offenbar an den Rand der Verzweiflung, daß gerade die Zuwanderer aus islamischen Ländern, auf die die bürgerliche Linke einst ihre revolutionären Phantasien projizierte, auch nach Jahrzehnten in der „westlichen Welt“ an ihren Sittengesetzen festhalten. Der Artikel von Ulrich Greiner ist somit ein Stimmungsbild jener privilegierten Schicht, in der sich die Nervosität breit macht.
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