Gesundheitspolitik Trainerwechsel

Der Medikamenten-TÜV ist nicht am Ende – trotz Abwahl des Chefs.

Pillen auf dem Prüfstand. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) soll prüfen, ob Therapien wirken und die Kosten dafür angemessen sind

Pillen auf dem Prüfstand. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) soll prüfen, ob Therapien wirken und die Kosten dafür angemessen sind

Als der Vertrag von Peter Sawicki vergangene Woche nicht erneuert wurde, brach für manche Pharmakritiker eine Welt zusammen. Galt der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) doch als kritisches Gewissen der Branche. Werden uns nun, nach seinem Abgang, von der Pharmaindustrie wieder Medikamente aufgeschwatzt, die zwar teuer, oft aber nicht gut sind?

Um es vorwegzunehmen: Ja, die Abwahl des IQWiG-Leiters scheint angesichts seiner guten Arbeit unfair und ist sicherlich für die Klientel der FDP angenehm. Dennoch ist das Klischee vom Sieg eines Pharma-Goliaths gegen den armen IQWiG-David zu schlicht.

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Zunächst einmal ist es nicht nur die Pharmaindustrie, die sich gegen eine allzu strenge Prüfung bei der Kostenerstattung im Gesundheitsbereich wehrt. Auch Betreiber von Krankenhäusern sind davon nicht begeistert. Schließlich dürfen Krankenhausärzte – anders als die niedergelassenen Kollegen – auch ungeprüfte Untersuchungs- und Behandlungsmethoden anwenden (und abrechnen!), solange es ihnen nicht ausdrücklich verboten ist.

Als das IQWiG sich anschickte, genau diese Praktiken zu begutachten, war die Deutsche Krankenhausgesellschaft – die auch in dem Gremium sitzt, das den Vertrag mit Peter Sawicki nicht verlängert hat – wenig amüsiert. Und die niedergelassenen Ärzte wiederum ärgern sich häufig über die Gutachten des IQWiG, weil sie nicht mehr jedes lieb gewonnene Medikament verschreiben dürfen. 

Es brauchte also nicht unbedingt die FDP, um genügend Kritiker gegen den unabhängigen und rigorosen Chef des IQWiG aufzubringen. Dass dessen Vertrag ausgerechnet unter einem FDP-Gesundheitsminister nicht verlängert wird, der für eine bestimmte Klientel steht, ist in gewisser Weise nur eine Koinzidenz.

Die Frage lautet nun: Dürfen Lobbyisten künftig Zugeständnisse erwarten? Vermutlich weniger, als manche befürchten. Denn das IQWiG muss auch weiterhin Nutzen und Schaden medizinischer Maßnahmen nach strengen wissenschaftlichen Kriterien bewerten und sich dabei dem internationalen Vergleich stellen. Sollten die Ergebnisse von Interessengruppen beeinflusst werden, käme es zu Diskrepanzen mit ähnlichen Institutionen im Ausland – das gäbe keine gute Presse.

Diskussionen könnte es allerdings um die Bewertungsmethoden des IQWiG selbst geben. Denn die sind nicht unumstritten. Eine Neuausrichtung könnte etwa dazu führen, dass auch die Zufriedenheit der Patienten eine größere Rolle bei der Bewertung von Medikamenten spielt. Solche Anpassungen im IQWiG müssen nicht schlecht sein – Hauptsache, der Geist der Institution ändert sich nicht.

In dieser Hinsicht ähnelt die Suche nach einem Nachfolger für Peter Sawicki der Neubesetzung des Bundespräsidentenamtes oder der Stelle eines Fußballbundestrainers: Nachdem der Ton einmal gesetzt ist, formt das Amt seinen jeweiligen Inhaber eher als umgekehrt.

Leser-Kommentare
  1. Natürlich ist die Absetzung von Sawicki ein Sieg des Lobbyismus auf der ganzen Linie und in der Pharmaindustrie hat es Spontan-Parties gegeben. Selbstverständlich werden den Reste-Rampe-Patienten nun noch weniger notwendige Medikamente verschrieben bei gleichzeitig traumhaften, Ackermann'schen Renditen. Selbstverständlich wird die Entwicklung der 3-Klassen-Medizin (Superreiche mit z. B. lebenden menschlichen Ersatzteillagern, eigenen Kliniken etc., Private und Resterampe) massivst vorangetrieben. Genau so, wie es die Mehrheit der Wähler im November gewollt habt.

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    • lepkeb
    • 28.01.2010 um 10:02 Uhr

    etwas überspitzt dargestellt haben trifft es den Kern der Sache. Leider wird der dt. Michel es erst realisieren, wenn es zu spät ist.

    • lepkeb
    • 28.01.2010 um 10:02 Uhr

    etwas überspitzt dargestellt haben trifft es den Kern der Sache. Leider wird der dt. Michel es erst realisieren, wenn es zu spät ist.

    • lepkeb
    • 28.01.2010 um 10:02 Uhr

    etwas überspitzt dargestellt haben trifft es den Kern der Sache. Leider wird der dt. Michel es erst realisieren, wenn es zu spät ist.

  2. Unter schwarz-gelb haben die Industrielobbys nun komplett die Macht im Staate übernommen, nachdem sie auch schon unter schwarz-rot Erfolge in diese Richtung feiern konnten. Wir leben nicht mehr in einer Demokratie!

  3. scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, die Leserschaft der Zeit bezüglich der Ablösung von Sawicki einzulullen.
    Koblenz hat recht. Die Plünderclique, die Deutschlnd zerlegt, verteilt nicht nur das Geld von unten nach oben und zerlegt den Sozialstaat - nein - sie gehen über LLeichen, wenn es denn nur Profit bringt.
    Am Montag kommentierte eine Redakteurin des DLF u.a., dass die Champagnerkorken bei der Benennung von Rösler geknallt hätten. Die Dame war richtig sauer über die offene Dreistigkeit einer willfährigen Politik.

  4. Ihr seht alle nur das Geld, aber dass diese Pharmalobby, die Pharmaunternehmen im großen Stil TIERVERSUCHE durchführen, um am ende wirklose oder sinnlose weil bereits existente Meidkamente auf den überfetteten Markt werfen, ist euch einfach nur Schitte Egal. Wie kann das sein? Eine Heuchlerische welt in der wir leben. Sind ja so notwendig die versuche...von Wegen. Das sieht man doch bie der aktuellen debatte besser denn je: Die meisten tierversuche sind überflüssig. Sie helfen lediglich den Portmonaies von irgendwelchen Kapitalisten. WEG DAMIT!

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