Oskar Lafontaine Er war mal Avantgarde

Oskar Lafontaine faszinierte wie wenige andere. Er war mutig, entschlossen, am Puls der Zeit. Später machte er es sich zu einfach. Jetzt beendet er seine wechselvolle Karriere.

Ja, dass er in der SPD Brandts, Schmidts und Wehners neben Schröder zu den wenigen »Leitwölfen« zählen würde, machte schon sein erster großer Auftritt klar: Mit Aplomb widersprach ein nahezu unbekannter Saarbrücker Oberbürgermeister 1979 Kanzler Helmut Schmidt, der sich starkmachte für eine »Nachrüstung« mit atomaren Mittelstreckenraketen. Den, das spürte man früh, musste man kennenlernen.

Dieser »Oskar« wollte etwas. Locker verbündete er sich mit dem Zeitgeist. Sein Interesse für Ökologie, seine Unterstützung für Bürgerinitiativen machten uns Journalisten neugierig. Solche Nahtstellen zwischen Politik und Intellekt strahlen Faszination aus. Einen Hauch von »Avantgarde« spürte man, wenn man mit ihm sprach. Anmaßend, aber unterfüttert mit Wissen und Realitätssinn. Er ahnte, dass etwas in der Republik aufbrach, und das meinte man ja auch selber zu spüren. Dabei sein war alles!

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Jetzt aber zieht er sich zurück. Der an Krebs erkrankte Oskar Lafontaine will den Parteivorsitz der Linken und sein Bundestagsmandat aufgeben. Es ist wohl das Ende einer wechselhaften Karriere.

1989/90: Stark war Lafontaine immer dann, wenn er selber definieren konnte, wie der Anfang aussehen soll. Aber er konnte sich nicht einfach den Umständen fügen. Nicht einmal ein historisches Ereignis wie den Mauerfall am 9. November wollte er einfach so hinnehmen. Zudem löste alle Nationalrhetorik und erst recht das Kohlsche »vadderländische« Gebaren Unbehagen in ihm aus. Brandt war fortan empört über den Schützling von gestern, weil er ihn für einen Gegner der Einheit hielt. Kohl nannte Lafontaine gar einen Deutschlandverräter. Der SPD-Kanzlerkandidat des Jahres 1990 wurde abgestraft, die SPD sank in der Wählergunst auf ein Nachkriegstief.

Leser-Kommentare
  1. Werter Herr Hofmann,

    ich möchte Sie bitten, Ihre Artikel- wenn möglich - demnächst etwas weniger manipulativ zu gestalten.
    " ....die Folgen der Globalisierung"..."die er später als Neoliberalismus" bekämpfte.
    Hei, da wird in einem Satz mal so eben behauptet, dass die Krise der finanz"märkte" , der Sozialabbau, die Privatisierung von Staatsbetrieben etc. Folgen der "Globalisierung" seien.
    Lafontaine, behaupten Sie weiter, ginge einen populistischen Weg, gekennzeichnet durch radikale Vereinfachungen.
    Der Bürgern zu erklären, wer und warum sie betrügt und dabei auch persönliche Konsequenzen zu ziehen, das ist und war Lafontaines Weg. Sein Ziel war und ist eine gerechtere Gesellschaft. Genau das wird als Populismus diffamiert und leider nicht das Gequake der herrschenden Plüderclique.

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    muss es natürlich heißen.

    muss es natürlich heißen.

  2. So steht es in der Printausgabe. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
    Was macht die "ZEIT-online" daraus? Kopfschütteln!

    Kernbehauptung/-aussage von Gunter Hoffmann:

    "Lafontaine verabschiedete sich vom "Avangardistischen" und zeigte nur noch seine missionarische Seite"

  3. schon geändert! Danke!

  4. muss es natürlich heißen.

  5. Warum blos denke ich das gerade Oskar Lafaintaine zur Avantgarde des aktuellen Poilitischen und vieleicht auch Gesellschaftlichen Geschehens gehört? Liegt es vieleicht auch daran das die Partei "Die Linke" nur mittels massiver medialer Beschimpfungen, Beleidigungen und krampfhaften Verdrehungen unter den erreichten % Punkten geblieben ist? Ich bin sicher das sich so mancher genau die Politik wünscht welche gerade von Oaskar Lafontaine und anderen Exponenten von "Die Linke" gefordert wird... doch wie gesagt und oft festgestellt... Wer die Medien kontrolliert der hat sehr wahrscheinlich auch die Gedanken und Wünsche der meisten Menschen fest im Griff...
    -
    Die Reden von Oaskar Lafaintaine hingegen werden mir in guter und anregender Erinnerung bleiben.
    -
    Uebrigens steht auf der Titelseite per 31.1.2010, 19:45 MEZ, immer noch "Vom Advantgardisten zum Populisten" was einmal mehr auf einen "Troll" Artikel hinweist. Kann es nicht doch sein das die Zeit etwas zu sehr von ihrem noch respektablen Eindruck zehrt?

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    "Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangen nehmen."
    Jean-Jacques Rousseau

    "Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit lässt sich selbst der Wille gefangen nehmen."
    Jean-Jacques Rousseau

  6. "Aber der andere Lafontaine, derjenige, der wie kaum ein anderer die Politik diskursiv herausfordert, im Grunde sogar konstruktiv, den hat man schon seit einigen Jahren nicht mehr richtig gesehen. Er fehlt."

    Ueber unsere anderen Politiker koennte man sowas nicht schreiben. Jedenfalls hab ich bei denen noch keinen langfristigen politischen Plan bemerkt, nur "auf Sicht fahren" und kurzfristigen Aktionismus, der sich entweder in Inkompetenz(Leyen, Schmidt,...) Paranoia(Schily, Schauble) oder Lobbyarbeit(der ganze Rest, inklusive die vorher genannten) begruendet.

    Insofern hat er vielleicht sogar bewusst aufgegeben, die Kollegen "diskursiv herauszufordern" um stattdessen selbst zu handeln. Reden bringt ja nichts, argumentativ unterlegen zu sein ist doch heute kein Grund mehr sich zu verstecken. Man schau sich nur mal die grossen Regierungsprojekte an. Entgegen aller Vorhersagen allesamt grandiose Erfolge: Gesundheitskarte, Personalausweis, Afghanistan, Hochschulreform, Internetsperren, Privatisierung von Bahn, Muellentsorgung und Energieanbietern, Bankenschirm, Riesterrente, HartzIV, Teilzeitjobs, Energiesparlampen, Internetsperren, TollCollect, ..

    Und diese Leute werden auch noch dafuer bezaehlt, dass sie als inkompetente Marionetten der Wirtschaft aktiv das Land kaputt machen.

    Wir sollten diesen Leuten einen lebenslangen Aufenthalt auf Hawai finanzieren. Es kaeme unserem Land langfristig billiger, wenn sie ihre Zeit dort am Strand totschlagen.

  7. Ich wäre für Haiti ;)

    Zum Artikel: beschämend!

    Mehr ist dazu nicht zu sagen. Mit der Person Lafontaine und seiner Politik hat dieser Fetzen Text recht wenig zu tun. Er hat hingeschmissen, er hat die Wende nicht gewollt...die Linke im Osten = Realos, die Linke im Westen = Anarchos...gäääähn...immer die gleiche Leier der immer gleichen Lügengeschichte.

    Die Avantgarde der Journalisten...wo ist sie geblieben?

  8. wenn die konkreten Standpunkte (nicht das Freiheit/Gerechtigkeits bla bla) ohne Wertung nebeneinander gestellt würden, damit sich der Bürger gut informieren kann.

    Auch die Stellungnahmen einzelner Politiker zu konkreten Zielen sind gern gelesen.

    Aber solche Artikel, dass ist doch nur Meinungsmache und nicht wirkliche Information.

    Als Beispiel Tausend mal, dass sich die Linke in NRW mit fundametalisten Ansichten disqualifizeirt hat. Ja bitte, welche denn, und was wollen die Anderen beim gleichen Thema.

    Der Personenkult bzw. das Blashing, will das wirklich jemand lesen.

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    "Als Beispiel Tausend mal, dass sich die Linke in NRW mit fundametalisten Ansichten disqualifizeirt hat. Ja bitte, welche denn, und was wollen die Anderen beim gleichen Thema."

    http://www.spiegel.de/pol...

    "Als Beispiel Tausend mal, dass sich die Linke in NRW mit fundametalisten Ansichten disqualifizeirt hat. Ja bitte, welche denn, und was wollen die Anderen beim gleichen Thema."

    http://www.spiegel.de/pol...

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