Mafia gegen Journalisten Bringt mich doch um, ihr ScheißkerleSeite 3/3
Das hielt Giorgis Anwalt nicht davon ab, bundesweit Abmahnungen an alle Buchhandlungen zu schicken und juristische Konsequenzen anzudrohen, falls sie Roths Buch verkaufen würden. Zeitgleich verklagten die beiden Erfurter Gastronomen Pitanti und Giorgi einen Journalisten des italienischen Wochenmagazins L’espresso, der im März 2009 einen Artikel über die Mafia in Deutschland veröffentlicht hatte. Für die »Verleumdung in besonders schwerer Form« forderte der Anwalt die stattliche Entschädigungssumme von 518.000 Euro. Einen treffen und Hunderte erziehen: Der Verleger wird sich fragen, ob er ein Mafiabuch überhaupt verlegen soll. Der Journalist wird sich fragen, ob er bei seinem nächsten Artikel wirklich Namen nennt. Chi me lo fa fare? Wie komme ich dazu? Denn: Wie soll ich meine Anwaltskosten bezahlen?
Francesco Saverio Alessio hat ein Buch geschrieben, das die Verbindungen zwischen der kalabrischen ’Ndrangheta, der kampanischen Camorra und den Freimaurern aufdeckt. Seitdem wird er bedroht, verklagt, beleidigt, eingeschüchtert. Bei einer Antimafia-Veranstaltung schrie er seine Wut heraus: »Und wenn ihr mich umbringt, ihr erbärmlichen Scheißkerle, verkauft sich unser Buch drei Millionen Mal!«
Andere Journalisten retten sich in Ironie. Giacomo di Girolamo ist Chefredakteur des Lokalradios RMC 101 in Marsala, wo Sizilien ganz nah an Afrika rückt, das Licht gleißend ist und die Häuser ockerfarbene Würfel sind. Und wo alle zwei Wochen eine Bar, eine Werkstatt, ein Geschäft angezündet wird, weil der Besitzer nicht genügend Schutzgeld bezahlt hat. Giacomo wagt es, darüber zu berichten – und sein Auto wurde zerkratzt, bespuckt und aufgebrochen. Seitdem fährt er Rad – drei Fahrräder wurden ihm schon geklaut. Eines Abends tauchte jemand vor Giacomo auf, der ihm etwas zunuschelte. »Es war dunkel und regnete«, erzählt der Journalist, »und ich habe nur verstanden, dass ich auf ihn hören sollte. Aber nicht, warum.«
Ein anderes Mal wurde ein Fotograf gleichen Namens am Telefon bedroht, ein Versehen. Zuletzt wurde die Kanzlei in der Etage über dem Radiostudio in Brand gesteckt – offenbar hatten sich die Brandstifter in der Etage geirrt. »Wenn ich mir das ansehe, sieht es schlecht aus für die Mafia«, sagt Giacomo di Girolamo. »Drei Drohungen, und keine davon haben sie richtig hingekriegt.«
Er legt den Matteo, wo bist du? -Jingle ein und kündigt so jedes Mal die neuesten Nachrichten über jenen Mafiaboss Matteo Messina Denaro an, der die Gegend um Marsala beherrscht und seit 16 Jahren flüchtig ist. An diesem Tag ist ein dem Boss nahestehender Clan verhaftet worden, der im Wesentlichen aus drei Achtzigjährigen und zwei Frauen bestand. In der Lokalzeitung wird der Polizeichef von allen Honoratioren der Stadt zur Festnahme beglückwünscht. »Komisch eigentlich«, sagt Girolamo, »an Tagen wie diesem kommt man sich vor wie auf einer Hochzeit, wenn sich niemand vorwerfen lassen will, kein Glückwunschtelegramm geschickt zu haben.« Dann kündigt er ein Interview mit einem Stadtrat an, der gleichzeitig Regionalassistent für Legalität und Anwalt eines Mafioso ist.
»Ich kann hier nichts verändern«, sagt Girolamo. »Aber ich muss es erzählen. Damit niemand sagen kann, er hätte nichts gewusst.«
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- Datum 29.01.2010 - 08:38 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05
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Liebe Redaktion, ich habe mir mal die Mühe gemacht, mit diverser frei zugänglicher Literatur meine spekulativen Behauptungen zu untermauern, um eine wiederholte Löschung zu vermeiden. Danke.
In Relation zu den Mafiosos in Sachsen sind Frau Capacchiones Mafiosos in Süditalien blutige Anfänger. Genug Literatur für mehrere Bücher.
http://siggi40.magix.net/...
in Deutschland gäbe es keine Mafia. Das ist wohl richtig, es gibt nicht eine, sondern ein Dutzend. Mit Prostitution, Drogen, Waffen, Menschenhandel läßt sich in Deutschland hervorragend Geld verdienen, weil niemand den Mumm hat, gegen diese Leute vorzugehen oder über sie zu berichten.
Ich versuche gerade die geschwärzten Seiten von Frau Reskis Buch "Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern" ausfindig zu machen, weiß da jmd mehr?
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