Choreografin Sasha Waltz"Ich lerne, Nein zu sagen"

Sasha Waltz erzählt, warum sie krank werden musste, um zu sich zu kommen. von Herlinde Koelbl

ZEITmagazin: Frau Waltz , Sie hatten vor zwei Jahren einen Zusammenbruch. Wie kam es dazu?

Sasha Waltz: Es geht zurück auf die Zeit, als ich künstlerische Leiterin an der Schaubühne Berlin war. Es war ein großes Erbe, der Erwartungsdruck war immens. Und wir sind auch weiterhin viel getourt, was sehr, sehr anstrengend war, da ich meinen kleinen Sohn dabeihatte.

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ZEITmagazin: Sie haben aber trotzdem gut funktioniert?

Waltz: Ich habe alles bewältigt mit ungebrochener Energie. Obwohl ich oft krank war, habe ich mich nie hingelegt, sondern weitergearbeitet. Mir lief ständig die Nase, die Augen tränten. Ich dachte, es sei eine Grippe. Erst im Nachhinein habe ich realisiert, dass das bereits erste Anzeichen waren.

Sasha Waltz

46, ist Choreografin, Tänzerin und Leiterin des Tanzensembles Sasha Waltz & Guests. 1996 gründete sie mit ihrem späteren Mann Jochen Sandig die Spielstätte Sophiensäle in Berlin. 1999 wurde sie Mitglied der künstlerischen Leitung der Berliner Schaubühne. 2005 machte sie sich wieder selbstständig.

ZEITmagazin: 2005 endete Ihr Vertrag mit der Schaubühne. Wurde die Belastung nicht geringer?

Waltz: Nein. 2006 gründete mein Mann Jochen Sandig das Radialsystem V – ein neues Haus, aus dem Nichts kreiert. Absoluter Wahnsinn! Ich choreografierte auch zwei Opern und hatte 2007 eine riesige Tournee durch Japan . Außerdem war seit der Geburt meiner Tochter die Belastung noch größer geworden. Mich plagte ein schlechtes Gewissen, in Japan bekam ich regelrechte Panikattacken. Ich hatte Angst um meine Kinder, Angst vor dem Fliegen, Angst in engen Räumen, auch Angst im Theater. Danach inszenierte ich trotzdem Romeo und Juliette an der Pariser Oper. Ich merkte zwar, dass ich nicht mehr konnte. Aber es fiel mir schwer, Nein zu sagen.

ZEITmagazin: Dann folgte der Zusammenbruch? 

Das war meine Rettung
Alle Interviews aus der Serie des ZEITmagazins zum Nachlesen

Alle Interviews aus der Serie des ZEITmagazins zum Nachlesen  |  © qsus/photocase

Waltz: In Paris arbeitete ich wie im Rausch, aber mit letzter Kraft. Ich hatte Schwindelanfälle und Nervenschmerzen, erst im Bein, dann im ganzen Körper. Wieder in Berlin, brach ich auf einer Probe weinend zusammen. Trotzdem übernahm ich auch noch einen Workshop. Ich konnte kaum mehr still sitzen, rannte durch die Stadt, war unfähig, mal durchzuatmen. Ich war außer mir, war nicht mehr in meinem Körper. Dann wollte ich wieder selbst tanzen, in meinem ersten Stück, das ich zurück ins Repertoire holte. Doch vor der ersten Probe wurde ich krank, fühlte mich sehr schwach. Aber ich ging trotzdem zur Probe, und dort war plötzlich meine ganze linke Seite weg, wie gelähmt. Ich hatte kein Gefühl mehr im Körper und rief nur noch verzweifelt um Hilfe.

ZEITmagazin: Sie wurden ins Krankenhaus gebracht?

Waltz: Ja, aber es wurde nichts gefunden. Bis heute weiß niemand, was es war. Die Ärzte sagten, ich solle eine Kur machen. Ich war dann allein in den Bergen und anschließend bei meiner Tante, die mich pflegte. Aber noch immer hatte ich panische Ängste, konnte kaum laufen, kaum schlafen und essen. Mein Mann hat mich dann zurück nach Berlin gebracht, denn ich wollte unbedingt das Stück tanzen.

Leserkommentare
  1. Was fuer ein sinnloses Interview, wen interessiert die Krankheitsgeschichte von jemandem, der alle koerperlichen Warnsignale ueber einen laengeren Zeitraum ueberhoert hat? Dies war kein Schicksalsschlag aus heiterem Himmel, sondern bahnte sich lange an. Selbst schuld!
    Uebrigens auch voellig unverstaenlich die Rolle dieses ignoranten Ehemannes, der sich lieber um seine Frau kuemmern sollte und sie ermuntern sollte, runterzufahren, als ihr indirekt Faulheit zu unterstellen und mangelden Ehrgeiz, wo sie bis zum Rande der Erschoepfung arbeitet. Den Typen wuerd ich gern mal persoenlich treffen!Einfach ohne Worte.

  2. "...von jemandem, der alle koerperlichen Warnsignale ueber einen laengeren Zeitraum ueberhoert hat? "

    Was meinen Sie, wieviele Leute es gibt, die genau so leben leben ?
    Insofern macht der Artikel durchaus Sinn.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    naja, das ist ja nun nichts, was irgendwie neu waere. nur weil es hier einen celebrityfaktor gibt, braucht man daraus keinen artikel machen, das kann man in jeder krankenkassenbroschuere lesen. please!

  3. naja, das ist ja nun nichts, was irgendwie neu waere. nur weil es hier einen celebrityfaktor gibt, braucht man daraus keinen artikel machen, das kann man in jeder krankenkassenbroschuere lesen. please!

    Antwort auf "Ich find's gut"
  4. @Beth1982 lebe einfach als Kunstignorantin weiter und sei still! Jeder der im Kunstbetrieb tätig ist, wird mit Sasha mitfühlen, sie verstehen und hat sicherlich schon ähnliches erlebt.

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