Buenos Aires Stadt der Kunst

Die Geschichte der argentinischen Hauptstadt zwischen Diktaturen und Protestbewegungen hat die Künstler politisiert. Buenos Aires ist für die nuller Jahre, was Berlin für die Neunziger war: ein fruchtbarer Boden für eine junge, wilde Kunstszene.

Weltkunstmetropole des neuen Jahrzehnts dürfte Buenos Aires werden. Argentiniens Hauptstadt wird Berlin ablösen, das in den nuller Jahren Künstler aus der ganzen Welt anzog. Wo sie sich – oft nach Nationalitäten getrennt – ihre eigene Infrastruktur mit Ateliers und Ausstellungsräumen, Cafés und Clubs schufen. Genauso wie vorher in New York, Paris und London. Bis diese Städte zu teuer wurden.

Schon 2009 spürte man in den internationalen Museen, Ausstellungshallen und Galerien ein gesteigertes Interesse an lateinamerikanischer Kunst. Buenos Aires allerdings war bisher vor allem für seine Tanz-, Musik- und Literaturszene bekannt. Warum sich das ändern könnte? Weil es dort den Humus gibt, auf dem eine Kunstszene wächst. Vieles, was eine Boheme braucht, ist hier sehr günstig zu haben: weitläufige Wohnungen, etwa die Art-déco-Gebäude im bürgerlichen Stadtteil Recoleta und die Lofts in Palermo. Die besten Steaks der Welt und den argentinischen Malbec-Wein, eine einfache, aber ungeahnte Kräfte freisetzende Kost. Und die wilden, illegalen Clubs, denen die Berliner inzwischen nachtrauern, werden hier gerade erst gegründet.

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Aber es ist nicht nur das lustige Leben, das Buenos Aires so interessant macht, oder das Stadtbild, das mit den prächtigen Wohnbauten der letzten Jahrhundertwende einerseits an Paris, mit den Hochhäusern und vielspurigen Avenidas andererseits an New York erinnert. Es ist auch ihre von Einwanderern aus Europa und dem restlichen Lateinamerika geprägte Kultur. Und die Geschichte dieser Stadt zwischen Diktaturen und Protestbewegungen. Die argentinische Wirtschaftskrise, die 2001 und 2002 ihren Höhepunkt hatte, machte die Menschen arm, aber sie politisierte sie auch und trieb sie an, neue Wege zu erproben. Guillermo Kuitca, Jorge Macchi, Fabian Marcaccio, Tomas Saraceno, Leandro Erlich und Adrián Villar Rojas – das sind einige der Künstler, die sich in der Zeit danach aufmachten, die Museen der Welt zu erobern. Ihre ersten Ausstellungen jedoch hatten sie in Buenos Aires: im Centro Cultural Recoleta, in der Fundación Proa oder der Galerie Ruth Benzacar. In den kommenden Jahren werden noch mehr Ausstellungshallen hinzukommen.

Schon lange gilt Buenos Aires übrigens als Welthauptstadt der Psychoanalyse. Nirgendwo sonst, erzählen die Einheimischen, gebe es so viele studierte Psychoanalytiker, die empfindsamen Geistern zur Seite stünden. Auch das ist keine schlechte Voraussetzung für die künftige Weltkunstmetropole.

 
Leser-Kommentare
  1. Wie immer die falsche Wahrnehmung von Argentinien!!!
    Musik, Tanz, Spass, usw. Wir vergessen dass dort die Menschen an Hunger sterben. Mit dem Euros koennen wir alles kaufen, auch die Luegen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich glaube nicht, dass es man von flascher Wahrnehmung sprechen kann, als vielmehr von "einer" Wahrnehmung. Argentinien, Buenos Aires, haben viele Gesichte, daher gibt es auch die vermeintlich "einzige Wahrnehmung" wohl nicht.

    Vergessen wir doch zu oft, dass es auch in Europa, ja in Deutschland, Berlin, vor unserer Haustür, Menschen gibt die hungern! Ist es also nicht das Gleiche in grün? Hier ist auch derjenige der Geld hat klar im Vorteil. Ein gutes Beispiel dafür ist die kontinuierliche "Gentrification".

    Ich glaube nicht, dass es man von flascher Wahrnehmung sprechen kann, als vielmehr von "einer" Wahrnehmung. Argentinien, Buenos Aires, haben viele Gesichte, daher gibt es auch die vermeintlich "einzige Wahrnehmung" wohl nicht.

    Vergessen wir doch zu oft, dass es auch in Europa, ja in Deutschland, Berlin, vor unserer Haustür, Menschen gibt die hungern! Ist es also nicht das Gleiche in grün? Hier ist auch derjenige der Geld hat klar im Vorteil. Ein gutes Beispiel dafür ist die kontinuierliche "Gentrification".

  2. Es stimmt zwar, dass in Buenos Aires Obdachlose auf auf der Straße sterben. Dennoch geht es der Stadt im Vergleich zu anderen in Lateinamerika relativ gut und es ist nachts nicht gefährlicher, als in Berlin.

    Was die Atraktivität anbelangt, so wird NY noch über lange Zeit über einen großen Vorteil verfügen: den Central Park als Refugium von der ganzen Hektik. Buenos Aires verfügt eigentlich nur über Zwei Anlagen die annährend Erholung bieten: die Bosques de Palermo, welche allerdings ständig überlaufen sind, sowie das Reserva Ecológica im Hafengebiet (wo man aber erstmal hinkommen muss)...

    Kulturell ist die Stadt jedoch absolut sehenswert, nicht nur, was Kunst angeht sondern meines Erachtens vor allem in der Buchkultur (Beispiele: die vielen Buchläten in der Avenida Corrientes, welche den Obelisken als Querstraße kreuzt, oder das Ateneo in der Avenida Santa Fe)

  3. 3. BAIRES

    1. Buenos Aires ist sehr teuer: kommt preislich fast an europäische Städte heran (nicht die europ. Metropolen). Und die Leute verdienen nicht in Euros, sondern in argentinischen Pesos!!! Und das ist wesentlich weniger!
    2. Sich eine Wohnung zu mieten ist absolut nicht billig. Schon gar nicht in Recoleta oder Palermo. Von einem Loft wollen wir mal lieber schweigen.
    3. Ich gehe davon aus, das der Autor dieses Artikels von international Tätigen ausgeht, die nicht in Peso verdienen, sondern in Euro, denn sonst müsstest du schon mindestens 5000 Peso, was etwa 941 Euro entspricht (05.02.10), ausgehen um ein -sagen wir mal- angenehmes Leben zu haben. Für argentinische Verhältnisse sind 5000 Peso viel Geld.
    Für einen Flug einmal im Jahr in Europa bleibt da kaum Geld übrig.
    4. Baires als internationale Kulturmetropole ist zuzustimmen (vor allem Theater). Auch die Kunstszene hat sich in den letzten Jahren international gemausert.
    5. Zwar schwärmt der kurze Artikel (eher eine Notiz) für diese Stadt, doch im Allgemeinen ist er eher sehr schwach geschrieben, teilweise klingen einige Passagen herauskopiert und ein wenig abgeändert aus anderen Texten. In die Tiefe will er aber wahrscheinlich auch gar nicht gehen, dabei wäre soviel Potential vorhanden.

  4. an trevisbickle (1) und Dodge this (2):
    1: Ok. Buenos Aires ist auch arm. Ja, es gibt viele "villas miserias", aber Baires=Hunger=Sterben ...
    Ein Latino (z.B. Bolivien, Peru, etc.) nicht aus Argentinien würde darüber lachen.
    Da gebe ich eher Dodge this recht, dass Baires vieles Europäisches hat. Und die Stadt hat im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Städten eine sehr ausgeprägte Mittelschicht. Ich glaube dein Standpunkt ist zu polemisch.

    2. Ich stimme so gut mit allen überein, ausser das mit der anscheinendenen gleichwertigen Sicherheit in den Nächten zwischen Baires und Berlin.
    Zwar ist seit den 90ern die Sicherheit in Baires gestiegen, jedoch ist sie seit etwa 2 Jahren auch wieder rückläufig (was auch mit der Politik zu tun hat). Gehen wir von einem Touristen alleine nachts in Baires aus und einem alleine in Berlin. Ich bevorzuge eindeutig der Tourist in Berlin zu sein (vgl. Kriminalstatistiken, wie Überfälle). Auch Porteños geben acht, was nachts um sie herum passiert. Auch wieder mittlerweile in Stadtteilen wie Palermo).
    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Baires in den letzten Dekaden immer gefährlicher war als Berlin. Trotzdem ist Baires nicht gleichzusetzen mit anderen lateinamerikanischen Städten. Im Gegensatz zu denen, kann man sie als sicher bezeichnen.
    Aber ich male den Teufel nicht gleich an die Wand. Man passt nachts ein wenig auf, meidet gewisse Ecken und nimmt Taxis. Dann klappt das auch als Tourist. Denn auch nachts hat Baires einiges zu bieten.

  5. Ich glaube nicht, dass es man von flascher Wahrnehmung sprechen kann, als vielmehr von "einer" Wahrnehmung. Argentinien, Buenos Aires, haben viele Gesichte, daher gibt es auch die vermeintlich "einzige Wahrnehmung" wohl nicht.

    Vergessen wir doch zu oft, dass es auch in Europa, ja in Deutschland, Berlin, vor unserer Haustür, Menschen gibt die hungern! Ist es also nicht das Gleiche in grün? Hier ist auch derjenige der Geld hat klar im Vorteil. Ein gutes Beispiel dafür ist die kontinuierliche "Gentrification".

    Antwort auf "Herr Prof. Borelli"
  6. Ich wohne seit ein paar Monaten in Buenos Aires und auch ich kann sagen, dass weder einheimische noch debütierende Künstler aus dem Ausland sich ein "Atelier" in Recoleta leisten können, obwohl die Preise für Ausländer und Argentinier stark voneinander abweichen. In anderen Vierteln sind die Mieten allerdings viel niedriger, jedenfalls für Argentinier.
    Ein Aspekt, der auch gegen Buenos Aires als kommende internationale Kunstmetropole spricht, ist, dass die Argentinier momentan als Folge der Krise 2001/02 (kurzfristig), aber auch der Militärdiktatur 1976-83 und der folgenden Regierungen (langfristig) stark mit sich selbst und der Bewältigung dieser Traumata beschäftigt sind - was auch der oskarprämierte Film "El secreto de sus ojos" wieder unterstreicht.
    Aber was jetzt für das Land ein Nachteil darstellt, kann sich ihr jedoch in weiterer Zukunft auch als Vorteil gereichen, die Bewältigung der Geschichte ist auch ein Potential, welches die Kunstproduktion befeuert...
    Leider muss man auch auf der anderen Seite des Atlantiks ein Desinteresse an Argentinien, ja des gesamten Kontinents Lateinamerika feststellen, ausserhalb von Kennerkreisen ist Kunst aus Lateinamerika seltener gesehen/gehört (es gibt Ausnahmen). Dies lässt auch vermuten, dass Buenos Aires im nächsten Jahrzehnt keine grössere Rolle im Kunstbetrieb spielen wird.
    Jedoch: Wie die versteckte Kopie von "Metropolis" hält Bs. As. vielleicht noch andere Überraschungen bereit...

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