Stadtporträt Deauville Stadt der Hunde

Fein gekämmte Afghanen, weiße Königspudel: Auf der Strandpromenade der kleinen französischen Stadt Deauville kann man das Schaulaufen von Hund und Herrchen beobachten.

Einer von vielen: bei Hunden ist die Promenade von Deauville besonders beliebt

Einer von vielen: bei Hunden ist die Promenade von Deauville besonders beliebt

Deauville ist ein kleiner Ort, aber eine Weltstadt für Hunde. Schon darum, weil es in Frankreich liegt und es keine größeren Hundenarren gibt als die Franzosen. Als neueste Mode züchten sie Rassen, die man bei uns nur noch vom Anblick alter Gobelins kennt. Etwa den Epagneul Breton, einen windhundartigen Spaniel. Oder die Dogue de Bordeaux, ein kleines braunes Monster, dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht. Und da ein Hundenarr gerne zeigt, was er hat, verbringt er auch den Urlaub nicht irgendwo, sondern in einer Stadt wie Deauville.

Deauville hat einen breiten Strand. Es ist kein Strand der Körperzeiger, sondern ein Strand der Flaneure. Und tatsächlich sieht man sie wieder, fast wie früher in den großen Tagen der Sommerfrische am Meer. Auf der Promenade, zwischen normannischen Fachwerkbauten und dem sich silbrig kräuselnden Atlantik, schreiten Damen und Herren mit Hunden, wie man sie nicht alle Tage sieht: fein gekämmte Afghanen, weiße Königspudel oder lethargisch blickende Labradore. Es gibt Frauen, die ihren Chihuahua unter der Bluse und den Langhaardackel im Hermès-Täschchen tragen.

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Charles Auguste von Morny hätte der Anblick sicher erfreut. Der Herzog und Dandy hat den Ort 1853 bauen lassen, zusammen mit einer Pferderennbahn, denn Tiere mochte er auch. In nur vier Jahren entstand auf Sand und Sumpf sein »Königreich der Eleganz«. Es kann kein Zufall sein, dass Frankreich mit den alten Hunderassen auch sein altes Seebad wiederentdeckt. Hund und Herr wissen zu schätzen, dass es hier im Sommer nicht zu heiß ist und man ihnen überall ein »Bienvenue« zuruft. Im Hotel Normandy Barrière, einem herrlichen Größenwahnwerk aus Spitzgiebeln, Erkern und Zinnen, wird ein Mops sogar vor seinem Besitzer begrüßt.

Darauf müssen Hundehalter in Deauville gefasst sein. Sie können sich nicht darauf verlassen, dass sich die Hierarchien vertauscht haben. Da gibt es zum Beispiel dieses kleine Restaurant mit dem alten, offenen Kamin, vor dem ein Sofa steht. Der ideale Ort, zu dinieren und anschließend noch einen Verveine-Tee zu trinken. Nur sollte man nicht den Fehler machen, die dort dösenden Hunde verweisen zu wollen, und sei es auch in höflichstem Französisch. Dann kann es nämlich geschehen, dass einer von ihnen wie eine Natter vorprescht und den Gast in die Nase beißt. Denn in Deauville gibt es Sofas, auf denen sitzt NUR der Hund.

 
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