Eigentlich braucht die Mode heute keine Metropolen mehr. Die Mode ist global. Sie ist in Hongkong genauso zu Hause wie in New York. Überall findet man dieselben Marken, die in gleich eingerichteten Flagship-Stores dasselbe Sortiment anbieten. Aber globale Mode ist langweilig. Aufregend wird künftig nur das Lokale sein: In welcher Stadt finde ich einen Stil, den es nur dort gibt?

Zum Beispiel in Lissabon. Die Hauptstadt Portugals atmet Weltschmerz, Fernweh, Musik und gute Laune, Lissabon ist im Aufbruch. Und das alles atmet auch die Modeszene. In Lissabon führen junge Designer Geschäfte, wie man sie sonst nirgends auf der Welt findet. Zum Beispiel den Laden Storytailors im Einkaufsviertel Chiado. Es gehört João Branco und Luís Sanchez, die mit ihren bunten, fantasievollen Entwürfen zu den gefragtesten Modeschöpfern des Landes zählen. Sie nähten sogar schon Outfits für Madonna, könnten in jede Stadt der Welt ziehen – aber warum sollten sie, wo der Dunst von Lissabon doch die Quelle ihrer Inspiration ist?

Lissabon hat auch eine Modewoche. Auf der zeigen Designer wie Lara Torres und Dino Alves Mode, die verstörender und poetischer ist als alles, was man in Mailand zu sehen bekommt: Models, komplett eingewickelt in schrillpinke Seide, inszeniert wie Kleopatra oder umhüllt von gestrickten Skulpturen.

Warum gibt es so etwas in Lissabon? Weil die Stadt eine lange Modetradition hat. Selbst das englische Königshaus ließ sich schon Roben von einem portugiesischen Schneider nähen. In Lissabon gibt es nicht nur Viertel wie den Bairro Alto, wo zwischen Bars und Ateliers junge Boutiquen blühen, sondern auch altes Handwerk, wie es in der Hutmacherei Azevedo betrieben wird. Und vor allem leben dort Menschen, die sich gerne gut kleiden. In Lissabon hat die Mode eine Heimat. In vielen anderen Großstädten der Welt ist sie heimatlos geworden.