Städteporträt Masdar Stadt der Architektur

Eine Ökostadt mitten in der Wüste: Der Architekt Norman Foster will Masdar nach dem Vorbild alter Wüstenstädte bauen.

Öko-Prunk am Persischen Golf: Masdar soll eine emissionsfreie Stadt werden - zumindest auf dem Papier

Öko-Prunk am Persischen Golf: Masdar soll eine emissionsfreie Stadt werden - zumindest auf dem Papier

Wer wissen will, wie Klimakollaps aussieht, reist nach Abu Dhabi. Wer wissen will, wie sich das Klima retten lässt, ebenfalls. Alles in diesem Wüstenstaat am Golf ist Hitze, Sand und Geröll – doch mitten hinein in den verdorrten Landstrich stellen die Scheichs nun eine Utopie, die keine schöneren Blüten treiben könnte. Eine Idealstadt wächst heran, in der Mensch und Natur zu neuem Gleichgewicht finden. Wo heute noch Wüste ist, sollen in sechs Jahren schon 40000 Menschen leben und 500 Unternehmen den Betrieb aufnehmen, in der ersten wahren Ökostadt der Welt, ohne Qualm, ohne Müll, ohne Kohlendioxid-Emissionen.

Bislang regierte in den Golfstaaten die Verschwendungslust, alles musste größer, teurer, höher sein. Auch die neue Stadt Masdar wird viel Geld kosten, von 15 Milliarden Euro ist die Rede. Doch diesmal kommt der Fortschritt bescheiden daher: in den Dimensionen der Vergangenheit. Die Planungsteams, angeführt vom Architekten Norman Foster, haben sich die alten Wüstenstädte zum Vorbild genommen mit ihren engen Gassen, niedrigen Häusern und Stadtmauern, die den heißen Wind draußen halten. Ganz wie damals sollen Brunnen und Sonnensegel für Kühlung sorgen, ergänzt durch modernste Dämmstoffe, Windräder und Solaranlagen, die den sauberen Strom liefern.

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Die größte Herausforderung dabei ist, wie eigentlich immer, der Mensch. Der Mensch von Abu Dhabi verbraucht mehr Wasser, Strom und Benzin als jeder andere, sein Geländewagen ist für ihn ähnlich unverzichtbar wie der Kaftan. In Masdar jedoch soll er zu Fuß gehen oder mit ferngesteuerten Elektrowägelchen auf Induktionsschleifen dahingleiten. Er soll lernen, dass Enge und Bescheidenheit der wahre Luxus sind. Ob das gelingt? Vermutlich schon. In Masdar werden vor allem jene wohnen, die dort arbeiten, bei einer der zahllosen Hightech-Ökofirmen, die Abu Dhabi mit Subventionen anlockt. Sie sollen dafür sorgen, dass nach dem Öl nun die Sonne zum großen Gewinnbringer wird. Und dürfen erstmals im urbanen Großmaßstab ihre Ideen zur Klimarettung erproben, damit alle Welt sich bald darum reiße. Das Einzige, was Masdars Erfolg noch gefährden könnte, ist die Idealität des Idealprojekts. Eine Stadt ohne Lärm, ohne Gestank, ohne Müll ist wunderbar. Und im Zweifel schrecklich langweilig.

 
Leser-Kommentare
  1. Idealstädte haben auf dem Papier immer gut ausgesehen, waren in der Realität aber meistens eine komplette Katastrophe.

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    • farn
    • 08.02.2010 um 16:47 Uhr

    Auf der anderen Seite kann mans ja mal versuchen - Visionen sind selten ein voller Erfolg, aber oft ein Stein des Anstoßes. Mehr als schiefgehen kann es nicht.

    • Clerk
    • 08.02.2010 um 16:58 Uhr

    Karlsruhe, Sankt Petersburg, Brasilia... sind demnach auch schiefgegangen?

    • farn
    • 08.02.2010 um 16:47 Uhr

    Auf der anderen Seite kann mans ja mal versuchen - Visionen sind selten ein voller Erfolg, aber oft ein Stein des Anstoßes. Mehr als schiefgehen kann es nicht.

    • Clerk
    • 08.02.2010 um 16:58 Uhr

    Karlsruhe, Sankt Petersburg, Brasilia... sind demnach auch schiefgegangen?

    • farn
    • 08.02.2010 um 16:47 Uhr

    Auf der anderen Seite kann mans ja mal versuchen - Visionen sind selten ein voller Erfolg, aber oft ein Stein des Anstoßes. Mehr als schiefgehen kann es nicht.

    Antwort auf "Idealstädte"
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    Ja, man kann es versuchen, es ist ja deren Geld. Allerdings sollte man keine allgemeingültigen Schlüsse ziehen. Denn Idealstädte sind immer auch in gewisser Weise totalitäre Ansätze, die Menschen durch die Architektur zu einem wahlweise heiligen, ökologisch sinnvollen oder politisch korrekten Leben zwingen.
    Man kann natürlich einwenden, dass wahrscheinlich niemand gezwungen wird dorthin zu ziehen.

    Ja, man kann es versuchen, es ist ja deren Geld. Allerdings sollte man keine allgemeingültigen Schlüsse ziehen. Denn Idealstädte sind immer auch in gewisser Weise totalitäre Ansätze, die Menschen durch die Architektur zu einem wahlweise heiligen, ökologisch sinnvollen oder politisch korrekten Leben zwingen.
    Man kann natürlich einwenden, dass wahrscheinlich niemand gezwungen wird dorthin zu ziehen.

    • Clerk
    • 08.02.2010 um 16:58 Uhr

    Karlsruhe, Sankt Petersburg, Brasilia... sind demnach auch schiefgegangen?

    Antwort auf "Idealstädte"
  2. Ja, man kann es versuchen, es ist ja deren Geld. Allerdings sollte man keine allgemeingültigen Schlüsse ziehen. Denn Idealstädte sind immer auch in gewisser Weise totalitäre Ansätze, die Menschen durch die Architektur zu einem wahlweise heiligen, ökologisch sinnvollen oder politisch korrekten Leben zwingen.
    Man kann natürlich einwenden, dass wahrscheinlich niemand gezwungen wird dorthin zu ziehen.

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    • farn
    • 08.02.2010 um 17:33 Uhr

    "Man kann natürlich einwenden, dass wahrscheinlich niemand gezwungen wird dorthin zu ziehen."

    Eben.

    "Denn Idealstädte sind immer auch in gewisser Weise totalitäre Ansätze, die Menschen durch die Architektur zu einem wahlweise heiligen, ökologisch sinnvollen oder politisch korrekten Leben zwingen."

    Schrecklich, dieser Zwang zum ökologisch sinnvollen Leben...
    der wird uns sowieso alle früher oder später ereilen, wenn wir den Ast für unsere Enkelkinder nicht entgültig absägen wollen.

    • farn
    • 08.02.2010 um 17:33 Uhr

    "Man kann natürlich einwenden, dass wahrscheinlich niemand gezwungen wird dorthin zu ziehen."

    Eben.

    "Denn Idealstädte sind immer auch in gewisser Weise totalitäre Ansätze, die Menschen durch die Architektur zu einem wahlweise heiligen, ökologisch sinnvollen oder politisch korrekten Leben zwingen."

    Schrecklich, dieser Zwang zum ökologisch sinnvollen Leben...
    der wird uns sowieso alle früher oder später ereilen, wenn wir den Ast für unsere Enkelkinder nicht entgültig absägen wollen.

    • farn
    • 08.02.2010 um 17:33 Uhr

    "Man kann natürlich einwenden, dass wahrscheinlich niemand gezwungen wird dorthin zu ziehen."

    Eben.

    "Denn Idealstädte sind immer auch in gewisser Weise totalitäre Ansätze, die Menschen durch die Architektur zu einem wahlweise heiligen, ökologisch sinnvollen oder politisch korrekten Leben zwingen."

    Schrecklich, dieser Zwang zum ökologisch sinnvollen Leben...
    der wird uns sowieso alle früher oder später ereilen, wenn wir den Ast für unsere Enkelkinder nicht entgültig absägen wollen.

    Antwort auf "Totalitär"
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    Ökologisch sinnvoll zu leben ist natürlich toll, die Frage ist nur wie man das hinbekommt. Auch wenn Menschen gezwungen werden ökologisch sinnvoll zu leben (oder heilig, oder sozialistisch etc.), bleibt es trotzdem ein Zwang, der einer offenen Gesellschaft entgegen steht. Weshalb ist die Ökologie plötzlich wichtiger?
    Idealstädte sind typisch für totalitäre Diktaturen, weshalb wohl? Karlsruhe, Sankt Petersburg und Brasilia sind sicher noch die besseren Beispiele, doch ihr Idealstadtcharakter ist längst verblasst. Ebenso wird es dieser Wüstenstadt gehen. Sie wird irgendwann in nächster Zukunft zu einer energieintensiven Dreckschleuder werden, denn eine Stadt ist auf Dauer niemals ein geschlossenes System, es sei denn sie ist eben ein totalitäres Gebilde.

    Ökologisch sinnvoll zu leben ist natürlich toll, die Frage ist nur wie man das hinbekommt. Auch wenn Menschen gezwungen werden ökologisch sinnvoll zu leben (oder heilig, oder sozialistisch etc.), bleibt es trotzdem ein Zwang, der einer offenen Gesellschaft entgegen steht. Weshalb ist die Ökologie plötzlich wichtiger?
    Idealstädte sind typisch für totalitäre Diktaturen, weshalb wohl? Karlsruhe, Sankt Petersburg und Brasilia sind sicher noch die besseren Beispiele, doch ihr Idealstadtcharakter ist längst verblasst. Ebenso wird es dieser Wüstenstadt gehen. Sie wird irgendwann in nächster Zukunft zu einer energieintensiven Dreckschleuder werden, denn eine Stadt ist auf Dauer niemals ein geschlossenes System, es sei denn sie ist eben ein totalitäres Gebilde.

  3. Ökologisch sinnvoll zu leben ist natürlich toll, die Frage ist nur wie man das hinbekommt. Auch wenn Menschen gezwungen werden ökologisch sinnvoll zu leben (oder heilig, oder sozialistisch etc.), bleibt es trotzdem ein Zwang, der einer offenen Gesellschaft entgegen steht. Weshalb ist die Ökologie plötzlich wichtiger?
    Idealstädte sind typisch für totalitäre Diktaturen, weshalb wohl? Karlsruhe, Sankt Petersburg und Brasilia sind sicher noch die besseren Beispiele, doch ihr Idealstadtcharakter ist längst verblasst. Ebenso wird es dieser Wüstenstadt gehen. Sie wird irgendwann in nächster Zukunft zu einer energieintensiven Dreckschleuder werden, denn eine Stadt ist auf Dauer niemals ein geschlossenes System, es sei denn sie ist eben ein totalitäres Gebilde.

    Antwort auf "@4.: "Totalitär""
  4. jaja, das versuchen ist der erste schritt zum versagen ;)

  5. Auf dem Bild sind Menschen mit Computern zu sehen. Sollen diese auch energieneutral in der Hightech-Stadt produziert werden?
    Was ist mit den anderen Konsumgütern? Was mit den Rohstoffen?
    Was genau ist an dieser Stadt also öko? Dass die Häuser nicht mehr so viel Energie für die "Instandhaltung" benötigen und die restliche Energie mit Windkraftanlagen gewonnwn wird? Dass ich nicht lache! Für mich sieht diese "Vision" einfach nur nach einer Stadt aus Niedrig-Energie-Häusern aus.
    Es ist einfach, eine energieneutrale Stadt zu bauen, wenn man die Industrie (Herstellung von Konsumgütern) einfach auslagert und den Ressourcen- und Energieverbrauch hinterher nicht mehr berücksichtigt.

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    Sehr richtig. Es geht ja letzendlich wahrscheinlich gar nicht darum wirklich ökologisch zu sein, sondern eine klinisch reine Hightech-Athmosphäre zu schaffen, in die der Pöbel gar nicht erst rein kommt.

    Sehr richtig. Es geht ja letzendlich wahrscheinlich gar nicht darum wirklich ökologisch zu sein, sondern eine klinisch reine Hightech-Athmosphäre zu schaffen, in die der Pöbel gar nicht erst rein kommt.

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