Stadtporträt Singapur Stadt der Restaurants

Wer in Singapur im Trend liegen will, isst in den neuen "westlichen" Restaurants. Als Europäer wird man von den außergewöhnlichen Kreationen angenehm überrascht.

Diese Stadt ist wie ein Kühlschrank. So viele Klimaanlagen, dass man ständig friert. So coole Bars, dass einem der Atem stockt. So aseptisch sauber und aufgeräumt, dass man sich nie ganz entspannt. Aber dieser Kühlschrank enthält eben auch jede Menge gutes Essen. Es kommt zunächst natürlich von den Volksgruppen, die hier leben, den Chinesen, Malaien und Indern. Ihre Küchen mischen sich in Nationalgerichten wie Taschenkrebs in Chili-Tomaten-Sauce oder Laksa, einer Kokosmilch-Nudel-Suppe mit Krabben und Huhn. Solche Speisen bekommt man auf den Straßenmärkten oder, etwas fader gewürzt, in den Glas- und Glitzerlokalen entlang der Orchard Road; und meistens schmecken sie gut. Aber wer wirklich im Trend liegen will, isst in Singapur – europäisch!

Und dafür muss man um die halbe Welt fliegen? Ja, muss man. Auf den Karten der neuen »westlichen« Restaurants finden sich nämlich die erstaunlichsten Sachen: Cremesuppe vom gerösteten Moschuskürbis mit Pflaumen-Chili-Salsa; langsam gekochter Red Snapper mit Gruyère, Babyauberginen und Geflügelbrühe; Entenbrust mit gebratenem Kartoffelpüree und Granatapfelsalat; Apfelkuchen mit Blauschimmelkäse, jungem Basilikum und Balsamessig… Moment mal, denkt sich der europäische Besucher. So essen wir doch gar nicht. Ist ja alles durcheinandergewürfelt, irgendwie spannend, aber nicht gerade authentisch. Das wissen die Köche in Singapur natürlich auch. Immerhin versteht man sich in diesem Teil der Welt recht gut aufs exakte Kopieren. Doch wozu bei der Nachahmung bleiben, wenn man mit unseren Zutaten spielen kann, unbeschwert von allen Gewohnheiten?

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Bislang waren wir es, die »asiatisch« kochten und mit Kolonialherrendünkel so taten, als sei der riesige Kontinent bloß eine unserer Provinzen. Darauf folgt nun die Entgegnung. Singapurs Meisterköche rühren sich ihr Klein-Europa zurecht. Und die einheimische Oberschicht zeigt ihre Weltläufigkeit bei deutschem Spargel, Weizenbier oder Spätzle in den merkwürdigsten Kombinationen. Darüber muss man manchmal lachen; aber es bringt einen auf Ideen. Erstaunlich, was mit unseren vertrauten Produkten noch alles möglich ist – ohne molekulare Schaumschlägereien.

 
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