Stilkolumne Schon wieder blau

Tillmann Prüfer über Jeanshemden.

Wer Jeanshemden trägt, sollte sich fragen: Ist mein Hemd vielleicht maskuliner als ich selbst? Von Prps, 470 Euro

Wer Jeanshemden trägt, sollte sich fragen: Ist mein Hemd vielleicht maskuliner als ich selbst? Von Prps, 470 Euro

Dass man älter wird, merkt man, wenn nicht mehr in den Vintage-Shop gehen muss, um ein Mode-Revival mitzumachen. Mancher kann sich dafür inzwischen im eigenen Kleiderschrank bedienen. Ein alter Bekannter aus den achtziger Jahren ist wieder da – das Jeanshemd. Man trug es, und die Mutter mahnte, man solle so ein Hemd nicht mit einer Jeans kombinieren. Jeanshemden zählen zu den Kleidungsstücken, die nicht nur ewig halten, sondern umso besser aussehen, je älter sie sind. Darum mögen Männer Jeanshemden so gerne – sie sind so, wie sie selbst gern wären.

Es gibt die Hemden in allen möglichen Waschungen von fast Weiß bis Schwarzblau. Man kann sich auch ein Hemd im Originalblau zulegen und mit der Zeit in der heimischen Maschine die Patina herbeiwaschen. Allerdings muss man es dann mit Selbstbewusstsein hinnehmen, darin eine ganze Weile so auszusehen, als sei man ein Bürger der späten DDR. Mutters Mahnung von damals darf getrost vergessen werden: Jeanshemden können sehr wohl zu Jeans getragen werden, sie müssen nur unterschiedliche Waschungen haben.

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Ansonsten muss ein Jeanshemd mit Bedacht getragen werden. Frauen können es ohne Probleme anziehen als weites Hemd oder in der körpernahen Stretch-Version. Für den Herrn allerdings ist es ein tückischer Freund. Männer, die ohnehin eine hinreichend maskuline Note haben, sehen darin noch besser aus. So wie Steve McQueen etwa oder James Dean. Die anderen, die nicht für Jeanshemden geboren sind, wirken darin einfach nur bemitleidenswert. Wie ein Mann, der gern ein bisschen näher an Colt Seavers herankommen würde, aber dann noch nur Howie schafft. Das Jeanshemd verstärkt die Männlichkeit nicht, so wie es jeder gute Anzug tut. Es stellt die Männlichkeit aus oder die fehlende Maskulinität bloß.

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Wer als Mann ein Hemd aus Denim erworben hat, sollte sich ernsthaft die Frage stellen, zu welcher Sorte er gehört. Das verlangt eine Menge Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Oder man fragt doch noch einmal die Mutter.

PS: Im ZEITmagazin Nr. 3/10 schrieben wir, Barack Obama habe seine TAG-Heuer-Uhr abgelegt, als er US-Präsident wurde. Inzwischen trägt er sie allerdings wieder. Danke an die aufmerksamen Leser!

 
Leser-Kommentare
  1. von diesem ...
    Nichts....

  2. fällt mir diese australische schauspielerin ein, die vor lauter botox und den damit verbundenen eingefrorenen gesichtszügen keine rollen mehr bekommt

    "...sondern umso besser aussehen, je älter sie sind. Darum mögen Männer Jeanshemden so gerne – sie sind so, wie sie selbst gern wären."

    also der spruch hätte eher bei frauen gepasst, aber wahrscheinlich muss man männerbashing betreiben, um einen solchen artikel online gestellt zu bbekommen, in die printversion schafft es der auch so nicht

  3. Männer, welche Jeanshemden tragen, sind meist übergewichtig, haben Bluthochdruck und verbreiten Schweißgeruch. Kann man jeden Tag im Berliner ÖPNV erleben.
    Fällt Modemachern eigentlich mal wieder was Neues ein?

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