Filter-Nachrüstung Der Fänger im Auspuff

Mit altem Auto in die Umweltzone: Was taugen Partikelfilter?

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (links) untersucht ein Dieselauto, das nachträglich mit einen Diesel-Partikelfilter ausgerüstet wurde

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (links) untersucht ein Dieselauto, das nachträglich mit einen Diesel-Partikelfilter ausgerüstet wurde

Frisch gekaufter Gebrauchtwagen günstig abzugeben: Alfa Romeo 147, Diesel, vier Jahre alt, leider nur Euro 3 und eine gelbe Umweltplakette.« Ich war nahe dran, kurz nach Silvester genau diese Anzeige aufzugeben. Vor dem Autokauf hatte ich über Design, Verbrauch und Drehmoment gegrübelt, aber aus unerfindlichen Gründen den Aspekt Umweltplakette übersehen. Der Wagen stand vor der Tür, als ich feststellen musste, dass mein bevorzugtes Reiseziel damit nicht erreichbar war. Zum Jahreswechsel forderte Hannover unerbittlich eine grüne Plakette für die Fahrt in die Innenstadt. Wer ohne erwischt wird, zahlt 40 Euro Strafe und kriegt einen Punkt in Flensburg.

Zum Glück gibt es schon seit einiger Zeit auch für das Abgas alter Autos Rußfilter. Doch wie empfehlenswert ist eine Nachrüstung, und wie schneiden diese Filter im Vergleich zu anderen Lösungen ab?

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»Wenn ich ehrlich sein soll: Kaufen Sie sich ein neues Auto«, sagt Jörg Adler vom Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme in Jena und schwärmt dann von den Rußfiltern, die seit einigen Jahren ab Werk in Diesel-Pkw stecken.

In Neuwagen strömen die Abgase durch feinporige Keramik, in der sich die Partikel verfangen und ablagern. Nach einer gewissen Zeit ist der Filter so dicht mit Ruß beladen, dass sich ein Gegendruck aufbaut. Das ist das Signal an die Motorelektronik, die dann etwas Kraftstoff drauflegt. Ein Teil davon jagt unverbrannt durch die Auspuffrohre, entzündet sich im Katalysator und heizt die Abgase bis auf 600 Grad auf. In diesem heißen Odem verbrennt der Ruß im dahinter sitzenden Filter. Das funktioniert so gut, dass die so gesäuberten Abgase weniger Partikel enthalten als die Umgebungsluft. Adler sagt: »Das sind eigentlich Staubsauger.«

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Ich aber fahre keinen modernen Staubsauger, sondern eine alte Dreckschleuder. Für solche Problemfälle gibt es zum Nachrüsten von den Firmen HJS und Twintec sogenannte offene Rußpartikelfilter (Nebenstrom-Tiefbettfilter). Offen heißen die, weil sich dem Abgas nicht winzige Filterporen in den Weg stellen. Vielmehr strömt es an etwas vorbei, das eher übereinandergestapelten Käsereiben ähnelt. Die Zinken auf dieser Reibe nennen die Techniker von Twintec »Sprungschanzen«. Sie sollen die Partikel in Vliese aus Sintermetall katapultieren. Diese werden kontinuierlich gereinigt, durch chemische Prozesse. Der Ruß, der hauptsächlich aus Kohlenstoff besteht, wird dabei zu Kohlendioxid umgewandelt.

Doch mein erster Ratgeber, Jörg Adler, ist nicht recht von diesem Prinzip überzeugt. Vor allem kleine, für die Gesundheit gefährliche Partikel würden aus diesem Sieb entweichen. In der Tat eliminieren Nachrüstsätze nur 50 bis 60 Prozent der Partikel und nicht über 95 Prozent wie die geschlossenen Systeme.

Muss ich mir also nur um der grünen Plakette willen einen Partikelfilter ohne Nutzen zulegen? Heinz-Erich Wichmann muss es wissen. Der Epidemiologe vom Helmholtz Zentrum München untersucht die gesundheitlichen Schäden durch Ruß. Es komme nicht nur auf die Größe der Partikel an, sagt er, sondern auch auf ihre Giftigkeit, und gerade Dieselruß gehöre nun mal zu den giftigsten Feinstäuben. Was ungefiltert aus den Auspuffrohren komme, verursache Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen und auch Krebs. Deshalb müsse man besonders Dieselfahrzeuge sauberer machen – selbst wenn das die Gesamtmenge der Luftpartikel kaum mindere.

Leser-Kommentare
  1. was war das schön, als Umweltschutz noch die Umwelt schützte. Man lackierte den Wagen mit dem Pinsel statt der Spritzmaschine neu, benutzte Glasflaschen statt der Aludosen, kaufte chlorfreies Papier und schaltete beim Verlassen eines Zimmers das Licht aus. Inzwischen verkam Umweltschutz jedoch zum Antrieb einer gigantischen Gelddruckmaschine, die allen, nicht nur den Umweltbewussten, gigantische Finanzmittel aus der Tasche ziehen.

    Warum zahle ich für den grünen Punkt, wenn es hier in München keine gelben Säcke gibt? Warum musste ich meinen 30 Jahre alten Golf (7l/100km) zonenbedingt abgeben, wenn die neuste Statistik sagt, dass die Feinstaubbelastung in 2009 um kein einziges ppm sank? Warum darf ich keine 100 Watt Glühbirne mehr im Eingangsbereich des Hauses einschrauben, obwohl Energiesparlampen mit ihren max.5000 Schaltvorgängen in Rekordzeit aufgeben? Warum darf ich den Bäumen zuliebe kein Salz streuen, hafte jedoch, wenn jemand ausrutscht?

    Ich frage mich: schützen Atomkraftwerke wirklich die Umwelt? Macht es Sinn funktionstüchtige PKWs vor der Zeit zu verschrotten und neue zu produzieren? Ist Ökomilch aus Neuseeland unbedenklicher als die 'normale' mit 3.5% Fett aus den Nachbardorf? Wurde der Emissionshandel von denen erfunden die eh nur an den Markt glauben?

    Um es deutlich zu sagen: Klimaschutz tut Not! Die Erwärmung der Atmosphäre lässt sich nicht wegdiskutieren. Derzeit glaube ich jedoch, dass Hyänen am Umweltbewusstsein verdienen, ohne dass ein Nutzen entsteht.

    • yato
    • 02.02.2010 um 0:56 Uhr

    dann ist dieser gigantische Nachrüstaufwand absurd und trifft nur Leute die nicht so viel Geld haben, gerade in Berlin.

    Einfach den Leuten aus einer Laune heraus ihr Auto zu verbieten, erinnert eher an die Willkür einer Monarchie.

    Aber Hauptsache mann kann irgendetwas verbieten um Aktivität vorzutäuschen, wenn man schon an der Lobby der Autoindustrie nicht vorbei kommt, die eine Vollökologische Zukunftslösung immer noch nicht für die Massentauglichkeit im Focus hat.

    Nur wer 100000 Euro übrig hat kauft sich den Testla Roadster: Batterieantrieb, Rennwagenfahrwerte, 300 - 400 km Reichweite.

    Wo bleiben die bezahlbaren Elektroautos mit ausreichender Reichweite und in der "Made in Germany" Grosserie? Das kommt anscheinend erst nach der Klimakatastrophe, unsere Forscherkapazitäten stecken wir anscheinend lieber in die Formel 1

    Zur Kompensation haben wir dafür Umweltzonen und beleuchtete Krötentunnel

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Es wäre hilfreich gewesen, wenn sich Herr Mönch auch zu den besonders gefährlichen Nanaopartikeln (PM1) geäußert hätte, die insbesondere von den "modernen" Diesel KFZ ab Euro 4 ausgestoßen werden und die auch nicht durch die gewöhnlichen Filter abgeschieden werden können. Forscher des Max-Planck-Instituts haben 2008 festgestellt, daß diese Partikel das Immunsystem besonders agressiv schädigen und schätzen deshalb die Abgase der modernen Diesel KFZ gefährlicher ein als die älterer KFZ. (http://www.mpg.de/bilderB...) Dies wird mit Sicherheit im Zuge der Verfeinerung der Meßtechnik zum nächsten Umweltskandal ! Die Nanopartikel sind nur in geschlossenen Filtersystemen eleminierbar , die jedoch zu teuer und kaum verfügbar sind und erst mit der neuen Euro6-Norm serienmäßig verbaut werden. Die Wissenschaftler sind sich einig, daß das Schadstoffproblem (PM 1 - 10, NO2) in den Städten sich nur durch schnelle Durchdringung mit diesen Fahrzeugen lösen läßt. Fahrverbote in Umweltzonen verzögern jedoch die Durchdringung mit wirklich schadstoffarmen KFZ (Euro6) erheblich , da die gerade zwangsweise angeschafften, schadstoffbelasteten (PM1, NO2) Euro4 KFz in absehbarer Zeit nicht erneut ersetzt werden können

  3. Hier ein interessantes Gerichtsurteil:

    Für parkende Fahrzeuge ist eine Umweltplakette nicht zwingend, wie das Amtsgericht Bremen kürzlich entschieden hat (Aktenzeichen 94 OWi 348/09). Reines Parken in einer Umweltzone reiche für einen Verkehrsverstoß nicht aus, urteilten die Richter, sondern es dürfe erst das Fahren ohne Plakette geahndet werden. Denkbar sei bei einem parkenden Auto schließlich auch der Transport mit einem Abschleppfahrzeug.

    Das heisst dann also hoffen, dass man nicht in eine Kontrolle des fliessenden Verkehrs gerät, oder etwa geblitzt wird. Aber dagegen kann man ja was tun, oder?

    Umweltschutz tut Not - ja, aber mit wirksamen Methoden und nicht durch Geldschneiderei.

  4. ...dazu sei noch angemerkt:

    Das Verkehrszeichen 270.1 (Umweltzone) verbietet zwar den Verkehr in einer Umweltzone ohne Plakette, wobei das auch für den ruhenden Verkehr gilt (parken also), jedoch wird es die Behörde schwer haben, dem Halter des Fahrzeuges nachzuweisen, dass er es war, der das Fahrzeug in die Umweltzone hineingefahren hat und damit einen Punkt in Flensburg verdient.
    Wenn es also der nahe Verwandte war, mache man von seinem Recht gebrauch, diesen nicht belasten zu müssen.
    Ich weiss, Halterhaftung gilt für den ruhenden Verkehr - aber eben nur für Parkverstöße.
    Man berichtige mich bitte, wenn ich völlig daneben liege....
    Danke

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