Bericht Weltklimarat IPCC Eiskalt geirrt
Eine absurde Fehlprognose zur Gletscherschmelze bringt den Weltklimarat IPCC in Bedrängnis. Nun steht dessen Glaubwürdigkeit infrage.
© Diptendu Dutta/AFP/Getty Images

Viele Gletscher auf der Welt schrumpfen. Unbestritten ist: Auch der Himalaya (im Foto der Mount Everest) verliert in den untersten Regionen an Eismasse. Aber eisfrei bis 2035, wie im IPCC-Bericht prognostiziert? Das schließen Experten aus
Beim Kilimandscharo ist es noch einmal gut gegangen. Dabei standen Georg Kaser anfangs die Haare zu Berge, als er Ende 2006 den Entwurf zu »Kapitel 9.2.1.3« des Weltklimaberichts zu lesen bekam. »Ganz massive Fehler waren da drin«, erinnert sich der Gletscherforscher der Universität Innsbruck. Tenor des Entwurfes: Aufgrund der globalen Erwärmung taut auf dem höchsten Berg Afrikas demnächst das Gipfeleis ab.
Dabei seien zwar »Nasa-Websites« zitiert worden, aber keine harten wissenschaftlichen Ergebnisse, erinnert sich Kaser. »Ich habe gleich mit den Autoren Kontakt aufgenommen und gesagt: Leute, das stimmt so nicht.« Das wirkte. Schließlich ist Kaser einer der weltweit führenden Gletscherforscher. In der Endfassung klang die entsprechende Passage dann deutlich differenzierter – und wissenschaftlich korrekt.
Was beim Kilimandscharo funktionierte, misslang im Falle des Himalaya. »Ich habe mich in den letzten Tagen oft gefragt«, sagt Kaser, »ob ich massiver hätte einschreiten sollen.« Auch im Entwurf zu Kapitel 10.6.2 war er über einen haarsträubenden Fehler gestolpert: Die Himalayagletscher könnten bis 2035 abschmelzen, stand da zu lesen – für jeden Fachmann erkennbarer Unsinn. »Das habe ich dann über den Dienstweg weitergeleitet und gedacht: Das wird schon.«
Wurde es aber nicht. Erst als die Presse groß über »Glaciergate« zu berichten begann, sah sich das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) am Mittwoch vergangener Woche zu einer Reaktion genötigt – in einer dürren einseitigen Richtigstellung. Deren Formulierungen (»bedauern die mangelhafte Anwendung unserer wohlbewährten Prozeduren in diesem Fall«) lassen erahnen, wie unterschiedlich die »Gletscherpanne« in der Öffentlichkeit und im IPCC selbst bewertet wurde.
Tatsächlich sind es nur sechs Zeilen eines regionalen Fallbeispiels, die sich bislang als fehlerhaft herausgestellt haben. Und doch haben sie eine grundsätzliche Debatte entzündet, bei der es nicht nur um die Arbeit des Weltklimarats IPCC geht, sondern auch um die Glaubwürdigkeit des friedensnobelpreisgekrönten Gremiums – und um die Integrität seines Vorsitzenden Rajendra Pachauri.
Für die Klimaforschung kommt all das zu einer denkbar ungünstigen Zeit: Nach dem gescheiterten Gipfel von Kopenhagen verlangt nicht nur die deutsche Industrie derzeit von der Regierung eine Pause beim Klimaschutz (ZEIT Nr. 4/10); vergangene Woche stellte der Chefunterhändler der chinesischen Regierung den menschlichen Beitrag zum Klimawandel plötzlich wieder infrage; und in den USA muss sich wohl bald die Bundesumweltbehörde EPA vor Gericht fragen lassen, wie solide die wissenschaftliche Einschätzung sei, auf deren Basis sie CO₂ zum »Luftschadstoff« erklärt hat.
Diese politische Gemengelage erklärt auch die verhaltene Reaktion der Klimaforscher-Community. Zwar verhehlte kaum jemand, wie ärgerlich der »Gletscherfehler« ist. Doch die meisten argumentierten: Das sei bloß eine Kleinigkeit, ein Detail ohne weitere Bedeutung. Die übrigen Aussagen, die Arbeitsweise, der Bericht seien solide.
Jetzt fragen sich alle: Kommt da noch mehr?
Dabei gäbe es allen Grund zur kritischen Analyse. Es ist zumindest ein unglücklicher Zufall, dass Rachendra Pachauris Forschungsinstitut TERI nur Tage vor der Korrektur aus Genf ausgerechnet für ein Projekt zur Erforschung der Gletscherschmelze im Himalaya ausländische Forschungsförderung an Land zog. Nun sagt Pachauri, er habe erst danach von dem Fehler erfahren. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand noch Vertrauen in Pachauri hat«, sagt der Klimaforscher Hans von Storch vom GKSS in Geesthacht. »Er sollte seinen Hut nehmen.«
Die Glaubwürdigkeit des Weltklimarats ist aber auch dann beschädigt, wenn sich die persönlichen Vorwürfe gegen Pachauri nicht erhärten sollten. Nur Tage nach dem Rummel um den Himalayafehler tauchten Zweifel an einem anderen Detail auf: 2006 hatte der Londoner Unternehmensberater Robert Muir-Wood ein Gutachten über den Zusammenhang von Extremwetterereignissen und jährlichen Schadenssummen verfasst. Der IPCC zitiert es mit der Feststellung, dass die globale Erwärmung monetäre Unwetterschäden in die Höhe treibe.
- Datum 27.01.2010 - 10:24 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05
- Kommentare 18
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steht schon lange in Frage.
http://alles-schallundrau...
In der Tat ist ist das Mandat des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) dahingehend konkretisiert, dass die Arbeit policy-neutral zu halten sei (siehe http://www1.ipcc.ch/about...).
Dass einzelne Wissenschaftler - wie auch zuvor bei den Vorkommnissen an der East Anglia University (UK) während der UNFCCC-Vertragsstaatenkonferenz in Kopenhagen - die Grenzen dieses Mandats nicht richtig einschätzen oder gar bewußt missachten, ändert nichts daran, dass die überwiegende Mehrheit des IPCC wissenschaftlich einwandfreie Arbeit geleistet hat. Dennoch ist es richtig, nach Fehlerursachen zu suchen, um derartige Fehler künftig möglichst ausschließen zu können.
Wenn die jüngsten Ereignisse zum Anlass genommen werden, den Sinn der Klimapolitik an sich in Frage zu stellen, da ja die Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis jetzt zweifelhaft sei, dann führt das zu weit. Ob die Gletscher des Himalaya bei realistischen Emissionsannahmen für die Folgejahre wirklich bereits in 2035 abgetaut sein werden (wie im 4. Sachstandsbericht des IPCC fälschlicherweise behauptet) oder erst 2o Jahre später, ist nicht relevant für die zwingende Notwendigkeit einer wirksamen Klimapolitik auf Internationaler Ebene.
Wir haben in Kopenhagen ein Jahr verloren. Hoffen wir, dass es in Mexiko zu einer Einigung kommt.
... finde ich diese Fehler im Bericht.
Es gibt Unmengen unsystematisch gesammelter sich widersprechender Daten, die in keinen nachvollziehbaren Zusammenhang zu bringen sind.
Selbst Rajendra Pachauri spricht nicht mehr von Klimaerwärmung (Interview vdi-nachrichten, soweit ich erinnere), sondern nur noch von "Veränderung", die sich irgendwie negativ insbesondere auf Entwicklungsländer auswirke ... - wie stark und warum auch immer.
Es gibt keinen wissenschaftlichen Hintergrund, deshalb fällt die Plausibilitätsprüfung schwer und selbst offensichtlicher Unfug schlüpft mal durch - der Rest dürfte kaum fundierter sein.
Ich frage mich, wieso Herr Kaser es dann 3 Jahre lang nicht zu Wege brachte, den Fehler korrigieren zu lassen?
Und für das IPCC kommt jede Wahrheit über ihre Schlampereien/Lügen zur Unzeit.
Nur wirkt Kritik nun anders als zuvor, wo man diese als "Voodoo-Science" abbügeln konnte.
@2: Die Himalayaglescher werden auch nicht im Jahr 2055 abgeschmolzen sein.
Die ursprüngliche Spekulation lautete auf das Jahr 2350, und selbst dieses wird von Gletscherexperten als unwahrscheinlich angesehen.
@2 "Wenn die jüngsten Ereignisse zum Anlass genommen werden, den Sinn der Klimapolitik an sich in Frage zu stellen, da ja die Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis jetzt zweifelhaft sei, dann führt das zu weit." -> lachhaft, gerade jetzt sollte man genau und kritisch Nachprüfen was und vor allem wieso dort alles manipuliert wurde und wer davon profitiert hat (Klimalügner Gore z.b.) all die Geschichten über Menschengemachte Klimaerwärmung ist allergrößter Schwachsinn und ein riesiger Skandal, aber es ist einfacher der Lüge weiter tapfer zu glauben als sich selbst mal einzugestehen, dass man betrogen wurde, nicht wahr edrion25? dazu lesen Sie bitte den Kommentar 4 der Ihre naive Behauptungmit den "20 Jahre später" ad absurdum führt...
Interessant ist zudem wie die sog. "Qualitätspresse" in diese Sache und andere Dinge verwickelt ist, da es nun schon nach der Irakkrieglüge, und den zweifelhaften 9/11-Terror, Vogelgrippe, Schweinegrippe usw. die nächste Panikmache voll mitzuverantworten hat und es kommen bestimmt noch mehr Lügengeschichten aus der Druckpresse so sicher wie 1 1=2 ist... Ich persönlich tippe bald auf die "Gentechnik ist gesund"-Lüge. Nicht nur die Glaubwürdigkeit des IPCC ist dahin auch die der Qualitätspresse...
Ich tippe eher auf Iran hat die Bombe. Dann kommt das TINA Gefasel und so weiter... der Rest ist bekannt.
Ich tippe eher auf Iran hat die Bombe. Dann kommt das TINA Gefasel und so weiter... der Rest ist bekannt.
Der nächste Flop wird bereits diskutiert. Es geht um einen behaupteten Zusammenhang von Globaler Erwärmung und Desaster-Schäden durch Hurricanes.
Hier wurde durch das IPCC tüchtig getrickst und mit einem Graph ein Zusammenhang konstruiert, der lt. Pielke jr. einem der bekanntesten US- Hurricane-Forscher, überhaupt nicht besteht, und weder in der peer-to-peer noch der Grauen Litertur vorhanden war,
Man muss immerhin wissen, dass ein möglicher Zusammenhang von größter Bedeutung für die Versicherungsbranche ist. Die kalkuliert ihre Prämien aufgrund möglicher Schäden und ist deshalb nach eigenen Aussagen hochzufrieden mit den Aussagen des IPCC.
Pielke Jr., einer der bekanntesten US Hurricane Forscher
Hot on tue Trail of Th IPCC Mystery Graph
Zitat
"Hypothesis: The IPCC created a graph that did not exist in the peer reviewed literature or in the grey literature to suggest a relationship between increasing temperatures and rising disaster costs."
http://rogerpielkejr.blog...
Ich tippe eher auf Iran hat die Bombe. Dann kommt das TINA Gefasel und so weiter... der Rest ist bekannt.
leider muss ich meckern und meine Kritik hat nicht mal was mit dem Inhalt Ihres Kommentars zu tun. Mir haben einfach die Augen weh getan.
Wenn Sie Ihre allseitige Bildung mittels sowieso schon gängiger fremdsprachiger Redewendungen belegen wollen, dann informieren Sie sich doch bitte bitte über die Schreibweise...:
"d ́ accord"
kommt aus dem Französischen und hat etwas mit "Übereinstimmen" - wie bei einem Akkord zu tun - und nichts mit einem Kern (engl. core) oder sowas.
leider muss ich meckern und meine Kritik hat nicht mal was mit dem Inhalt Ihres Kommentars zu tun. Mir haben einfach die Augen weh getan.
Wenn Sie Ihre allseitige Bildung mittels sowieso schon gängiger fremdsprachiger Redewendungen belegen wollen, dann informieren Sie sich doch bitte bitte über die Schreibweise...:
"d ́ accord"
kommt aus dem Französischen und hat etwas mit "Übereinstimmen" - wie bei einem Akkord zu tun - und nichts mit einem Kern (engl. core) oder sowas.
Eine Grundproblematik der gesamten Klimaveränderungsdiskussion sind die verkehrten Positionen: Im allgemeinen sind die Katastrophen-Warner die Pseudowissenschaftler, und die Wissenschaft sagt "Be quiet". Bei der Klimaveränderung ist es halt umgekehrt: Die Wissenschaftler warnen, und die Gegenwelt sagt "Be silent" - und einige Wissenschaftler werden als Reaktion selbst zu Pseudowissenschaftlern. Das ist sehr menschlich, aber ein böses Disaster!
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