Selbstversuch Mir war kalt in Kopenhagen
Wie bewegt man sich in unseren Breiten klimaverträglich fort? Ein abenteuerlicher Selbstversuch
© AFP / Getty Images

Jedes einzelne Molekül zählt: Wer versucht, seinen CO2-Ausstoß zu minimieren, kann einiges erreichen, muss aber manchmal leiden
Als alle Welt noch spekulierte, warum die Klimakonferenz von Kopenhagen denn nun gescheitert sei, war Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen, schon weiter. Sie sagte, jetzt müsse »jeder Einzelne vorangehen. Jeder Einzelne macht jetzt bei sich zu Hause Kopenhagen.« Das klingt gut. Das will ich bei mir in Hamburg-Eimsbüttel versuchen. Nur: Wo soll ich anfangen?
Ich bin keine Ökoextremistin, aber auch keine Umweltignorantin. Ich bin irgendetwas dazwischen. Mein ökologischer Fußabdruck ist – in Frauenschuhgröße gerechnet – vielleicht eine durchschnittliche 39. Das dachte ich zumindest. Bis ich Bekanntschaft mit dem CO₂-Rechner des Umweltbundesamtes mache. Der will wissen, wie ich heize, mich ernähre, mich fortbewege.
Am Ende spuckt er eine Tabelle aus mit grünen, gelben und roten Smiley-Gesichtern drauf – je nachdem, wie ich in den einzelnen Kategorien abschneide. Oft bekomme ich einen gelben Strichmund, was »ganz in Ordnung« bedeutet. Es reicht sogar mal für einen grünen, lachenden Smiley. Doch an einer Stelle prangt ein dickes rotes Kreisgesicht mit Mundwinkeln, die tiefer herabhängen als die von missmutigen Bundeskanzlerinnen. Es geht ums Reisen – obwohl ich nicht einmal ein Auto besitze.
Was meine CO₂-Bilanz derart verhunzt, ist die Fliegerei. Manchmal muss ich für eine Recherche ins Flugzeug steigen, das lässt sich kaum vermeiden. Was aber wirklich zu Buche schlägt, ist eine Fernbeziehung nach München. Unter der Woche schone ich die Umwelt, im Sommer fahre ich Rad und im Winter mit der U-Bahn. Doch am Wochenende, da sündige ich so richtig. Wie ein Alkoholiker, der sich unter der Woche im Griff hat und es am Freitagabend krachen lässt. Der deutsche Otto Normalflieger, erfahre ich, ist für den Ausstoß von jährlich 850 Kilogramm Kohlendioxid verantwortlich, ich verursache fast fünf Tonnen. Fünf Tonnen! Das ist so viel, wie fünfeinhalb Inder in einem Jahr zusammen emittieren, alles eingerechnet, in Tansania braucht es dazu sogar 100 Menschen.
Mein grünes Gewissen fühlt sich an wie ein faulender Komposthaufen. Da erzählt mir ein Freund von der Klimaagentur Atmosfair. Die sei spezialisiert auf geplagte Vielflieger-Seelen, denen sie gleich den passenden Balsam verabreiche: Kompensationszertifikate. Das Prinzip ist einfach: Man zahlt Geld, um die beim Fliegen verursachten Emissionen andernorts einzusparen.
Das Problem beim Fliegen ist, dass auch andere Gase wie Stickoxide, Ruß oder Schwefel ausgestoßen werden, die in ein paar Tausend Metern Höhe den Treibhauseffekt verstärken. Fliegen ist also besonders schmutzig. Um diese Effekte zu berücksichtigen, multipliziert Atmosfair die ausgestoßene Menge an CO₂ mit dem Faktor drei. Ein Hin- und Rückflug nach München entspricht nach dieser Berechnung einer Klimawirkung von 340 Kilo Kohlendioxid.
- Datum 29.01.2010 - 18:40 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05
- Kommentare 14
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







diese reduktion sämtlicher umweltprobleme auf einen stoff, den alle brauchen und alle täglich ausatmen ... das ist so dämlich, das tut weh. aber ein ende diese wahnsinns ist trotz climategate und himalaya-gletscherschwachsinn noch lange nicht in sicht. ach so, fundierte infomationen zum thema werden regelmäßig hier präsentiert: http://pielkeclimatesci.w...
setzt natürlich ein gewisses grundverständnis in naturwissenschaften sowie ein paar brocken englisch voraus. wer das nicht beherrscht kann ja mal hier anfangen: http://www.spiegelfechter...
mfg
wurstendbinder
Wie "fundiert" die Informationen von Roger Pielke sind, kann man hier nachlesen: http://www.realclimate.or...
Zur Meinungsbildung sollte man sich gründlich informieren und sich nicht in jeder Spiegelfechterei ein Wurstende aufbinden lassen ;-)
Wie "fundiert" die Informationen von Roger Pielke sind, kann man hier nachlesen: http://www.realclimate.or...
Zur Meinungsbildung sollte man sich gründlich informieren und sich nicht in jeder Spiegelfechterei ein Wurstende aufbinden lassen ;-)
Da unser Wirtschaftssystem nur funktioniert, wenn wir kräftig konsumieren, ist es ganz egal, wieviel Energie der Einzelne verbraucht: die Energie, die erzeugt wird, wird eh verbraucht. Wenn nicht hier, dann woanders. Entscheidend ist, wie die Energie erzeugt wird. Und entscheidend ist, wie die anderen Produkte erzeugt werden.
Solange wir dieses Wirtschaftssystem haben, bleibt uns nur dieser eine Weg: alles, was hergestellt wird, muß ökologisch hergestellt werden. Und außerdem müssen alle Transporte ökologisch vorstatten gehen, siehe Landschaftsverbrauch, Lärm, Feinstaub aus Bremsen und Kupplung etc.
Dann ist dieses Wirtschaftssystem aus ökologischer Sicht auf einmal nicht mehr böse. Höchstens aus sozialer Sicht.
jedes wochenende per flugzeug nach münchen und zurück?
gibs sowas wie bahncard 100 auch für die lufthansa?
Wie "fundiert" die Informationen von Roger Pielke sind, kann man hier nachlesen: http://www.realclimate.or...
Zur Meinungsbildung sollte man sich gründlich informieren und sich nicht in jeder Spiegelfechterei ein Wurstende aufbinden lassen ;-)
realclimate.org? Oh je. Gegründet von den Datenfälschen Michael Mann und Gavin Schmidt, die in ihrem Blog alle ihnen nicht genehme Meinungen löschen - to hide the decline.
über die "objektivität" von realclimate.org hat sich titopoli ja schon ausgelassen. im von ihnen verlinkten artikel geht es um pielke jr., ich spreche allerdings von pielke sr. ; wenn sie sich die mühe machen, die von mir verlinkten seite ein wenig zu durchstöbern, werden sie auch merken, dass man pielke sr. vieles vorwerfen kann, aber nicht dass er ein "klassischer" klimaleugner ist. zumal auf seinem blog regelmäßig "ge-peer-reviewte" artikel verlinkt werden, die es nicht in den IPCC bericht schaffen. sind diese artikel etwa nichts wert?
auch der von mir verlinkte deutschsprachige artikel war zunächst mal vorwiegend als denkanstoß gedacht.
aber bei manchen hilft ja auch noch so heftiges (denk-)anstoßen nicht, das muss ich leider zugeben.
realclimate.org? Oh je. Gegründet von den Datenfälschen Michael Mann und Gavin Schmidt, die in ihrem Blog alle ihnen nicht genehme Meinungen löschen - to hide the decline.
über die "objektivität" von realclimate.org hat sich titopoli ja schon ausgelassen. im von ihnen verlinkten artikel geht es um pielke jr., ich spreche allerdings von pielke sr. ; wenn sie sich die mühe machen, die von mir verlinkten seite ein wenig zu durchstöbern, werden sie auch merken, dass man pielke sr. vieles vorwerfen kann, aber nicht dass er ein "klassischer" klimaleugner ist. zumal auf seinem blog regelmäßig "ge-peer-reviewte" artikel verlinkt werden, die es nicht in den IPCC bericht schaffen. sind diese artikel etwa nichts wert?
auch der von mir verlinkte deutschsprachige artikel war zunächst mal vorwiegend als denkanstoß gedacht.
aber bei manchen hilft ja auch noch so heftiges (denk-)anstoßen nicht, das muss ich leider zugeben.
Ich verstehne nicht wie man sich selbst so ad adsurdum führen kann, jeder der auch nur ein kleines bichen ahnung hat weis:
CO2 ist ein lineares molekül!! und nicht gewinkelt wie in den kostümen.
genau wegen solche kleinigkeiten macht sich die Bewegung, die vollkommen recht hat, unglaubwürdig.
traurig
realclimate.org? Oh je. Gegründet von den Datenfälschen Michael Mann und Gavin Schmidt, die in ihrem Blog alle ihnen nicht genehme Meinungen löschen - to hide the decline.
diese reportage ist ein gutes beispiel dafür, wie man durch al gores märchenstunde zu einem komplexbeladenen, durchweg mit schuldgefühlen belasteten wesen mutieren kann. natürlich kann man sich von der "klimasünde" freikaufen, so wie damals beim ablasshandel *kopfschüttel*...
über die "objektivität" von realclimate.org hat sich titopoli ja schon ausgelassen. im von ihnen verlinkten artikel geht es um pielke jr., ich spreche allerdings von pielke sr. ; wenn sie sich die mühe machen, die von mir verlinkten seite ein wenig zu durchstöbern, werden sie auch merken, dass man pielke sr. vieles vorwerfen kann, aber nicht dass er ein "klassischer" klimaleugner ist. zumal auf seinem blog regelmäßig "ge-peer-reviewte" artikel verlinkt werden, die es nicht in den IPCC bericht schaffen. sind diese artikel etwa nichts wert?
auch der von mir verlinkte deutschsprachige artikel war zunächst mal vorwiegend als denkanstoß gedacht.
aber bei manchen hilft ja auch noch so heftiges (denk-)anstoßen nicht, das muss ich leider zugeben.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren