ADAC-Ball Lei, lei, lei, lei, da ist nix dabei

Eine Art Sternstunde des Berliner Nachtlebens: Der Große ADAC-Ball mit Otto als Motor

Geheime Gesellschaft: Der ADAC veranstaltet nicht nur Bälle, er verfügt auch über ein schwer zu durchschauendes Konglomerat aus Tochterfirmen

Geheime Gesellschaft: Der ADAC veranstaltet nicht nur Bälle, er verfügt auch über ein schwer zu durchschauendes Konglomerat aus Tochterfirmen

Stimmung wie auf dem Schützenfest beim diesjährigen ADAC-Ball in Berlin. Der große Saal jubelt Otto Waalkes zu, der da singt: Ein Ehegatte aus Lauf / War wegen seiner Gattin schlecht drauf / Denn nachts beim Verkehr / Da schreit sie so sehr / Davon wacht er jedes Mal auf. Schreit da wer im Publikum? Nein, nein. Lei, lei, lei, lei, da ist doch nichts dabei, singt die Gesellschaft in Smoking und Ballkleid den Refrain munter mit.

»Wir sind ausverkauft!«, verkündet Walter Müller, Vorsitzender des ADAC Berlin-Brandenburg, stolz zu Beginn. Beim letzten Ball hatte er es den Autohändlern gewünscht, so einen Satz sagen zu können, so uneigennützig, wie er es als Leiter der Daimler-Benz-Niederlassung Berlin nur tun konnte. »Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen«, sagt er nun. Schön war die Abwrackprämie! Die Glanzzeit des Großen ADAC-Balls ist allerdings vorbei. Es gibt ihn seit 1926. Als noch im Internationalen Kongresszentrum gefeiert wurde, kamen an zwei Tagen 8000 Gäste und Udo Jürgens. Heute sind es an einem Tag 2600 im Hotel Maritim, und statt Udo Jürgens kommt John Munich, das ist sein Sohn. Der ist DJ und legt in der kleinen Disco nebenan auf. Der Andrang hält sich allerdings in Grenzen, vielleicht auch, weil kaum jemand der Ballbesucher unter vierzig ist.

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Dabei war erfreut mitgeteilt worden, der Verkauf von Karten an unter 28-Jährige habe sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Wie viele Junge mögen 2009 dabei gewesen sein, als Howard Carpendale den Saal zum Kochen brachte? Immerhin, die strahlenden Hostessen, die jetzt den Sekt reichen und den älteren Herrschaften zuzwinkern, sie verjüngen die Atmosphäre gewissermaßen proaktiv.

Auch aus der Hauszeitschrift des Vereins, der ADAC motorwelt, mit 13,7 Millionen Exemplaren die größte Zeitschrift Europas, lächelt dem Mitglied auf einer ganzseitigen Anzeige eine junge Blonde entgegen, deren üppige Brüste zum Sprung aus dem Dekolleté ansetzen: »So schön kann ein Handy sein.«

Die treuesten Anzeigenkunden des Blattes sind die Hersteller von Treppenliften und elektrischen Rollstühlen. Dreieinhalb Seiten füllen sie in der Januar-Ausgabe 2010. Eine Seite in Farbe kostet laut Anzeigen-Preisliste 109280 Euro, und man würde sie gewiss nicht schalten, gäbe es hier nicht rege Nachfrage. Nimmt man noch die vielen ganzseitigen Annoncen für Kreuzfahrten hinzu, dann weiß man, wer die motorwelt liest. Kürzlich hat der Verein zudem bekannt gegeben, eine Senioren-Verbraucherschutz-Organisation gründen zu wollen, die Pflegedienste und Seniorenheime testet.

Im Saal sitzen Showgeschäftler an den Tischen, der Sitz zu 285 Euro. Droben auf der Galerie genießt ein Gast aus Perleberg den Blick hinunter: Es ist Marian Lindner, ADAC-Mitarbeiter in der Provinz, Leiter der Luftrettungsstation Christoph 39. Er ist extra angereist, hat gleich ein Zimmer im Maritim mitgebucht. »Das kann man seiner Frau ja mal bieten«, sagt er. Nun müssen die Gäste, gerade noch in Walzerlaune, auf gute Tat umschalten. Die Leinwand hinter der Bühne zeigt ein kleines schwarzes Kind auf dem Arm eines Mannes. Es ist Zeit für Haiti, und die Moderatorin des Abends, Katrin Müller-Hohenstein vom aktuellen sportstudio, schickt die Tatort- Kommissarin a. D. Andrea Sawatzki auf die Jagd nach großen Scheinen. Am Ende kommen 30000 Euro zusammen, und Herr Müller vom ADAC erhöht auf 40000. Praktischerweise ist Haitis Botschafter zur Stelle und nimmt das Geld gleich entgegen.

Leser-Kommentare
  1. was will uns dieser Artikel sagen? Das der ADAC erfolgreich ist, ist doch gut so. Aus Ermangelung an Material wird da völlig nutzlos mit einem Neid/Mißgunst-Artikel vom Leder gezogen.

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