DemografieChinesen ohne Chinesinnen

Der Männerüberschuss in China wächst von 

peking-frauen

Das Mann-Frau-Verhältnis auf diesem Foto aus Peking täuscht: Es gibt zu viele Männer in China  |  © Goh Chaih Hin/AFP/Getty Images

Im Jahr 2020 wird es in China 24 Millionen Männer geben, die keine Frau finden – weil es zu wenige Frauen gibt. Das hat die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften in Peking errechnet und kürzlich bekannt gegeben. Die Prognose klingt dramatisch, wird aber möglicherweise von der Wirklichkeit übertroffen.

Eine gemeinsame Studie chinesischer und westlicher Wissenschaftler, die im British Medical Journal bereits im vergangenen April veröffentlicht wurde, hat für das Jahr 2005 bei den unter Zwanzigjährigen schon 32 Millionen mehr Jungen als Mädchen ermittelt.

Anzeige

So oder so wächst hier ein Problem heran, das vor allem auf dem Lande zu Verwerfungen führen wird. In den armen Provinzen Zentralchinas und des Südens haben die Forscher unter den Ein- bis Vierjährigen ein Jungen-Mädchen-Verhältnis von 137 zu 100 festgestellt. Unter normalen Umständen dürfte es höchstens bei 107 zu 100 liegen. Die Fehlentwicklung ist alles andere als ein Zufall: Männliche Nachkommen gelten in China als wertvoller, weil sie die Familie besser ernähren können, wenn den Alten die Kraft ausgeht. Auch tragen sie den Namen des Vaters weiter.

Das traditionelle Missverhältnis zwischen den Geschlechtern verstärkte sich, nachdem die Regierung in den siebziger Jahren beschlossen hatte, jedem Paar nur noch ein Kind zu erlauben. Bis heute soll diese Politik nach offiziellen Schätzungen 400 Millionen Geburten verhindert haben. Sie führte jedoch auch dazu, dass vermehrt weibliche Föten abgetrieben wurden.

Bis in die späten achtziger Jahre hinein versuchten viele Eltern mithilfe der traditionellen chinesischen Medizin oder durch Aberglauben herauszufinden, ob ihr Kind ein Mädchen oder ein Junge wird. Dann gab es die ersten Ultraschallgeräte auf dem Land; mit ihnen ließ sich das Geschlecht Ungeborener zeitig feststellen. Inzwischen hat die Regierung solche Untersuchungen zwar verboten, aber in Privatkliniken und illegalen Praxen sind sie noch üblich.

Das Ultraschallverbot wird im Internet heiß diskutiert. Eine Frau, die sich He Yafu nennt, schreibt auf sina.com, der Staat solle sich nicht überall einmischen. Selbst wenn man das werdende Kind als unabhängigen Menschen betrachte, »darf man den erziehungsberechtigten Eltern nicht verbieten, das Geschlecht ihres Kindes zu erfahren«. Und wenn man das ungeborene Kind als Teil der Mutter betrachte, dann »erst recht nicht.«

Andere Blogger wiederum verlangen nach mehr Staat. Abtreibungen seien nur noch zu erlauben, wenn das Kind geschädigt sei.

Leserkommentare
  1. Die Chinesen brauchen eine 50/50 - Quotenregelung wie hier: Wenn man zu gleichen Teilen männliche wie weibliche Föten abtötet, dann geht das schon in Ordnung. Aber wehe! Wehe, wenn nur weibliche Föten abgetrieben werden, dann ist das mit unseren Wertvorstellungen nicht vereinbar. Die westlichen Frauenrechtlerinnen sollten mal ihre mittelalterlichen Moralvorstellungen über Bord werfen und die chinesischen Frauen mal machen lassen: Deutsche Frauen fragen ja auch nicht bei den Chinesen nach, ob sie - Quotenregelung - ihre Kinder abtreiben dürfen oder nicht...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es geht darum, dass es zu wenig frauen gibt. Das hat mit Feminismus nichts zu tun, sondern damit, dass wie oben beschrieben, 24 Millionen Männer ungewollt allein bleiben müssen, weil es schlicht nicht genügend Frauen in China gibt. Quotenregelungen etc. sind hier nur Symptombekämpfungen, solange Frauen nicht als gleichwertig angesehen werden, werden die Familien eher weibliche Föten abtreiben. Erst, wenn es genauso angesehen, ist, ein Mädchen zu bekommen, wie einen Jungen (was aus "alle Menschen sind gleich" eh hervorgehen sollte), wird es auch genauso viele Frauen wie Männer geben und damit für alle die Möglichkeit, glücklich zu werden und eine Familie zu finden.

    Dass Sie es in Ordnung finden, Mädchen abzutreiben, als weniger wertvoll als Jungen zu betrachten und dann auch noch das ganze als feministische Verschwörung verunglimpfen, sagt allerdings einige über SIE aus, tiwalodika.

  2. 24 mio von über 1.3 mrd sind prozentual nicht viel mehr als anderswo auch.

    blöde angewandte mathematik.

  3. Es geht darum, dass es zu wenig frauen gibt. Das hat mit Feminismus nichts zu tun, sondern damit, dass wie oben beschrieben, 24 Millionen Männer ungewollt allein bleiben müssen, weil es schlicht nicht genügend Frauen in China gibt. Quotenregelungen etc. sind hier nur Symptombekämpfungen, solange Frauen nicht als gleichwertig angesehen werden, werden die Familien eher weibliche Föten abtreiben. Erst, wenn es genauso angesehen, ist, ein Mädchen zu bekommen, wie einen Jungen (was aus "alle Menschen sind gleich" eh hervorgehen sollte), wird es auch genauso viele Frauen wie Männer geben und damit für alle die Möglichkeit, glücklich zu werden und eine Familie zu finden.

    Dass Sie es in Ordnung finden, Mädchen abzutreiben, als weniger wertvoll als Jungen zu betrachten und dann auch noch das ganze als feministische Verschwörung verunglimpfen, sagt allerdings einige über SIE aus, tiwalodika.

    Antwort auf "Schon komisch..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    wieso Feministen so für das Recht der Frauen auf Abtreibung sind aber das gezielte Abtreiben von weiblichen Föten ein Verbrechen sein soll.Ist im übrigen in Indien nicht anders.Da kann man mal sehen,wie westliche Ideologien in fremden Ländern nach hinten losgehen können.

    Jedenfalls ist die Ein-Kind-Politk Chinas von Anfang ein riesige Dummheit gewesen.Es gibt andere intelligentere Wege Bevölkerungswachstum einzudämmen.

    Zynismus ist wohl nicht ihre Stärke, wie? Vielleicht ein feines Gespür für Satire? Auch nicht? Schade.

    änner nehmen in den Arm,
    Männer geben Geborgenheit,
    Männer weinen heimlich,
    Männer brauchen viel Zärtlichkeit,
    ohh Männer sind so verletzlich,
    Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich

    Männer kaufen Frauen,
    Männer stehen ständig unter Strom,
    Männer baggern wie blöde,
    Männer lügen am Telefon,
    ohh Männer sind allzeit bereit
    Männer bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit

    Männer habens schwer, nehmens leicht
    außen hart und innen ganz weich,
    werden als Kind schon auf Mann geeicht.
    Wann ist ein Mann ein Mann?

    • RobR
    • 30. Januar 2010 20:16 Uhr

    ... außer für die betroffenen Männer natürlich. Denn der Frauenmangel wird längerfristig automatisch zu einer höheren Wertschätzung für Frauen führen und somit zu weniger Abtreibungen weiblicher Föten.
    Vorübergehend hilft der Frauenmangel sogar: 24 Millionen Männer werden keinen Nachwuchs haben.

  4. wieso Feministen so für das Recht der Frauen auf Abtreibung sind aber das gezielte Abtreiben von weiblichen Föten ein Verbrechen sein soll.Ist im übrigen in Indien nicht anders.Da kann man mal sehen,wie westliche Ideologien in fremden Ländern nach hinten losgehen können.

    Jedenfalls ist die Ein-Kind-Politk Chinas von Anfang ein riesige Dummheit gewesen.Es gibt andere intelligentere Wege Bevölkerungswachstum einzudämmen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...wie zum Beispiel Armutsbekämpfung, wirtschaftliche Entwicklung und Bildung.
    Bedenkt man jedoch in welcher Lage China anfangs sich befand, war die schnelle, brutale und effiziente Ein-Kind Politik die beste Notlösung für ein Land, dass nicht genügend Ressourcen hatte, obengenannte 'Intelligente Lösungen' Anzuwenden.

    Siehe Indien. Ihre 'Zwei-Kind'-Politik, die jedoch nicht mit Zwang durchgeführt werden kann (weil tolle Demokratie etc.), führt das ungebremste Wachstum nur weiter. Und dies führt wieder zu mehr Armut und schlechte Bildung, die die 'Intelligenten Lösungen' unmöglich machen.

  5. ... denn vielleicht suchen ja nicht alle chinesen eine CHINESIN. vielleicht suchen auch nicht alle chinesichen männer eine FRAU. allerdings, ups, suchen vielleicht auch nicht alle (chinesischen) frauen einen MANN.

    @tiwalodika.
    "50/50 - Quotenregelung wie hier" ... ähm. was meinen Sie damit? diese regelung kenne ich gar nicht?
    und was haben Sie gegen "frauenrechtlerinnen"? halten Sie nichts von "chanchengleichheit" und "geschlechtergerechtigkeit"? "frauenrechtlerinnen" und feministinnen zu diffamieren ist doch nun wirklich auch mittelalterlich ...
    ... ich denke, der artikel hat deutlich gemacht, woher die signifikante ungleichheit von männer- und frauenanteil in der chinesischen bevölkerung herkommen könnte.

    @kiskil-lilla:
    Sie haben vollkommen recht.

  6. 7. ...

    ...wie zum Beispiel Armutsbekämpfung, wirtschaftliche Entwicklung und Bildung.
    Bedenkt man jedoch in welcher Lage China anfangs sich befand, war die schnelle, brutale und effiziente Ein-Kind Politik die beste Notlösung für ein Land, dass nicht genügend Ressourcen hatte, obengenannte 'Intelligente Lösungen' Anzuwenden.

    Siehe Indien. Ihre 'Zwei-Kind'-Politik, die jedoch nicht mit Zwang durchgeführt werden kann (weil tolle Demokratie etc.), führt das ungebremste Wachstum nur weiter. Und dies führt wieder zu mehr Armut und schlechte Bildung, die die 'Intelligenten Lösungen' unmöglich machen.

  7. 8. Hmm...

    Zynismus ist wohl nicht ihre Stärke, wie? Vielleicht ein feines Gespür für Satire? Auch nicht? Schade.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Unesco | Aberglaube | Abtreibung | Blogger | Bordell | China
Service