Kolumne Wörterbericht
Phantomklingeln
»Seid mal bitte kurz still. Ist das mein Telefon?« – »Ich höre nichts.« – »Scht… Nein, doch nicht. War wohl nur ein Rauschen im Ohr.« Wie peinlich, es war das Phantomklingeln. Das ist ein Wort, das zu ganz neuen Bewegungen erfunden wurde: Frauen, die an ihrer Handtasche horchen, Männer, die sich an die Brust fassen, um zu fühlen, ob das Handy vibriert oder ob es doch nur der eigene Herzschlag war. Wir horchen in den Umgebungslärm hinein, ob durch ihn hindurch der Ton unseres Mobiltelefons dringt und nach uns ruft. Nein, nicht. Panisch scannen wir den Raum und sind enttäuscht, wenn er keinen Laut ausspuckt, keinen Ton, der uns sagt: Du wirst gebraucht, weil ich dich rufe. Sondern zu verstehen gibt: Tut mir leid, du hast dich geirrt.Niemand hat dir etwas mitzuteilen. Das Telefon schweigt.
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- Datum 05.02.2010 - 15:37 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05
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