Werden wir Zeitungsartikel künftig so lesen? Werden wir auf einer Fläche aus Glas und Aluminium, nicht größer als dieser Leitartikel, die Welt betrachten? Auf dem iPad von Apple – 700 Gramm leicht, 24 mal 19 Zentimeter groß, ziemlich dünn, nur ein Knopf?

Letzte Woche wurde die Zaubertafel vorgestellt. Seitdem versuchen die Medien, ihre Bedeutung auszuloten. Tausende neuer elektronischer Geräte gibt es jedes Jahr, eines moderner als das andere. Und doch starren jetzt alle auf dieses eine. Nicht wegen seiner Technik, die ist gar nicht so aufregend. Sondern weil alle so viel von ihm erwarten, eine Revolution nämlich.

Das iPad ist der erste Vertreter einer neuen Gerätegattung, die den Personal Computer aus den Wohnungen verdrängen könnte. Endlich.

Es wäre das Ende einer Entwicklung, die in den achtziger Jahren begann. Damals zogen die Personal Computer als digitale Schreibmaschinen in die Haushalte ein. Ende der Neunziger fanden sie den Anschluss ans Internet. Ihr Einsatzfeld wuchs. Sie ersetzten Fotoalben, Stereoanlagen und Videorekorder. Früher standen sie auf dem Schreibtisch, heute stehen sie im Wohnzimmer. Dort frustrieren sie viele Nutzer mit ihrer Funktionsfülle und viel zu viel Technik.

Das iPad hingegen steht für bewusste Verknappung. Es ist auf jene Funktionen zugeschnitten, die für die meisten Privatnutzer die wichtigsten sind: Kontakte pflegen, Digitalfotos sortieren, kurz etwas im Web nachschlagen. Dazu Musik, Video und Spiele, bald auch die Lektüre digitaler Bücher, Magazine und Zeitungen.

Die Steuerung per Fingerzeig ist leicht. Anwendungsprogramme (Apps) werden vorab von Apple geprüft. Es herrscht fürsorgliche Bevormundung. Das wird Nutzern die Scheu nehmen. "OmiPad", wurde schon gespottet.