Apple iPad Symbol der neuen Ordnung

Das iPad lockt Kunden in ein geschlossenes System von Hardware, Software und Inhalten – und raubt dem Internet ein großes Stück Freiheit. Für die Großen der Medienindustrie ist das eine Chance

Das Kaufen höret nimmer auf - wer im Apple-Online-Shop das iPad bestellt, begibt sich in eine eigene Welt

Das Kaufen höret nimmer auf - wer im Apple-Online-Shop das iPad bestellt, begibt sich in eine eigene Welt

Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Ein Konzept ist tot. Erledigt. Das Internet, so sahen es dessen Pioniere vor einem Vierteljahrhundert, war ein für alle offener Raum. Zudem erlebten es Vordenker wie der Soziologe Howard Rheingold als von der physischen Welt getrennt. Was er im Netz tat, unterschied er von dem, was ihm IRL, im richtigen Leben, widerfuhr. Rheingold, der in Kalifornien und seit 1985 auch im Netz lebt, prägte daraufhin den Begriff der »virtuellen Gemeinschaft«.

Zu dieser Gemeinschaft trugen alle bei, damit alle etwas davon hatten. Jeder schenkte, am besten etwas Persönliches: eine Idee, ein Argument, ein Stückchen Computercode, einen Text oder vielleicht ein Lied. Geld war zweitrangig, weil die meisten ihr Geld ja IRL verdienten. Und so durften sich alle an dem bedienen, was sie im Internet fanden. Es entstand eine Allmende, und eben sie wurde zur Meta-Theorie des Internets.

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Solange bloß ein paar Hunderttausend Surfer unterwegs waren, funktionierte das, und romantisch war es obendrein. Bis heute hängen viele Internetvordenker und Online-Enthusiasten daran: Der Wissenschaftler, Journalist und Buchautor Jeff Jarvis gehört zu ihnen. Wenn er vom »Ecosystem« des Internets schwärmte, das es zu beschützen und zu fördern gelte, schwang darin auch immer mit, es handle sich um eine offenere, friedlichere Form des Wirtschaftens und der Kulturproduktion, in der sich die Teilnehmer gegenseitig befruchten.

Dann kam das iPad.

Letztlich geht es vor allem darum, wofür dieses Gerät steht, und deshalb ist es auch keine Dauerwerbesendung, wenn ständig sein Name fällt – und der seines Herstellers Apple.

Dieser knapp DIN-A4-große tastaturlose Computer mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm hat den globalen Diskurs über das Internet verändert. Und im etwas kleineren Maßstab markiert er eine kulturindustrielle Schwelle. Binnen einer Woche ist das iPad zum Symbol für die gewandelte Ökonomie, für die Kultur und das Wesen des Internets geworden. Man kann diesen Wandel nun anfassen.

Es ist wie ein physischer Beweis dafür, dass der virtuelle Raum nicht von der realen Welt getrennt ist, sondern mit ihr an unzähligen Stellen eins.

Zugleich wird offenbar, dass Offenheit nicht mehr das wesentliche Kennzeichen des Internets ist. Die US-amerikanische Gemeinde der Technologie- und Popkultur-Avantgarde strebt längst in geschlossene Gebilde und baut ihre Geschäftsmodelle darauf auf, Netzsurfer möglichst lange an einen Ort zu binden. Alle Großen stehen dafür. Facebook, Apple, Google. Microsoft sowieso. Mal sind es harte Softwaregrenzen, die errichtet werden: Das soziale Netzwerk Facebook errichtet seinen eigenen Kosmos, führt eine eigene Währung ein und verschließt sich der Suchmaschine von Google. Der Suchmaschinen-Konzern versucht seinerseits, alle wesentlichen Webaktivitäten auf die eigene Welt zu lenken, indem er von Mail über Textverarbeitung bis zu Videos viele Dutzend kostenlose Dienste anbietet. Und Microsoft verfolgte vom ersten Tag an jeden, der versuchte, in sein Revier der Betriebssysteme für Personal Computer einzudringen.

Leser-Kommentare
  1. Ich habe ein wie Sie es nennen "geschlossenes" Apple iPhone und auf diesem tausende von Liedern, die ich NICHT bei Apple gekauft habe, mehrere Spielfilme, die ich AUCH NICHT bei Apple gekauft habe und viele Webapps laufen, die mit Apple auch NICHT DIE BOHNE zu tun haben. Alles Dinge, die mit dem iPad genauso gehen.
    Kennen sich Ihre Redakteure eigentlich mit der Materie aus oder sind das Laien?

    • joha1
    • 05.02.2010 um 21:25 Uhr

    Ach sind wir Konsumenten ja so doof: wir können uns nur ein Medienangebot für das ipad leisten und mit dem sind wir dann nicht einmal in der Lage mehrere Informationsquellen gleichzeitig zu nutzen und nebenbei Tabellen zu erstellen, Präsentationen zu entwerfen und Briefe zu schreiben, so wie wir es ja in den guten alten Zeiten immer gleichzeitig getan haben. Und alles ist St. Jobs Schuld. Hallo, entscheidet Apple oder der Konsument was er nutzt? Und was die Situation der Verlage angeht gilt, was schon immer gegolten hat: Nicht Groß schlägt Klein, sondern Schnell schlägt Langsam. Kreative, innovative Verlage werden überleben, neue werden entstehen und einige werden aufgeben. Wer im produzierendem Gewerbe arbeitet, kennt das schon seit der Erfindung der Dampfmaschine. Und was das viel gepriesene, offene Netz angeht: kann mir mal jemand erklären warum mit einer Hardware das Ende des offenen Netzes kommt? Apple ist z.Zt. sehr erfolgreich,warum? Innovativ, schnell und dabei auch noch gut.

  2. 3. WTF?

    Ich verstehe trotz dieses Artikels nicht, was sich für die Verlage nun mit dem iPad ändert. Ich habe einen iPod touch und lese darauf auch Nachrichten. Wie? Na über einen RSS-Reader. Nicht über all die sinnlosen qualitätsjournalistischen Apps. IMHO ist das beste Layout für tagesaktuelle Nachrichten eben eine Liste und keine Zeitung bei der eine Redaktion über Position und Verteilung der Artikel mir ihre Vorstellungen von Relevanz aufzwingt. Der Mehrwert kann also nicht allein in einem besseren Layout liegen. Zumindest ich bin nicht bereit, dafür Geld zu bezahlen. Bleibt also die Möglichkeit für die Verlage, ihre Web-Aktivitäten wieder einzuschränken und so zu versuchen, die Leser auf diese geschlosseneren Kanäle zu zwingen. Na ja, damit das funktioniert wird erst eine ganze Reihe von Verlagen ins Gras beißen müssen, denn im Moment haben wir ein Nachrichtenüberangebot. Was also kann denn sonst noch ein Mehrwert sein, den ich zu bezahlen bereit wäre? Meinung? Auch da werden wir immer ein Überangebot haben. Und nein, nur weil jemand von einer Zeitung für relevant erachtet wird, werde ich seine Meinung nicht höher schätzen, als die einer anderen Person, der ich ein gewisses Vertrauen entgegen bringe. Es wäre ja schön, wenn Journalisten mal wieder ihren Job ohne Geldsorgen machen könnten - also den täglichen Versuch die Herrschenden zu stürzen ;) - aber solange ausgerechnet die Verlage sich immer wieder in den Vordergrund drängen, kann ich diese Debatte nicht ernst nehmen.

  3. Es wird schon einen Grund haben, dass die im Wesentlichen gleichgeschalteten Massenmedien dieser linkisch-linken Krummenrepublik vor ungehemmten Jauchzen sich beim diesen Ding geradezu überschlugen. Vom Ende des PC war da eindringlich die Rede, und auf einmal nur Gutes über das Internet war zu lesen!

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    Früher hat man ja noch gedacht, Bill Gates´ Microsoft wäre das Vehikel von Big Brother, um die (Computer-)Welt zu unterjochen.
    Spätestens jedoch, seit Microsoft monatelang zu täglich 1 Mio Dollar Strafe fürs (gratis!)-Einbinden seines Internet Explorer verdonnert wurde, sind die Fronten jedoch verschoben: Das Cui bono? kann man nun deutlich zugunsten des Medien-gehypten Apple Konzerns beantwortet sehen.

    Natürlich versucht Apple, ein hermetisches Imperium zu bilden - das war seit Macintosh´s Geburt 1984(!) immer das Ziel. Perfiderwiese mit einem Anti-1984-Werbespot gestartet, hat Apple so allen ein X für ein U vorgemacht.
    Informationsfreiheit verschafft man sich besser mit anderen Produkten.

    Nicht abwerten sollte man hingegen, dass Apple für Musik-, Video- und Grafik-Kreative die besten PCs der Welt produziert hat!

    Früher hat man ja noch gedacht, Bill Gates´ Microsoft wäre das Vehikel von Big Brother, um die (Computer-)Welt zu unterjochen.
    Spätestens jedoch, seit Microsoft monatelang zu täglich 1 Mio Dollar Strafe fürs (gratis!)-Einbinden seines Internet Explorer verdonnert wurde, sind die Fronten jedoch verschoben: Das Cui bono? kann man nun deutlich zugunsten des Medien-gehypten Apple Konzerns beantwortet sehen.

    Natürlich versucht Apple, ein hermetisches Imperium zu bilden - das war seit Macintosh´s Geburt 1984(!) immer das Ziel. Perfiderwiese mit einem Anti-1984-Werbespot gestartet, hat Apple so allen ein X für ein U vorgemacht.
    Informationsfreiheit verschafft man sich besser mit anderen Produkten.

    Nicht abwerten sollte man hingegen, dass Apple für Musik-, Video- und Grafik-Kreative die besten PCs der Welt produziert hat!

    • kai.n
    • 05.02.2010 um 23:19 Uhr

    Bitte unterscheiden Sie doch zwischen dem was ein Unternehmen wie Apple versucht zu erreichen und dem, was der Endanwender dann daraus macht. Das iPhone ist nur noch theoretisch ein geschlossenes System. Und mit dem iPad wird es genauso werden.
    Einschränkungen werden von findigen Nutzern immer ausgehebelt werden und später dann der Allgemeinheit zugänglich gemacht.
    Reaktanz ist hierfür wohl der richtige Begriff.

  4. 6. aha

    "Binnen einer Woche ist das iPad zum Symbol für die gewandelte Ökonomie, für die Kultur und das Wesen des Internets geworden."

    Dank der unzähligen Medien die in einem Dauerrausch permanent Artikel am Fließband über das iPad(!!!) von Apple(!!!) produzieren. Der direkte Hype begann ein paar Tage vor der Produktvorstellung und seitdem arbeiten sich Hundertschaften von Journalisten und "Journalisten" daran ab. Schade das die ZEIT (wieder) mitmacht. Ich habe nicht die Artikel gezählt, aber gefühlt gab es pro Tag einen Artikel über das iPad. Und dabei ist es noch nicht mal zu haben. Diese PR ist für Apple unbezahlbar und allein aufgrund dieser massiven Hypefront durch die Medien wird das iPad zum Verkaufsschlager.

    Wird Zeit das die nächste Schweinegrippe, Wirtschaftskrise, oder -boom, Politskandal oder sonstwas kommt, damit die nächste Hysterie über das nächste Thema in ALLEN Medien angeheizt werden kann.

    Kein Wunder das klassische Medien immer überflüssiger werden. Hysterie, Hysterie, Hysterie, Klicks, Klicks, Klicks. Nächstes Thema.

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    >> "Binnen einer Woche ist das iPad zum Symbol für die gewandelte Ökonomie, für die Kultur und das Wesen des Internets geworden."

    Dank der unzähligen Medien die in einem Dauerrausch permanent Artikel am Fließband über das iPad(!!!) von Apple(!!!) produzieren. [...]<<

    Dankeschön dafür!
    Hab mir ja auch die Augen gerieben, als ich gesehen habe, dass zeit.de wie auch spiegel.de und vermutlich auch bild.de einen Live-Ticker von der Pressekonferenz hatten. Von Bild.de erwarte ich das, von irgendwelchen Apple-Fan-Tech-Blogs auch... aber von Medien, die sich selbst die Präfix "Qualität" geben und denen ich diese auch prinzipiell zugestehen würde? Da kann ich wirklich auf den nächsten schlecht recherchierten, unreflektieren, einseitigen Blog umsteigen. Der tut meist wenigstens nicht so als wäre er unabhängig.

    Zum Themenkomplex "Apple-Fanboys in den Medien" auch:
    http://www3.ndr.de/sendun...

    >> "Binnen einer Woche ist das iPad zum Symbol für die gewandelte Ökonomie, für die Kultur und das Wesen des Internets geworden."

    Dank der unzähligen Medien die in einem Dauerrausch permanent Artikel am Fließband über das iPad(!!!) von Apple(!!!) produzieren. [...]<<

    Dankeschön dafür!
    Hab mir ja auch die Augen gerieben, als ich gesehen habe, dass zeit.de wie auch spiegel.de und vermutlich auch bild.de einen Live-Ticker von der Pressekonferenz hatten. Von Bild.de erwarte ich das, von irgendwelchen Apple-Fan-Tech-Blogs auch... aber von Medien, die sich selbst die Präfix "Qualität" geben und denen ich diese auch prinzipiell zugestehen würde? Da kann ich wirklich auf den nächsten schlecht recherchierten, unreflektieren, einseitigen Blog umsteigen. Der tut meist wenigstens nicht so als wäre er unabhängig.

    Zum Themenkomplex "Apple-Fanboys in den Medien" auch:
    http://www3.ndr.de/sendun...

  5. In der Tat erstaunlich, wie sich die ganzen "alten" Medienkonzerne bzw. deren Ausleger überschlagen beim iPad. Endlich kommt jemand mit etwas um die Ecke, was das Bezahlen für Inhalte hip erscheinen lässt. Wieder einmal Apple, und wieder einmal lassen sich Konzerne damit in Apple-Geiselhaft nehmen. Wie schon beim iTunes-Store.
    Da wird von den "alten Medien" heute Google gehasst - und man läuft gleichzeitig sehenden Auges in eine Abhängigkeit mit dem ach so gefeierten Konzern mit dem Apfel hinein. Google soll bitte nicht an Suchergebnissen verdienen, die Klicks (und damit eigene Werbeeinnahmen) generieren - aber man ist Willens, Apple einen grösseren Prozentsatz der eigenen Einnahmen direkt abzugeben, einfach dafür, überhaupt auf dem iPad präsent zu sein.

    Das iPad markiert einen Paradigmenwechsel - erstmals ist ein Gerät mit dem Anspruch, normale PC/Netz-Nutzungen abzudecken, tatsächlich ein komplett geschlossenes System. Ohne Apples Erlaubnis (d.h. ohne dass Geld an Apple fliesst), kommt nichts drauf. Kein Programm (auch wenn man es selbst geschrieben hat) und am liebsten auch keine Medieninhalte. Fehlanzeige sowieso bei Standard-Stecker- oder -Wechselspeicherformaten. Fotos von meiner Kamera bekomme ich nur mit a) einem weiteren Rechner per WLAN oder b) per Zusatzhardware von Apple aufs iPad. Am liebsten natürlich mit b), denn das iPad ist eine reine Konsummaschine.

    Das Gerät und sein Nutzwert sind für mich völlig indiskutabel, aber ich bin ja auch gar nicht gemeint.

  6. >> "Binnen einer Woche ist das iPad zum Symbol für die gewandelte Ökonomie, für die Kultur und das Wesen des Internets geworden."

    Dank der unzähligen Medien die in einem Dauerrausch permanent Artikel am Fließband über das iPad(!!!) von Apple(!!!) produzieren. [...]<<

    Dankeschön dafür!
    Hab mir ja auch die Augen gerieben, als ich gesehen habe, dass zeit.de wie auch spiegel.de und vermutlich auch bild.de einen Live-Ticker von der Pressekonferenz hatten. Von Bild.de erwarte ich das, von irgendwelchen Apple-Fan-Tech-Blogs auch... aber von Medien, die sich selbst die Präfix "Qualität" geben und denen ich diese auch prinzipiell zugestehen würde? Da kann ich wirklich auf den nächsten schlecht recherchierten, unreflektieren, einseitigen Blog umsteigen. Der tut meist wenigstens nicht so als wäre er unabhängig.

    Zum Themenkomplex "Apple-Fanboys in den Medien" auch:
    http://www3.ndr.de/sendun...

    Antwort auf "aha"
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    • dcrabs
    • 06.02.2010 um 8:53 Uhr

    Danke für den Link. Das bestätigt so ziemlich genau was ich denke. So sehr ich mir wünsche die Vorherrschaft von Microsoft zu brechen, Apple ist sicher nicht die alleinige Antwort.
    Scheinbar haben viele Leser noch nicht verstanden was es bedeutet. Dass es nur ein großer iPod touch ist, ist scheinbar nur wenigen aufgefallen. Und was DRM wirklich bedeutet scheint auch keinem so wirklich klar zu sein. Es geht nicht darum, dass man immernoch RSS-feeds abonieren kann, wie es hier immer angeführt wird. Es geht darum, dass eine Firma darüber bestimmt, welche Datei was darf auf einem privaten Rechner. Und da geht es meier Meinung nach mehr als zu weit.

    ...es gibt sie also doch noch, die kritische Berichterstattung.

    • dcrabs
    • 06.02.2010 um 8:53 Uhr

    Danke für den Link. Das bestätigt so ziemlich genau was ich denke. So sehr ich mir wünsche die Vorherrschaft von Microsoft zu brechen, Apple ist sicher nicht die alleinige Antwort.
    Scheinbar haben viele Leser noch nicht verstanden was es bedeutet. Dass es nur ein großer iPod touch ist, ist scheinbar nur wenigen aufgefallen. Und was DRM wirklich bedeutet scheint auch keinem so wirklich klar zu sein. Es geht nicht darum, dass man immernoch RSS-feeds abonieren kann, wie es hier immer angeführt wird. Es geht darum, dass eine Firma darüber bestimmt, welche Datei was darf auf einem privaten Rechner. Und da geht es meier Meinung nach mehr als zu weit.

    ...es gibt sie also doch noch, die kritische Berichterstattung.

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