Argentinien Lügen, täuschen und behindern
Néstor und Cristina Kirchner haben mit ihrer desaströsen Wirtschaftspolitik Argentinien verarmen lassen.
© Juan Mabromata/AFP/Getty Images

Polarisierende Präsidentin: Cristina Fernandez de Kirchner bestätigt den Rauswurf des Notenbankpräsidenten Martin Redrado
Der Wirtschaftsanwalt Martin Jebsen ist jemand, den man im Einwanderungsland Argentinien einen typischen Patrioten nennt. Der 64-jährige Deutschargentinier mit hanseatisch-kühler Schlagfertigkeit empfängt in seiner noblen Kanzlei in einer Avenida nahe dem Hafen – dort, wo vor hundert Jahren Hunderttausende Immigranten aus dem armen Europa ins reiche Pampaland strömten.
Wie viele von ihnen ist auch der Spätankömmling Jebsen hier wohlhabend geworden, hat als Unternehmensberater und Jurist Hunderten von Firmen dabei geholfen, sich hier anzusiedeln. Zur 200-Jahr-Feier der argentinischen Unabhängigkeit im Mai will er dem Land etwas schenken: Mit Freunden baut der begeisterte Segler einen zweimastigen Segelschoner, 52 Meter lang und so ähnlich konstruiert wie die Schiffe, auf denen einst die Glückssucher aus Europa übersiedelten. Es soll dann ein Schulschiff werden. »Ich weiß, dass ich meinen Wohlstand diesem Land verdanke, und möchte etwas zurückgeben«, sagt Jebsen.
Doch genau betrachtet hat sein Engagement für Argentinien in den vergangenen Jahren schwer gelitten. Früher flog er bis zu sechsmal im Jahr nach Europa, um für den Standort Argentinien zu trommeln. Seit vier Jahren macht er das nicht mehr. »Noch nie wurde so viel gelogen in der Regierung wie heute«, sagt, und er kann seine Empörung kaum zügeln. »Ich kann nicht mehr mit gutem Gewissen für diese Leute reden.«
Diese Leute, damit meint er die Präsidentin Cristina Kirchner, ihren Gatten und Vorgänger Néstor Kirchner und jene fünf, sechs Leute, die das Land seit mehr als sechs Jahren regieren. Leute aus der argentinischen Wirtschaft, selbst Patrioten wie Jebsen, wollen nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Selten zuvor gab es in Argentinien einen solch tiefen Graben zwischen Wirtschaft und Regierung.
Seit einigen Wochen schockiert die Präsidentin die Businesswelt ihres Landes erneut – indem sie die Notenbank attackiert und versucht, nach deren Devisenreserven zu greifen. Erst forderte sie den Zentralbankpräsidenten auf, einen Teil dieser Rücklagen zur Schuldentilgung an das Schatzamt zu überweisen, und als er sich dann weigerte, setzte sie ihn vor die Tür. Eine Richterin hat diesen Übergriff inzwischen wieder kassiert, aber als der oberste Notenbanker an seinen Arbeitsplatz zurückkehren wollte, fand er sich dort ausgesperrt.
Das Signal an die internationalen Finanzmärkte: Argentinien wird noch länger als ernst zu nehmender Mitspieler in der Weltwirtschaft ausfallen. Seit das Land den Schuldendienst an ausländische Gläubiger vor acht Jahren einstellte, bekommt es auch keine Kredite mehr im Ausland. Die wären aber dringend nötig für Investitionen, ohne sie droht das Pampaland den Anschluss zu verlieren.
Argentinien – das von der Fläche achtgrößte Land der Erde, voller gut ausgebildeter Arbeitskräfte und Bodenschätze – wird im Augenblick links und recht von seinen Konkurrenten überholt. Die Schwellenländer sind im Schnitt viel besser durch die Weltwirtschaftskrise gekommen als die reichen Länder in Nordamerika oder Europa, und einige Nachbarn Argentiniens haben kräftig aufgeholt.
Das kleine Uruguay produziert bereits mehr Fleisch als Argentinien
Brasiliens Wirtschaftskraft ist heute mehr als sechsmal so groß wie die Argentiniens. Vor einer Dekade fühlte man sich noch auf gleicher Augenhöhe. Die Wirtschaft des kleinen Nachbarlandes Chile ist dynamischer und stabiler. Das Andenland Peru wächst sei Jahren schneller. Das bürgerkriegsgeschüttelte Kolumbien organisiert seine Wirtschaft besser. Selbst das kleine Uruguay mit sechs Prozent der Landfläche Argentiniens zieht mehr Auslandsinvestoren an und produziert mehr Fleisch als der große Nachbar. »Früher war Buenos Aires weltstädtisch und Montevideo provinziell«, beobachtet Walter Molano von der amerikanischen Investmentbank BCP Securities, die sich auf aufstrebende Volkswirtschaften spezialisiert hat. »Heute strotzt Uruguay vor Vitalität, und Argentinien versinkt im Pessimismus«.
Das ungewöhnliche argentinische Entwicklungsmodell der vergangenen Jahre funktioniert nicht mehr. Néstor Kirchner war es noch gelungen, das Land aus der tiefen Rezession von 2002 zu reißen – mithilfe eines stark unterbewerteten Pesos, um die heimische Industrie am Leben zu erhalten, und mit einer Subvention, die wiederum mit hohen Steuern auf die Agrarexporte finanziert wurde. Der Erfolg des Modells: Bis 2008 wuchs Argentinien sechs Jahre lang um fast neun Prozent jährlich. Im Krisenjahr 2009 ist die Wirtschaft um drei Prozent geschrumpft. Die Regierung hat für 2010 die »schnellste wirtschaftliche Erholung der vergangenen 30 Jahre« angekündigt, doch niemand glaubt so recht daran. Es ist bekannt, dass die Regierung die Zahlen des Statistikamts manipuliert, um Inflationsrate und Wachstum zu schönen.
Die Wahrheit ist: In den vergangenen Jahren hat trotz des hohen Wachstums kaum jemand in Argentinien investiert, auch nicht die Argentinier selbst. Sie wussten zu gut, dass Kirchner aus Argentinien eine Insel in der Globalisierung gemacht hatte: Isoliert von der Welt durch eine manipulierte Währung und empörte Gläubiger, finanziert durch die Erträge, die die hohen Sojapreise jener Jahre ins Land brachten. Sie wussten, dass die Kirchner-Jahre ihrem Land keinen tragfähigen Aufschwung gebracht hatten, der allen zugute käme. Im Gegenteil.
Die zunehmende Armut kommt immer mehr auch im mondänen Zentrum der 13-Millionen-Einwohner-Metropole Buenos Aires zum Vorschein. Wenn die Vorortzüge morgens im einst eleganten Bahnhof Retiro ankommen, dann strömen immer weniger Büroangestellte im Anzug und Kostüm aus den Waggons. Dafür ziehen Großfamilien zum Betteln und Müllsammeln von dort in die City. »Buenos Aires wirkt auf den ersten Blick europäisch«, sagt Achim Wachendörfer von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Buenos Aires. »Doch wenn man ein bisschen dran kratzt, dann kommt immer mehr die Dritte Welt zum Vorschein.«
Die größte Überraschung der vergangenen zwei Jahre war daher, dass Cristina Kirchner nicht etwa einen Modellwechsel einläutete – sondern dass sie noch viel mehr polarisierte als ihr Ehemann und Vorgänger. Die 56-Jährige legte sich sofort mit den Farmern an, denen sie mehr Ausfuhrverbote und noch höhere Zölle auferlegen wollte, um die inländische Versorgung mit Rindfleisch zu sichern und das Staatsbudget aufzufüllen.
Ein monatelanger landesweiter Farmerstreik, dem sich erstmals auch die städtischen Mittelschichten im Protest angeschlossen hatten, machte ihr einen Strich durch die Rechnung, und der Konflikt schwelt bis heute. »Der Streit Kirchners mit den Farmern ist ideologisch motiviert«, sagt der Südamerika-Experte Achim Wachendörfer. »Die Kirchners stecken fest im Freund-Feind-Schema der fünfziger Jahre.«
Der Schaden ist jedenfalls angerichtet. Die Landwirtschaft ist in Argentinien eine der wenigen Branchen, die überhaupt noch wettbewerbsfähig sind, doch jetzt investieren selbst die Farmer kaum noch. Der Lagebericht der Landwirtschaft zeigt den Abstieg deutlich: Die Farmer pflanzen fast ein Drittel weniger Mais und Weizen an als in den Vorjahren. Nur noch Soja säen die Landwirte, weil es am billigsten ist. Auch das Geld für die Rinderzucht oder die Milchwirtschaft schwindet. »Wer heute in Rinder oder Milchproduktion investiert, wird erst in drei Jahren den Gewinn kassieren«, sagt Luis Kasdorf von El Tejar, dem führenden Agrarunternehmen des Landes und einem der weltweit größten Produzenten von Mais, Soja, Weizen.
Wer kann, verkauft sein Unternehmen an brasilianische Konkurrenten
Kasdorf ist Agrarexperte – aber von einem Bauern hat der magere 50-Jährige wenig. In seinem dunklen Anzug und mit der Krawatte erinnert er eher an einen Investmentbanker. Auch sein Büro gleicht eher dem einer feinen Privatbank als dem eines Landwirtschaftsbetriebs. Es liegt im Recoletta-Viertel, wo Buenos Aires aussieht wie ein besseres Pariser Arrondissement. Kasdorfs abgespanntes Gesicht zeugt von den vielen Überstunden und Meetings der letzten Monate: mit Private-Equity-Investoren, mit Vertretern ausländischer Fonds, mit Experten für Fusionen und Übernahmen.
Der Konzern bereitet seinen Börsengang vor. Während er davon erzählt und Mate-Tee aus einer Kalebasse trinkt, schweift sein Blick immer wieder zum Bildschirm: Dort sind die Quotierungen von Chicagos Terminbörse zu sehen. Daneben eine Satellitenaufnahme von Südamerika. An den Wolkenbewegungen kann er ablesen, wie das Wetter auf dem Kontinent in den nächsten Tagen aussehen wird. Er braucht den Überblick: Von den 900.000 Hektar, die El Tejar derzeit beackert, befindet sich nur noch ein Drittel in Argentinien. Das Gros der bearbeiteten Agrarfläche des argentinischen Agrarkonzerns liegt in Brasilien und Uruguay, aber teilweise auch in Bolivien und Paraguay.
Das Dutzend großer argentinischer Agrokonzerne investiert heute wie El Tejar mehr in den Nachbarländern als im eigenen Land. Sie gehen dorthin, wo ihnen die besten Konditionen geboten werden – und nicht, wo sie zufällig Felder besitzen. Argentinien, einst die Kornkammer der Welt, muss dieses Jahr Weizen importieren.
© ZEIT Grafik
Weil die Kirchners bei den Teilwahlen zum Parlament im Juni ihre Mehrheit verloren, kämpfen sie jetzt umso brutaler ums politische Überleben. Die angeschlagene Präsidentin zapft jede Geldquelle an, die sie ausfindig machen kann. Es geht auch darum, politische Verbündete mit Zuwendungen bei der Stange zu halten. Aus dem Ausland kann das Geld nicht mehr kommen, weil Argentinien seine Kreditwürdigkeit verspielt hat, also bleiben nur ungewöhnliche Quellen.
Vor eineinhalb Jahren enteignete sie per Dekret die privaten Pensionsfonds und überschrieb der von ihr kontrollierten Rentenversicherung deren Einlagen – immerhin im Wert von 25 Milliarden Dollar. Jetzt sind die Devisenreserven dran. Was kommt als Nächstes?, fragen sich die Unternehmer. Enteignungen von Betrieben, Verstaatlichungen von Farmen wie in Venezuela unter Hugo Chávez, der sich den Kirchners politisch verbunden fühlt?
Der Regierung jedenfalls scheint niemand mehr zu trauen. Privatleute ziehen ihr Geld ins Ausland ab. Unternehmen machen das Gleiche: Ausländische Firmen wie C&A, Armani oder der Automobilzulieferer Mahle schließen oder verschwinden aus Argentinien. Wer kann, verkauft sein Unternehmen an brasilianische Konkurrenten. So wie der traditionelle argentinische Fleischkonzern Quickfood, der an den brasilianischen Konkurrenten Marfrig fiel. Zwei Dutzend argentinische Konzerne werden heute von São Paulo aus kontrolliert. »Wenn wir nicht an die Brasilianer verkauft hätten, wären wir irgendwann vom Markt gefegt worden«, sagt Luis Baumeule, Chef und Ex-Kontrolleur bei Quickfood.
- Datum 07.02.2010 - 10:43 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.02.2010 Nr. 06
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(kallewestrich.blogspot) Wie wäre es mit einem Sturz der Regierung, Mißtrauensvotum (können die wahrscheinlich gar nicht) und Schadensersatzprozesse wegen Unfähigkeit? Warnung von den US- und EU-Wirtschaftsräten?
"...bekommt es auch keine Kredite mehr im Ausland. Die wären aber dringend nötig für Investitionen..."
Die übliche neoliberale Investitionslüge. Nein, kein Land braucht ausländische Gelder. Jedes Land kann sich bei sich selbst verschulden. Und den Notenbankchef in den Ar*** zu treten ist außergewöhnlich mutig, rüttelt es doch an dem neoliberalen Grundkonsens, dass die Finanzpolitik sich nicht im Geringsten an den politischen Realitäten im Land messen lassen muss, sondern nur an den internationalen Märkten.
Dass Argentinien nach der Arg.krise ziemlich pissed war und insgesamt wohl nicht so gut auf die "Globalisierung" zu sprechen, dürfte klar sein.
"Isoliert von der Welt durch eine manipulierte Währung und empörte Gläubiger, finanziert durch die Erträge, die die hohen Sojapreise jener Jahre ins Land brachten. Sie wussten, dass die Kirchner-Jahre ihrem Land keinen tragfähigen Aufschwung gebracht hatten, der allen zugute käme. Im Gegenteil."
Ja, ja, die heiligen Gläubiger, Zins und Zinseszins sollen die Arg. für diese erwirtschaften, selbst wenn sie selbst dabei verhungern. Und manipuliert China seine Währung nicht? Sind die deswegen isoliert? Der ganze Artikel ist so platt und von den üblichen monetaristischen (Pseudo)Weisheiten durchzogen, dass mir ganz schlecht wird.
Mag ja sein, dass die Regierung unfähig ist, aber die hier beschworenen Heilsrezepte sind es mindestens genauso.
Sie sind wohl Finanzexperte, wie?
"Nein, kein Land braucht ausländische Gelder. Jedes Land kann sich bei sich selbst verschulden. Und den Notenbankchef in den Ar*** zu treten ist außergewöhnlich mutig"
Ja, das stimmt. Jedes Land kan sich bei sich selbst verschulden. Zum Preis von Inflation Rueckstaendigkeit. Wie man allen Ernstes in Zeiten der Globalisierung eine Isolation von den internationalen Maerkten wuenschen kann, ist nicht nachvollziehbar.
Der Fall Argentinien ist im Gegenteil ein Paradebeispiel, wie man sich durch internationale Isolation (s.2001) selbst schaden kann.
Ihre FOrderung, in die Unabhaengigkeit der Notenbank einzugreifen, schlaegt dem Fass dann noch den Boden aus, da das die negativen Effekte nochmla multipliziert.
Sie sind wohl Finanzexperte, wie?
"Nein, kein Land braucht ausländische Gelder. Jedes Land kann sich bei sich selbst verschulden. Und den Notenbankchef in den Ar*** zu treten ist außergewöhnlich mutig"
Ja, das stimmt. Jedes Land kan sich bei sich selbst verschulden. Zum Preis von Inflation Rueckstaendigkeit. Wie man allen Ernstes in Zeiten der Globalisierung eine Isolation von den internationalen Maerkten wuenschen kann, ist nicht nachvollziehbar.
Der Fall Argentinien ist im Gegenteil ein Paradebeispiel, wie man sich durch internationale Isolation (s.2001) selbst schaden kann.
Ihre FOrderung, in die Unabhaengigkeit der Notenbank einzugreifen, schlaegt dem Fass dann noch den Boden aus, da das die negativen Effekte nochmla multipliziert.
Sie sind wohl Finanzexperte, wie?
... interessierter Laie.
Aber du kannst mir sicher erklären, warum ein Land sich im Ausland verschulden muss? Wo doch die Banken das Geld sowieso selbst schöpfen? Imho ist das Ganze nichts weiter als eine Lüge, um die Freihandels und Kapitalfreizügigkeit weiter am Leben zu halten. Mit dieser hat man die armen Länder nämlich super im Griff, die Leute rackern sich ab wie die Idioten, und statt ihre selbst produzierten Waren selbst verkonsumieren zu dürfen, verkaufen sie sie an Euroland und USA, weil deren Währungen mehr wert sind. Ist das intelligente Politik? Jedes Land welches sich gegen diese perverse Logik stemmt, hat meine Hochachtung.
Leider reicht ein "dagegen stemmen" natürlich nicht aus, damit es den Leuten gut geht. Dazu braucht es Investitionen der Regierung, Macht über die eigene Währung, Arbeitsplatzsicherheit und soziale Absicherung, damit auch die eigenen Bürger bereit sind Kredite aufzunehmen und den Aufschwung selbsttragend zu machen. Dazu braucht es auch eine permanente von-Oben-nach-Unten Verteilung über die Steuerpolitik, sonst geht den Leuten über kurz oder lang wieder die Knete aus, weil sie von den Reichen weggespart wird. Und last-not-least muss die Regierung dafür sorgen, dass der Außenhandel ausgewogen bleibt und nicht massenweise Kapital sonstwohin wandert und das Land letztlich wieder austrocknet.
Das ist viel komplizierter und schwerer durchzusetzen, weil es weniger Leute verstehenu und weil es weniger skrupellose Profiteure gibt.
... interessierter Laie.
Aber du kannst mir sicher erklären, warum ein Land sich im Ausland verschulden muss? Wo doch die Banken das Geld sowieso selbst schöpfen? Imho ist das Ganze nichts weiter als eine Lüge, um die Freihandels und Kapitalfreizügigkeit weiter am Leben zu halten. Mit dieser hat man die armen Länder nämlich super im Griff, die Leute rackern sich ab wie die Idioten, und statt ihre selbst produzierten Waren selbst verkonsumieren zu dürfen, verkaufen sie sie an Euroland und USA, weil deren Währungen mehr wert sind. Ist das intelligente Politik? Jedes Land welches sich gegen diese perverse Logik stemmt, hat meine Hochachtung.
Leider reicht ein "dagegen stemmen" natürlich nicht aus, damit es den Leuten gut geht. Dazu braucht es Investitionen der Regierung, Macht über die eigene Währung, Arbeitsplatzsicherheit und soziale Absicherung, damit auch die eigenen Bürger bereit sind Kredite aufzunehmen und den Aufschwung selbsttragend zu machen. Dazu braucht es auch eine permanente von-Oben-nach-Unten Verteilung über die Steuerpolitik, sonst geht den Leuten über kurz oder lang wieder die Knete aus, weil sie von den Reichen weggespart wird. Und last-not-least muss die Regierung dafür sorgen, dass der Außenhandel ausgewogen bleibt und nicht massenweise Kapital sonstwohin wandert und das Land letztlich wieder austrocknet.
Das ist viel komplizierter und schwerer durchzusetzen, weil es weniger Leute verstehenu und weil es weniger skrupellose Profiteure gibt.
Dieser Artikel wirkt wie ein schwacher Widerhall des IWF und Weltbank-Tenors der vergangenen Jahrzehnte.Dazu nur ein paar Anmerkungen aus der argentinischen Geschichte:
Bis Anfang der Siebziger war Argentinien relativ wohlhabend.So konnte es sich auch etwas Protektionismus und Sozialstaat leisten.
Da sowas in der Zeit des Kalten Krieges als "kommunistisch-links" galt musste da von US-Seite dringend interveniert werden. Also gabs Unterstützung für die Etablierung einer Dikatur (die später 30.000 Oppositionelle umbrachte).
Als Gegenleistung mussten die Diktatoren nur die Märkte öffnen und die Industrie privatisieren.
Dann der übliche Kreislauf von Kapitalflucht in die Schweiz, Weltbankkrediten und weiterer Liberalisierung.
Am Ende stand der Staatsbankrott 2001 und eine Verelendung der Bevölkerung.Trotzdem sehr traurig dass Armani, C&A und co nun verschwinden.
Wer soll die Slumkinder denn nun einkleiden?
Und wenn unser werter Herr Agrarexperte Kasdorf nun seine Sojafelder doch lieber nach Brasilien verlagert, dann soll er doch bitte die lieben kleinen Subsistenzbauern grüßen, die dort dem Ausbau der Boden- und Tropenwaldverödung durch Monokulturen noch im Weg sind.
Mfg, Jan F.
... interessierter Laie.
Aber du kannst mir sicher erklären, warum ein Land sich im Ausland verschulden muss? Wo doch die Banken das Geld sowieso selbst schöpfen? Imho ist das Ganze nichts weiter als eine Lüge, um die Freihandels und Kapitalfreizügigkeit weiter am Leben zu halten. Mit dieser hat man die armen Länder nämlich super im Griff, die Leute rackern sich ab wie die Idioten, und statt ihre selbst produzierten Waren selbst verkonsumieren zu dürfen, verkaufen sie sie an Euroland und USA, weil deren Währungen mehr wert sind. Ist das intelligente Politik? Jedes Land welches sich gegen diese perverse Logik stemmt, hat meine Hochachtung.
Leider reicht ein "dagegen stemmen" natürlich nicht aus, damit es den Leuten gut geht. Dazu braucht es Investitionen der Regierung, Macht über die eigene Währung, Arbeitsplatzsicherheit und soziale Absicherung, damit auch die eigenen Bürger bereit sind Kredite aufzunehmen und den Aufschwung selbsttragend zu machen. Dazu braucht es auch eine permanente von-Oben-nach-Unten Verteilung über die Steuerpolitik, sonst geht den Leuten über kurz oder lang wieder die Knete aus, weil sie von den Reichen weggespart wird. Und last-not-least muss die Regierung dafür sorgen, dass der Außenhandel ausgewogen bleibt und nicht massenweise Kapital sonstwohin wandert und das Land letztlich wieder austrocknet.
Das ist viel komplizierter und schwerer durchzusetzen, weil es weniger Leute verstehenu und weil es weniger skrupellose Profiteure gibt.
"Dazu braucht es Investitionen der Regierung, Macht über die eigene Währung, Arbeitsplatzsicherheit und soziale Absicherung, damit auch die eigenen Bürger bereit sind Kredite aufzunehmen und den Aufschwung selbsttragend zu machen."
aber ich nehme doch keinen kredit auf, wenn ich nicht die moeglichkeit sehe das kapital so einzusetzen um spaeter mehr zu verdienen. ich hab das risiko aber keinen reward. das macht ja garkeinen sinn. warum sollte ich dann investieren? zb in moderne technik? den ausbau der firma? usw. (--> mit meinem risiko kreiere ich arbeitsplaetze).
wuerden sie schulden aufnehmen, wenn sie nicht die moeglichkeit sehen davon zu profitieren?
ich sehe ein system von dem sie sprechen als wesentlich perverser, weil es die bestraft die risiken eingehen und vor allen dingen weil der ansporn fehlt fuer diese leute risiken einzugehen. es lohnt sich halt einfach nicht....
"Dazu braucht es Investitionen der Regierung, Macht über die eigene Währung, Arbeitsplatzsicherheit und soziale Absicherung, damit auch die eigenen Bürger bereit sind Kredite aufzunehmen und den Aufschwung selbsttragend zu machen."
aber ich nehme doch keinen kredit auf, wenn ich nicht die moeglichkeit sehe das kapital so einzusetzen um spaeter mehr zu verdienen. ich hab das risiko aber keinen reward. das macht ja garkeinen sinn. warum sollte ich dann investieren? zb in moderne technik? den ausbau der firma? usw. (--> mit meinem risiko kreiere ich arbeitsplaetze).
wuerden sie schulden aufnehmen, wenn sie nicht die moeglichkeit sehen davon zu profitieren?
ich sehe ein system von dem sie sprechen als wesentlich perverser, weil es die bestraft die risiken eingehen und vor allen dingen weil der ansporn fehlt fuer diese leute risiken einzugehen. es lohnt sich halt einfach nicht....
"Dazu braucht es Investitionen der Regierung, Macht über die eigene Währung, Arbeitsplatzsicherheit und soziale Absicherung, damit auch die eigenen Bürger bereit sind Kredite aufzunehmen und den Aufschwung selbsttragend zu machen."
aber ich nehme doch keinen kredit auf, wenn ich nicht die moeglichkeit sehe das kapital so einzusetzen um spaeter mehr zu verdienen. ich hab das risiko aber keinen reward. das macht ja garkeinen sinn. warum sollte ich dann investieren? zb in moderne technik? den ausbau der firma? usw. (--> mit meinem risiko kreiere ich arbeitsplaetze).
wuerden sie schulden aufnehmen, wenn sie nicht die moeglichkeit sehen davon zu profitieren?
ich sehe ein system von dem sie sprechen als wesentlich perverser, weil es die bestraft die risiken eingehen und vor allen dingen weil der ansporn fehlt fuer diese leute risiken einzugehen. es lohnt sich halt einfach nicht....
Machen wir uns nichts vor.
So wie Argentienen gestern, heute und morgen, so wird Deutschland seit der geistig-moralischen Wende des Jahres 1982 zugrunde gerichtet. Da der bundesteutsche Wohlstand aber auf einer viel dickeren Speckschicht gegründet war, dauerte der Niedergang bis zu den heutigen nicht mehr zu übersehenden, Verslammungs-, Verarmungs-, Verelendungs- und Entbildungszuständen nur 2 Jahrzehnte länger.
Die Gesellschaftsfähigkeit und die Fähigkeit zu gesellschaftlicher Verantwortung der deutschen Wirtschafts- und Politikfunktionäre des etablierten und saturierten Bürgertums ist aber exakt auf dem Niveau, wie das in Argentien. Die Alternativlosigkeiten, von denen die "Alphatiere" immer so lauthals "grölen", ist nichts anderes als der Politdogmatismus der Stalinisten (Kommunisten) und der Nazis (Faschisten).
Hüten wir uns also vor Selbstgerechtigkeit. Bringen wir vielmehr dieser auch bei uns etablierten Bande von Lumpen besser schnell und heftig die Flötentöne bei.
Machen wir uns nichts vor.
So wie Argentienen gestern, heute und morgen, so wird Deutschland seit der geistig-moralischen Wende des Jahres 1982 zugrunde gerichtet. Da der bundesteutsche Wohlstand aber auf einer viel dickeren Speckschicht gegründet war, dauerte der Niedergang bis zu den heutigen nicht mehr zu übersehenden, Verslammungs-, Verarmungs-, Verelendungs- und Entbildungszuständen nur 2 Jahrzehnte länger.
Die Gesellschaftsfähigkeit und die Fähigkeit zu gesellschaftlicher Verantwortung der deutschen Wirtschafts- und Politikfunktionäre des etablierten und saturierten Bürgertums ist aber exakt auf dem Niveau, wie das in Argentien. Die Alternativlosigkeiten, von denen die "Alphatiere" immer so lauthals "grölen", ist nichts anderes als der Politdogmatismus der Stalinisten (Kommunisten) und der Nazis (Faschisten).
Hüten wir uns also vor Selbstgerechtigkeit. Bringen wir vielmehr dieser auch bei uns etablierten Bande von Lumpen besser schnell und heftig die Flötentöne bei.
Machen wir uns nichts vor.
So wie Argentienen gestern, heute und morgen, so wird Deutschland seit der geistig-moralischen Wende des Jahres 1982 zugrunde gerichtet. Da der bundesteutsche Wohlstand aber auf einer viel dickeren Speckschicht gegründet war, dauerte der Niedergang bis zu den heutigen nicht mehr zu übersehenden, Verslammungs-, Verarmungs-, Verelendungs- und Entbildungszuständen nur 2 Jahrzehnte länger.
Die Gesellschaftsfähigkeit und die Fähigkeit zu gesellschaftlicher Verantwortung der deutschen Wirtschafts- und Politikfunktionäre des etablierten und saturierten Bürgertums ist aber exakt auf dem Niveau, wie das in Argentien. Die Alternativlosigkeiten, von denen die "Alphatiere" immer so lauthals "grölen", ist nichts anderes als der Politdogmatismus der Stalinisten (Kommunisten) und der Nazis (Faschisten).
Hüten wir uns also vor Selbstgerechtigkeit. Bringen wir vielmehr dieser auch bei uns etablierten Bande von Lumpen besser schnell und heftig die Flötentöne bei.
Ich kann zu der vorherigen Auseinandersetzung zwar wenig beitragen, aber manchmal habe ich doch den Eindruck, dass wir bei aller berechtigten Kritik an unserer Politik in Deutschland noch auf einer Insel der Glückseeligen leben. Man kann den argentiniern nur wünschen, dass man zu einer nachhaltigen Staatsfinanzierung zurückkehrt. Unabhängig ob Inlands- oder Auslandsverschuldung - bezahlen muss eh immer die jüngere Generation. Ich hoffe, dass uns die Finanzkrise gelehrt ´hat - egal ob Unternehmen, Staat oder Privathaushalt: Wer von Verschuldung lebt, der wird irgendwann untergehen (übrigens - auch der Kommunismus ist an seiner Auslandsverschuldung zu Grunde gegangen: Außer Rumänien, das ist nämlich an der Rückzahlung seiner Auslandsverschuldung zu Grunde gegangen....) Man kann nur hoffen, dass der Kapitalismus es besser macht.....
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