ZEITmagazin Autotest Schneetour im Schleudergang

Ralph Geisenhanslüke fährt den BMW X5 xDrive30d

Der BMW X5. Im Berliner Winter ist er ziemlich unterfordert, aber zumindest bilden sich dann typgerechte Schlammkrusten

Der BMW X5. Im Berliner Winter ist er ziemlich unterfordert, aber zumindest bilden sich dann typgerechte Schlammkrusten

Vor ein paar Jahren galt der BMW X5 als eines der meistgeklauten Autos der Welt. Schlagzeilen machte der Fall des Fußballers David Beckham, dessen X5 aus einer Madrider Tiefgarage verschwand und als Dienstfahrzeug der Innenministerin von Makedonien wieder auftauchte. Er war bei einer Razzia gegen einen Menschenhändlerring beschlagnahmt worden. Es wäre unangebracht, hier bestimmte Nationalitäten in Verbindung mit dieser informellen Art des Warenverkehrs zu bringen. Aber eines kann ich bestätigen: In unwegsamen Gegenden lernt man den X5 schätzen.

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Zwölf Grad unter null. Dieser Winter in Berlin sieht aus, als sei er von dem Katastrophenfilmer Roland Emmerich inszeniert worden. Es sind unerbittliche Wochen ohne Sonnenlicht, schwarze Eisklumpen überziehen die Stadt. Zu Anfang der aktuellen Kälteperiode, der Schnee war noch weich und weiß, die Menschen schaufelten ihre Autos lachend frei wie in einem skandinavischen Kinderfilm, fuhr ich mit Wonne mitten durch die riesigen Haufen. Der X5 pflügte durch den Schnee wie ein Wildschwein durch den Waldboden. In Berlin braucht man keinen Schlamm aus der Spraydose, wie ihn manche SUV-Fahrer in aufgeräumteren Städten angeblich auftragen, um Offroad-Einsatz vorzutäuschen. In Berlin gibt es noch echten Dreck. Schon am zweiten Testtag sah die Welt durch die Linse der völlig verkrusteten Rückfahrkamera aus wie nach einem Reaktorunfall. Der X5 verbrauchte mehr Scheibenreiniger als Diesel. Hinter dem beheizten Lenkrad aber fühlte ich mich wie einer dieser anachronistischen Filmtypen, die, wenn der Abspann läuft, dem Horizont entgegenfahren.

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Vor dem Olympiastadion gibt es einen riesigen Parkplatz. Dort treffen sich bei Schnee Autofahrer, um das zu tun, was Amerikaner driving donuts nennen. Man schleudert im Kreis herum. Einfach so. Aus Bock. Als ich dies tat, mit abgeschaltetem Stabilitätsprogramm und jauchzenden Beifahrern, bemerkte ich, dass sich meine Perspektive verändert hatte. Hatte ich nicht schon mitleidig auf andere Fahrer herabgeblickt, die durch mühsam freigekratzte Scheiben blinzelten? Ich überlegte, ob man für eine programmierbare Sitzheizung die mit dem Fahren von SUVs einhergehende Sozialächtung in Kauf nehmen könnte. Würde sie an mir abprallen wie ein Keiler an der Stoßstange? Vielleicht, so dämmerte mir, war Beckhams X5 am Ende gar nicht geklaut worden. Vielleicht hatte er nur einen anderen Fahrer gesucht. Dieser Wagen braucht jemanden mit Dreck an den Stiefeln.

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor

 
Leser-Kommentare
  1. ...von ZEIT-Autoren, bewußt Artikel online zu stellen, deren einziger Sinn und Zweck zu sein scheint, Fragen nach dem Sinn und Zweck dieser Artikel zu provozieren ;-)

    • gwarth
    • 03.02.2010 um 13:10 Uhr

    Wirklich?

    Super! :-)

  2. Sie wollten also nur oft genug "BMW X5" sagen. Gibt es dafür Prämie.
    Ansonsten "Lenkradheizung"? Das ist mal Pussy, Sie wissen das.
    Ein Auto was wie eine schwarze, geschmolzene Käsescheiblette aussieht...ist kein Auto.

    Ich dachte einen Moment lang ich bin auf dem ADAC Blog oder BILD.

    • ripuli
    • 03.02.2010 um 22:48 Uhr

    Also jetzt mal im Ernst:

    Kann es wirklich angehen, daß es immer noch Leser dieser Artikel gibt, die sich über "zu wenig Informationen" aufregen?
    Wenn Sie etwas über den BMW X5 (1) erfahren möchten, dann gehen Sie zu einem BMW Händler Ihres Vertrauens und lassen sich da von qualifiziertem und dafür ausgebildetem Personal den BMW X5 (2) erklären.
    Oder aber Sie kaufen sich eine der zahlreichen Fachzeitschriften zum Thema Auto. Die können Sie - je nach Beruf - sogar von der Steuer absetzen.

    Ansonsten bleibt mir nur zu sagen, daß der Artikel über den BMW X5 (3) in der Tat etwas abrupt endet.
    Aber ansonsten eine sehr schöne Betrachtung des Aspektes "Das Auto verändert den Fahrer".

    So, die Zahlen in den Klammern zeigen, dass ich nun doch tatsächlich 3 Mal BMW X5 geschrieben habe... wie kommt das nur?
    Ach ja, in dem Artikel geht es um einen BMW X5!
    Jetzt sind es schon 5 Mal...

    Die Zeit ist für Artikel über Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur bekannt - nicht für fachgerechte Artikel über Fahrzeuge.
    Hier geht es ausschließlich um die Betrachtung des Themas aus der subjektiven Sicht eines Individuums - dem Autor.
    Darum sind es ja auch immer ausschließlich Artikel über ein Auto, nicht etwa ein Vergleich oder ein (Dauer-)Test oder sonst was.

    Mit freundlichen Grüßen,
    F.

    PS: "Das ist mal Pussy"... sehr schöne Ausdrucksweise, r0llinger -.-

    • ADoria
    • 04.02.2010 um 0:34 Uhr

    haben Sie schon einmal daran gedacht, den BMW X5 zu tanzen. Ich empfehle als Darbietungsform den Modernen Ausdruckstanz. Alternativ können Sie natürlich auch auf eine pantomimische Darstellung ausweichen.

    • ADoria
    • 04.02.2010 um 0:35 Uhr

    haben Sie schon einmal daran gedacht, den BMW X5 zu tanzen. Ich empfehle als Darbietungsform den Modernen Ausdruckstanz. Alternativ können Sie natürlich auch auf eine pantomimische Darstellung ausweichen.

    • 2eco
    • 04.02.2010 um 13:23 Uhr

    Also ich muss sagen das ist einer der Besten Auto-Artikel(bzw -Kolumnen), die ich in letzter Zeit gelesen habe,.

    Mithilfe des witzigen Schreibstils auf der Suche nach dem Sinn dieses Fahrzeugs. Letztendlich hat der Autor recht: solche Autos werden fast nur von Möchtegern-Großstadtcowboys gefahren - schade! Der X5 hat was besseres verdient.

    Und das ganz ohne Klima-Killer-Argumente. Sehr gut!
    Wie ripuli schon geschrieben hat: Wer sich über mangelnde Informationen beschwert soll die AutoBild lesen. Ich bin froh, dass man hier solche Artikel findet, denn so etwas bekommt man fast nirgendwo zu lesen.

    Noch was zum Design des Autos, das ist natürlich Geschmackssache, aber ich finde der X5 sieht viel stimmiger aus, als ein Audi Q7 oder eine Mercedes M-Klasse. Der neue BMW X1 setzt designtechnisch noch eins oben drauf.

    • luccas
    • 08.02.2010 um 22:44 Uhr

    2eco schrieb:
    "...das ist einer der Besten Auto-Artikel(bzw -Kolumnen), die ich in letzter Zeit gelesen habe"

    Dann lesen`s halt mal mehr.
    Ein Artikel im Jahr reicht nicht.

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