Ausgerechnet Ackermann! Als der Vorstandschef der Deutschen Bank vor exakt einem Jahr seine Geschäftszahlen in Frankfurt präsentierte, erlebte das Publikum im Hermann-Josef-Abs-Saal eine Premiere. In der Jahresbilanz des größten deutschen Kreditinstituts stand ein Minus. Das war noch keinem seiner Vorgänger passiert.

Der Spitzenbanker, der aus dem biederen Institut einen aggressiven globalen Finanzkonzern geschmiedet hat (siehe Grafik), hatte ein Problem.

Am Donnerstag dieser Woche stellt Ackermann die neuesten Zahlen der Deutschen Bank vor. Und alles ist wieder so, wie es sein sollte. Die Deutschbanker haben im vergangenen Jahr Milliarden verdient, vor allem im Geschäft mit Aktien, Anleihen und Derivaten. Im Investmentbanking also, so wie es Josef Ackermann vorhergesehen hatte. 

Doch genau deswegen hat Ackermann immer noch ein Problem.

Schließlich hat der Staat Milliarden in die Bankenrettung investiert, stellt die Zentralbank den Instituten das Geld quasi zum Nulltarif zur Verfügung. Hohe Gewinne gelten da nicht als Resultat unternehmerischer Spitzenleistung, sondern als Ausdruck einer Selbstbereicherung auf Kosten der Allgemeinheit. So entwickelt die Finanzkrise ihre ganz eigene Dialektik: Je mehr Geld das Kreditgewerbe verdient, desto stärker wächst die Wut auf die Bankenbosse. Und desto lauter werden die Rufe nach strengeren Regeln.

Bis vor Kurzem haben die Regierungen diese Rufe ignoriert. Die Regulierung wurde internationalen Expertengremien überlassen, die sich seit Monaten einen erbitterten Kampf mit den Lobbyisten des Finanzgewerbes liefern. Ob die neuen – intern nach dem Sitz der wichtigsten Regulierungsgremien Basel III genannten – Finanzregeln wie geplant bis 2012 in Kraft treten können, ist deshalb offen.

Derweil wachsen bei den Banken neue Probleme heran. Sie seien noch risikofreudiger geworden, weil sie sich einer Rettung durch den Staat im Fall eines Scheiterns nahezu gewiss sein könnten, warnte unlängst der Generalinspektor für die Bankenrettung in den USA, Neil Barofsky. Die Politik, folgert Dominique Strauss-Kahn, der Direktor des Internationalen Währungsfonds, dürfe nicht warten, bis das "Konklave der Aufseher" beendet sei.

Barack Obama hat ihn erhört. Der US-Präsident will nicht bloß den Banken die Kosten für die eigene Rettung per Sonderabgabe aufdrücken. Er bereitet auch die Zerschlagung der großen Kreditinstitute in traditionelle Kreditbanken und Investmenthäuser vor. Und Obama steht nicht allein: In Großbritannien besteuert Premierminister Gordon Brown die Bankerboni, sein konservativer Rivale David Cameron liebäugelt mit Obamas Konzept. In Deutschland sollen die Institute nach den Vorstellungen der Union in einen Rettungsfonds einzahlen, der im Krisenfall ihre Abwicklung übernimmt.

Obama, Brown – da mag Staatspräsident Nicolas Sarkozy nicht nachstehen. Vergangene Woche plädierte der Franzose auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos für eine grundlegende Reform des Weltfinanzsystems. Sarkozy hatte etwas Bedrohliches, als er sich in knappen Sätzen und mit aggressiver Gestik an die Weltelite der Manager wandte. Seine Botschaft: Nie wieder! Schluss mit der Zockerei und mit dem Größenwahn, Schluss mit der Gefährdung der Wohlfahrt von Normalbürgern.

Jetzt sind es die Politiker und nicht mehr die Technokraten, die den Ton angeben.