Ein Nutzer testet den iPad: Auf der Präsentation des neuen Geräts, Ende Januar in San Francisco © Justin Sullivan

1. Wie bereiten sich deutsche Verlage auf das iPad vor?

Das Vorstandsmitglied Andreas Wiele war bei der Präsentation des neuen Apple-Gerätes in San Francisco dabei und schwärmte hemmungslos in der hauseigenen Bild: »Ich habe das iPad in der Hand gehabt.« Vom »Universalgenie« ist in dem kleinen Text die Rede. Seit einigen Wochen verkauft Springer bereits digitale Ausgaben von Bild und Welt auf dem Mobiltelefon von Apple, dem iPhone. Ähnliches will man nun mit speziell für das iPad entwickelten Versionen probieren. Die Annahme dahinter: Nachrichten sind im Netz weiterhin kostenlos verfügbar. Dagegen werden Nutzer bereit sein, für »besonders aufbereitete Inhalte« (Springer) Geld zu bezahlen. Im Idealfall Monat für Monat, im Abonnement.

»Wir stehen Gewehr bei Fuß, um unsere Anwendungen auch auf diese neue Plattform zu bringen«, sagt Frank-H. Häger, Vorstand für elektronische Medien bei der Ganske Verlagsgruppe ( Merian, Feinschmecker ). Der Erfolg der bisherigen Apple-Produkte lasse vermuten, dass es ein großer Erfolg werde, sagt Daniel Puschmann, Manager in einer Digitalabteilung des Bauer Verlags ( TV Movie, Bravo ). Man wolle zwar erst genau prüfen, ob das iPad als Geschäftsmodell funktioniere, führe aber bereits Gespräche mit Apple. Aus anderen Verlagshäusern, die ihr Geld nach wie vor hauptsächlich mit dem Vertrieb von gedruckten Medien verdienen, ist ähnlich Optimistisches zu hören. Ulrich Hegge, ein Internetpionier, der heute für den Burda-Verlag ( Bunte, Focus ) eine Innovationsabteilung leitet, sagt, man stehe erst ganz am Anfang einer »neuen Ära«.

Ein Verlagsmanager, der nicht zitiert werden möchte, ist sicher: Gäbe es erst einmal ein vernünftiges Lesegerät und dazu passende Medienangebote, »wird es kaum noch einen Grund geben, Magazine in gedruckter Form zu verkaufen«. Das iPad könnte das erste solche Gerät sein.

Die Mehrzahl der deutschen Medienhäuser will mit Apple, Amazon und anderen US-Konzernen zusammenarbeiten – erheblicher Nachteile zum Trotz. Derzeit müssen Verlage an Amazon etwa 70 Prozent und an Apple 30 Prozent vom Umsatz abgeben. Amazon behält sich zudem vor, den Preis mitzubestimmen. Die Kundendaten bleiben, von Ausnahmen abgesehen, ebenfalls bei den Amerikanern. Missfällt Apple der Inhalt eines Angebots, kann es dieses kurzerhand stoppen. Und das ist auch schon vorgekommen.

2. Was tun Verlage, um von Apple unabhängig zu bleiben?

Bertelsmann versucht, seinen eigenen Weg zu gehen. Gemeinsam mit dem Deutschen Pressevertrieb (DPV), einer Tochter des hauseigenen Verlags Gruner+Jahr, entwickelt das größte deutsche Medienunternehmen gerade eine eigene digitale Vertriebsplattform, an der sich möglichst viele Verlage beteiligen sollen. Das Konzept sieht vor, dass Nutzer auf einer Internetseite Artikel und Informationen auf ihre elektronischen Lesegeräte laden können, unabhängig vom Gerätetyp. Die Plattform soll noch in diesem Jahr starten. Das Ziel sei es, ein eigenes »attraktives Markenumfeld« zu schaffen, sagt die DPV-Frau Suntka von Halen. Und selbstverständlich behielten die teilnehmenden Verlage die Kontrolle über ihre Kundendaten. An ähnlichen Modellen arbeiten die Deutsche Post und der Telekommunikationskonzern Vodafone. Der US-Medienkonzern Hearst entwickelt nicht nur eine Software, sondern bringt Ende des Jahres auch ein eigenes Lesegerät namens Skiff auf den Markt. Vergleichbares plant in Deutschland nur die WAZ-Gruppe.