Die Schülerzeitung "Umlauf" Das Blatt bin ichSeite 3/3
Zeitung machen, das ist nach Eichlers Meinung nicht mit dem Klingeln vorbei. Auch für ihn nicht: Um sich zu schulen, verbrachte er seine Sommerferien einmal als Text-Praktikant in einer Werbeagentur. Als Nummer eins auf seinem Telefon war jahrelang nicht die Nummer seiner Freundin, sondern die des Umlauf - Chefredakteurs gespeichert.
»Trotzdem wollte ich immer nur Lehrer sein – nicht Journalist«, sagt er, »einer, der trotz aller Härte ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Schülern hat.« Redakteuren, die in der Schule auf der Kippe standen, rettete er schon mal die Versetzung, oder er rief unverhofft bei Exfreundinnen an, um zu vermitteln.
Hatte er die Redaktion für sich gewonnen, schrieben sie ihm Texte über Drogenkonsum an der Schule, gekaufte Hausaufgaben, die Qualität des Schultoilettenpapiers, über Aussiedler und den Alltag von misshandelten Frauen. Von Eichlers Perfektion und seiner Motivation ließen sich Generationen von Schülerzeitungsredakteuren anstecken. Die heikelsten Themen drückte er bei der Schulleitung durch. Das war der Deal. Als eine Geschichte über Alkoholismus im Lehrerzimmer erschien, musste er beim Schulamt zum Rapport. Manche haben ihn dafür geliebt. Einige seiner ehemaligen Redakteure schreiben heute für ZEIT, stern und Spiegel . »Ich wollte mit Schülern immer Journalismus machen und keine Besinnungsaufsätze schreiben«, sagt Eichler.
Er hat aus seiner Zeitung eine kleine Firma mit Haltung gemacht. Er machte Umlauf TV und Umlauf online . Vor zehn Jahren wollte er schon einmal aufhören – nun ist wirklich Schluss: Wie soll einer, der noch einen Plattenspieler benutzt, die Themen einer ihm fremden Generation setzen? »Ich verstehe die Schüler nicht mehr.« Die Witze und das, was sie ständig mit ihren Handys machen, sind ihm fremd. Wenn er weiter Zeitung mache, beginne er, die Schüler zu belehren, anstatt sie zu bewegen.
Vergangenes Jahr standen im Impressum noch 27 Namen, in der aktuellen Nummer ist es nur noch knapp die Hälfte. »Ich bin da kompromisslos. Wer nicht mehr zum Umlauf passt, sollte gehen«, sagt Eichler. Jetzt geht er selbst.
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- Datum 09.02.2010 - 06:57 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.02.2010 Nr. 06
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Ein wunderbarer Artikel über einen wunderbaren engagierten Lehrer. So musz Schule sein. Dann lernt man auch fürs Leben!
Es sollte lauten: Lernen für's Leben > In der Schule? Sehr selten, leider!
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